{"id":3912,"date":"2021-11-07T12:19:44","date_gmt":"2021-11-07T12:19:44","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/11\/07\/grusswort-von-bischof-dr-franz-josef-bode-stellvertretender-vorsitzender-der-deutschen-bischofskonferenz-ekd\/"},"modified":"2021-11-07T12:19:44","modified_gmt":"2021-11-07T12:19:44","slug":"grusswort-von-bischof-dr-franz-josef-bode-stellvertretender-vorsitzender-der-deutschen-bischofskonferenz-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/11\/07\/grusswort-von-bischof-dr-franz-josef-bode-stellvertretender-vorsitzender-der-deutschen-bischofskonferenz-ekd\/","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort von Bischof Dr. Franz-Josef Bode, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p>Sehr geehrte Pr\u00e4ses der Synode, liebe Frau Heinrich!<br \/>Sehr geehrter Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, lieber Landesbischof Dr. Bedford-Strohm!<br \/>Verehrte Synodale!<br \/>Sehr geehrte Damen und Herren!<\/p>\n<p>Herzlich gr\u00fc\u00dfe ich Sie, auch im Namen meiner Mitbr\u00fcder in der Deutschen Bischofskonferenz, zur zweiten Tagung der im Mai 2021 neu konstituierten Synode der EKD. Sie werden in den n\u00e4chsten Tagen den Rat der EKD und seinen Vorsitzenden oder seine Vorsitzende neu w\u00e4hlen. In dieser Situation nehme ich gern die Gelegenheit wahr, den bisherigen Ratsmitgliedern und allen voran Ihnen, lieber Bruder Bedford-Strohm, f\u00fcr Ihre Arbeit in den zur\u00fcckliegenden Jahren zu danken. Sie haben den 500. Jahrestag der Reformation in einer Weise gestaltet, die uns auch \u00f6kumenisch einander n\u00e4hergebracht hat. Gemeinsam haben wir aus diesem Anlass ein Christusfest gefeiert, das unser gemeinsames Bekenntnis zu dem einen Herrn und Erl\u00f6ser Jesus Christus ins Zentrum r\u00fcckte. Der Glaube an ihn ist das Bindeglied zwischen Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen, das durch nichts zerst\u00f6rt werden kann. Mein Dank gilt an dieser Stelle ausdr\u00fccklich auch Frau Dr. Irmgard Schwaetzer, die im Mai nicht zur Wiederwahl zur Synodenpr\u00e4ses angetreten war. Sie war eine profilierte und zugleich \u00f6kumenisch zugewandte Vertreterin der Evangelischen Kirche in Deutschland. Mit Ihnen, liebe Frau Heinrich, hat ein Generationenwechsel stattgefunden. Sie haben bereits einige vielbeachtete Schritte als neue Synodenpr\u00e4ses unternommen, und ich bin beeindruckt davon, wie sehr Sie die pers\u00f6nliche\u00a0Begegnung mit Menschen suchen. F\u00fcr Ihre k\u00fcnftige T\u00e4tigkeit in diesem Amt w\u00fcnsche ich Ihnen, dass Sie sich Ihre Neugier und Ihre Offenheit bewahren k\u00f6nnen, und f\u00fcr die Wahrnehmung Ihrer Aufgaben Gottes Segen.<\/p>\n<p>In der katholischen Kirche steht in diesen Zeiten das Thema \u201eSynodalit\u00e4t\u201c im Vordergrund. Vor wenigen Wochen fand in Deutschland die zweite regul\u00e4re Synodalversammlung statt. Dort wurden sehr intensiv ein Orientierungstext des Pr\u00e4sidiums \u201eHeute auf Gottes Wort h\u00f6ren \u2013 Theologische Orientierung\u201c sowie der Pr\u00e4ambeltext \u201eAuf dem Weg der Menschen \u2013 Kirche in unserer Zeit\u201c beraten. Beide fanden, ebenso wie die diskutierten Vorlagen der vier Synodalforen zu Macht und Gewaltenteilung in der Kirche, zur priesterlichen Existenz heute, zu Frauen in Diensten und \u00c4mtern in der Kirche und zu Leben in gelingenden Beziehungen, eine breite Zustimmung. Die Texte werden nun bis zur n\u00e4chsten Synodalversammlung im Februar 2022 in den verschiedenen Gremien weiter bearbeitet.<\/p>\n<p>Weltweit hat Papst Franziskus einen synodalen Prozess ins Leben gerufen. In Rom am 9.