{"id":2743,"date":"2021-01-01T11:17:59","date_gmt":"2021-01-01T11:17:59","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/01\/01\/aufruf-zur-tat-seid-barmherzig-jahreslosung-fuer-2021-passt-in-die-zeit-ekd\/"},"modified":"2021-01-01T11:18:02","modified_gmt":"2021-01-01T11:18:02","slug":"aufruf-zur-tat-seid-barmherzig-jahreslosung-fuer-2021-passt-in-die-zeit-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/01\/01\/aufruf-zur-tat-seid-barmherzig-jahreslosung-fuer-2021-passt-in-die-zeit-ekd\/","title":{"rendered":"Aufruf zur Tat &#8211; &#8222;Seid barmherzig!&#8220;: Jahreslosung f\u00fcr 2021 passt in die Zeit \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>Duden-Chefredakteurin Kathrin Kunkel-Razum best\u00e4tigt: Barmherzigkeit ist ein gehobener Begriff, er kommt eher geschrieben als gesprochen vor. Und eben in der Bibel: Die Jahreslosung der christlichen Kirchen f\u00fcr 2021 steht im Lukasevangelium: &#8222;Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!&#8220; (6. Kapitel, Vers 36).<\/p>\n<p>Mit &#8222;mitf\u00fchlend&#8220; und &#8222;Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Not anderer zeigend&#8220; beschreibt der Duden, was unter dem Adjektiv &#8222;barmherzig&#8220; zu verstehen ist. F\u00fcr Sprachwissenschaftler Peter Schlobinski reicht blo\u00dfes Mitgef\u00fchl nicht aus. &#8222;Ein barmherziger Mensch ist &#8211; wie der barmherzige Samariter aus der Bibel &#8211; kein Mensch, der nur Mitleid hat, sondern jemand, der auch t\u00e4tig wird und hilft&#8220;, erl\u00e4utert der Professor f\u00fcr Germanistische Linguistik der Leibniz Universit\u00e4t Hannover.<\/p>\n<p>Schlobinski f\u00fchrt das Wort auf die Bibel zur\u00fcck, aus deren \u00dcbersetzung schlie\u00dflich das althochdeutsche Wort &#8222;armherzi&#8220; (8. bis 9. Jahrhundert) und das mittelhochdeutsche &#8222;barmherze&#8220; (11. bis 14. Jahrhundert) entstanden sind. Das Wort &#8222;barmherzig&#8220; habe sich dabei aus zwei W\u00f6rtern zusammengesetzt: aus &#8222;arm&#8220; im Sinne von schwach oder hilflos und &#8222;Herz&#8220;. Es geht also um ein Herz f\u00fcr Arme.<\/p>\n<p>Doch wie gut passt Barmherzigkeit in das 21. Jahrhundert? Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ist sich sicher, dass barmherziges Handeln &#8211; auch wenn es f\u00fcr manche wie von gestern klingen mag &#8211; im Jahr 2021 dringend gebraucht wird. &#8222;In diesem Pandemie-Jahr ist Barmherzigkeit eine zentrale Ressource, an der sich entscheidet, ob wir geschw\u00e4cht oder gest\u00e4rkt aus dieser Erfahrung hervorgehen&#8220;, sagt er. Wie gut die Corona-Pandemie bew\u00e4ltigt werde, h\u00e4nge ma\u00dfgeblich davon ab, inwiefern die Gesellschaft zu Barmherzigkeit in der Lage sei.<\/p>\n<p>Die evangelische Theologin Margot K\u00e4\u00dfmann richtet ihren Blick auf die Politik: &#8222;Barmherzigkeit 2021 wird auch bedeuten, im R\u00fcckblick auf die Pandemie anderen zuzugestehen, Fehler gemacht zu haben &#8211; etwa in der Politik&#8220;, sagt sie. &#8222;Weil Menschen unausweichlich Fehler machen, gerade angesichts dramatischer Herausforderungen.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>Sie denke beim Thema Barmherzigkeit auch an Menschen auf den griechischen Inseln, die Gefl\u00fcchtete versorgten: &#8222;Sie haben ein Herz f\u00fcr andere.&#8220; Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister mahnt: &#8222;Wir brauchen Barmherzigkeit mehr denn je. Wir brauchen eine Gesellschaft der offenen Herzen f\u00fcreinander.&#8220;<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hofft, dass das Leid anderer im neuen Jahr st\u00e4rker von der Gesellschaft wahrgenommen wird. Es brauche zum Beispiel echtes Mitgef\u00fchl f\u00fcr die Verunsicherung und \u00c4ngste der Menschen in der Corona-Krise. Nach Einsch\u00e4tzung des Bischofs des katholischen Bistums Osnabr\u00fcck und stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Franz-Josef Bode, wird sich Barmherzigkeit 2021 in konkretem Handeln zeigen &#8211; etwa darin, &#8222;sich weiterhin den Regeln entsprechend zu verhalten, seine N\u00e4chsten zu st\u00e4rken und all denen den Impfstoff zuerst zukommen zu lassen, die ihn n\u00f6tiger haben als ich&#8220;.<\/p>\n<p>Der altmodisch klingende Begriff ist f\u00fcr den nieders\u00e4chsischen Ministerpr\u00e4sidenten Stephan Weil (SPD) zweitrangig. Es komme viel mehr auf den Inhalt an, sagt er. &#8222;Was Barmherzigkeit ausmacht, ist so aktuell wie wohl seit Jahren nicht mehr. In un\u00fcbersichtlichen Zeiten, in Krisen zumal, brauchen wir ein solidarisches Miteinander als ganz wesentliche S\u00e4ule unseres Gemeinwesens.&#8220;<\/p>\n<p>Dass die diesj\u00e4hrige Jahreslosung so genau auf die Umst\u00e4nde im Jahr 2021 zutrifft, ist Zufall. Der jeweilige Bibelspruch wird vier Jahre im Voraus von der \u00d6kumenischen Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Bibellesen (\u00d6AB) ausgew\u00e4hlt. An eine Pandemie war damals noch nicht zu denken, viel mehr vermutete das \u00d6AB-Gremium, dass Barmherzigkeit im Zusammenhang mit dem Fl\u00fcchtlingszuzug nach Europa ein gutes Stichwort sei, erkl\u00e4rt \u00d6AB-Vorsitzender Wolfgang Baur. Letztlich sei es aber gleich, welches Thema das neue Jahr dominiere. Die Jahreslosung f\u00fcr 2021 rufe die Menschen dazu auf, sozial zu handeln.\u00a0<\/p>\n<p>2021 sei Mitgef\u00fchl gefragt, sagt Bedford-Strohm. Versetze man sich nur mal &#8222;in die Lage der 87-J\u00e4hrigen in ihrem Seniorenheim am Stadtrand von Bremen oder in die Lage der Krankenschwester im Klinikum rechts der Isar, die angesichts der vielen Covid-19-Kranken mit ihrer Kraft am Ende ist&#8220;. Und eben weil das Wort &#8222;Herz&#8220; als menschliches Organ ein Bestandteil des Wortes &#8222;Barmherzigkeit&#8220; ist, will die Pr\u00e4sidentin der Bremischen Evangelischen Kirche, Edda Bosse, an diesem Begriff festhalten: &#8222;Da bin ich gerne ein bisschen altmodisch.&#8220;<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Duden-Chefredakteurin Kathrin Kunkel-Razum best\u00e4tigt: Barmherzigkeit ist ein gehobener Begriff, er kommt eher geschrieben als gesprochen vor. 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