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25 Jahre Flughafenseelsorge in Düsseldorf: Zuhören zwischen Ankunft und Abschied – EKD


Angefangen hat die seelsorgende Arbeit am Düsseldorfer Flughafen im Jahr 2001. Damals trat Pfarrerin Antje Reichow ihren Dienst an, erzählt sie im Sondernewsletter der Flughafenseelsorge. Als erste Flughafenseelsorgerin vor Ort  begann sie zunächst ohne eigenes Büro und weitgehend allein. Dass es Flughafenseelsorge in Deutschland überhaupt gab, habe sie damals selbst erst neu entdeckt. Motivation für ihre Arbeit sei von Anfang an die Nähe zu den Menschen und ihren Geschichten gewesen. Ihre „Liebe zu den Menschen, ihre schönen und auch traurigen Geschichten“ – das sei immer ihre Motivation für ihre Arbeit gewesen, so Reichow in dem Newsletter.

Seelsorge verstehe sie als ganzheitliche Begleitung, bei der die Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebenssituation im Mittelpunkt stehe. Orientierung gebe ihr dabei unter anderem die biblische Geschichte vom barmherzigen Samariter. Ziel sei es, Menschen in belastenden Situationen zu stärken und ihnen zu helfen, wieder handlungsfähig zu werden.

Anschläge vom 11. September prägend für die Flughafenseelsorge

Wenige Tage nach ihrem Dienstbeginn erlebte Reichow die Folgen des Terroranschlags vom 11. September in New York. Die Atmosphäre am Flughafen beschreibt sie im Sondernewsletter als von Angst und Fassungslosigkeit geprägt. Gerade in dieser Ausnahmesituation habe sich gezeigt, wie wichtig seelsorgliche Präsenz sei. Sie habe „versucht zu erfassen: Wer braucht jetzt was?“, erinnert sie sich. Sie habe versucht, auszuloten, wem sie Stabilität und Sicherheit geben könnte. 

Aus den Anfängen entwickelte sich nach ihren Worten rasch ein Netzwerk aus Haupt- und Ehrenamtlichen sowie Partnern aus Notfallseelsorge, Flughafenbetrieb und internationalen Kontakten. Ein wichtiger Schritt sei der Aufbau eines Ehrenamtskonzepts gewesen. Die erste Ausbildungsgruppe habe aus 15 Personen bestanden.

Heute sei die Flughafenseelsorge fest etabliert und ökumenisch ausgerichtet, bilanziert Reichow. Zugleich hätten Digitalisierung, gesellschaftliche Krisen und veränderte Reisegewohnheiten die Arbeit in den vergangenen Jahren spürbar verändert.

Besonders prägend seien die Begegnungen mit Menschen geblieben. Oft zeige sich, dass hinter scheinbar alltäglichen Situationen tiefere Geschichten stehen – Geschichten von Verlust, Erinnerung und persönlichen Entscheidungen.

Diese Erfahrungen machen für Reichow den Kern der Seelsorge aus: präsent sein, zuhören und den Menschen in seiner jeweiligen Situation ernst nehmen.

Text: epd / mit Material aus dem Sondernewsletter der Flughafenseelsorge Düsseldorf