{"id":2966,"date":"2021-02-28T10:26:26","date_gmt":"2021-02-28T10:26:26","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/02\/28\/der-sonntag-ein-tag-der-freiheit-ekd\/"},"modified":"2021-02-28T10:26:27","modified_gmt":"2021-02-28T10:26:27","slug":"der-sonntag-ein-tag-der-freiheit-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/02\/28\/der-sonntag-ein-tag-der-freiheit-ekd\/","title":{"rendered":"Der Sonntag \u2013 ein Tag der Freiheit! \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p class=\"EKDAdressdaten\">Anl\u00e4sslich des Jubil\u00e4ums \u201e1700 Jahre freier Sonntag\u201c erinnern die christlichen Kirchen an den bleibenden Wert eines arbeitsfreien Sonntags und die Wichtigkeit seines Schutzes. Am 3.\u00a0M\u00e4rz 321 hatte der r\u00f6mische Kaiser Konstantin den Sonntag zum reichsweiten Feiertag erhoben. Gemeinsam erkl\u00e4ren der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg B\u00e4tzing, und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron:<\/p>\n<p class=\"EKDAdressdaten\">Der Sonntag unterbricht den Alltag, gibt dem Leben Rhythmus, schafft individuelle Freir\u00e4ume, verbindet Menschen und f\u00f6rdert das Gemeinwohl. Im Bewusstsein vieler Menschen ist der Sonntag daher als wichtiges und sch\u00fctzenswertes \u201eKulturgut\u201c tief verankert.<\/p>\n<p class=\"EKDAdressdaten\">Wie sehr Menschen eine \u201eStruktur der Zeit\u201c brauchen, haben uns die Erfahrungen der Corona-Pandemie einmal mehr ins Bewusstsein gerufen: Die sonnt\u00e4glichen Besuche bei der Verwandtschaft oder Angeh\u00f6rigen im Pflegeheim konnten nicht stattfinden, die Fu\u00dfballmannschaft der Tochter durfte nicht mehr spielen, Gottesdienstbesuche waren gar nicht oder nur unter strengen Auflagen m\u00f6glich. Der Sonntag gibt eigentlich Gelegenheit zur gemeinsam frei gestalteten Zeit. So gut wie jeder von uns muss sich aber in der Pandemie von Gewohntem und Gesch\u00e4tztem, mitunter sogar Notwendigem, verabschieden. Zugleich verschwimmt mehr und mehr der f\u00fcr uns Menschen wichtige Rhythmus zwischen Arbeits- und Freizeiten durch Homeoffice, mobiles Arbeiten oder asynchrone Arbeitszeiten. Digitale Transformation wird nicht nur das Arbeiten ver\u00e4ndern, sie wird auch den Sonntag ver\u00e4ndern, das Miteinander, die Begegnungen, das gemeinsame Feiern, Leben \u2013 und wom\u00f6glich uns selbst. Denn: Die Seele braucht die Unterbrechung des Alltags. Und der Sonntag ist so ein Tag zum Abschalten, im w\u00f6rtlichen wie \u00fcbertragenen Sinne.<\/p>\n<p class=\"EKDAdressdaten\">1700 Jahre Schutz des Sonntags. Inmitten der Pandemieerfahrungen unterbricht uns nun dieses Jubil\u00e4um, l\u00e4sst uns innehalten, um den Wert des arbeitsfreien Sonntags zu w\u00fcrdigen:<\/p>\n<p class=\"EKDAdressdaten\">Der Sonntag ist in Artikel 140 unseres Grundgesetzes als Tag \u201eder Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung\u201c gesetzlich gesch\u00fctzt. Der zweite Aspekt ist auch ein Hinweis auf die religi\u00f6sen Wurzeln des Sonntags: F\u00fcr Christinnen und Christen hat der Sonntag seine herausragende Bedeutung als Tag der Auferstehung Jesu Christi. Der sonnt\u00e4gliche Gottesdienst steht daher im Mittelpunkt des Lebens der Kirche. Die ersten staatlichen Ma\u00dfnahmen zum Schutz dieses religi\u00f6s motivierten Feiertags reichen weit zur\u00fcck: Vor 1700 Jahren verf\u00fcgte der r\u00f6mische Kaiser Konstantin I. den <em>dies solis<\/em> (= Tag der Sonne) zum reichsweiten Feiertag und stellte ihn unter besonderen Schutz. Dieser 3. M\u00e4rz 321 gilt als der erste Moment staatlicher Sonntagsschutzgesetzgebung.<\/p>\n<p class=\"EKDAdressdaten\">Auch andere Religionen, wie zum Beispiel der Islam und das Judentum, kennen und feiern w\u00f6chentlich wiederkehrende Tage der Ruhe, Besinnung und Feier. Die christliche Tradition eines gemeinsamen, regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrenden Ruhetags entstammt dem Schabbat des Judentums, mit dem wir als Christen so zentrale Texte wie die Sch\u00f6pfungsgeschichte und die Zehn Gebote gemeinsam haben. In einem Jahr, in dem wir ebenfalls 1700 Jahre Judentum in Deutschland feiern d\u00fcrfen, wollen wir daran erinnern, dass neben vielen anderen Werten und Traditionen auch der Tag ohne Arbeit ein Geschenk der j\u00fcdisch-christlichen Tradition an alle Menschen ist. Unter den christlichen Denominationen feiert beispielsweise die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten den Schabbat.