{"id":1433,"date":"2020-06-02T11:20:10","date_gmt":"2020-06-02T11:20:10","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/06\/02\/neue-perspektiven-auf-die-taufe-ekd\/"},"modified":"2020-06-02T11:20:12","modified_gmt":"2020-06-02T11:20:12","slug":"neue-perspektiven-auf-die-taufe-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/06\/02\/neue-perspektiven-auf-die-taufe-ekd\/","title":{"rendered":"Neue Perspektiven auf die Taufe \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>EKD: Bisch\u00f6fin Bosse-Huber, die Kindertaufe ist ein alter Streitpunkt und gilt deswegen als Trennlinie zwischen den evangelischen Kirchen. Worin bestehen die theologischen Unterschiede?<\/em><\/p>\n<p><em>Petra Bosse-Huber: <\/em>Die Unterschiede bestehen heute nicht mehr in grunds\u00e4tzlich unterschiedlichen theologischen Aussagen. Es sind Akzente. Mit der Kindertaufe betonen wir in den Landeskirchen sehr, dass Gott jeden Menschen liebt, ohne dass er eine Leistung erbracht hat. Die Bedingungslosigkeit dr\u00fcckt sich in der Kindertaufe aus, denn ein Kind kann nichts zu seinen eigenen Gunsten tun. Und Gottes Versprechen, dass er immer f\u00fcr das Kind da sein wird, dr\u00fcckt sich darin bedingungslos aus. Viele Freikirchen haben st\u00e4rker betont, dass es eine m\u00fcndige Antwort auf die Taufe geben muss, und haben deswegen die Erwachsenentaufe in den Vordergrund gestellt.<\/p>\n<p>Das war in der Kirchengeschichte ein gro\u00dfer Graben zwischen den Landeskirchen und den Freikirchen. Inzwischen wird die Bedingungslosigkeit der Liebe Gottes von beiden Seiten betont. Es sind nur unterschiedliche biografische Stationen, an denen getauft wird.<\/p>\n<p><em>Wie ist es zu verstehen, dass manche Kirche beide Formen praktizieren?<\/em><\/p>\n<p>Auf freikirchlicher Seite sind das zum Beispiel die Methodisten, die sowohl die Kindertaufe als auch die Erwachsenentaufe praktizieren. Bei dieser doppelten Taufpraxis besteht kein Unterschied zu den Landeskirchen. Denn anders als vor 50 Jahren taufen wir mittlerweile viele Erwachsene, die lange keinen Bezug zum Glauben hatten. Und es gibt viele Jugendliche, die sich mitten in der Pubert\u00e4t taufen lassen. Darin unterscheidet sich unsere Taufpraxis nicht von der der Methodisten.<\/p>\n<p>Die Grenzen verwischen. Es gibt weiterhin Freikirchen, die selbst nur Erwachsene taufen, aber sehr wohl die Kindertaufe akzeptieren. Die harten Kontraste gibt es nur noch an wenigen Stellen. Das Grundverst\u00e4ndnis, dass es aber eine m\u00fcndige Antwort des Menschen geben muss, das teilen wir inzwischen uneingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p><em>Bei der Tagung sprachen Sie von einem Neuaufbruch. Welche neuen Perspektiven und Zug\u00e4nge bei der theologischen Deutung der Taufe haben sich ergeben?<\/em><\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund des Reformationsjubil\u00e4ums haben wir uns gefragt, was uns eigentlich von anderen Kirchen trennt, auch von unseren Partnern in den Freikirchen. Das historisch belastete Thema der Taufe liegt da nat\u00fcrlich obenauf. Das Interessante war, dass die Unterschiede zwischen manchen Freikirchen gr\u00f6\u00dfer sind als zwischen manchen Freikirchen und den Landeskirchen. Wir haben eine Vielfalt von Taufpraxen entwickelt, mit denen wir uns den Freikirchen angen\u00e4hert haben. Wir haben uns in einem jahrzehntelangen Prozess aufeinander zubewegt. Das hat auch die Dialogtagung sehr deutlich gezeigt.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung schafft viele M\u00f6glichkeiten. Wir k\u00f6nnen von alten Abgrenzungen Abstand nehmen.<\/p>\n<p><em>Wie erkl\u00e4ren Sie sich diese theologische Bewegung auch innerhalb der einzelnen Konfessionen?<\/em><\/p>\n<p>Wir sind in einer anderen Welt unterwegs als zur Zeit der Reformation. Wir haben als Gegen\u00fcber eine viel s\u00e4kularere Gesellschaft.