{"id":2499,"date":"2020-11-19T14:57:39","date_gmt":"2020-11-19T14:57:39","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/11\/19\/geld-ermoeglicht-weckt-aber-auch-falsche-begehrlichkeiten-ekd\/"},"modified":"2020-11-19T14:57:41","modified_gmt":"2020-11-19T14:57:41","slug":"geld-ermoeglicht-weckt-aber-auch-falsche-begehrlichkeiten-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/11\/19\/geld-ermoeglicht-weckt-aber-auch-falsche-begehrlichkeiten-ekd\/","title":{"rendered":"\u201eGeld erm\u00f6glicht \u2013 weckt aber auch falsche Begehrlichkeiten!\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>Wie viele Projekte wurden bisher unterst\u00fctzt?<\/em><\/p>\n<p><strong>Schlegel:<\/strong> Derzeit existieren 56 Erprobungsr\u00e4ume; davon 44 gro\u00dfe und 12 kleine, die nur eine Einmalf\u00f6rderung erhalten. Der Umfang der finanziellen F\u00f6rderung differiert sehr stark: Von zwei Stellenanteilen bis hin zu null Euro. Einige Erprobungsr\u00e4ume sagen uns: \u201eWir brauchen kein Geld. Uns ist es wichtiger, dazuzugeh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger wir unterwegs sind, umso mehr empfinden wir die Ambivalenz des Geldes. Es lockt und erm\u00f6glicht \u2013 zweifellos. Aber es weckt auch falsche Begehrlichkeiten und stellt ruhig. Da kann es sogar Innovation verhindern. Es bleibt eine sensible Sache.<\/p>\n<p><em>Wie wird neben Finanzen unterst\u00fctzt?<\/em><\/p>\n<p><strong>Schlegel:<\/strong> Auch so eine Lernerfahrung: Begleitung, Vernetzung, Inspiration sind wichtiger als die finanzielle F\u00f6rderung. Das haben wir untersch\u00e4tzt. Die meisten Personalressourcen gehen daf\u00fcr drauf. Wichtig sind Vertrauen und N\u00e4he. Raum schaffen. Kontrolle dagegen verhindert. Innovation entsteht nicht durch direkte F\u00f6rderung, sondern durch indirekte: zum Beispiel, indem man stimulierende Settings arrangiert. Unsere j\u00e4hrliche Werkstatt beispielsweise, Erkundungsfahrten oder Lerngemeinschaften. \u00a0<br \/><em>Wie sind die Erfahrungen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Schlegel:\u00a0<\/strong>Einiges ist ja schon angeklungen. Dar\u00fcber hinaus f\u00e4llt auf: Die Existenz von Erprobungsr\u00e4umen irritiert das System. Manche grenzen sich ab, andere sind inspiriert. Diese Wechselwirkungen sind der zentrale Ver\u00e4nderungsstimulus. Denn sonst w\u00e4ren Erprobungsr\u00e4ume blo\u00df innovative Inseln in einer ansonsten unver\u00e4ndert bleibenden Landeskirche. Diese Reibungen muss man wollen, weil sie ans Eingemachte gehen.<\/p>\n<p><em>Wie kommen die die Projekte ins Laufen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Schlegel:\u00a0<\/strong>Neues zu beginnen und das Alte fortzuf\u00fchren geht nicht. Das \u00fcberfordert alle. Wir brauchen mutige Leitungsentscheidungen, was zu lassen ist. Und diese sollten weniger organisatorischen Erw\u00e4gungen entspringen, sondern geistlich begr\u00fcndet sein.<\/p>\n<p>Zudem: Was in Erprobungsr\u00e4umen geschieht, ist gar nicht so anders und neu: Es geht um Gemeinschaft, Zuwendung, Verk\u00fcndigung und Gebet. Aber die Dinge geschehen nicht, weil es in Dienstbeschreibung und Kalender steht. Kirchliche Aktivit\u00e4ten wirken manchmal so, als m\u00fcsste \u201eder Betrieb aufrechterhalten\u201c werden. Dagegen strahlen Erprobungsr\u00e4ume durch Pr\u00e4senz statt Programm aus, sie spiegeln Beziehung statt Angebot, Verl\u00e4sslichkeit statt Aktionismus, Geschichten statt Gedanken und Unsicherheit statt Planung. Die Haltungen sind das Entscheidende, ob nun in bew\u00e4hrten oder neuen Formen.<\/p>\n<p><em>Wer wird in den Erprobungsr\u00e4umen erreicht?<\/em><\/p>\n<p><strong>Schlegel:\u00a0<\/strong>In den Erprobungsr\u00e4umen soll Evangelium \u00fcber die Mitgliedschaftsgrenzen hinaus kommuniziert werden. Das ist ein wichtiges Ziel, aber auch ein hochgestecktes. In einem indifferenten Umfeld gilt es erst einmal Relevanz zu gewinnen. Wir sind oft so weit weg, was Sprache, kulturelle Vorlieben, Wertvorstellungen angeht. Sich einlassen, lieben und lernen sind hier wichtige Bausteine. Richtig spannend wird es da, wo man mit Unerreichten betet. Der gemeinsame Gottesdienst steht am Ende des Weges, nicht am Anfang. Und ge\u00fcbte Christen w\u00fcrden ihn gar nicht als solchen erkennen.<\/p>\n<p><em>Wo kann man mehr erfahren?<\/em><\/p>\n<p><strong>Schlegel:\u00a0<\/strong>Demn\u00e4chst wird es eine Publikation \u00fcber und von den Erprobungsr\u00e4umen geben. Darin ist auch ein Bericht von den beiden Instituten zu finden, die den Prozess evaluieren. Dieser Blick von au\u00dfen, vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD\u00a0in Hannover und dem Greifswalder Uni-\u201eInstitut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung\u201c\u00a0 ist uns sehr wichtig.\u00a0<\/p>\n<p><em>Wie sieht die Zukunft des Projektes aus?<\/em><\/p>\n<p><strong>Schlegel:<\/strong> Ab 2021 gelten eine neue Ordnung und eine neue F\u00f6rderrichtlinie. Darin sind die Erfahrungen der letzten Jahre eingeflossen. So wollen wir mehr Energie in die Rahmenbedingungen stecken, zum Beispiel Qualifizierungsm\u00f6glichkeiten und Ideenwerkst\u00e4tten. F\u00fcr die Initiativen wird es weniger Geld &#8211; daf\u00fcr aber l\u00e4nger geben. Und die Dinge, die am Rand der Gemeinde wachsen, sollen st\u00e4rker in das Programm integriert werden.<\/p>\n<hr\/>\n<p><em>Kirchenrat Dr. Thomas Schlegel, geboren 1973 in Weimar, studierte Theologie und Philologie in Jena und Pietermaritzburg (S\u00fcdafrika) Nach dem Vikariat in M\u00fcnchen und einer Pfarrt\u00e4tigkeit im Th\u00fcringer Wald arbeitete er am IEEG der Universit\u00e4t Greifswald und war Referent am Zentrum f\u00fcr Mission in der Region der EKD. Derzeit leitet er das Referat Gemeinde im EKM-Kirchenamt in Erfurt und ist hier u.a. zust\u00e4ndig f\u00fcr den Prozess Erprobungsr\u00e4ume.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align:right\"><em>(Das Interview f\u00fchrte Uwe Birnstein)<\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie viele Projekte wurden bisher unterst\u00fctzt? 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