{"id":1729,"date":"2020-07-29T20:24:14","date_gmt":"2020-07-29T20:24:14","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/07\/29\/kirche-muss-gesellschaftliche-beruhigungspflaster-abreissen-ekd\/"},"modified":"2020-07-29T20:24:17","modified_gmt":"2020-07-29T20:24:17","slug":"kirche-muss-gesellschaftliche-beruhigungspflaster-abreissen-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/07\/29\/kirche-muss-gesellschaftliche-beruhigungspflaster-abreissen-ekd\/","title":{"rendered":"\u201eKirche muss gesellschaftliche Beruhigungspflaster abrei\u00dfen\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>Weshalb?<\/em><\/p>\n<p>Weil die Pandemie viele ernste Fragen aufgeworfen hat. Fragen, die weit \u00fcber den gegenw\u00e4rtigen Ausnahmezustand hinausgehen, darunter durchaus Systemfragen. Ich denke an die noch nicht abzusehenden wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Zum einen werden gewaltige politische und finanzielle Anstrengungen unternommen, um drastische Einbr\u00fcche zu verhindern. Schnelle Ma\u00dfnahmen, die auch kurzfristig wirksam sein m\u00fcssen, um vor allem auch soziale Verwerfungen zu mildern. Zugleich steht in dieser Zeit, in der ohnehin viel infrage steht, auch die viel grundlegendere, viel langfristigere Frage im Raum, ob wir so weiter wirtschaften k\u00f6nnen wie bisher. Oder ob wir die nachhaltige Transformation vieler Wirtschaftszweige &#8211; etwa Mobilit\u00e4t, Energiesektor, Handel &#8211; jetzt nicht forcierter angehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Ist das jetzt, da es vor allem darum geht, erst einmal Schlimmeres zu verhindern, nicht etwas zu viel verlangt?<\/em><\/p>\n<p>Wann, wenn nicht jetzt? Gerade jetzt ist das Problembewusstsein gesch\u00e4rfter denn je. Die Automobilkrise stellt Grundfragen an unsere Mobilit\u00e4t. Die Missst\u00e4nde in der Fleischwirtschaft stellen Fragen an unseren Konsum auf Kosten von Tieren, Menschen und der Umwelt. Und das sind ja nur zwei Beispiele f\u00fcr hochproblematische Entwicklungen, die lange bekannt waren, aber nun, in der Krise, gewaltigen Handlungsdruck erzeugen. In diesem Druck liegt auch eine Chance: Jetzt, da sich die Probleme nicht mehr beiseiteschieben lassen, m\u00fcssen wir gr\u00fcndlicher, wahrhaftiger \u00fcber unsere Form des Wirtschaftens nachdenken. Wir m\u00fcssen dabei auch unsere entfesselte Wachstumslogik, die zunehmende \u00d6konomisierung all unserer Lebensbereiche infrage stellen. Und auch unsere ganz pers\u00f6nliche Haltung zu Konsum und Komfort.<\/p>\n<p><em>Zugleich hat diese Wachstumslogik f\u00fcr breiten Wohlstand in der Gesellschaft gesorgt. S\u00e4gen wir durch ihre Infragestellung nicht den Ast ab, auf dem wir sitzen &#8211; mit wom\u00f6glich verheerenden Folgen f\u00fcr die Schw\u00e4chsten in der Gesellschaft?<\/em><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich besteht die Gefahr, dass soziale Br\u00fcche, die in der Corona-Krise ebenfalls offenkundiger werden, sich weiter vertiefen. Deshalb muss eben dieser gest\u00e4rkte Gemeinsinn, von dem ich eingangs sprach, weiter an Bedeutung gewinnen. Dieser Gemeinsinn darf ruhig auch darin zum Ausdruck kommen, dass Erfolgreiche und Verm\u00f6gende bereit sind, noch mehr Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Wirtschaftsforscher fordern bereits seit l\u00e4ngerem einen noch st\u00e4rkeren Dialog \u00fcber gesellschaftliche Verantwortung mit Verm\u00f6genden.<\/p>\n<p><em>Also etwa durch eine Reichensteuer?<\/em><\/p>\n<p>Wie auch immer man es konkret nennen mag: Soziale Gerechtigkeit wird immer auch im Steuersystem erkennbar werden.<\/p>\n<p><em>Welche Rolle kann die Kirche in dieser von Unsicherheit, aber auch von \u00dcbergang und sich abzeichnendem Wandel gepr\u00e4gten Zeit \u00fcbernehmen?<\/em><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal: Hoffnung vermitteln. Gottvertrauen, und darin das Vertrauen, dass wir auch in dieser Phase der Ungewissheiten getragen und geborgen sind. Hoffnungsstiftende Verk\u00fcndigung bleibt eine zentrale Aufgaben der Kirche. Und die Seelsorge ist die Muttersprache unserer Kirche. Dar\u00fcber hinaus kann Kirche aber auch zu einer starken Kraft im Wandel werden. Sie kann Mahner, Mittler und Motor sein.<\/p>\n<p>Zum einen auf der institutionellen Ebene, als verl\u00e4ssliches Gegen\u00fcber von Politik, Verb\u00e4nden und gesellschaftlichen Interessengruppen. Aber auch beharrliche Stimme im gro\u00dfen Diskurs. Eine Stimme, die auf Wahrhaftigkeit, Bewahrung der Sch\u00f6pfung und soziale Gerechtigkeit pocht. Die ethische Br\u00fcche und Schieflagen anspricht und durchaus auch mal das eine oder andere gesellschaftliche Beruhigungspflaster abrei\u00dft.<\/p>\n<p>Zum anderen beweist Kirche aber auch vor Ort handfest, dass sie ein Motor f\u00fcr Kreativit\u00e4t und Ver\u00e4nderung, f\u00fcr nachhaltiges Denken und Handeln ist. Wie das geht, zeigen Zigtausende Kirchengemeinden allein in Deutschland. Das sind nicht nur geistliche Kraftorte, sondern auch Zentren des sozialen und kulturellen Lebens im Dorf, im Stadtviertel. Gemeinschaften, die sich einsetzen f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingshilfe, den Umweltschutz, die Unterst\u00fctzung armer und bildungsferner Menschen, die gemeinsam singen und feiern: Das sind nur einige Facetten von Gemeinde. Dort ist an gutem, nachbarschaftlichem Leben im kleinen Ma\u00dfstab zu erleben, was ich mir f\u00fcr die ganze Gesellschaft w\u00fcnsche.<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weshalb? Weil die Pandemie viele ernste Fragen aufgeworfen hat. 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