\u00a0 und\u00a010. Oktober 2021 und in den Di\u00f6zesen eine Woche sp\u00e4ter er\u00f6ffnet, f\u00fchrt dieser Weg von der Ebene der Teilkirchen und Bischofskonferenzen \u00fcber deren kontinentale Zusammenschl\u00fcsse hin zur Bischofssynode im Oktober 2023 in Rom, die aber selbst eine Etappe auf dem Weg sein wird, der auch danach weiter fortgesetzt wird. Papst Franziskus wird nicht m\u00fcde zu betonen, dass Synodalit\u00e4t ein wesentliches Strukturmerkmal von Kirche ist. Bei der 50-Jahrfeier der Errichtung der Bischofssynode am 17. Oktober 2017 sagte er: \u201eGenau dieser Weg der Synodalit\u00e4t ist das, was Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet.\u201c Synodalit\u00e4t zu st\u00e4rken ist f\u00fcr den Papst ein wichtiges, und wenn man die nach innen gerichtete Perspektive w\u00e4hlt, vielleicht sogar das zentrale Anliegen seines Pontifikates. Dabei meint Synodalit\u00e4t zum einen, dass das Kollegium der Bisch\u00f6fe mehr in den Blick kommt. Es meint f\u00fcr Papst Franziskus aber auch und vor allem, dass die Stimme des ganzen Gottesvolkes st\u00e4rkeres Gewicht erh\u00e4lt. Ein zentraler Gedanke ist der der Partizipation aller, die in der Taufe begr\u00fcndet ist. Die Taufe ist, wie Papst Franziskus bei seiner Ansprache zur Er\u00f6ffnung der weltweiten Synode gesagt hat, der \u201ePersonalausweis\u201c, der zur Teilhabe berechtigt.1<\/p>\n<p>Engagierte Gl\u00e4ubige und Fern- oder gar Au\u00dfenstehende, spirituell Interessierte und politisch Engagierte, M\u00e4nner und Frauen, Jung und Alt, Kleriker und Laien, Ordensleute, Menschen unterschiedlicher sozialer Schichten: Sie alle sollen geh\u00f6rt werden. Um dies zu erm\u00f6glichen, beginnt die Konsultation in den Di\u00f6zesen. Daraus ergibt sich die besondere Herausforderung, dass auf der einen Seite Teilkirchen beteiligt sind, in denen Mitberatung und Mitbestimmung von Gremien, in denen auch Laien mitwirken, gut erprobt sind. Auf der anderen Seite kommen Teilkirchen zu Wort, in denen es mit solchen Formen der Mitwirkung kaum Erfahrung gibt.<\/p>\n<p>Wie der weltweite Synodale Weg und die synodalen Prozesse, die es nicht nur in Deutschland, sondern auch in einigen anderen L\u00e4ndern wie zum Beispiel Australien oder Irland gibt, einander beeinflussen und wie die Ergebnisse zusammenflie\u00dfen k\u00f6nnen, ist derzeit offen. Man sollte aber nicht die weltweite Initiative gegen andere Anl\u00e4ufe ausspielen. Die verschiedenen Wege schlie\u00dfen einander nicht aus, sondern sie bedingen einander, wenn man Synodalit\u00e4t ernst nimmt. Sie sind selbst schon Ausdruck gelebter Synodalit\u00e4t. Mit den unterschiedlichen synodalen Initiativen begibt die katholische Kirche sich auf Neuland. In dieser Situation \u00fcberrascht es nicht, dass es Konflikte gibt und dass auch Unsicherheiten und \u00c4ngste geweckt werden. Wichtig ist, dass wir zusammenbleiben. Die Einheit der Kirche ist ein hohes Gut, das uns gerade die \u00d6kumenische Bewegung neu bewusst gemacht und eingesch\u00e4rft hat. Allerdings meint Einheit nicht Uniformit\u00e4t, die es auch innerkatholisch nie gegeben hat. Und es gibt auch kein starres Konzept von Einheit, das sich jeglichen \u00c4nderungen verschlie\u00dfen w\u00fcrde. Gefordert ist ein ehrliches Ringen. Vertrauen wir dabei auf den Heiligen Geist und vertrauen wir einander, dass auch die, die eine andere Meinung vertreten, Gutes f\u00fcr die Kirche wollen. So kann ein geistlicher Resonanzraum f\u00fcr die Erneuerung der katholischen Kirche im Dienst einer glaubw\u00fcrdigen und zeitgem\u00e4\u00dfen Verk\u00fcndigung des Evangeliums wachsen.<\/p>\n<p>Ich bin \u00fcberzeugt davon, dass die in der katholischen Kirche angesto\u00dfenen Entwicklungen auch die \u00d6kumene voranbringen k\u00f6nnen. Im Vorbereitungsdokument zur weltweiten Synode werden unter den zehn Themenfeldern, die zur Beratung vorgelegt werden, explizit auch die Beziehungen zu anderen christlichen Konfessionen aufgef\u00fchrt. W\u00f6rtlich hei\u00dft es dort: \u201eDer Dialog unter Christen verschiedener Konfessionen, vereint in der einen Taufe, hat im synodalen Weg einen besonderen Rang.