Grenzen wahren in der Seelsorge
Gerade weil Seelsorge zweckfrei ist, kommt dem respektvollen Umgang mit Grenzen eine besondere Bedeutung zu. „Wenn jemand sagt, darüber möchte ich nicht sprechen, dann akzeptiere ich das“, sagt der erfahrene Seelsorger. Ein Thema müsse nicht vertieft werden, es dürfe auch stehen bleiben.
An dieser Stelle sieht er die klare Grenze: „Seelsorge ist keine Therapie“, betont Christian Wiener. Es gehe nicht darum, etwas aufzuarbeiten oder zu lösen, sondern darum, für den Menschen da zu sein und zuzuhören. Dennoch zeigt sich häufig, dass die Beschäftigung mit der Vergangenheit Perspektiven für die Zukunft öffnet.
Seelsorge nimmt die Themen auf, die angesprochen werden. Das kann, muss aber nicht unbedingt eine Krise sein. „Es gibt Menschen, die erzählen zum Beispiel von ihrer Hochzeit und das sehr fröhlich“, berichtet der Pfarrer.
Geschichten, die bleiben
Die Menschen, die Christian Wiener begleitet, blicken teilweise auf ein sehr langes Leben zurück. „Wir sprechen hier von Hochaltrigkeit, ab etwa 80 Jahren“, konkretisiert er. Neben den fröhlichen Geschichten gibt es immer wieder auch tragische Geschichten oder Erlebnisse, von denen die Menschen in dieser Altersgruppe berichten. Krieg und Flucht, sind Themen, die diese Generation erlebt hat. „Manches kommt wieder hoch“, erklärt Christian Wiener.
Auch nach vielen Jahren als Pfarrer und Seelsorger gehen ihm die Geschichten teilweise nahe, die Menschen ihm anvertrauen. Halt findet Wiener in seinem Glauben: „Ich bin vom Glauben getragen“, sagt er. Er sehe in den seelsorgerischen Gesprächen eine weitere Dimension.