{"id":2457,"date":"2020-11-12T19:35:39","date_gmt":"2020-11-12T19:35:39","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/11\/12\/hoeren-wir-als-kirche-erst-mal-zu-ekd\/"},"modified":"2020-11-12T19:35:41","modified_gmt":"2020-11-12T19:35:41","slug":"hoeren-wir-als-kirche-erst-mal-zu-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/11\/12\/hoeren-wir-als-kirche-erst-mal-zu-ekd\/","title":{"rendered":"\u201eH\u00f6ren wir als Kirche erst mal zu!\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>War das f\u00fcr Sie \u00fcberraschend?<\/em><\/p>\n<p><strong>Prieto Peral:<\/strong> Ja, dass gerade hier so viel Energie steckte, war \u00fcberraschend. Aber dieser Satz benennt ein allgemeines Gef\u00fchl, dass wir in der Kirche oft zu kompliziert sind. Unsere Sprache ist kompliziert, unsere Strukturen sind es auch. \u00dcber den &#8222;einfachen Zugang&#8220; k\u00f6nnen Ehrenamtliche genauso diskutieren wie Hauptamtliche. Bis heute werde ich in Gemeinden auf diese Formulierung angesprochen. Ein Theologieprofessor erwiderte allerdings, Theologie m\u00fcsse auch Anspruch haben und nicht nur einfach sein; Glaube bedeute eben immer auch eine gewisse Herausforderung.<\/p>\n<p>Die zweite Formulierung, die ordentlich Bewegung brachte, klingt im Grunde \u00e4hnlich einfach: \u201eWir m\u00fcssen zuerst kl\u00e4ren, worin unser Auftrag besteht.\u201c Also: Wof\u00fcr ist Kirche da, wozu sind wir gerufen, hier und heute? Erst wenn Antworten auf diese Fragen gefunden sind, sollten wir \u00fcber Strukturen nachdenken. \u00a0Methodisch haben wir mit f\u00fcnf elementaren Grundaufgaben angesetzt, die spielerisch mit K\u00e4rtchen \u201everankert\u201c wurden. Auftragskl\u00e4rung ist konkrete Basisarbeit und kann nicht zentral entschieden werden: Neu auf die Menschen um uns herum h\u00f6ren, und mit ihnen lernen, was Kirche vor Ort heute sein kann. Das sind inspirierende Lernwege! Im Dekanat Feuchtwangen haben die Gemeinden mit Dutzenden Vertreterinnen und Vertretern des \u00f6rtlichen Lebens so gearbeitet und so ihr Thema \u2013 Familienarbeit \u2013 gefunden. Was wir nicht brauchen, sind abgelutschte Allgemein-Formeln \u00fcber ein Standardbild von Kirche.<\/p>\n<p><em>Gab es bei so viel Umstellungen auch es Widerst\u00e4nde?<\/em><\/p>\n<p><strong>Prieto Peral:<\/strong> Bis heute herrscht sicher auch Skepsis gegen\u00fcber den Ideen von PuK. Das geh\u00f6rt zur protestantischen DNA. F\u00fcr manche allein aus dem Grund, dass der Prozess von der Kirchenleitung angesto\u00dfen wurde. Das stimmt zwar, aber genau mit dem Ziel, die Gemeinden m\u00fcndiger zu machen und vieles zu dezentralisieren.\u00a0 Wir haben bis jetzt in mehr als 200 Veranstaltungen mit fast 10 000 Menschen gearbeitet, und das geht jetzt eigenst\u00e4ndig vor Ort weiter. Letztlich muss es aber auch Entscheidungen geben. Die Ergebnisse der Diskussionen und die Impulse aus den Gemeinden m\u00fcssen in Rahmenentscheidungen flie\u00dfen, die Kirchenleitung treffen muss.<\/p>\n<p><em>Wie sehen jetzt die n\u00e4chsten konkrete Schritte aus?<\/em><\/p>\n<p><strong>Prieto Peral:<\/strong><strong> <\/strong>Das war die erste Phase der Beteiligung. Deren Ergebnisse wurden im Lindauer Synodenbeschluss 2019 festgehalten. Jetzt steht der n\u00e4chste Schritt an: Es muss auch umgesetzt werden!<\/p>\n<p>In den Gemeinden und Dekanatsbezirken ist das die begleitete Arbeit an ihren Schwerpunkten, um dann zur Stellenplanung zu kommen. Je intensiver diese \u201ePuK-Phase\u201c gelingt, desto schl\u00fcssiger kann die Planung von Personaleins\u00e4tzen vor Ort vereinbart werden. Da macht sich eine Gemeinde auf zu echter Quartiersarbeit. Andere machen Kasualien zu einer wichtigen Aufgabe und geben dahinein auch Personal \u2013 daf\u00fcr fallen vielleicht drei von sechs Predigtstellen im Gemeindegebiet weg. Wieder andere schaffen einen Aufbruch bei der Konfirmandenarbeit, als Kooperationsprojekt mit entsprechenden Entlastungen.<\/p>\n<p>Es steht eine Vikariatsreform an, in der wir durchbuchstabieren: Wie bilden wir unseren Nachwuchs aus \u2013 hin zu mehr Eigenverantwortlichkeit, mehr gabenorientiertem Arbeiten, mehr Kommunikation des Evangeliums statt One-Way-Verk\u00fcndigung. Die Pfarrerinnen und Pfarrer sollen st\u00e4rker den Sozialraum als Klangk\u00f6rper der kirchlichen Arbeit verstehen \u2013 uns\u00a0sind neben der Ortsgemeinde auch die Diakonie, die Fachdienste oder der Lebensraum Schule wichtig.