{"id":2240,"date":"2020-10-19T08:05:06","date_gmt":"2020-10-19T08:05:06","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/10\/19\/18-10-2020-2020-10-16-gedenkgottesdienst-75-jahre-stuttgarter-schuldbekenntnis\/"},"modified":"2020-10-19T08:05:06","modified_gmt":"2020-10-19T08:05:06","slug":"18-10-2020-2020-10-16-gedenkgottesdienst-75-jahre-stuttgarter-schuldbekenntnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/10\/19\/18-10-2020-2020-10-16-gedenkgottesdienst-75-jahre-stuttgarter-schuldbekenntnis\/","title":{"rendered":"18.10.2020 2020-10-16 Gedenkgottesdienst 75 Jahre Stuttgarter Schuldbekenntnis"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.elk-wue.de\/\" \/><\/p>\n<div id=\"c24708\">\n<header>\n<h3 class=\"b_is-headline\">\u201eWir haben in unserer gesamten christlichen Existenz gefehlt\u201c<\/h3>\n<h4>75 Jahre Stuttgarter Schuldbekenntnis \u2013 EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm predigt in Stuttgarter Gedenkgottesdienst<\/h4>\n<\/header>\n<p>Zum 75. Jahrestag des Stuttgarter Schuldbekenntnisses haben der EKD-Ratsvorsitzende Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm und Landesbischof Dr. h. c. Frank-Otfried July in einem zentralen Gedenkgottesdienst auf eine wegweisende Selbstanklage zur\u00fcckgeblickt, die nach Ende der Nazi-Gr\u00e4uel und kirchlicher Vers\u00e4umnisse erste T\u00fcren wieder \u00f6ffnete:<\/p>\n<p><em>\u201eWir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fr\u00f6hlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.\u201c <\/em><\/p>\n<p>In seiner Predigt in der Stuttgarter Markus-Kirche machte Heinrich Bedford-Strohm deutlich: \u201eEs ist mehr als ein liturgisches \u201amea culpa\u2018, es ist Ausdruck der existenziellen Dunkelheit, die die Verfasser des Stuttgarter Schuldbekenntnisses angesichts der Abgr\u00fcnde der Jahre des Dritten Reiches stellvertretend f\u00fcr viele vor nun 75 Jahren zum Ausdruck gebracht haben. Bekennen, Beten, Glauben und Lieben \u2013 darin, so erkl\u00e4rten sie, haben wir versagt. Wir haben in unserer gesamten christlichen Existenz gefehlt, umfassend, und nun steht alles auf dem Spiel.\u201c Eine Erinnerung an das Stuttgarter Schuldbekenntnis k\u00f6nne es nicht geben, ohne seine Defizite zu benennen, allen voran das Fehlen einer expliziten Benennung der Schuld an den Juden.<\/p>\n<p>Eindrucksvoll schilderte der EKD-Ratsvorsitzende seine Empfindungen beim Besuch in Auschwitz\/Birkenau: \u201eDer Ort \u00fcbertr\u00e4gt das Unfassbare, was dort geschehen ist \u2013 die Tr\u00e4nen, das Flehen, das Rufen, die Verzweiflung, das Blut, das zum Himmel schreit \u2013 bis ins Heute. Und zugleich zeugt der ganze Ort von der Unmenschlichkeit der T\u00e4ter und T\u00e4terinnen.\u201c<\/p>\n<p>Dort sei sp\u00fcrbar geworden, so Bedford-Strohm: \u201e75 Jahre sind angesichts dieser Vergangenheit, dieser Taten gar nichts, ein Windhauch nur. Die Frage, ob es noch immer an der Zeit ist, dieses Gedenken aufrecht zu erhalten, stellt sich nicht. Die Erinnerung an die Schuld, die Einsicht in die gro\u00dfe Verantwortung, geh\u00f6rt seit 1945 in die DNA der Evangelischen Kirche.\u201c<\/p>\n<p>Doch Gott habe die Welt und die Menschheit nicht fallen lassen, sagte Bedford-Strohm. \u201eAus seiner Vers\u00f6hnung leben wir. 75 Jahre nach der Stuttgarter Schulderkl\u00e4rung ist die Schuld nicht vergessen. Doch es ist etwas Neues geworden. Durch Gottes Gnade. Und durch menschliche Vers\u00f6hnungsbereitschaft.