{"id":2668,"date":"2020-12-16T14:02:20","date_gmt":"2020-12-16T14:02:20","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/12\/16\/impuls-zu-weihnachten-2020-werde-mensch-ekd\/"},"modified":"2020-12-16T14:02:22","modified_gmt":"2020-12-16T14:02:22","slug":"impuls-zu-weihnachten-2020-werde-mensch-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/12\/16\/impuls-zu-weihnachten-2020-werde-mensch-ekd\/","title":{"rendered":"Impuls zu Weihnachten 2020: \u201eWerde Mensch!\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>Bis zum Ende des Mittelalters waren Tugend, Gehorsam und Bu\u00dfe zentrale Begriffe christlichen Lebens. Mit dem Buchdruck und seinen M\u00f6glichkeiten, die Bibel, Flugbl\u00e4tter, aber auch B\u00fccher \u00fcber theologische und gesellschaftliche Themen f\u00fcr nahezu alle Menschen zug\u00e4nglich zu machen, trat ein dynamischer Wandel der Werte ein, jetzt wurde diskutiert und gestritten! Mit der Aufkl\u00e4rung trat das Individuum in die Mitte der Gesellschaft. Freiheit, Verantwortung und Toleranz wurden zu zentralen Werten des Miteinanders. Auch das Verst\u00e4ndnis des Evangeliums ver\u00e4nderte sich: Liebe, Toleranz, Freiheit, \u00dcbernahme von Verantwortung und offene Gesellschaft wurden nun auch zu Kennzeichen der Verwirklichung des Evangeliums in der irdischen Welt. Wie solche verschlungenen Wandlungen miteinander verbunden sind, l\u00e4sst sich nicht einfach sagen. Am besten spricht man \u201ekoevolution\u00e4r\u201c: Technische, gesellschaftliche und religi\u00f6se Entwicklungen geschehen Hand in Hand.<\/p>\n<p>Es kann sein, dass jede Zeit dazu neigt, ihre Deutung des Evangeliums f\u00fcr die Letztg\u00fcltige zu halten, so als sein man nun endlich am Gipfel der Geschichte angekommen und habe erkannt, wie das Evangelium \u201eeigentlich\u201c zu verstehen ist. Aber jedes Verst\u00e4ndnis des Evangeliums ist zeitgebunden. Die Geschichte geht weiter und wird auch \u00fcber unsere Zeit und ihre Einsichten hinweggehen. Es gibt sogar schon Zeichen einer Ver\u00e4nderung, in der wir uns bereits befinden. Die Klimakrise, die Flucht- und Migrationsbewegungen, der global aufgestellte Terrorismus wie die internationalen Finanzm\u00e4rkte haben \u2013 so unterschiedlich sie sind \u2013 eines gemeinsam: Sie werfen Fragen nach einem Kontrollmechanismus auf und wecken \u00c4ngste vor Kontrollverlust. Die Digitalisierung kann dazu als die technische Kunst gesehen werden, die diese Entwicklungen in ihrer Globalit\u00e4t und Geschwindigkeit erst erm\u00f6glicht. Nicht zuletzt wirft der Computer, mit dem erstmals ein Akteur an der Kommunikation teilnimmt, der \u201esich auf sein eigenes, von au\u00dfen nicht einsehbares Ged\u00e4chtnis beruft, w\u00e4hrend er sich an einer Kommunikation beteiligt, die es bis dato nur und ebenso ged\u00e4chtnisgest\u00fctzt mit den Bewusstseinssystemen von Menschen zu tun hatte\u201c (so der Soziologe Dirk Baecker), das Thema des Kontroll\u00fcberschusses bzw. Kontrollverlustes auf.\u00a0<\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie f\u00fchrt uns dieses Thema erstmals in einer Weise am Thema Gesundheit vor Augen, die un\u00fcbersehbar tief in unser aller Leben eingreift: Die Kontrolle der Zahl der Neuinfektionen wird zum Ma\u00dfstab, an dem alles Handeln auszurichten ist. Dem folgen auch die Kirchen: Alles kirchliche Leben bis zur Frage, ob Gottesdienste \u00fcberhaupt in Pr\u00e4senz stattfinden k\u00f6nnen und wenn ja, unter welchen Bedingungen, wird daran ausgerichtet, dass die Kontrolle \u00fcber die Neuinfektionen gew\u00e4hrleistet sein muss. Das ist das beherrschende Thema dieses Weihnachtsfestes 2020, das mit Kreativit\u00e4t, Engagement und viel geistlichem Mut in den Kirchengemeinden angepackt wird.<\/p>\n<p>Zugespitzt k\u00f6nnte man sagen: Wir feiern das Weihnachten im Jahre 1 des Zeitalters der Pandemien. Damit stehen wir mitten drin in einem gesellschaftlichen Wandel, in dem neu ausgehandelt werden muss, wie Freiheitsrechte und Lebensschutz, soziale und wirtschaftliche Interessen, Bildungschancen und auch die offene Gesellschaft mit offenen Grenzen in Europa und weltweiten Reisem\u00f6glichkeiten zueinander in eine neue Balance kommen k\u00f6nnen. Wenn die These koevolution\u00e4rer Entwicklungen richtig ist, dann wird sich mit diesem Wandel auch unser Verst\u00e4ndnis dessen, was der Kern des Evangeliums ist, ver\u00e4ndern. Die frohe Botschaft von der Geburt des Gottessohnes wird auf neue Bezugspunkte sto\u00dfen wie Kontrolle \u00fcber ein Infektionsgeschehen, F\u00fcrsorge f\u00fcr verletzliche Gruppen, Sicherheit im \u00f6ffentlichen Leben, Schutz der Landesgrenzen. Entscheidend wird sein, dies nicht einfach geschehen zu lassen, sondern uns als Kirchen und jede und jeder Einzelne als Christinnen und Christen daran engagiert zu beteiligen, uns einzumischen. Was bedeutet es, in dieser ver\u00e4nderten Gesellschaft Verantwortung zu \u00fcbernehmen, \u201eMensch\u201c zu sein, menschlich zu handeln?<\/p>\n<p>\u201eMach\u2019s wie Gott, werde Mensch!\u201c Es ist Gott, der in die Welt kommt. Mit unserem Handeln, mit aller Menschlichkeit und Liebe und F\u00fcrsorge werden wir immer nur einen schwachen Abglanz seines Handelns abbilden k\u00f6nnen. Deshalb k\u00f6nnen wir den Wandel mit Gelassenheit betrachten und uns mit christlicher Fr\u00f6hlichkeit einmischen. Denn unser Verst\u00e4ndnis des Evangeliums wird den Kern nie voll erfassen. Gottes Kommen in die Welt bleibt ein Geheimnis, und das ist gut so. Der gute Ausgang unseres Lebens liegt nicht in unserer, sondern in Gottes Hand. Deshalb verk\u00fcndigen wir auch nach 2000 Jahren mit den Engeln von Bethlehem: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren!\u201c<\/p>\n<p>Horst Gorski<br \/>Hannover, Dezember 2020<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis zum Ende des Mittelalters waren Tugend, Gehorsam und Bu\u00dfe zentrale Begriffe christlichen Lebens. 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