Ellengard und Marc kennen sich schon seit der Schulzeit. Bereits 2013 haben sie standesamtlich geheiratet. Es gab eine Feier mit Familie und engen Freunden. Eine kirchliche Trauung haben sie damals nicht folgen lassen, wohl auch, weil die religiösen Hintergründe unterschiedlich waren. Marc ist in einer freien evangelischen Gemeinde groß geworden, während Ellengard aus einer katholischen Familie stammt. Mit ihrer Tochter besuchen sie im Laufe der Jahre verschiedene Kirchen und Gottesdienste. „Sie sollte sich selbst entscheiden“, sagt Ellengard Seitz. Sie geht auch auf eine christliche Schule, kommt schließlich in Kontakt mit der evangelischen Ortsgemeinde, wird dort getauft und konfirmiert. Die Begegnungen dort hinterlassen auch bei den Eltern Eindruck. „Die Pfarrerin, ihre offene Art – das hat mir sehr gefallen“, berichtet Ellengard. Sie singt inzwischen selbst in Kantorei und Gospelchor mit.
Am 25. Mai 2025 sind die Erinnerungen an die Konfirmation der Tochter noch frisch. Und Marc Seitz erinnert seine Frau an seinen Vorschlag: „Was ist jetzt: wollen wir oder nicht?“ Ellengard erkennt, dass es ihm wirklich ernst ist. Sie ruft die Pfarrerin an und verabredet einen Termin. Zu zweit machen sie sich auf den Weg. Im Vorgespräch, beim Aussuchen der Musik „machten wir uns noch einmal Gedanken, warum wir es tun“, sagt Ellengard Seitz. Getraut werden sie auf dem Kirchhof in Dörnigheim, direkt über dem Mainufer gelegen. Sehr persönlich, doch auch getragen von Gemeinschaft. „Es gab die unterschiedlichsten Leute, von der Jeans bis zum Brautkleid war alles vertreten“, erinnert sich Ellengard Seitz. Es habe eine „unspektakuläre Leichtigkeit“ geherrscht. „Es musste nicht perfekt sein.“ Für das Paar war die spontane kirchliche Trauung ein erneutes Bekenntnis zueinander, eine Bestätigung ihrer langen Verbindung, „ein Moment, nur für uns zwei“. Dafür tritt Ellengard Seitz sogar in die evangelische Kirche über – denn Voraussetzung, um sich trauen zu lassen, ist, dass mindestens ein Partner Kirchenmitglied ist. „Für mich eine einfache Sache“, sagt Ellengard Seitz. „Inzwischen bin ich in der Gemeinde angedockt.“
Jörg Echtler