Samstagvormittag, es regnet. Auf dem Marktplatz in Groß-Gerau sind die Marktstände aufgebaut. Dem Wetter zum Trotz ist einiges los. Neben dem Markt haben auch die Geschäfte noch geöffnet, die Cafés sind gut besucht. Schnell werden noch Einkäufe erledigt oder Besorgungen gemacht. Für die meisten Menschen beginnt nun das Wochenende, die arbeitsfreie Zeit, die sie sich selbst einteilen und gestalten können. Zeit für eine kleine Straßenumfrage unter Passanten.
„Der Sonntag ist mir sehr wichtig“, unterstreicht Karin Krämer. Sie kommt gerade aus einem Schreibwarengeschäft. Arbeiten müsse sie am Wochenende nicht. Dennoch möchte sie betonen, dass sie dankbar sei, dass es Menschen gäbe, die dies Wochenende tun, beispielsweise im Krankenhaus oder in der Pflege. „Der Sonntag ist für mich ein Tag, der mit Ritualen verbunden ist“, sagt eine andere Frau. Sie nutze diesen Tag, um mit einer Freundin laufen zu gehen, auf die Woche zurück- und auf die kommende Woche vorauszublicken. Für sie sei der Sonntag unverzichtbar. Mahlzeiten mit der Familie und vor allem gemeinsame Zeit, dafür steht für Frau Tausend der Sonntag. Die ganze Woche sei immer viel los: Eltern arbeiten, Kinder sind in der Schule oder der Kita, gefolgt von Freizeitaktivitäten am Nachmittag. „Sonntag ist der eine Tag, an dem man sich wirklich auf sich und die Familie konzentrieren kann. Er ist so wichtig!“, unterstreicht sie.
Wie sieht ein klassischer Sonntag bei den Passanten aus?
„Sonntags ist bei uns der Familientag, an dem wir morgens alle zusammen ins Hallenbad gehen“, berichtet Karin Krämer weiter. Das gemeinsame Mittagessen gehöre dabei genauso zu ihrem Sonntag wie der Tatort am Abend. „Ich bin jetzt Konfirmand und gehe sonntags in die Kirche“, erzählt ein Jugendlicher. Wenn er von dort zurückkomme, werde zuhause bereits gekocht. Zum gemeinsamen Mittagessen kommen sogar die Großeltern. Oft unternehme die Familie dann einen Ausflug oder entspanne einfach zuhause. „Der Sonntag ist für uns ein wunderschöner Freizeittag mit der Familie“, erzählt auch Sylvia Tausend. Ein gemeinsames Frühstück, Entspannung, Mittagessen und vielleicht ein Ausflug – so sehe ihr freier Sonntag typischerweise aus. Für Herrn Kilian ist der Sonntag ein Tag, den er gerne in der Natur verbringe. Nach einem Frühstück mit seiner Frau unternehmen die beiden gerne eine Wanderung- oder Radtour. Das Mittagessen falle meist aus, wenn sie unterwegs sind. Dafür machen sie es sich abends dann gemütlich. „Ich gehe jeden Sonntagmorgen mit meinem Freund laufen“, erzählt Jürgen Gütlich. Das Laufen sei allerdings nebensächlich. Das Schwätzchen während der Runde sei wichtig.
„Der freie Sonntag ist für uns Straßenmusiker ein schöner Tag“, erzählt eine Dame, die mit ihrem Mann vor einem Supermarkt sitzt und Cello spielt. „Wir spielen sonntags für die Menschen, die frei haben“. Das erfreue sie besonders: den Menschen, die über die Woche hinweg arbeiten, am Sonntag mit der Musik eine Freude zu schenken.
Viele sind dankbar für den arbeitsfreien Sonntag. Sie nutzen ihn vor allem, um gemeinsame Zeit mit der Familie zu verbringen und zur Erholung vom stressigen Alltag der Woche. Feste Rituale gehören für sie zu diesem besonderen Wochentag.
Umfrage und Text: Franziska Weiß