{"id":1566,"date":"2020-06-22T19:31:11","date_gmt":"2020-06-22T19:31:11","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/06\/22\/das-system-billigfleisch-muss-ueberwunden-werden-ekd\/"},"modified":"2020-06-22T19:31:13","modified_gmt":"2020-06-22T19:31:13","slug":"das-system-billigfleisch-muss-ueberwunden-werden-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/06\/22\/das-system-billigfleisch-muss-ueberwunden-werden-ekd\/","title":{"rendered":"Das \u201eSystem Billigfleisch\u201c muss \u00fcberwunden werden \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p>Nach dem massiven Corona-Ausbruch bei dem Schlachtbetrieb T\u00f6nnies in Nordrhein-Westfalen fordern Vertreter der Kirche die Politik zum Handeln auf. Die westf\u00e4lische Pr\u00e4ses Annette Kurschus h\u00e4lt eine neue gesellschaftliche Debatte \u00fcber das Konsumverhalten sowie Dumpingpreise und Dumpingl\u00f6hne in der Fleischindustrie f\u00fcr n\u00f6tig. Es d\u00fcrfe auch nicht sein, dass bestimmte Menschen von vornherein an den Pranger gestellt w\u00fcrden, sagte sie zu Mutma\u00dfungen, osteurop\u00e4ische Werksarbeiter der Firma T\u00f6nnies h\u00e4tten nach ihrem Heimaturlaub das Coronavirus <span style=\"line-height:115%\">\u201e<\/span>eingeschleppt<span style=\"line-height:115%\">\u201c<\/span>. <span style=\"line-height:115%\">\u201e<\/span>Wir m\u00fcssen zum Beispiel auch die Frage nach der Unterbringungssituation und nach Hygienestandards in den Sammelunterk\u00fcnften stellen<span style=\"line-height:115%\">\u201c<\/span>, so Kurschus, die auch stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende ist, in ihrer Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<h3>Erste Opfer sind die Vertragsarbeiter<\/h3>\n<p>Die Politik m\u00fcsse jetzt handeln, fordern das Amt f\u00fcr Mission, \u00d6kumene und kirchliche Weltverantwortung\/M\u00d6We und das Institut f\u00fcr Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Die ersten Opfer des Corona-Ausbruchs und des \u201eSystems Billigfleisch\u201c seien die Vertragsarbeiter aus Osteuropa, die unter unw\u00fcrdigen Bedingungen im Schlachthof arbeiten und leben m\u00fcssen. Kirsten Potz, Regionalpfarrerin des Amtes f\u00fcr M\u00d6We im Kirchenkreis G\u00fctersloh, fordert: \u201eDas Subunternehmertum und die Ausbeutung der Werksvertragsarbeiter und -arbeiterinnen m\u00fcssen abgeschafft werden! Wer die Augen vor diesen menschenunw\u00fcrdigen Arbeits- und Wohnbedingungen nicht verschlossen hat, f\u00fcr den ist es ein Wunder, dass es erst jetzt zu einer Katastrophe gekommen ist, die hoffentlich alle aufr\u00fcttelt.\u201c<\/p>\n<h3>Auch Landwirte und arme L\u00e4nder geh\u00f6ren zu den Verlierern<\/h3>\n<p>\u201eAuch die Landwirte leiden unter dem Corona-Ausbruch und dem System Billigfleisch. Die niedrigen Preise zwingen sie in eine Fleischproduktion, die vor allem Masse verlangt. Die extrem schwierige Situation, in der nun viele Landwirte wegen der Schlie\u00dfung von T\u00f6nnies sind, zeigt, dass wir eine Ern\u00e4hrungswende brauchen mit einer Tierhaltung und Landwirtschaft, die nachhaltiger und damit auch krisenfester ist und der b\u00e4uerlichen, familiengest\u00fctzten Landwirtschaft ein sicheres Einkommen erm\u00f6glicht\u201c, sagt\u00a0 Volker Rotthauwe, Pfarrer f\u00fcr nachhaltige Entwicklung vom Institut f\u00fcr Kirche und Gesellschaft.<br \/>\u00a0<br \/>Francisco Mari, Agrarexperte des Hilfswerkes Brot f\u00fcr die Welt, erg\u00e4nzt: \u201eDieses System der Fleischproduktion wird von einer Agrar- und Handelspolitik der Europ\u00e4ischen Union unterst\u00fctzt, die arme L\u00e4nder zwingt, deutsches Billigfleisch einzuf\u00fchren. Das schadet seit Jahren Schweinem\u00e4stern zum Beispiel in S\u00fcdafrika oder C\u00f4te d\u2019Ivoire.\u201c In den n\u00e4chsten Jahren w\u00fcrden auch Millionen kleinb\u00e4uerliche Schweinehalter in Vietnam leiden, weil ein geplantes neues Handelsabkommen alle Schutzz\u00f6lle f\u00fcr EU-Schweinefleisch abschaffen werde. \u201eZudem sind die niedrigen Exportpreise auch nur m\u00f6glich, weil f\u00fcr die F\u00fctterung Billig-Soja eingef\u00fchrt wird und daf\u00fcr W\u00e4lder in Brasilien und Paraguay gerodet werden.\u201c<br \/>\u00a0<br \/>Katja Breyer, Beauftragte f\u00fcr den kirchlichen Entwicklungsdienst der EKvW, fordert, dass die Politik handeln m\u00fcsse. Der \u00f6ffentliche und politische Druck biete eine gro\u00dfe Chance, aus dem \u201eSystem Billigfleisch\u201c auszusteigen und zu einer nachhaltigen Landwirtschaft zu kommen. \u201eDaf\u00fcr sind Gesetze notwendig, die der Ausbeutung der Arbeiter und Arbeiterinnen in Schlachth\u00f6fen endlich einen Riegel vorschieben. Es braucht eine Agrarpolitik in der EU und Deutschland, die es Landwirten erm\u00f6glicht, nachhaltig Landwirtschaft zu betreiben und eine Handelspolitik, die Bauern in Entwicklungsl\u00e4ndern nicht in den Ruin treibt. Ein entsprechendes Gesetz muss deutsche Unternehmen verpflichten, Menschenrechte und Umweltstandards auch entlang ihrer weltweiten Lieferketten zu achten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align:right\">EKD\/Evangelische Kirche von Westfalen<br \/>\u00a0<br \/>\u00a0<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem massiven Corona-Ausbruch bei dem Schlachtbetrieb T\u00f6nnies in Nordrhein-Westfalen fordern Vertreter der Kirche die Politik zum Handeln auf. 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