{"id":2201,"date":"2020-10-13T08:26:42","date_gmt":"2020-10-13T08:26:42","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/10\/13\/die-corona-krise-treibt-die-kirchenentwicklung-voran-ekd\/"},"modified":"2020-10-13T08:26:44","modified_gmt":"2020-10-13T08:26:44","slug":"die-corona-krise-treibt-die-kirchenentwicklung-voran-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/10\/13\/die-corona-krise-treibt-die-kirchenentwicklung-voran-ekd\/","title":{"rendered":"Die Corona-Krise treibt die Kirchenentwicklung voran \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>Wurde das bisher vernachl\u00e4ssigt?<\/em><\/p>\n<p>Bils: Als gro\u00dfer Tanker herrscht in der Kirche ein sehr vers\u00e4ultes Denken. Die Organisation geht aufs Preu\u00dfische zur\u00fcck. So wie gro\u00dfe Organisationen und Unternehmen zukunftstr\u00e4chtig denken, muss man viel fluider und agiler denken. midi versteht sich als Dienstleiterin. Wir m\u00f6chten Partizipation erm\u00f6glichen und Institution sein, die andere zur\u00fcstet. Dazu stellen wir auch Praxismaterial f\u00fcr unterschiedliche kirchliche Ebenen zur Verf\u00fcgung und helfen bei Vernetzungen.<\/p>\n<p><em>Ist f\u00fcr midi auch die digitale Verk\u00fcndigung ein Thema?<\/em><\/p>\n<p>Bils: Nat\u00fcrlich. Wir haben eine Ad-hoc-Studie erarbeitet: \u201eDigitale Verk\u00fcndigungsformate w\u00e4hrend der Corona-Krise\u201c. Diese Zeit ist ja ein Stresstest f\u00fcr unbewegliche Systeme wie die Kirche. Wir wollten erfahren: Wie wirkt sich Corona auf Verk\u00fcndigung aus? An vielen Stellen sind ja tolle neue Ideen entstanden, wie man digital verk\u00fcndigen kann. Die Studie hat viel Aufsehen erregt \u2013 damit hatten wir gar nicht gerechnet. \u201eCorona\u201c ist an vielen Stellen f\u00fcr kirchliche Settings unheimlich anstrengend \u2013 bringt aber auch viele Chancen. Aus vielen Beratungsgespr\u00e4chen wei\u00df ich: Pl\u00f6tzlich werden Dinge m\u00f6glich, die bislang vermeintlich nicht gingen.<\/p>\n<p><em>Hat Corona von daher sogar eine gute Seite?<\/em><\/p>\n<p><strong>Bils:<\/strong> Das kl\u00e4nge etwas zynisch angesichts des Leides, das die Pandemie verursacht. Und bei der Formulierung \u201eCorona als Chance\u201c schwillt ja vielen in der Kirche nachvollziehbar die Halsschlagader an angesichts der Herausforderungen, die das f\u00fcr Gemeinden mit sich bringt. Wenn ich systemisch als Kirchenentwicklerin draufblicke, kann ich sagen: Kirche steht st\u00e4ndig in gro\u00dfen Ver\u00e4nderungsprozessen, <em>\u201eecclesia semper reformanda est<\/em>\u201c, Kirche reformiert sich st\u00e4ndig. In gro\u00dfen Organisationen bedeutet das \u201eChange management\u201c, es geschieht in drei Schritten. Zun\u00e4chst investiert man darein, Strukturen aufzul\u00f6sen. Auf der zweiten Stufe entwickelt man Ver\u00e4nderungstechniken. In der dritten Phase geht es ums Einfrieren, um aus der Kreativit\u00e4t wieder raus in die Produktivit\u00e4t zu kommen. Corona hat uns nun sozusagen den ersten Schritt &#8211; die Aufl\u00f6sung von Strukturen &#8211; geschenkt. Es ist gute strukturelle Offenheit da. Wir m\u00fcssen keine Kraft mehr investieren, wir sind schon am Punkt, an dem sich Ver\u00e4nderungen zeigen. Ein Drittel unserer Kraft k\u00f6nnen wir uns also schenken. Und dar\u00fcber nachdenken, welche Transformationsschritte nun m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p><em>Auf der midi-Website habe ich den Satz gelesen, die Kirche m\u00fcsse luftiger werden. Wie meinen Sie das?<\/em><\/p>\n<p><strong>Bils:<\/strong> Kirche ist im Laufe der Zeit starr in der Struktur geworden. Ver\u00e4nderungen in gro\u00dfen Institutionen geschehen, indem sie versuchen, diese Starrheit aufzubohren, damit es zwischen den S\u00e4ulen diffundieren kann nach links und rechts; man spricht in diesem Zusammenhang von fluiden L\u00f6sungen und Agilit\u00e4t. Das ist gemeint, wenn wir sagen, Kirche m\u00fcsse luftiger werden. Das ist aber nicht nur n\u00fcchtern strukturell gemeint. \u201eLuftig\u201c bedeutet auch, dass der Heilige Geist ordentlich pusten kann. Manchmal meinen wir ja, dass etwas so bleiben m\u00fcsse, \u201ewie es immer war\u201c. Damit verbauen wir oft dem Heiligen Geist die Chance, zu wehen, wo er will.