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Stellschraube, wo man in der Kirche Geld bewegen kann, sind Immobilien. Auch da braucht es das auftragsorientierte Denken: Wozu sind wir Kirche vor Ort \u2013 und was bedeutet das konkret f\u00fcr unseren Immobilienbestand? Unser Partnerschaftszentrum Mission EineWelt hat sein Campuskonzept komplett neu entworfen, als \u00f6rtliche und inhaltliche Kooperation im Sinne von PuK. Anderes Beispiel: Eine Kirchengemeinde im N\u00f6rdlinger Ries suchte Geld f\u00fcr die notwendige Renovierung des eigenen Gemeindehauses. Dann hat unsere Bauabteilung gesagt: Versucht doch mal, mit der Kommune zu kooperieren. So entstand ein ph\u00e4nomenales Dorfgemeinschaftshaus, ein Begegnungszentrum, das von Kommune, Vereinen und Kirchengemeinde gemeinsam genutzt wird \u2013 und von allen gemeinsam finanziert wurde. Kirche ist auf diese Weise mitten drin im Dorfleben.<\/p>\n<p><em>Mit welchen Prognosen arbeitet denn PuK?<\/em><\/p>\n<p><strong>Prieto Peral:\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b\u200b <\/strong>Unser Landeskirchenrat hat sich f\u00fcr die anstehenden Entscheidungen vorgenommen, auf der Basis von Ehrlichkeit, Offenheit und Vertrauen zu handeln. Zur Ehrlichkeit geh\u00f6ren solide Zahlen. Die basieren auf der Freiburger Studie und eigenen \u2013 noch vorsichtigeren \u2013 Prognosen. Das hei\u00dft bei einem mittel-pessimistischen Szenario: In zehn Jahren m\u00fcssen wir bis zu zwanzig Prozent einsparen. Gleichzeitig wird sich laut Personalprognose der Pfarrerbestand in den n\u00e4chsten f\u00fcnfzehn Jahren fast halbieren. \u00c4hnlich sieht es bei den Religionsp\u00e4dagogen und Kirchenmusikern aus. Nur die Diakoninnen und Diakone haben viel Nachwuchs.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich: Wir haben gar nicht in erster Linie ein Finanzproblem. Wir haben das Problem, dass wir bezahlbare Stellen nicht mehr besetzen k\u00f6nnen. Dieses Nachwuchsproblem hat wiederum mit \u00f6ffentlicher Wahrnehmung von Kirche zu tun. Und das f\u00fchrt wieder zur Ausgangsfrage: Wir m\u00fcssen wissen, wozu wir da sind, um Menschen f\u00fcr Kirche und dann f\u00fcr unsere kirchlichen Berufe begeistern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Wann werden Entscheidungen getroffen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Prieto Peral<\/strong>: Die n\u00e4chsten drei Jahre werden wichtig. Da soll der neue Landesstellenplan nach PuK-Logik umgesetzt werden. Durch Corona ist dabei eine Unwucht entstanden, denn die inhaltliche Arbeit vor Ort wurde ausgebremst und der Sog der Strukturen wurde wieder gro\u00df. Aber wenn ich erlebe, mit welcher Kreativit\u00e4t und Leidenschaft mancherorts gearbeitet wird, dann habe ich keine Sorgen, dass wir als Kirche zu unseren Themen finden werden. Die Corona-Situation hat auf erstaunliche Weise die Lust am Experiment und den Mut zum Ausprobieren freigelegt. Gut so!<\/p>\n<p><em>Wird denn auch im Landeskirchenamt reformiert?<\/em><\/p>\n<p><strong>Prieto Peral<\/strong>: Selbstverst\u00e4ndlich. Wenn sich das Amt nicht bewegt, brauchen wir auch nicht zu erwarten, dass sich vor Ort was ver\u00e4ndert. Wir m\u00fcssen auch im Kirchenamt Aufgabenkritik vollziehen. Etwa fragen: Muss so viel im Amt entschieden und genehmigt werden? Welche Aufgaben k\u00f6nnen dezentralisiert werden? Nat\u00fcrlich bedeutet ein Abbau an Zentralverwaltung auch ein Mehr an Eigenverantwortung vor Ort und f\u00fcr jeden pers\u00f6nlich. Aber ich glaube, die Zeit ist jetzt reif, den Schritt zu machen weg von der Betreuungskirche, hin zu kreativen Freir\u00e4umen.<\/p>\n<p style=\"text-align:right\"><em>Das Interview f\u00fchrte Uwe Birnstein.<\/em><\/p>\n<p><strong>Weblinks:<\/strong><\/p>\n<p>Alle Informationen \u00fcber den PuK-Prozess<\/p>\n<p>Ev.-luth. Kirche Bayerns<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>War das f\u00fcr Sie \u00fcberraschend? Prieto Peral: Ja, dass gerade hier so viel Energie steckte, war \u00fcberraschend. 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