{"id":4015,"date":"2021-12-21T17:25:14","date_gmt":"2021-12-21T17:25:14","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/12\/21\/die-angst-vor-einem-einsamen-weihnachten-ekd\/"},"modified":"2021-12-21T17:25:16","modified_gmt":"2021-12-21T17:25:16","slug":"die-angst-vor-einem-einsamen-weihnachten-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/12\/21\/die-angst-vor-einem-einsamen-weihnachten-ekd\/","title":{"rendered":"Die Angst vor einem einsamen Weihnachten \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>Dass die Sorgen der Menschen wieder wachsen, sp\u00fcrt auch die deutsche Telefonseelsorge seit einiger Zeit. \u201eDie Gespr\u00e4che zum Thema Coronavirus sind im Vergleich zum Vormonat deutlich angestiegen\u201c, teilte die Pressestelle mit. Noch im Oktober seien von bundesweit t\u00e4glich rund 2.600 Gespr\u00e4chen drei bis vier Prozent zur Pandemie gewesen. Dieser Anteil sei im November auf elf Prozent, in den ost- und s\u00fcddeutschen Bundesl\u00e4nger gar auf 20 Prozent gestiegen. Die Themen Einsamkeit (22,7 Prozent), \u00c4ngste (15 Prozent), depressive Stimmung (16,5 Prozent) verharrten auf hohem Niveau.<\/p>\n<p>Studien zeigen, dass in den bisherigen Corona-Wellen das Gef\u00fchl der Einsamkeit in Deutschland unter allen Altersgruppen zunahm. Das Deutsche Alterssurvey ergab, dass 2020 die Einsamkeitsrate bei den 46- bis 90-J\u00e4hrigen bei etwa 14 Prozent lag und damit um f\u00fcnf Prozent h\u00f6her als in den Jahren 2014 und 2017. Und f\u00fcr Europa ergab eine von der EU-Kommission herausgegebene Studie, dass unter den 18- bis 25-j\u00e4hrigen Menschen der Anteil derjenigen, die sich einsam f\u00fchlten, von neun Prozent im Jahr 2016 auf 35 Prozent in der Zeit von April bis Juli 2020 gestiegen war. Durch den Lockdown fehlten gerade diesen sozial aktiven Altersgruppen Sozialkontakte.<\/p>\n<p>Aber Menschen k\u00f6nnen sich auch einsam f\u00fchlen, obwohl sie objektiv gar nicht alleine sind. Der Kasseler Soziologe Janosch Schobin beschreibt die Unterschiede: \u201eSoziale Isolation ist eine Zustandsbeschreibung. Leute haben wenig Kontakt zu Personen, zu denen sie eine positive affektive Bindung haben. Das andere sind Einsamkeitsempfindungen, die k\u00f6nnen Menschen ohne soziale Isolation haben, einfach, weil ihnen etwas fehlt\u201c, erkl\u00e4rte der Einsamkeitsexperte.<\/p>\n<p>Es gibt einen Unterschied zwischen Einsamkeit und \u201eAllein-Sein\u201c: Menschen ziehen sich manchmal auch freiwillig zur\u00fcck, um bei sich zu sein, Stille und Ruhe zu genie\u00dfen. \u201eMan ist sich dann selber sehr nahe, kann kreativ sein und ist in intensiver Verbindung mit der Welt\u201c, erl\u00e4utert der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Kr\u00fcger.<\/p>\n<p>Die niederl\u00e4ndische Einhandseglerin Laura Dekker, die als Teenager in mehr als 500 Tage die Welt umsegelt hat, beschrieb die Zeit alleine auf ihrem Boot Guppy in einem Blog als \u201eherrlich\u201c. \u201eEs gibt Menschen, die aufgrund ihrer genetischen Disposition gut damit zurecht kommen und es genie\u00dfen, f\u00fcr sich zu sein\u201c, erl\u00e4utert Lilie, der gemeinsam mit dem Kulturbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, das Buch \u201eF\u00fcr sich sein &#8211; Altas der Einsamkeiten\u201c verfasst hat.<\/p>\n<p>Doch letztlich sind Menschen auf das Zusammensein mit anderen angewiesen: Die US-Amerikaner John T. Cacioppo und William H. Patrick gelten als Pioniere der Einsamkeitsforschung. Sie haben gezeigt, dass der Mensch evolution\u00e4r und genetisch ein soziales Wesen ist: Er geh\u00f6rte immer zu einer Gruppe, um widrige Umst\u00e4nde und Gefahren zu \u00fcberleben. Deshalb erleidet er ohne andere Menschen auf Dauer einen \u201esozialen Schmerz\u201c.<\/p>\n<p>Laut neurobiologischer Forschung ist die Einsamkeit eines Menschen im Gehirn dort zu erkennen, wo auch der k\u00f6rperliche Schmerz sitzt. In Film \u201eVerschollen\u201c mit Tom Hanks \u00fcberlebt ein Mann nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel. Dort baut er sich aus einem Volleyball den Gef\u00e4hrten \u201eWilson\u201c, mit dem er Gespr\u00e4che f\u00fchrt, weil er sonst die Einsamkeit nicht ertragen h\u00e4tte. L\u00e4ngst gibt es Studien, die zeigen, dass eine lange Phase der Einsamkeit auch k\u00f6rperlich krank machen und zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Depressionen, Demenz und Krebs f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Gemeinsame Erlebnisse sind also f\u00fcr das Wohlbefinden \u00e4u\u00dferst wichtig. Und das \u201eFest der Liebe\u201c spielt dabei eine besondere Rolle. \u201eWeihnachten ist ein festes Ritual und f\u00fcr den Zusammenhalt in der Gesellschaft unendlich wichtig\u201c, sagt Psychotherapeut Kr\u00fcger. Er r\u00e4t: Wer keine Familie mehr habe, solle sich daher Menschen suchen, die Unterst\u00fctzung brauchten, und mit ihnen zusammen feiern. Wenn es die Inzidenzzahlen zulassen.<\/p>\n<p style=\"text-align:right\">Von Michael Ruffert (epd)<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die Sorgen der Menschen wieder wachsen, sp\u00fcrt auch die deutsche Telefonseelsorge seit einiger Zeit. \u201eDie Gespr\u00e4che zum Thema Coronavirus<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4016,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4015"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4015"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4015\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4017,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4015\/revisions\/4017"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4016"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4015"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4015"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}