{"id":2145,"date":"2020-10-05T13:27:24","date_gmt":"2020-10-05T13:27:24","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/10\/05\/bloss-nicht-schaemen-wenn-was-scheitert-ekd\/"},"modified":"2020-10-05T13:27:27","modified_gmt":"2020-10-05T13:27:27","slug":"bloss-nicht-schaemen-wenn-was-scheitert-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/10\/05\/bloss-nicht-schaemen-wenn-was-scheitert-ekd\/","title":{"rendered":"\u201eBlo\u00df nicht sch\u00e4men, wenn was scheitert!\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>Das klingt nach einem langen Weg.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"letter-spacing:.1pt\"><strong>Rumpff:\u00a0<\/strong><\/span>Ja, aber um den langen steinigen Weg mit vielen Schlagl\u00f6chern und Entt\u00e4uschungen kommt man nicht rum. Wichtig ist, die Erfahrungen zu reflektieren, immer wieder Zwischenst\u00e4nde einzuholen, auch mit Externen, also Beobachter von au\u00dfen analysieren zu lassen: Was wurde getan? Was wurde damit ver\u00e4ndert oder gar erreicht? Die R\u00fcckmeldungen m\u00fcssen ernst genommen werden. Und es ist st\u00e4ndige Kreativit\u00e4t n\u00f6tig: Wie k\u00f6nnen wir die Arbeitsprozesse anpassen, was k\u00f6nnen wir noch probieren? Das ist nicht leicht, aber in der EKBO wird das gemacht. Das hat mich beeindruckt und ist der Grund daf\u00fcr, weswegen ich daran mit Leidenschaft mitarbeite. Obwohl mir die Kirche manchmal wie ein beh\u00e4biger Tanker vorkommt und viele Strukturen noch fest sind, gibt es den unbedingten Willen, sich zu \u00e4ndern und Kirche so attraktiv zu machen, dass sie zukunftsf\u00e4hig wird.<\/p>\n<p><em>Und wenn wieder neue Kirchenaustrittszahlen zu berichten sind: frustriert das nicht die Beteiligten?<\/em><\/p>\n<p><span style=\"letter-spacing:.1pt\"><strong>Rumpff:\u00a0<\/strong><\/span>Unsinn. Was bilden die denn ab? Sie sagen nichts dar\u00fcber aus, mit welchen Menschen wir wirklich arbeiten, die engagiert sind. Das ist Zahlenwerk. Da geht\u2019s um Geld. Geld ist aber nicht das einzige oder wichtigste an Unterst\u00fctzung. Ich \u00e4rgere mich dar\u00fcber, dass Kirchenreform mitunter an Zahlen festgemacht wird, statt genau hinzusehen: Wo sind wir aktiv? In jeder Gemeinde gibt es Initiativen und eine christliche Werte-Gemeinschaft. Das l\u00e4sst sich doch nicht in Zahlen abbilden! Wir sollten aufh\u00f6ren, im Rahmen des Kirchensteuermodells zu denken. Und k\u00f6nnen auch fragen: Wie w\u00fcrde Kirche denn ohne Kirchensteuer leben? Auch da k\u00f6nnten wir einiges ausprobieren.<\/p>\n<p><em>Was w\u00fcrden Sie pers\u00f6nlich denn gerne umsetzen?<\/em><\/p>\n<p><span style=\"letter-spacing:.1pt\"><strong>Rumpff:\u00a0<\/strong><\/span>Ein Lieblingsprojekt w\u00e4re ein Stellentausch f\u00fcr einen Tag. Mitarbeitende aus den Kirchen\u00e4mtern arbeiten f\u00fcr einen Tag in einer Kirchengemeinde \u2013 und umgekehrt. Das w\u00fcrde den Blickwinkel ver\u00e4ndern und sicherlich zu besseren Diskussionen f\u00fchren. Wir m\u00fcssen aus unseren selbstgemachten Blasen rauskommen und \u00fcber den Tellerrand gucken. Wir tun das gerade schon in dem Projekt \u201eDritte Orte\u201c: Hier unterst\u00fctzt die Landeskirche Projekte, die nicht in Kirchengemeinden oder kirchlichen Einrichtungen stattfinden, sondern ganz woanders. Link:\u00a0<\/p>\n<p><em>Und was, wenn mal ein Projekt scheitert?