<\/p>\n<p class=\"EKDAdressdaten\">Den Tag ohne Arbeit k\u00f6nnen allerdings nicht alle in Anspruch nehmen. Zahlreiche Menschen arbeiten, um die Grundversorgung f\u00fcr alle Menschen aufrechtzuerhalten und unaufschiebbaren Bed\u00fcrfnissen zu begegnen. So sind in Krankenh\u00e4usern, Pflegeeinrichtungen, im Nahverkehr, an Tankstellen, in der Strom- oder Wasserversorgung, im Nachrichtenwesen und vielen anderen Bereichen zahlreiche Menschen trotz des Sonntags besch\u00e4ftigt. Auch in Gastronomie, Kultur- und Freizeiteinrichtungen arbeiten Menschen f\u00fcr den Sonntagsgenuss anderer. Diese T\u00e4tigkeiten sind keine Selbstverst\u00e4ndlichkeiten und sollten auch nicht als solche betrachtet werden. Menschen, die sich trotz des Sonntags oder f\u00fcr den Sonntag bet\u00e4tigen, verdienen unsere Wertsch\u00e4tzung und eine besondere Form der Verg\u00fctung oder des Dankes, wenn sie ihre Sonntagsruhe aufgeben, um sie anderen zu erm\u00f6glichen. Sonntagsarbeit ist allerdings keine regul\u00e4re Arbeit. Daher sollten Berufsgruppen, die sonntags arbeiten, eng umgrenzt werden, Ausnahmen nur zur\u00fcckhaltend und auf das absolut Notwendigste beschr\u00e4nkt gew\u00e4hrt werden. Der Sonntag ist kein gew\u00f6hnlicher Tag und darf es auch nicht werden. Ohne Arbeit kann der Mensch nicht leben, sie ist notwendig. Doch ist der Mensch nicht f\u00fcr die Arbeit da, sondern umgekehrt. Das betont auch Papst Franziskus:<\/p>\n<p class=\"EKDAdressdaten\">\u201eDer arbeitsfreie Sonntag \u2013 mit Ausnahme der notwendigen Dienstleistungen \u2013 besagt, dass die Priorit\u00e4t nicht im wirtschaftlichen, sondern im menschlichen Bereich liegt, in der Unentgeltlichkeit, nicht in kommerziellen, sondern in famili\u00e4ren, freundschaftlichen Beziehungen, f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen in der Beziehung zu Gott und zur Gemeinschaft. Vielleicht ist der Augenblick gekommen, uns zu fragen, ob die Sonntagsarbeit eine wahre Freiheit ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"EKDAdressdaten\">Jeder und jedem von uns kommt die Aufgabe eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Zeit zu. Durch unser eigenes Tun und Lassen entscheiden wir Menschen dar\u00fcber, welchen Wert und welche Qualit\u00e4t der Sonntag f\u00fcr uns hat. Wie der Staat aufgerufen ist, den arbeitsfreien Sonntag zu sch\u00fctzen und dessen Erosion zu verhindern, so sind wir alle aufgerufen, daf\u00fcr zu sorgen, dass wir aufgrund des Strebens nach vermeintlicher Freiheit nicht unsere tats\u00e4chliche Freiheit aufgeben, die wir in der segensreichen Errungenschaft eines gemeinsamen arbeitsfreien Sonntags besitzen. Denn der Sonntag ist f\u00fcr den Menschen da. Und \u2013 wie es Albert Schweitzer formulierte \u2013 \u201ewenn Deine Seele keinen Sonntag hat, dann verdorrt sie\u201c.<\/p>\n<p class=\"EKDAdressdaten\">Hannover, 28. Februar 2021<\/p>\n<p class=\"EKDAdressdaten\">Pressestelle der EKD<br \/>Carsten Splitt<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des Jubil\u00e4ums \u201e1700 Jahre freier Sonntag\u201c erinnern die christlichen Kirchen an den bleibenden Wert eines arbeitsfreien Sonntags und die<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":569,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2966"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2966"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2966\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2967,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2966\/revisions\/2967"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/569"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2966"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2966"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2966"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}