{"id":1789,"date":"2020-08-14T17:11:14","date_gmt":"2020-08-14T17:11:14","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/08\/14\/erste-ost-west-vereinigung-evangelischer-landeskirchen-vor-30-jahren-ekd\/"},"modified":"2020-08-14T17:11:16","modified_gmt":"2020-08-14T17:11:16","slug":"erste-ost-west-vereinigung-evangelischer-landeskirchen-vor-30-jahren-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/08\/14\/erste-ost-west-vereinigung-evangelischer-landeskirchen-vor-30-jahren-ekd\/","title":{"rendered":"Erste Ost-West-Vereinigung evangelischer Landeskirchen vor 30 Jahren \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p>Berlin (epd). Die Kirche hatte Vorsorge getroffen: Jahre vor dem Mauerbau 1961 und Jahrzehnte vor der Wiedervereinigung hatte die berlin-brandenburgische evangelische Kirche 1952 einen Grundsatzbeschluss zur Unaufgebbarkeit ihrer Einheit gefasst <span style=\"line-height:115%\">\u2013<\/span> auch im Fall einer m\u00f6glichen Trennung durch die politischen Umst\u00e4nde. Die Trennung kam. Dann passierte rund 30 Jahre sp\u00e4ter, womit niemand ernsthaft gerechnet hatte: Die Mauer fiel und die deutsche Einheit kam. Und auch die West- und die Ostregion der Landeskirche mussten wieder zueinander finden.<\/p>\n<h3>Unterschiedliche Mentalit\u00e4ten trafen aufeinander<\/h3>\n<p>Die Wiedervereinigung der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (EKiBB) ist nicht ohne Konflikte abgelaufen. Kontroversen gab es \u00fcber die Anpassung der Ostregion an das westliche System, \u00fcber die Kirchensteuer mit staatlichem Einzug und deren Vollstreckbarkeit vor Gericht, \u00fcber den staatlichen Religionsunterricht und \u00fcber die Milit\u00e4rseelsorge in der Bundeswehr <span style=\"line-height:115%\">\u2013<\/span> Konflikte \u00fcber Staatsferne oder vermeintliche Staatsn\u00e4he. Unterschiedliche Mentalit\u00e4ten trafen aufeinander.<\/p>\n<p><span style=\"line-height:115%\">\u201e<\/span>Es kann weder nach der Weise gehen, dass wir einfach \u00fcbernehmen, was etwa in West-Berlin bisher war, noch etwa, dass die West-Berliner \u00fcbernehmen, was wir bisher so gro\u00dfartig gemacht haben\u201c, mahnte der Bischof der Ostregion, Gottfried Forck, bei der ersten gemeinsamen Synodentagung im M\u00e4rz 1990. \u201eWir k\u00f6nnen gleichberechtigt miteinander umgehen\u201c, betonte sein West-Berliner Bischofskollege Martin Kruse: \u201eWir k\u00f6nnen jetzt mit Gelassenheit und Entschiedenheit an die gemeinsame Arbeit gehen.\u201c<\/p>\n<p>Der Vereinigungsprozess zerrte dennoch bei vielen an den Nerven. \u201eGelebt und gearbeitet haben wir in verschiedenen Welten\u201c, hat die fr\u00fchere theologische Abteilungsleiterin f\u00fcr Kinder- und Jugendarbeit im Ost-Berliner Konsistorium, Rosemarie Cynkiewicz, die Mauerzeit einmal beschrieben. Bei Begegnungen mit West-Berliner Kollegen habe sie dann erstaunt bemerkt, wie s\u00e4kularisierend die 68er-Bewegung auch in die Kirche hineingewirkt habe.<\/p>\n<h3>\u201eVorsicht! Jetzt kommen die Frommen aus dem Osten\u201c<\/h3>\n<p>Besch\u00e4ftigte aus dem Kinderdiakonenseminar der Ostregion seien im West-Berliner Oberlin-Seminar f\u00fcr Erzieher Anfang der 90er mit einem kritischen Plakat empfangen worden, erinnert sich Cynkiewicz. Sinngem\u00e4\u00df habe darauf gestanden: \u201eVorsicht! Jetzt kommen die Frommen aus dem Osten und wollen uns bekehren.