\u201c Daran schlie\u00dfen sich Fragen nach den Beziehungen mit den Schwestern und Br\u00fcdern der anderen christlichen Konfessionen, nach den Fr\u00fcchten und auch den Schwierigkeiten des gemeinsamen Unterwegs-Seins an.2\u00a0Hier werden wir aufgrund der guten \u00f6kumenischen Beziehungen in Deutschland sicher viel Positives einbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zu diesem Positiven geh\u00f6ren f\u00fcr mich die guten Erfahrungen, die wir gemeinsam bei der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung des Dritten \u00d6kumenischen Kirchentags in Frankfurt am Main sammeln konnten, der auch als digitale Veranstaltung eine gro\u00dfe Resonanz bis in unsere Gemeinden gefunden hat. Zu diesem Positiven geh\u00f6rt aber auch das theologische Ringen in den Fragen von Eucharistie und Abendmahl, wie es im Votum des \u00d6kumenischen Arbeitskreises Gemeinsam am Tisch des Herrn zum Ausdruck kommt. Auch wenn dieses theologische Ringen noch nicht ans Ziel gekommen ist, freut es mich, dass wir im Kontaktgespr\u00e4chskreis zu einer gemeinsamen Bewertung dieses Votums gefunden haben.<\/p>\n<p>Von Kritikern des Synodalen Weges in Deutschland ist manchmal zu h\u00f6ren, dass das, was dort gewollt ist, auf eine \u201eProtestantisierung\u201c der katholischen Kirche hinauslaufe. Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass Protestantismus nicht als Abwehrbegriff verwendet wird. Das entspricht nicht\u00a0dem Stand unseres \u00f6kumenischen Miteinanders. Die entscheidende Frage ist doch die, ob die Glaubensverk\u00fcndigung und die ihr dienenden Strukturen dem Willen Christi entsprechen. Dar\u00fcber in den Kirchen und im \u00f6kumenischen Gespr\u00e4ch zwischen den Kirchen offen zu diskutieren ist legitim. Bleiben wir dar\u00fcber im Austausch, als pilgerndes Gottesvolk gemeinsam unterwegs zu Jesus Christus, der \u201eder Weg und die Wahrheit und das Leben\u201c (Joh 14,6) ist. Was sollte auf diesem Weg falsch daran sein, von den Erfahrungen der Geschwister in anderen Kirchen, seien es gute oder schlechte, zu h\u00f6ren und daraus zu lernen?<\/p>\n<p>Verehrte Synodale, ich bitte Sie, die synodalen Prozesse in der katholischen Kirche mit geschwisterlicher Aufmerksamkeit und mit Ihrem Gebet zu begleiten. Als Mitglieder eines der drei Leitungsorgane der Evangelischen Kirche in Deutschland werden Sie in den n\u00e4chsten Tagen wieder weitreichende Entscheidungen treffen und gemeinsam mit der Kirchenkonferenz den Rat und dessen Vorsitz w\u00e4hlen. Ich w\u00fcnsche Ihnen, dass Gottes Heiliger Geist Sie leiten m\u00f6ge, f\u00fcr eine gute Zukunft der Evangelischen Kirche in Deutschland und der ganzen Kirche Jesu Christi!<br \/>\u00a0<\/p>\n<p>Fu\u00dfnoten:<\/p>\n<p>[1] https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/de\/speeches\/2021\/october\/documents\/20211009-apertura- camminosinodale.html; abgerufen am 13. Oktober 2021.<\/p>\n<p>[2] F\u00fcr eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung. Vorbereitungsdokument, ver\u00f6ffentlicht am 7. September 2021, Nr. 30, VII (https:\/\/press.vatican.va\/content\/salastampa\/it\/bollettino\/pubblico\/ 2021\/09\/07\/0540\/01156.html; abgerufen am 13. Oktober 2021).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Pr\u00e4ses der Synode, liebe Frau Heinrich!Sehr geehrter Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, lieber Landesbischof Dr.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3912"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3912"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3912\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3912"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3912"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3912"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}