{"id":1249,"date":"2020-05-10T07:47:26","date_gmt":"2020-05-10T07:47:26","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/05\/10\/wann-wenn-nicht-jetzt-ekd\/"},"modified":"2020-05-10T07:47:28","modified_gmt":"2020-05-10T07:47:28","slug":"wann-wenn-nicht-jetzt-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/05\/10\/wann-wenn-nicht-jetzt-ekd\/","title":{"rendered":"Wann, wenn nicht jetzt! \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>Es sind die sogenannten \u201eFrauenberufe\u201c, die in Deutschland schlecht bezahlt und h\u00e4ufig unter schwierigen Arbeitsbedingungen erledigt werden. Gesellschaftlich notwendige Arbeit muss jetzt und f\u00fcr die Zukunft neu bewertet werden. Seit Jahren haben wir immer wieder auf den Personalmangel und die \u00dcberlastung u.a. in den Pflegeberufen aufmerksam gemacht, bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung des Kranken- und Altenpflegepersonals, von Erzieher*innen und in den Reinigungsdiensten gefordert.<\/p>\n<p><strong>Wann, wenn nicht jetzt, wird deutlich, <\/strong>dass Minijobs, in denen \u00fcberwiegend Frauen (62%) arbeiten, auf einer Einbahnstra\u00dfe in die Armut f\u00fchren. Von den Regelungen des Kurzarbeitergeldes k\u00f6nnen Minijobberinnen nicht profitieren, da sie nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. Damit bricht f\u00fcr sie eine wichtige Einnahmequelle weg. Seit Jahrzehnten fordern wir, Minijobs in sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigung umzuwandeln.<\/p>\n<p><strong>Wann, wenn nicht jetzt, wird deutlich, <\/strong>dass die eigenen vier W\u00e4nde f\u00fcr einige Frauen der gef\u00e4hrlichste Ort im Leben sind. Vielfach kommt es zu einer angespannten finanziellen Situation in den Familien. Unter den eingeschr\u00e4nkten Bedingungen wachsen Spannungen und Stress. F\u00e4lle von partnerschaftlicher Gewalt haben bereits wenige Wochen nach den Einschr\u00e4nkungen zugenommen.<\/p>\n<p>Und auch hier haben wir bereits lange vor der Corona-Pandemie darauf verwiesen, dass die Beratungsstellen vor allem in den l\u00e4ndlichen Regionen nicht ausreichen, die Wege f\u00fcr die Frauen oft viel zu weit, die Frauenh\u00e4user \u00fcberwiegend zuwendungs- und damit unterfinanziert sind und unter einem akuten Personalmangel leiden. Dar\u00fcber hinaus fehlt es an T\u00e4terberatungsstellen.<\/p>\n<p><strong>Wann, wenn nicht jetzt, wird deutlich, <\/strong>dass Care-Arbeit \u00fcberwiegend von Frauen geleistet wird. Frauen sind es, die wegen der geschlossenen Kitas und Schulen haupts\u00e4chlich die Kinder betreuen und die Versorgung der Familie \u00fcbernehmen \u2013 neben ihrem systemrelevanten Beruf oder im Homeoffice.<\/p>\n<p><strong>Wann, wenn nicht jetzt, wird deutlich,<\/strong> wie schwierig die Alltagssituation f\u00fcr Alleinerziehende ist, wenn die Betreuungseinrichtungen geschlossen sind und vom Arbeitgeber Homeoffice angeordnet wird. In Alleinverantwortung mit Kindern zu Hause arbeiten, ist eine ma\u00dflose \u00dcberforderung. Die \u00fcberwiegende Mehrzahl der erwerbst\u00e4tigen Alleinerziehenden sind Frauen.<\/p>\n<p>Seit langem fordern wir, dass die finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen f\u00fcr Alleinerziehende verbessert werden m\u00fcssen, so dass auch sie Erwerbst\u00e4tigkeit und famili\u00e4re Aufgaben vereinbaren k\u00f6nnen ohne am Existenzminimum zu leben, sich permanent ersch\u00f6pft und \u00fcberfordert zu f\u00fchlen und im Alter auf Grundsicherung angewiesen zu sein.<\/p>\n<p><strong>Wann, wenn nicht jetzt, wird deutlich, <\/strong>dass gefl\u00fcchtete Frauen und Kinder in ganz besonderer Weise betroffen sind. In den Gemeinschaftsunterk\u00fcnften und isolierten Sammellagern gibt es keinen ausreichenden Schutz vor sexuellen \u00dcbergriffen und vor Ansteckungen. Mangels technischer M\u00f6glichkeiten ist es f\u00fcr die Mehrzahl der Kinder nicht m\u00f6glich, am digitalen Unterricht teilzunehmen. Ihr Lebens- und Bewegungsraum wird durch die Isolierung noch weiter eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p><strong>Alles, was wir seit Jahren fordern, erscheint unter den Bedingungen der Corona-Pandemie wie unter einem Brennglas.<\/strong><\/p>\n<h2>Deshalb fordern wir:<\/h2>\n<ul>\n<li>die finanzielle Aufwertung der Berufe in den Bereichen Pflege, Gesundheitswesen, Erziehung und Einzelhandel und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Dem Applaus und den Ank\u00fcndigungen von Sonderboni m\u00fcssen endlich eine ordentliche Tarifbindung und eine Erh\u00f6hung der Einkommen folgen.<\/li>\n<li>die Abschaffung der Sonderregelungen f\u00fcr geringf\u00fcgige Besch\u00e4ftigung.<\/li>\n<li>bundesweit einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen und die Gew\u00e4hrleistung einer bedarfsgerechten und fl\u00e4chendeckenden Versorgung mit Beratungsstellen und Gewaltschutzeinrichtungen sowie eine Finanzierung, die allen Frauen und Kindern Schutz, Unterst\u00fctzung und Beratung selbstkostenfrei erm\u00f6glicht.<\/li>\n<li>Steuer-, Sozial- und Familienleistungen so aufeinander abzustimmen, dass sie zu einer tats\u00e4chlichen finanziellen Verbesserung f\u00fcr Frauen, insbesondere f\u00fcr Alleinerziehende f\u00fchren.<\/li>\n<li>Rahmenbedingungen und Arbeitszeiten zu schaffen, die es M\u00fcttern und V\u00e4tern erm\u00f6glichen, sich die Care-Arbeit gerecht zu teilen.<\/li>\n<li>einen effektiven Gewaltschutz und unabh\u00e4ngige Beschwerdesysteme f\u00fcr gefl\u00fcchtete Frauen und M\u00e4nner in allen Gemeinschaftsunterk\u00fcnften.<\/li>\n<li>die Ausstattung von Gemeinschaftsunterk\u00fcnften mit einem stabilen WLAN, um Teilhabe an Bildung und Beratungsangeboten sicher zu stellen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei der Umsetzung der Forderungen erwarten wir von Politik, Arbeitgeber*innen und allen Verantwortungstr\u00e4ger*innen ein ebenso engagiertes, sachbezogenes, mutiges und zeitnahes Handeln wie jetzt in der Zeit der Corona-Pandemie.<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sind die sogenannten \u201eFrauenberufe\u201c, die in Deutschland schlecht bezahlt und h\u00e4ufig unter schwierigen Arbeitsbedingungen erledigt werden. 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