<\/em><\/p>\n<p><span style=\"letter-spacing:.1pt\"><strong>Rumpff:\u00a0<\/strong><\/span>Dann ist das schade \u2013 bedeutet aber letztlich eine weitere Lernm\u00f6glichkeit. Blo\u00df nicht sch\u00e4men! Auch aus gescheiterten Projekten kann man lernen und trotzdem \u201eGewinn\u201c ziehen \u2013 wenn die Beteiligten sich \u00fcber die Gr\u00fcnde klar werden. Das machen wir zu wenig.<\/p>\n<p>Meine berufliche Erfahrung ist: Ich kann Leute nicht auf den richtigen Weg tragen, kann immer nur die Folgen des Handelns beschreiben: \u201eWenn Sie das machen, dann passiert das und das.\u201c Und ich kann ihnen M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen, es anders zu machen. Die Entscheidungen m\u00fcssen sie aber immer selbst treffen. Scheitert ein Projekt, ist das in Ordnung, dann kommt es darauf an, die Scherben gemeinsam aufzusammeln und Trauerprozesse in Gang zu setzen. Wir versuchen das derzeit mit dem Projekt \u201eFuck Up-Stories\u201c, das Scheitern aus der Tabu-Zone zu holen: eine experimentelle Form von Seelsorge, Beichte und Gemeindeentwicklung.\u00a0<\/p>\n<p><em>Greifen die Reformprozesse schnell genug?<\/em><\/p>\n<p><span style=\"letter-spacing:.1pt\"><strong>Rumpff:\u00a0<\/strong><\/span>\u00a0Gerne w\u00fcrde ich mich vom Wort \u201eReformprozess\u201c verabschieden. Alles ist doch st\u00e4ndig in Ver\u00e4nderung! Diese Ver\u00e4nderungsprozesse m\u00fcssen schneller gehen, damit wir auf der krassen Sparwelle, die auf uns zukommt, surfen k\u00f6nnen und nicht in ihr untergehen. Wir sollten uns bem\u00fchen, die anstehenden Einsparungen nicht nach dem Rasenm\u00e4herprinzip vorzunehmen. Da hoffe ich, dass die im Kirchenamt Entscheidenden auf die Expertise ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter h\u00f6ren. Wir k\u00f6nnen auch Einsparungen befristet vornehmen und sehen: Was passiert, wenn wir Arbeitsfelder nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Ich vertraue darauf, dass dann Neues entsteht.<\/p>\n<p><em>Die kommende Synode der EKD besch\u00e4ftigt sich mit dem Thema \u201eKirche der Zukunft\u201c. Welchen Wunsch haben Sie an das Gremium?<\/em><\/p>\n<p><span style=\"letter-spacing:.1pt\"><strong>Rumpff:\u00a0<\/strong><\/span>Grunds\u00e4tzlich sollten kirchliche Gremien sehr zur\u00fcckhaltend mit Papieren, Handlungsideen und Leits\u00e4tzen sein. Wichtig w\u00e4re, den Austausch und die Vernetzung der Landeskirchen untereinander zu erm\u00f6glichen. Und Raum zu geben, in dem Gutes entstehen wird, da bin ich mir sicher. Und, ganz wichtig: Die Gemeinden m\u00fcssen ernst genommen werden. Sie k\u00f6nnen sehr gut eigene L\u00f6sungen finden und umsetzen. Dazu brauchen sie Vertrauen und Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das klingt nach einem langen Weg. 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