{"id":2841,"date":"2021-01-25T14:24:53","date_gmt":"2021-01-25T14:24:53","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/01\/25\/ich-fuehle-mich-dem-lebensschutz-verpflichtet-ekd\/"},"modified":"2021-01-25T14:24:54","modified_gmt":"2021-01-25T14:24:54","slug":"ich-fuehle-mich-dem-lebensschutz-verpflichtet-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/01\/25\/ich-fuehle-mich-dem-lebensschutz-verpflichtet-ekd\/","title":{"rendered":"\u201eIch f\u00fchle mich dem Lebensschutz verpflichtet\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>Welche?\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Bedford-Strohm:<\/strong> Eine gute palliative Begleitung, Schmerzmedizin und eine gute seelsorgerliche Unterst\u00fctzung. Es gibt im Extremfall palliative Sedierung. Viele wissen nicht, was schon jetzt m\u00f6glich ist. Nat\u00fcrlich ist der Wunsch, selbstbestimmt zu sterben, zu respektieren. Schon jetzt kann mir mit guten Gr\u00fcnden niemand eine lebensverl\u00e4ngernde Ma\u00dfnahme verordnen, die ich nicht will.<\/p>\n<p><em>Wenn ein Betroffener aber trotzdem Suizidassistenz in Anspruch nehmen will, wie soll sich die evangelische Einrichtung konkret verhalten?<\/em><\/p>\n<p><strong>Bedford-Strohm:<\/strong> F\u00fcr mich ist klar, dass wir uns nicht organisatorisch beteiligen k\u00f6nnen, weil wir mit dem assistierten Suizid nicht einverstanden sind. Alle anderen Formen der Begleitung m\u00fcssen offenbleiben und es bleibt jetzt zu kl\u00e4ren, welche das sind. Wir m\u00fcssen dazu auch die betroffenen Einrichtungen fragen. Da stehen wir erst am Anfang eines Prozesses, f\u00fcr den jetzt erst einmal der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen schafft. Nochmal: Wir lassen niemanden allein. Auch ich habe schon mit Menschen gebetet, dass Gott sie sterben lassen m\u00f6ge. Das ist aber etwas anderes, als mich zum Teil eines organisierten Prozesses zur aktiven Beendigung menschlichen Lebens zu machen.<\/p>\n<p><em>Was bedeutet f\u00fcr Sie &#8222;organisiert&#8220;?<\/em><\/p>\n<p><strong>Bedford-Strohm:<\/strong> &#8222;Organisiert&#8220; w\u00fcrde bedeuten, dass die Kirche Teil eines Prozesses wird, an dessen Ende der Suizid eines Menschen stehen soll. Zum Beispiel darf die Beratung betroffener Menschen nicht nur die zu absolvierende Vorstufe daf\u00fcr sein, dass ein Mensch alle Mittel f\u00fcr den Suizid zur Verf\u00fcgung gestellt bekommt.\u00a0<\/p>\n<p><em>Durch die Diskussion sind Meinungsunterschiede zu dem Thema in der evangelischen Kirche sichtbar geworden. Wie geht es nun weiter?<\/em><\/p>\n<p><strong>Bedford-Strohm:<\/strong> Es geht jetzt darum, in diesem Spannungsfeld einen konkreten Weg zu finden. dazu geh\u00f6rt auch die Frage, ob und inwieweit das \u00fcberhaupt &#8222;von oben&#8220; festgelegt werden kann. Gewissensentscheidungen in Grenzf\u00e4llen entziehen sich ohnehin solchen Festlegungen. Ich gehe davon aus, dass es innerhalb der evangelischen Kirche zwar keinen vollst\u00e4ndigen Konsens geben wird, wohl aber eine gemeinsame Grundhaltung f\u00fcr den Lebensschutz. Die hat auch der Rat der EKD als gew\u00e4hltes Repr\u00e4sentativorgan der EKD in seiner Position deutlich zum Ausdruck gebracht.<\/p>\n<p><em>Und Sie meinen, die Position wird sich durch die Diskussion nicht ver\u00e4ndern?<\/em><\/p>\n<p><strong>Bedford-Strohm:<\/strong> Jede Diskussion muss ergebnisoffen sein, sonst braucht man nicht zu diskutieren. Aber ich sage zugleich, die jetzige Position ist das Ergebnis langj\u00e4hriger Diskussionsprozesse. Ich erwarte nicht, dass sie sich grundlegend \u00e4ndern wird. Eher m\u00fcssen wir genauer kl\u00e4ren, wie wir diese Gratwanderung schaffen zwischen der Ablehnung der aktiven Beendigung menschlichen Lebens und der Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Dilemmasituationen, die Gewissensentscheidungen erfordern. Mir geht es um eine substanzielle Debatte in gegenseitiger Achtung und Respekt. Wir brauchen keine Emp\u00f6rungsdebatte. Dass eine respektvolle Diskussion auch bei sehr unterschiedlichen Positionen m\u00f6glich ist, hat nicht zuletzt der Bundestag mit seiner Behandlung des Themas eindrucksvoll gezeigt.