{"id":2627,"date":"2020-12-10T15:19:24","date_gmt":"2020-12-10T15:19:24","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/12\/10\/trauerpredigt-fuer-landesbischof-i-r-ulrich-fischer-in-der-stadtkirche-karlsruhe-ekd\/"},"modified":"2020-12-10T15:19:27","modified_gmt":"2020-12-10T15:19:27","slug":"trauerpredigt-fuer-landesbischof-i-r-ulrich-fischer-in-der-stadtkirche-karlsruhe-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/12\/10\/trauerpredigt-fuer-landesbischof-i-r-ulrich-fischer-in-der-stadtkirche-karlsruhe-ekd\/","title":{"rendered":"Trauerpredigt f\u00fcr Landesbischof i. R. Ulrich Fischer in der Stadtkirche, Karlsruhe \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p style=\"text-align:right\"><em>Es gilt das gesprochene Wort<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eAch Herr, la\u00df dein lieb Engelein am letzten End die Seele mein in Abrahams Scho\u00df tragen\u2026\u201c \u2013 so haben wir es gerade geh\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Trauergemeinde,<\/p>\n<p>es gibt vielleicht keinen Choral, der so ber\u00fchrend zum Ausdruck bringt, was wir erhoffen, vielleicht zaghaft erhoffen, vielleicht auch glaubensstark erwarten, vielleicht von Herzen ersehnen, wenn unser Leben zu Ende geht, wie diese in wunderbare Musik gefassten T\u00f6ne aus Johann Sebastian Bachs Johannespassion. Und so sind sie uns ein Trost an diesem Tag heute, an dem unser Herz schwer ist. An dem wir nach der Beerdigung am 27. Oktober in Neulussheim nun auch als Kirche Abschied nehmen von Ulrich Fischer, dem Freund, Kollegen, Mitbruder in Christus und dem Landesbischof, der vielen Seelsorger, Wegweiser und \u00f6ffentliche Stimme war.<\/p>\n<p>Ulrich Fischer hat diesen Choral geliebt. Der Choral hat dem tiefen Vertrauen Ausdruck gegeben, mit dem Ulrich Fischer auf den Tod zugegangen ist. Wenige Tage vor seinem Tod hat er im Kreise seiner Familie mit seiner Gemeindepfarrerin und dem Freund Traugott Sch\u00e4chtele das Abendmahl gefeiert. Dabei\u00a0erklang auch diese Musik Johann Sebastian Bachs.<\/p>\n<p>Wie sehr die Musik, die ihm zeitlebens so wichtig war, auch und gerade in den letzten Wochen seines Lebens die T\u00fcr zum Himmel schon ge\u00f6ffnet hat, ist auch zum Ausdruck gekommen, als er eine Woche vor seinem Tod, schon im Rollstuhl, Besuch von den Landesposaunenwarten bekam und sie ihm alle m\u00f6glichen Chor\u00e4le spielten. Und er jeden Choral bei Namen nennen konnte.<\/p>\n<p>Bachs Musik und die Bilderwelt der Engel gehen in dem Choral aus der Johannespassion eine kraftvolle und so tr\u00f6stliche Verbindung ein, die den Raum \u00f6ffnet f\u00fcr das Wort \u00fcber die Engel in Psalm 91: Es bringt in wunderbarer Weise dieses Vertrauen zum Ausdruck, das wir empfinden, wenn wir uns die Engel vorstellen: \u201eDenn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich beh\u00fcten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den H\u00e4nden tragen und du deinen Fu\u00df nicht an einen Stein sto\u00dfest.\u201c (Ps 91,11).<\/p>\n<p>Man muss sich nicht erst die ber\u00fchmten Szenen \u00fcber die Engel in \u201eDer Himmel \u00fcber Berlin\u201c vorstellen, um zu wissen, dass die Engel manchmal sehr konkret in Fleisch und Blut sichtbar werden. Ulrich Fischer war, das habe ich von anderen erz\u00e4hlt bekommen und er hat es auch mir selbst gegen\u00fcber zum Ausdruck gebracht, von vielen Engeln umgeben.<\/p>\n<p>Von denen, die ihm mit ihrer Musik das Herz ge\u00f6ffnet und ihn gest\u00e4rkt haben, habe ich schon gesprochen. Ich werde nie vergessen, wie wir vor gut einem Jahr in Dresden bei der EKD-Synode zusammen waren und er dort bei einem Konzert der Landesposaunenwarte sein Amt als Vorsitzender des Evangelischen Posaunendienstes in Deutschland (EPiD) an Landesbischof i. R. Gerhard Ulrich \u00fcbergab. Es war ein unglaublich ber\u00fchrendes und musikalisch einfach vollkommenes Konzert. Er hat das auch so empfunden und zum Ausdruck gebracht. Da habe ich ihn noch einmal in seiner ganzen Begeisterung und Freude erlebt.