{"id":2621,"date":"2020-12-10T07:14:28","date_gmt":"2020-12-10T07:14:28","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/12\/10\/der-riss-durch-den-himmel-ekd\/"},"modified":"2020-12-10T07:14:30","modified_gmt":"2020-12-10T07:14:30","slug":"der-riss-durch-den-himmel-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/12\/10\/der-riss-durch-den-himmel-ekd\/","title":{"rendered":"Der Riss durch den Himmel \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>Bald wurde Luther im Vatikan angezeigt, im Juni 1518 er\u00f6ffnete Leo X. den Ketzerprozess. Doch Luthers Landesherr, Kurf\u00fcrst Friedrich der Weise von Sachsen (1463-1525), sch\u00fctzte seinen Professor. Da im Juni 1519 die Wahl des neuen r\u00f6misch-deutschen K\u00f6nigs anstand, wollte der Papst die Beziehung zu dem Kurf\u00fcrsten als Mitglied des Wahlgremiums nicht belasten und lie\u00df den Prozess schleifen. Anfang 1520 nahm der Vatikan den Prozess gegen den Reformator wieder auf.<\/p>\n<p>Am 15. Juni erlie\u00df der Papst die Bannandrohungsbulle &#8222;Exsurge domine&#8220; (&#8222;Steh auf, Herr!&#8220;), benannt nach Psalm 10,12. Der Folgevers beginnt mit den Worten: &#8222;Warum soll der Gottlose Gott l\u00e4stern?&#8220;. Der Papst gebot die Verbrennung s\u00e4mtlicher Schriften Luthers und forderte von ihm den Widerruf binnen 60 Tagen. Andernfalls treffe ihn der Kirchenbann, dem die Reichsacht zu folgen hatte &#8211; Luther w\u00e4re exkommuniziert, rechtlos und vogelfrei. Im Herbst wurde das Schreiben bekanntgemacht.<\/p>\n<p>Gegen den Vatikan erhoben sich einflussreiche Stimmen der Wissenschaft, die Humanisten. Ulrich von Hutten schrieb: &#8222;Hier geht es ja nicht um Luther, sondern um alle; nicht nur gegen einen wird das Schwert erhoben, sondern uns alle greift man \u00f6ffentlich an. Sie wollen nicht, dass man ihrer Tyrannei Widerstand leistet; sie wollen nicht, dass man ihren Betrug aufdeckt, ihre Vorstellung durchschaut, ihrem W\u00fcten trotzt.&#8220;<\/p>\n<p>Luthers Gegenschlag war die Verbrennung der Bannandrohungsbulle zusammen mit dem Kirchenrecht am 10. Dezember 1520; zum Ende eines Jahres, in dem er drei seiner reformatorischen Hauptwerke verfasst hatte. Kurz darauf, am 3. Januar 1521, setzte der Papst seine Drohung in die Tat um und ver\u00f6ffentlichte die Bannbulle gegen Luther. Die praktischen Konsequenzen f\u00fcr den Reformator waren aber geringer als erwartet: Luther gewann immer mehr Anh\u00e4nger, und Kurf\u00fcrst Friedrich von Sachsen widersetzte sich der Forderung Roms nach einer Auslieferung.<\/p>\n<p>&#8222;Die politischen Umst\u00e4nde haben Luther das Leben gerettet&#8220;, erl\u00e4utert der Kirchenhistoriker Wriedt. Im Reich g\u00e4rte es seit Jahrzehnten. Die Reichsst\u00e4nde klagten \u00fcber die von Rom auferlegten Lasten und gegen die Unt\u00e4tigkeit des Kaisers. Luthers theologisch begr\u00fcndeter Protest passte in die Zeit: F\u00fcrsten und St\u00e4dte strebten nach mehr Freiheit. Auf der anderen Seite brauchte Kaiser Karl V. die Unterst\u00fctzung auch der evangelischen Reichsst\u00e4nde und ihr Geld, um sich gegen die Attacken Frankreichs und des Osmanischen Reichs zu behaupten. Kirchenbann und Reichsacht gegen Luther konnten den Lauf der reformatorischen Parole &#8222;allein der Glaube, allein die Gnade, allein die Schrift, allein Christus&#8220; nicht aufhalten.<\/p>\n<p>Die durch Martin Luther ausgel\u00f6ste Reformation sei eine Zeitenwende in theologischer Hinsicht gewesen, nicht im Blick auf die inszenierten Handlungen, res\u00fcmiert Wriedt. Der Reformator habe in einer von vielerlei \u00c4ngsten beherrschten Zeit durch die Methode der Schriftauslegung zu einer &#8222;neuen Qualit\u00e4t der Heilsgewissheit&#8220; gefunden: &#8222;Ich kann mein Heil direkt mit Gott ausmachen.&#8220; Luther habe dies nicht im Sinne der neuzeitlichen Autonomie des Einzelnen gedacht, betont Wriedt. &#8222;Gottes Heil ergreift mich &#8211; ich brauche keinen, der dazwischensteht.&#8220; Selbst keinen Papst.<\/p>\n<p style=\"text-align:right\"><em>Jens Bayer-Gimm (epd)<\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bald wurde Luther im Vatikan angezeigt, im Juni 1518 er\u00f6ffnete Leo X. den Ketzerprozess. 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