<\/p>\n<p><em>Manche sagen, man muss die Sterbehilfe liberalisieren, damit Menschen nicht auf gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfige Sterbehilfeorganisationen angewiesen sind. Was sagen Sie dazu?<\/em><\/p>\n<p><strong>Bedford-Strohm<\/strong>: Es ist kein Weg, etwas, das man ablehnt, lieber besser machen zu wollen. Das ist f\u00fcr mich auch ethisch nicht stimmig. Die Unverf\u00fcgbarkeit menschlichen Lebens liegt f\u00fcr mich in der Gottebenbildlichkeit des Menschen begr\u00fcndet. Deswegen gibt es mit guten Gr\u00fcnden diese innere Hemmung gegen die aktive Beendigung menschlichen Lebens. Und deswegen ist es falsch zu sagen, dass die evangelische Kirche sich mitschuldig daran macht, dass Menschen zu zweifelhaften Sterbehilfeorganisationen gehen, weil wir es nicht selbst machen.<\/p>\n<p><em>Der Gesetzgeber k\u00f6nnte eine Neuregelung der Suizidassistenz oder ein Schutzkonzept auf den Weg bringen. Haben Sie eine Vorstellung, wie das aussehen k\u00f6nnte?<\/em><\/p>\n<p><strong>Bedford-Strohm:<\/strong> Auch dem Bundesverfassungsgericht ist ja sehr bewusst, dass das Thema assistierter Suizid offen f\u00fcr Missbrauch ist. Deswegen hat es angeregt, ein Schutzkonzept durch den Gesetzgeber auf den Weg zu bringen. Wir als Kirchen wollen an dem Gesetzgebungsprozess mitwirken. Wir wollen aber nicht daran mitwirken, um den assistierten Suizid zu erm\u00f6glichen, sondern um im Sinne einer Optimierung der Schutzma\u00dfnahmen wie etwa intensiver palliativer und seelsorgerlicher Betreuung einzuwirken. Es darf nie ein Fall eintreten, in dem ein Mensch sich den Tod w\u00fcnscht, weil er nicht menschlich oder schmerzmedizinisch gut begleitet worden ist. Das ist aus meiner Sicht auch bei allen Akteuren, die jetzt diskutieren, konsensf\u00e4hig. Und nat\u00fcrlich ist auch Beratung Teil eines solchen Konzepts.\u00a0<\/p>\n<p><em>Will sich die EKD in einem m\u00f6glichen Gesetzgebungsprozess f\u00fcr Ausnahmen f\u00fcr kirchliche Einrichtungen einsetzen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Bedford-Strohm:<\/strong> Von einer solchen Debatte sind wir weit entfernt. Ich sehe auch nicht, dass am Ende des Gesetzgebungsverfahrens eine explizite Verpflichtung herauskommen wird, dass es in jeder Einrichtung die organisierte M\u00f6glichkeit zum assistierten Suizid geben muss. Keine Einrichtung kann gezwungen werden, sich daran zu beteiligen. Wir werden aber bis zuletzt keinen Menschen alleinlassen.\u00a0<\/p>\n<p><em>Sie w\u00fcnschen sich bei dem Thema auch Konsens mit der katholischen Kirche. Bei ethischen Fragen ist das gar nicht so selbstverst\u00e4ndlich. Warum ist Ihnen in diesem Fall der \u00f6kumenische Schulterschluss so wichtig?<\/em><\/p>\n<p><strong>Bedford-Strohm<\/strong>: Wir kommen nicht aus kirchenpolitischen Gr\u00fcnden zu unseren Positionen, sondern sind inhaltlich von dem \u00fcberzeugt, was wir vertreten. Der \u00f6kumenische Konsens \u00fcber manche ethischen Fragen ist gr\u00f6\u00dfer, als es manchmal dargestellt wird. Bei der Sterbehilfe haben wir sogar einen breiten Konsens: F\u00fcr uns steht der Lebensschutz im Vordergrund, ohne die Grenzsituationen auszublenden.<\/p>\n<p style=\"text-align:right\"><em>epd-Gespr\u00e4ch: Corinna Buschow und Franziska Hein<\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche?\u00a0 Bedford-Strohm: Eine gute palliative Begleitung, Schmerzmedizin und eine gute seelsorgerliche Unterst\u00fctzung. Es gibt im Extremfall palliative Sedierung. 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