<\/p>\n<p>Auch die \u00c4rzte und Krankenpflegenden waren ihm Engel. Sie haben mit ihrer medizinischen Kompetenz und mit ihrem Sorge-Einsatz dazu beigetragen, dass ihm nach der ersten Diagnose noch unerwartet viel Lebenszeit geschenkt wurde und dass er bis zum Schluss keine Schmerzen hatte.<\/p>\n<p>Aber die wichtigsten Engel haben ihn in Gestalt seiner Familie begleitet. Vor der \u00fcberraschenden MRT-Diagnose im August hat er noch einen wundersch\u00f6nen Camping-Urlaub in Burgund mit seiner Frau Brigitte verbracht. Und dann haben ihn in der Zeit der weiteren Therapieversuche und dann in der letzten Zeit im September und Oktober seine Frau, die drei T\u00f6chter und ihre Familien und die 7 Enkelkinder liebevoll begleitet. Dass sie alle f\u00fcr ihn wie Engel waren, habe ich schon fr\u00fcher, nach der ersten Tumordiagnose, immer gesp\u00fcrt, wenn ich ihn gesehen und nach seinem Ergehen gefragt habe und er dann \u2013 wohl wissend um die Fragilit\u00e4t seiner Gesundheit &#8211; mit so viel Dankbarkeit von seiner Familie, mit so viel Freude von seinen Enkelkindern und von seinem Leben auf dem Reiterhof der \u00e4ltesten Tochter berichtet hat.<\/p>\n<p>Das, liebe Brigitte Fischer, liebe Familie Fischer, wird immer bleiben. Es steht aufgeschrieben im himmlischen Lebensbuch Gottes und es ist aufbewahrt in Eurer Erinnerung und in der Erinnerung aller, die ihn liebhatten.<\/p>\n<p>\u201eDenn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich beh\u00fcten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den H\u00e4nden tragen und du deinen Fu\u00df nicht an einen Stein sto\u00dfest.\u201c<\/p>\n<p>Ich habe das Gef\u00fchl gehabt, dass genau das an ihm wahrgeworden ist. Gott hat ihn auch in der schweren Zeit seiner Krankheit mit seinen Engeln beh\u00fctet und ihm ein Vertrauen, eine Zuversicht, und selbst im Angesichte des m\u00f6glichen Endes noch eine Dankbarkeit und Freude an der ihm geschenkten Zeit geschenkt, die mich sehr beeindruckt hat. Er war darin ein ausstrahlungsstarker Zeuge Jesu Christi und des ber\u00fchmten paulinischen Wortes aus R\u00f6m 8: Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder M\u00e4chte noch Gewalten, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns trennen kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.<\/p>\n<p>In seinem Zeugnis von Jesus Christus hat mich Ulrich Fischer in den vielen Zusammenh\u00e4ngen, in denen ich ihm in der EKD begegnet bin, immer wieder beeindruckt. Ich habe mich gefreut, nach meiner Wahl in den Rat der EKD dort mit ihm zusammenarbeiten zu d\u00fcrfen. Und ich habe schnell gemerkt, welch wichtige Rolle er dort gespielt hat. Die theologische Leidenschaft und die authentische positive Energie, die ich schon von fr\u00fcheren Begegnungen in Erinnerung hatte, habe ich sofort wieder gesp\u00fcrt. Und die war auch der Grund daf\u00fcr, dass sein Wirken f\u00fcr die EKD so viel Segen gebracht hat. Aus den vielen Beispielen, die hier zu nennen w\u00e4ren, hebe ich zwei hervor.<\/p>\n<p>Das Zusammenwachsen der beiden gro\u00dfen Kirchenb\u00fcnde in der EKD, der Union Evangelischer Kirchen (UEK) und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELK), das in dem sogenannten \u201eVerbindungsmodell\u201c zum Ausdruck kam und mit vielen Hindernissen verbunden war, w\u00e4re am Ende nicht so erfolgreich gewesen, wie wir es jetzt erleben, wenn es Ulrich Fischer nicht gegeben h\u00e4tte. Zusammen mit dem Leitenden Bischof der VELKD hat Ulrich Fischer in unz\u00e4hligen Kommunikationen f\u00fcr dieses Zusammenwachsen geworben und den Weg daf\u00fcr geebnet, dass Reformierte, Unierte und Lutheraner sich als wechselseitig bereichernde Traditionen unserer evangelischen Kirche verstehen.