\u201c<\/p>\n<p>Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July hob in seinem Eingangswort die Bedeutung des 1945 recht umstrittenen Dokumentes hervor und r\u00e4umte zugleich ein, dass es blinde Flecken habe: \u201eKein Wort zur Verfolgung und Vernichtung des Judentums in Europa, kein Wort zur Verfolgung der Sinti und Roma, kein Wort zu Kriegsgr\u00e4uel, kein Wort zur Verfolgung anderer Minderheiten.\u201c Eine gro\u00dfe Verbreitung der Stuttgarter Erkl\u00e4rung sei zun\u00e4chst wohl gar nicht vorgesehen gewesen, und es habe noch Jahrzehnte gebraucht, bis das ganze Unrecht wirklich pr\u00e4sent war.<\/p>\n<p>Aber so wahr dies alles sei, sagte der Landesbischof weiter, so wahr sei es auch, \u201edass die w\u00fcrttembergische Landeskirche \u2013 wie auch die EKD \u2013 die Stuttgarter Erkl\u00e4rung als Erbe und Auftrag sieht, eine zutiefst der \u00d6kumene verpflichtete Kirche zu sein und immer neu zu werden\u201c. Der Auftrag bleibe, \u201ef\u00fcr die W\u00fcrde eines jeden Menschen einzutreten, aus dem Glauben an Gottes Sch\u00f6pfung, Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung zu bek\u00e4mpfen und f\u00fcr Vers\u00f6hnung, Gerechtigkeit und Frieden einzutreten\u201c sowie \u201eeigene Schuld und Versagen zu benennen, um uns durch Gottes Geist erneuern zu lassen\u201c.<\/p>\n<p>Der Interims-Generalsekret\u00e4r des \u00d6kumenischen Rats der Kirchen Prof. Dr. Fr. Ioan Sauca aus Genf, der aufgrund der Corona-bedingten Einschr\u00e4nkungen nicht pers\u00f6nlich anwesend sein konnte, betonte in einem Gru\u00dfwort die historische Bedeutung des 75 Jahre alten Textes: \u201eWas damals hier in Stuttgart geschah, hat mit dazu beigetragen, dass heute zwischen Karlsruhe und Stra\u00dfburg eine Br\u00fccke des Friedens Deutschland und Frankreich \u00fcber den Rhein hinweg verbindet. Wir sind dankbar, dass in der Mitte Europas Frieden herrscht.\u201c<\/p>\n<p>Gedacht war die von Otto Dibelius und Hans Asmussen verfasste Stuttgarter Erkl\u00e4rung vom 18.\/19. Oktober 1945 zun\u00e4chst vor allem als ein geistlicher Neuanfang. Doch mit ihrem Eingest\u00e4ndnis einer <em>\u201eSolidarit\u00e4t der Schuld\u201c<\/em> und der Einsicht: <em>\u201eDurch uns ist unendliches Leid \u00fcber viele V\u00f6lker gebracht worden\u201c<\/em> wurde sie zur Basis f\u00fcr eine \u00f6kumenische Wiederann\u00e4herung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Erkl\u00e4rung gilt heute als Grundlage f\u00fcr einen Neuanfang der deutschen evangelischen Kirche in der internationalen Gemeinschaft sowie f\u00fcr eine Verantwortungs\u00fcbernahme der Kirche in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Oliver Hoesch\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Sprecher der Landeskirche\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p><strong>Hinweise:<\/strong>\u00a0Fotos von der Veranstaltung finden Sie\u00a0im\u00a0Pressebereich unserer Homepage; ebenso von Landesbischof July; Fotos vom EKD-Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm finden Sie im Pressebereich der EKD. Die Predigt des Ratsvorsitzenden ist unter https:\/\/www.ekd.de\/predigt-zu-75-jahre-stuttgarter-schuldbekenntnis-bedford-strohm-59692.htm zu finden. Es gilt das gesprochene Wort.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir haben in unserer gesamten christlichen Existenz gefehlt\u201c 75 Jahre Stuttgarter Schuldbekenntnis \u2013 EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm predigt in Stuttgarter Gedenkgottesdienst Zum<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2240"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2240"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2240\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}