\u00a0Das Christentum wird nicht dadurch glaubw\u00fcrdiger, dass sich m\u00f6glichst viele Konfessionen drastisch voneinander unterscheiden. Sondern dadurch, dass sie gemeinsam ihre Botschaft glaubhaft in einer religi\u00f6s unmusikalischen Welt verk\u00fcnden.\u00a0Bei der Taufe ist das die Liebe Gottes, auf die man irgendwann eine Antwort gibt, sei es als Kind, Jugendlicher oder Erwachsener.<\/p>\n<p><em>Unterm Strich scheint doch eine Ungleichzeitigkeit im lutherischen Verst\u00e4ndnis des Sakraments zu bleiben, wenn man von \u201egestreckter\u201c oder \u201enicht abgeschlossener\u201c Handlung spricht, um diese beiden Zeitpunkte zu formulieren. Wie ist das evangelische Verst\u00e4ndnis?<\/em><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit dem Erscheinen der letzten Taufagende (LINK) haben die lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen ein erweitertes Verst\u00e4ndnis entwickelt. Man spricht vom \u201eTaufweg\u201c. Man hat also viel st\u00e4rker in den Blick genommen, dass die Taufe keine einmalige Handlung ist, sondern dass wir ein Leben lang auf diesem Taufweg unterwegs sind. Das kann mit einer Kindertaufe beginnen oder einer Kindersegnung, die sp\u00e4ter in eine Konfirmandentaufe m\u00fcndet.<\/p>\n<p>Damit haben wir einen neuen Fokus. Es geht nicht so sehr um ein bestimmtes Datum, sondern um die Frage, ob ich mich in meinem Glauben weiterentwickelt habe. Es geht um den eigenen Weg als Christ mit Gott und auf Gott zu.<\/p>\n<p><em>Wird so Luthers Verst\u00e4ndnis von der Gnade Gottes ausreichend akzentuiert?\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Das ist ganz nah bei Luther. Denn er hat davon gesprochen, dass wir als Christen zugleich S\u00fcnder und Gerechtfertigte sind. Dass wir nicht nur einer Taufe bed\u00fcrfen, sondern auch des Weges, dass wir immer wieder Bu\u00dfe tun m\u00fcssen, dass wir immer wieder der Vergebung bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p><em>Wie gehen die Freikirchen mit dieser Entwicklung in den Landeskirchen um?<\/em><\/p>\n<p>Die Freikirchen sind keine homogene Landschaft. Sie haben einen \u00e4hnlich pluralen Wandlungsprozess hinter sich wie die EKD. Ich sprach schon von den Methodisten, die ganz regul\u00e4r Kinder und Erwachsene taufen. Es gibt Freikirchen, da tritt man ohne das ein, was man fr\u00fcher polemisch \u201eWiedertaufe\u201c nannte. In fast allen Freikirchen wird auf eine Wiederholung der Taufe heute ausdr\u00fccklich verzichtet, weil sich ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis der Taufe entwickelt hat.<\/p>\n<p><em>Die Gespr\u00e4che sind in einen Prozess der Vers\u00f6hnung eingebunden. Welchen Beitrag zur \u00dcberwindung der alten Vorurteile leisten sie?<\/em><\/p>\n<p>Der Dialog versucht, das jeweils Eigene als Ausdruck des Reichtums in der \u00d6kumene zu begreifen. Gleichzeitig wollen wir ausmessen, wieviel Gemeinsamkeit es schon gibt. Dazu geh\u00f6rt auch immer auszusprechen, dass die Landeskirchen als die m\u00e4chtigeren Kirchen in der Vergangenheit viel Schuld auf sich geladen haben, in dem sie die Freikirchen diskriminiert und teilweise auch verfolgt haben. Das zu benennen, geh\u00f6rt zu einem redlichen Umgang mit der Geschichte. Auch das hatte seinen Platz auf der Dialogtagung. Es geht nicht nur um die harmlose Seite der Ann\u00e4herung, sondern auch um die trennende Schuld und Vergebung.<\/p>\n<p><em>Was ist das Ziel der Gespr\u00e4che?<\/em><\/p>\n<p>Als gute \u00f6kumenische Gemeinschaft, als glaubw\u00fcrdige Christinnen und Christen sichtbar zu werden. Je besser man sich kennt, je klarer man sich verabredet, desto glaubw\u00fcrdiger wird das Zeugnis von Jesus Christus sein.<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EKD: Bisch\u00f6fin Bosse-Huber, die Kindertaufe ist ein alter Streitpunkt und gilt deswegen als Trennlinie zwischen den evangelischen Kirchen. 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