{"id":3107,"date":"2021-04-20T21:16:16","date_gmt":"2021-04-20T21:16:16","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/04\/20\/das-letzte-hemd-das-opa-trug-ekd\/"},"modified":"2021-04-20T21:16:18","modified_gmt":"2021-04-20T21:16:18","slug":"das-letzte-hemd-das-opa-trug-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/04\/20\/das-letzte-hemd-das-opa-trug-ekd\/","title":{"rendered":"\u201eDas letzte Hemd, das Opa trug\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p><em>Frau B\u00f6senberg \u2013 Sie haben das Kunstprojekt der\u00a0Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in der Hospizbewegung\u00a0Weingarten-Baienfurt-Berg als Lehrerin begleitet.\u00a0Was ist die Hospizbewegung genau und woher\u00a0kam die Idee f\u00fcr das Projekt?<\/em><\/p>\n<p><strong>Anne B\u00f6senberg (AB)<\/strong>: Die Hospizbewegung Wein- garten-Baienfurt-Berg ist ein gemeinn\u00fctziger Verein mit ca. 30 freiwilligen Begleiterinnen und Begleitern, der Schwerkranke, Sterbende sowie deren Angeh\u00f6rige unterst\u00fctzt. Der Impuls zu dem Projekt kam von der Mutter eines ehemaligen Sch\u00fclers, Frau <em>Antje Cla\u00dfen<\/em>, und der hauptamtlichen Leiterin der Hospizbewegung, Frau <em>Dorothea Baur<\/em>.<\/p>\n<p><em>Sicher ist es keine leichte Herausforderung, an und f\u00fcr einen solchen Ort Kunstwerke zu entwerfen\u2026<\/em><\/p>\n<p><strong>AB<\/strong>: Es war allen bald bewusst: Hier w\u00fcrden nicht in erster Linie kunstinteressierte Besucher \u00fcber mehrere Wochen die Werke betrachten, sondern Menschen, die sich in einer extremen existentiel- len Situation befinden. Menschen, die in der Regel gerade einen Sterbenden begleiten und betreuen und deshalb das B\u00fcro aufsuchen. Au\u00dferdem die freiwilligen Begleiter, die an diesem Ort f\u00fcr Besprechungen und Fortbildung zusammenkommen.<\/p>\n<p><em>Wie sind die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit dem Thema \u201eLeben und Sterben\u201c\u00a0bzw. \u201eBegleitung am Lebensende\u201c\u00a0umgegangen?<\/em><\/p>\n<p><strong>AB<\/strong>: Als wir uns das B\u00fcro der Hospizbewegung angeschaut haben, haben uns die Menschen des Vereins viel von ihrer Arbeit und ihren Erfahrun- gen erz\u00e4hlt. Es wurde deutlich: Bei diesem Thema geht es um etwas, das alle betreffen kann\u00a0 und muss \u2013 und es gab viele Fragen. Nach anf\u00e4nglicher Zur\u00fcckhaltung stellte sich heraus, dass einige der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auch bereits pers\u00f6nliche\u00a0Erfahrungen in Familie und Bekanntenkreis mit Tod und Sterben gemacht hatten.<\/p>\n<p><em>Welche Rolle spielte der Raum bei der Entwick- lung konkreter gestalterischer Ideen?<\/em><\/p>\n<p><strong>AB:<\/strong> In diesem Fall luden die gro\u00dfen Schaufensterfl\u00e4chen ein, den Lichteinfall und die Betrachtungsm\u00f6glichkeit von au\u00dfen zu nutzen. Au\u00dferdem war es m\u00f6glich, Dinge an der Decke zu befestigen und direkt in den Raum einzugreifen.<\/p>\n<p><em>Welche weiteren Impulse waren hilfreich f\u00fcr die Kunstwerke?<\/em><\/p>\n<p><strong>AB:<\/strong> Wir haben uns mit Werken bekannter K\u00fcnstler besch\u00e4ftigt, z. B. von Anselm Kiefer, Christian Boltanski oder Gerhard Richter, die sich mit den existentiellen Themen des Mensch-Seins auseinandersetzen, \u2013 mit Grenzerfahrungen, dem Tod, aber auch mit Erinnerung. Wir sammelten Ideen, mit welchen bildnerischen Mitteln Dinge\u00a0 gestaltet werden k\u00f6nnten, welche kaum oder gar nicht sichtbar, greifbar und fassbar sein k\u00f6nnen, z. B. Transparenz, Unsch\u00e4rfe, Trennung oder Aufl\u00f6sung.<\/p>\n<p><em>Die Vielfalt und Individualit\u00e4t der Arbeiten ist wirklich erstaunlich \u2013 sowohl was Material und Techniken betrifft als auch den Grad an N\u00e4he und Abstraktion. Das \u201eletzte Hemd, das Opa trug\u201c\u00a0erz\u00e4hlt beispielsweise eine sehr pers\u00f6nliche Geschichte. Anderes \u2013 die bunten Ginkgo-Bl\u00e4tter \u2013 haben eher eine starke Symbolkraft.<\/em><\/p>\n<p><strong>AB:<\/strong> Es ging mitunter genau darum, in welcher Weise jeder Sch\u00fcler, jede Sch\u00fclerin pers\u00f6nlich betroffen war, welche Fragen sich besonders aufdr\u00e4ngten und welche Begriffe und Motive sich \u201efestsetzten\u201c.<\/p>\n<p><em>Und haben Sie auch w\u00e4hrend der Gestaltungspro- zesse weiterhin \u00fcber das Thema und die Ideen gesprochen?<\/em><\/p>\n<p><strong>AB:<\/strong> Es war wichtig, die Umsetzung der Ideen immer wieder gemeinsam zu hinterfragen, zu diskutieren und zu sch\u00e4rfen; die entscheidenden Schnittstellen zu\u00a0 finden,\u00a0an\u00a0 denen\u00a0aus\u00a0naiverz\u00e4hlerischen Ans\u00e4tzen (so verst\u00e4ndlich und notwendig diese waren) konzentrierte Bildaussagen werden konnten. Ziel war dabei auch, mit den Kunstwerken andere Menschen zum Nachsinnen anzuregen und\u00a0ihnen\u00a0wenn m\u00f6glich \u2013 einen positiven, tr\u00f6stenden Gedanken mitzugeben.<\/p>\n<p><em>Wie haben die Besucherinnen und Besucher auf die Ausstellung reagiert?<\/em><\/p>\n<p>AB: Am Abend der Er\u00f6ffnung gab es viele Begegnungen und einen intensiven Austausch zwischen den jungen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern und den Besuchern. Ich glaube schon, dass die Ausstellung bei vielen nachgeklungen ist. F\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und auch f\u00fcr mich waren die kreative Auseinandersetzung mit dem Thema \u201eLeben und Sterben\u201c\u00a0und die Begegnungen und Gespr\u00e4che mit Menschen, die sich t\u00e4glich Sterbenden zuwenden und ihnen zur Seite stehen, auf jeden Fall eine bereichernde und nachhaltige Erfahrung.<\/p>\n<hr\/>\n<p><em>Dr. Anne-Kathrin Pappert<\/em><\/p>\n<p><em>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Woche f\u00fcr das Leben und Referentin f\u00fcr Bio-, Medizin- und Umweltethik im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frau B\u00f6senberg \u2013 Sie haben das Kunstprojekt der\u00a0Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in der Hospizbewegung\u00a0Weingarten-Baienfurt-Berg als Lehrerin begleitet.\u00a0Was ist die Hospizbewegung genau<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3108,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3107"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3107"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3107\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3109,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3107\/revisions\/3109"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3108"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}