<\/p>\n<p>Als \u201eMedienbischof\u201c hat Ulrich Fischer das Gemeinschaftswerk Evangelischer Publizistik \u00fcber viele Jahre gepr\u00e4gt. Und das ist kein Zufall. Denn ihm ist es immer darum gegangen, das Evangelium \u00f6ffentlich zu machen, seine Relevanz \u00fcber den Bereich des Privaten in die \u00d6ffentlichkeit deutlich zu machen und auch die Orientierungskraft des Evangeliums in den \u00f6ffentlichen Debatten zur Geltung zu bringen.<\/p>\n<p>Im Rat der EKD hat er sich immer ebenso mit Leidenschaft wie mit Besonnenheit eingebracht. Er hat dank seiner stabilen Gesundheit nie im Rat gefehlt. Und hat wesentlich zu der gemeinschaftlichen Atmosph\u00e4re in diesem Leitungsgremium der EKD und auch in der Gemeinschaft der Leitenden Geistlichen beigetragen. Es schmerzt, dass wir jetzt auf seine Lebensfreude, auf sein Engagement, auf seine Begeisterung f\u00fcr das Evangelium verzichten m\u00fcssen. Aber wir danken auch, dass Gott uns diesen Menschen geschenkt hat und dass er so viel Segen auf sein Leben gelegt hat.<\/p>\n<p>Er durfte am 21. Oktober sterben mitten in der Gemeinschaft seiner Familie. Alle, auch die Enkelkinder, haben ihn dabei begleitet.<\/p>\n<p>Was der Choral beschreibt, geht jetzt in Erf\u00fcllung: \u201eAch Herr, la\u00df dein lieb Engelein am letzten End die Seele mein in Abrahams Scho\u00df tragen, den Leib in sein&#8217;m Schlafk\u00e4mmerlein gar sanft, ohn einge Qual und Pein, ruhn bis am j\u00fcngsten Tage. Alsdenn vom Tod erwecke mich, da\u00df meine Augen sehen dich in aller Freud, o Gottes Sohn, mein Heiland und Gnadenthron\u201c.<\/p>\n<p>Wie darf man sich das vorstellen, dieses Ruhen im Schlafk\u00e4mmerlein bis zum j\u00fcngsten Tage? Ist er da jetzt schon? Oder erst viel sp\u00e4ter?<\/p>\n<p>Martin Luther hat die Antwort darauf einmal mit einem Bild verstehbar gemacht, das auch in der heutigen Erfahrungswelt nachvollziehbar ist. Wer in der Nacht pl\u00f6tzlich aufwacht, wei\u00df nicht, ob er Sekunden oder Stunden geschlafen hat. F\u00fcr einen Moment verschwimmt die Kategorie der Zeit. So \u2013 sagt Luther &#8211; ist es auch mit dem Leben nach dem Tod. Wenn die Toten am J\u00fcngsten Tag von Christus auferweckt werden, dann wissen sie nicht, wie lange sie geschlafen haben: \u201eSobald die Augen sich schlie\u00dfen, wirst du auferweckt werden. Tausend Jahre werden sein gleich als du ein halbes St\u00fcndlein geschlafen hast. Gleich wie wir nachts den Stundenschlaf h\u00f6ren und nicht wissen, wie lange wir geschlafen haben, so sind noch vielmehr im Tod tausend Jahre schnell weg. Ehe sich einer umsieht, ist er schon ein sch\u00f6ner Engel.\u201c<\/p>\n<p>Es ist ein St\u00fcck Ausdruck unserer Beziehung zu einem lieben Menschen, wenn wir uns vorstellen, wie es ihm im Himmel ergeht. Ich wei\u00df nicht, ob der von Karl Barth angezettelte Streit im Himmel weitergeht, ob denn nun Mozart oder Bach dort den musikalischen Ton angibt. Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass dort mit Ulrich Fischer die Bach-Fraktion Verst\u00e4rkung bekommt. Aber das wei\u00df ich nicht.<\/p>\n<p>Aber eines wei\u00df ich. Das herzliche Lachen von Ulrich Fischer, das wird zu h\u00f6ren sein. Und Gott wird sich in seiner ganzen Ewigkeit von Herzen daran freuen.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gilt das gesprochene Wort \u201eAch Herr, la\u00df dein lieb Engelein am letzten End die Seele mein in Abrahams Scho\u00df<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2628,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2627"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2627"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2627\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2629,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2627\/revisions\/2629"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2628"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}