{"id":1232,"date":"2020-05-07T11:04:37","date_gmt":"2020-05-07T11:04:37","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/05\/07\/die-evangelische-kirche-hatte-die-waechterfunktion-gegenueber-dem-ns-staat-nicht-wahrgenommen-ekd\/"},"modified":"2020-05-07T11:04:39","modified_gmt":"2020-05-07T11:04:39","slug":"die-evangelische-kirche-hatte-die-waechterfunktion-gegenueber-dem-ns-staat-nicht-wahrgenommen-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/05\/07\/die-evangelische-kirche-hatte-die-waechterfunktion-gegenueber-dem-ns-staat-nicht-wahrgenommen-ekd\/","title":{"rendered":"\u201eDie evangelische Kirche hatte die W\u00e4chterfunktion gegen\u00fcber dem NS-Staat nicht wahrgenommen\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>Nach dem Krieg wollte die evangelische Kirche mit dem Stuttgarter Schuldbekenntnis[HC1] \u00a0vom Oktober 1945 einen Schnitt machen und bekannte sich zu einer Mitschuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus. War das glaubw\u00fcrdig?<\/em><\/p>\n<p>Das ist ein schwieriger Punkt. In der Forschung gab es eine gro\u00dfe Diskussion, ob das Kriegsende \u00a0ein wirklicher Neuanfang war oder zu einer Fortschreibung alter Verh\u00e4ltnisse f\u00fchrte. Nach Kriegsende wurde erkannt: Man hatte die W\u00e4chterfunktion gegen\u00fcber dem NS-Staat nicht wahrgenommen. Au\u00dferdem war man innerhalb des Protestantismus in der NS-Zeit gespalten in eine Vielzahl von Gruppierungen. Das waren Altlasten, die man in die neue Zeit mit hin\u00fcbernahm. Und schlie\u00dflich stand man vor der Schuldfrage.<\/p>\n<p>Schon im August 1945 traf sich die erste evangelische Kirchenkonferenz im hessischen Treysa, um ein kirchenleitendes Gremium zu etablieren. Die erste Kundgebung dort trug den Titel \u201eVerantwortung f\u00fcr das \u00f6ffentliche Leben\u201c. Man sp\u00fcrte bei den kirchlichen Protagonisten das Versagen in der NS-Zeit und wollte ab sofort bewusst Verantwortung \u00fcbernehmen. Man fragte nach einem neuen Verh\u00e4ltnis von Religion, Kirche und Politik. Die evangelischen Akademien und drei gro\u00dfe evangelische Wochenzeitungen gehen auf diese Initiative zur\u00fcck. In diese Reihe geh\u00f6ren das Kirchliche Hilfswerk und auch ab 1949 der Kirchentag. Man wollte aus der Vergangenheit lernen und sah sich nunmehr als Verantwortung \u00fcbernehmender Akteur innerhalb des neu entstehenden demokratischen Staates.<\/p>\n<p><em>Wie ging die Kirche mit der Schuldfrage um?<\/em><\/p>\n<p>Die Stuttgarter Schulderkl\u00e4rung ist als Neuanfang zu werten. Denn erstmals bekannte die evangelische Kirche in Gestalt des Rates der EKD ihre Mitschuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus. Das markierte eine Z\u00e4sur, die man allerdings auch nicht glorifizieren darf. Man hatte von Seiten der \u00d6kumene von den Deutschen ein Wort zur Schuld erwartet, das hatten die Vertreter der evangelischen Kirche in Stuttgart geliefert. Problematisch war, dass das Bekenntnis zur Schuld recht unspezifisch geblieben war und nicht klar zwischen pers\u00f6nlicher, kirchlicher und deutscher Schuld unterschied.<\/p>\n<p>Das Eingest\u00e4ndnis war also ambivalent und blieb im deutschen Protestantismus umstritten. Andererseits war das Bekenntnis \u00f6kumenischerseits ein gro\u00dfer Erfolg und f\u00fchrte zur internationalen Rehabilitierung des deutschen Protestantismus. Schon 1948 war man in Amsterdam als vollwertiger Player bei der Gr\u00fcndung des \u00d6kumenischen Rates der Kirchen dabei.<\/p>\n<p>1950 hat die gesamtdeutsche Synode der evangelischen Kirche in Wei\u00dfensee ihre Schuld gegen\u00fcber den Juden eingestanden. Dann blieb es lange still. Die einzelnen Landeskirchen folgten erst \u00a0nach dem Initialeffekt des Beschlusses der Rheinischen Synode von 1980.<\/p>\n<p><em>Wie hat die Kirche an der Ausgestaltung des demokratischen Systems mitgewirkt?<\/em><\/p>\n<p>Die Kundgebung zur \u201eVerantwortung f\u00fcr das \u00f6ffentliche Leben\u201c und ihre Folgen, also zum Beispiel die Entwicklung der evangelischen Presse, hat die Kirche eine treibende Kraft in der \u00dcberf\u00fchrung der Diktatur in eine Demokratie werden lassen. Es wurden aus einer protestantischen Perspektive gesellschaftspolitische Diskurse gef\u00fchrt. Auch die Akademien der Landeskirchen waren solche Orte, an denen \u00fcber das gesellschaftspolitische Engagement von Christen kontrovers diskutiert werden konnte.<\/p>\n<p><em>Welche Konsequenzen und Lehren zog die Kirche aus den Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg?<\/em><\/p>\n<p>Die evangelische Kirche war schon fr\u00fch nach dem Zweiten Weltkrieg ein vielschichtiges Gebilde. Die Delegitimierung des Krieges war unbestritten, der Weg zum Frieden war indes nicht eindeutig. Teile des Protestantismus setzten politisch auf eine waffengest\u00fctzte Abschreckung, der zahlenm\u00e4\u00dfig kleinere Teil entdeckte im Gefolge des Darmst\u00e4dter Worts von 1947 den Pazifismus f\u00fcr den Protestantismus und engagierte sich fr\u00fch bei der Friedensbewegung. Auch die Debatte um die Wiederbewaffnung in den 1950er Jahren verstand man als Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Gefolge des gesellschaftlichen Umbruchs der 1960er Jahre gewannen diese Positionen im Protestantismus weiter an Gewicht.\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Information: Eine digitale <strong>Ausstellung zum Widerstand evangelischer Christen<\/strong> in der Zeit des Nationalsozialismus finden Sie im Internet unter www.evangelischer-widerstand.de<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Krieg wollte die evangelische Kirche mit dem Stuttgarter Schuldbekenntnis[HC1] \u00a0vom Oktober 1945 einen Schnitt machen und bekannte sich<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1233,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1232"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1232"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1232\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1234,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1232\/revisions\/1234"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1233"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1232"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1232"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1232"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}