\u201c<\/p>\n<p>Auch in Kirchengemeinden gab es ein gro\u00dfes Fremdeln zwischen Ost und West. Gelegentlich seien verdeckte Aggressionen und eine \u201eWut auf Wessis\u201c zum Vorschein gekommen, steht im Bericht einer kirchlichen Kommission \u00fcber Gemeindebesuche vom September 1990. Die West-Berliner seien \u201eimmer etwas fauler\u201c gewesen als Partner in Westfalen, habe es in einer Ost-Berliner Gemeinde gehei\u00dfen. Die West-Berliner h\u00e4tten gekontert, dass man eine Form der Partnerschaft, die sich \u201eim Wesentlichen auf Gruppenreisen mit touristischem Charakter und damit verbundenen Geschenkaktionen beschr\u00e4nkte\u201c, abgelehnt habe.<\/p>\n<p>Das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass er und seine Frau ihr kleines Kind gelegentlich zu Pfarrkonventen mitbrachten, sei dort bei einigen \u201enicht so ausgepr\u00e4gt\u201c gewesen, hat der aus dem Westen stammende heutige Superintendent des Kirchenkreises Oderland-Spree, Frank Sch\u00fcrer-Behrmann, \u00fcber seine Vikarszeit Anfang der 90er Jahre in Potsdam geschrieben. Auch dass sie ihr Kind in eine staatliche Krippe geben wollten, sei auf Unverst\u00e4ndnis gesto\u00dfen.<\/p>\n<p><span style=\"line-height:115%\">\u201e<\/span>Wir nannten uns Bruder und Schwester, was die West-Berliner lange irritierte\u201c, schreibt der Ost-Berliner Theologe und langj\u00e4hrige Berliner Generalsuperintendent Martin-Michael Passauer in einem Beitrag \u00fcber die Zeit. F\u00fcr die West-Berliner sei es wichtig gewesen, \u201eein wenig Distanz zur Kirche zu halten\u201c.<\/p>\n<p>Eine Z\u00e4sur kam im Sommer 1990: Der Chefjurist der Ostregion der Landeskirche, Konsistorialpr\u00e4sident Manfred Stolpe, ging in die Politik. Am 16. August 1990 wurde er wegen seiner Kandidatur f\u00fcr ein politisches Amt von der Kirche beurlaubt, am 14. Oktober gewann er mit der SPD die erste Landtagswahl nach der Wiedervereinigung in Brandenburg. Am 1. November wurde er zum Ministerpr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Bis die Wiedervereinigung der EKiBB abgeschlossen war, sollte es noch etwas dauern: Im Januar 1991 kam in Berlin die neue Gesamtsynode der Landeskirche zusammen. Ende 1994 schlie\u00dflich beschloss die Landessynode eine neue, gemeinsame Grundordnung als Kirchenverfassung.<\/p>\n<h3>Zusammenschluss zur EKBO<\/h3>\n<p><span>Zum Jahresbeginn 2004 schlossen sich die EKiBB mit rund 1,25 Millionen Mitgliedern und die damalige Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz (EKsOL) mit rund 62.000 Mitgliedern zur neuen Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zusammen. Ihr zweiter Bischof war ab 2009 Markus Dr\u00f6ge. Die Landeskirche hat heute rund 900.000 Mitglieder in Berlin, Brandenburg und Ostsachsen sowie einigen Gemeinden in angrenzenden Bundesl\u00e4ndern. Seit November 2019 ist Christian St\u00e4blein Bischof der EKBO.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:right\">Ivonne Jennerjahn (epd)<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (epd). 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