<\/p>\n<p><em>Es gibt Menschen, die bef\u00fcrchten, Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnten Erreichtes in Frage stellen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Bils:<\/strong> Es geht immer um ein Wechselspiel von Tradition und Innovation. Bei Neuerungen geht es ja nicht darum, auf-Teufel-komm-raus alles Traditionelle platt zu machen. Die Frage ist: An welchen Stellen braucht es etwas Innovatives, an welchen etwas Traditionelles? Da kann man gut auf beiden Seiten vom Pferd fallen. Eine Innovation, die nur innovativ sein will \u2013 damit ist nichts gewonnen. Gleichsam bringt die Konservierung von Traditionellem, die sich nicht mit dem Inhalt des zu Erhaltenden auseinandersetzt, nichts.<\/p>\n<p>Ich habe den Eindruck, dass viele der Kr\u00e4fte, die etwas erhalten wollen, eher bremsen und Sand ins Getriebe streuen. Es ist wichtig, dass wir in Kirchenentwicklungsprozessen immer wieder fragen: Worin besteht unser Auftrag? Was ist unsere christliche Kernbotschaft? Was haben wir auf dieser Grundlage beizutragen? Je klarer wir das beschreiben k\u00f6nnen, desto besser sind wir gesch\u00fctzt vor beiden Gefahren: Unter dem Deckmantel des Konservativen selbstgerecht und tr\u00e4ge zu werden \u2013 oder aber uns \u00fcbertrieben innovativ, aber schwammig auf dem Markt der Sinnanbieter darzustellen. Kirchenentwicklung bringt Tradition und Innovation miteinander ins Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Kirche ist ja nicht nur das, wie sie sich nach au\u00dfen sichtbar inszeniert. Kirchgeb\u00e4ude, Orgel, Glockenturm. Wir sollten auch die Ebene hinter dem Sichtbaren bedenken und \u00fcberlegen: Wof\u00fcr steht die Orgel? Wovon singen wir in unseren Liedern? Warum gibt es Pastorinnen und Pastoren, welche zentrale Botschaft sollen sie unters Volk bringen? Da geht es um Begriffe wie Gnade, Vergebung, N\u00e4chstenliebe, Angenommensein ohne Bedingungen. Und um die Antwort auf die Frage: Was haben Christen in der Gesellschaft beizutragen?<\/p>\n<p><em>Viele h\u00e4tten da gerne einfache Antworten.<\/em><\/p>\n<p><strong>Bils:<\/strong> Wir sind in einer megakomplexen Welt. Da gibt es keine einfachen L\u00f6sungen. Wir brauchen inhaltliche Diskussionen, auch wenn sie manchmal wehtun. Die elf Leits\u00e4tze der EKD sind ein sch\u00f6nes Beispiel. Es gab viel Kritik, aber der Weg ist richtig: Dass Kirche sich bewusst auf den Weg macht. Die Schlaglichter machen deutlich, in welche Richtung es gehen kann. Die Kritik zeigt ja, wieviel Energie drinsteckt. Wir bei midi haben uns intensiv mit den Thesen auseinandergesetzt. Wir m\u00f6chten unseren Beitrag dazu leisten, dass die entfachte Dynamik sich weiterentwickelt.<\/p>\n<p><em>K\u00f6nnen Sie uns am Ende drei innovative Projekte nennen, die Sie f\u00fcr beispielhaft halten?<\/em><\/p>\n<p><strong>Bils:<\/strong> Das kann ich gerne machen. Aber: Es w\u00e4re ein Trugschluss, dass wir mit kleinen Projekten eine ganzheitliche Kirchenentwicklung auf den Weg bringen. In solchen \u201eLeuchtturmprojekten\u201c steckt viel Inspiration und Erfahrung. Aber der Fokus auf Einzelbeispiele bringt uns nicht im Ganzen weiter. Sie sind nur kleine Impulse f\u00fcr das Gesamtsystem Kirche. Viel n\u00f6tiger ist ein Ineinandergreifen kleiner Initiativen und Projekte ,bei denen man leuchtende Augen bekommt, mit l\u00e4ngeren Prozessen und kirchenleitender Unterst\u00fctzung, erst dann kommt Ver\u00e4nderung zustande. Dazu m\u00fcssten wir an den Stellschrauben drehen, wie sie zum Beispiel in den elf Leits\u00e4tzen genannt werden: Amt, Parochialstrukturen, Verteilung von Geld, Bildung multiprofessioneller Teams.<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wurde das bisher vernachl\u00e4ssigt? Bils: Als gro\u00dfer Tanker herrscht in der Kirche ein sehr vers\u00e4ultes Denken. Die Organisation geht aufs<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2202,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2201"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2201"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2201\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2203,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2201\/revisions\/2203"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2202"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2201"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2201"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2201"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}