{"id":4026,"date":"2021-12-29T20:48:51","date_gmt":"2021-12-29T20:48:51","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/12\/29\/auslegung-der-jahreslosung-2022-ekd\/"},"modified":"2021-12-29T20:48:54","modified_gmt":"2021-12-29T20:48:54","slug":"auslegung-der-jahreslosung-2022-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2021\/12\/29\/auslegung-der-jahreslosung-2022-ekd\/","title":{"rendered":"Auslegung der Jahreslosung 2022 \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p>\u201eWer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen\u201c, sagt Christus. Und: \u201eKommt her zu mir, alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid.\u201c Und: \u201eLasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht.\u201c Und, und, und \u2013 immer ist die Botschaft: Keiner wird weggeschickt. Keine wird abgewimmelt. Niemand bleibt au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>Zur Zeit erfahren und tun wir selbst \u00fcberall das Gegenteil: Dichtmachen, Mauern bauen, Br\u00fccken abbrechen, Grenzen sichern, Abwehr st\u00e4rken. Ist dieses Aufeinandertreffen Zufall? Anders als die t\u00e4glichen Losungsworte wird eine Jahreslosung nicht ausgelost, sondern in einem langen Prozess demokratisch gefunden, von der \u00d6kumenischen Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Bibellesen. An die f\u00fcnfzig Vorschl\u00e4ge werden diskutiert und beraten, bis endlich per Wahl eine Entscheidung f\u00e4llt. Menschen suchen ein Wort Gottes aus, von dem sie meinen: Dieses Wort ist jetzt dran. Man kann das kritisch sehen: Wird Gottes Wort hier benutzt?<\/p>\n<p>Zugleich: Ist es nicht mit jedem biblischen Leitwort so, das wir sorgsam ausw\u00e4hlen: F\u00fcr Kirchentage etwa \u2013 oder an den markanten Z\u00e4suren und \u00dcberg\u00e4ngen unseres pers\u00f6nlichen Lebens? Zur Taufe, zur Konfirmation, zur Trauung? Wir w\u00e4hlen ein biblisches Wort als Begleiter, weil wir darauf hoffen: Es hat seine eigene Stimme, seine eigene wundersame Kraft, die uns zum Leben hilft. Es mischt sich ein in den aktuellen Jammer der Welt und in die Erfahrungen meines eigenen kleinen Lebens. Steht immer wieder auch heilsam quer zur allgemeinen Stimmungslage. St\u00f6rt mich selbst in dem, was ich immer schon dachte und zu wissen meinte.<\/p>\n<p>\u201eWer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen\u201c, sagt Christus. Diese \u00dcbersetzung verwischt, was er eigentlich sagt: \u201eWer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaussto\u00dfen.\u201c Ein abgewendeter Rauswurf. An seinem Ort im Johannesevangelium ein klares Wort Jesu an diejenigen, die bereits \u201edrin\u201c sind und sich in seiner N\u00e4he sicher w\u00e4hnen, gewisserma\u00dfen \u201eseine Leute\u201c. Ein Wort an uns, die wir jetzt, zum Jahreswechsel, seine N\u00e4he suchen. Der Blick zur\u00fcck auf ein zu Ende gehendes Jahr pr\u00e4gt die Ausschau auf das, was kommen mag; jede versuchte Antwort ruft neue Fragen auf den Plan. Auch Fragen nach Gott, Fragen an Gott. Krankheit und Tod, Endlichkeit und Ohnmacht und Schuld k\u00f6nnen wir schon lange nicht mehr als tragische Abweichung vom \u201eNormalen\u201c begreifen. Sie toben sich aus in der Mitte des Lebens und r\u00fccken uns hautnah auf den Leib. Tagt\u00e4glich. \u201eWer zu mir kommt\u201c: Die Jahreslosung meint Sie und mich, wie wir auf der Schwelle des neuen Jahres zu Christus kommen: Gezeichnet und zerrupft, ersch\u00f6pft und ungeduldig. Auch im Glauben ersch\u00fcttert. Und pl\u00f6tzlich wird mir bewusst, er sagt es tats\u00e4chlich zu mir. Er macht mir klar: Du bist hier, bei mir, weil ich dich hier will. Immer noch und jetzt erst recht. Du fliegst hier nicht raus, weil ich das Entscheidende f\u00fcr dich und die Welt l\u00e4ngst getan habe. Du darfst hier bleiben trotz deines manchmal so elend unbeholfenen, so ersch\u00fctternd ratlosen und bisweilen auch reichlich selbstverliebten Eilens von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr. \u201eIch werde dich nicht hinaussto\u00dfen\u201c: Dieses g\u00f6ttliche Versprechen stellt mich aufrecht und wach in die Gegenwart. Denn wenn ich tats\u00e4chlich da bleiben darf, bei Christus, dann gehen mir die Augen auf daf\u00fcr, wobei es in dieser Welt um Gottes und der Menschen willen nicht bleiben darf. Ich kann den n\u00fcchternen Blick wagen \u2013 und muss beherzte Taten und Zeichen riskieren: T\u00fcren aufmachen, auf die Stra\u00dfe gehen, bei den Ungeliebten sein, Hassgeschrei entgegentreten. Machen Sie mit? Gott schenke uns ein gesegnetes Jahr 2022.<br \/>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Gebet<\/strong><\/p>\n<p>Danke, Jesus Christus, dass du mich nicht hinausst\u00f6\u00dft aus deiner N\u00e4he. Trotz allem. Hilf mir, dass aus meinem Staunen dar\u00fcber Mut w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Mut, um zu sagen und zu tun, was T\u00fcren und Herzen \u00f6ffnet. Amen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"\">\n<h2>Auslegung der Jahreslosung 2022<\/h2>\n<h3>Horst Gorski, Vizepr\u00e4sident des Kirchenamtes der EKD und Leiter des Amtes der VELKD<\/h3>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Von dem gro\u00dfen Theologen des 20. Jahrhunderts, Karl Barth, wird eine Anekdote berichtet: Eine Frau sprach ihn nach einem Gottesdienst an, in dem er \u00fcber das ewige Leben gepredigt hatte. \u201eVerehrter Herr Professor Barth, Sie als gro\u00dfer Theologe m\u00fcssen es doch wissen: Werde ich im Jenseits meine Lieben wiedersehen?\u201c Darauf Karl Barth: \u201eJa, aber die anderen auch!\u201c<\/p>\n<p>Es ist nicht \u00fcberliefert, mit welchem Gesichtsausdruck die Dame reagierte. Vermutlich hat sie verbl\u00fcfft, vielleicht auch ein wenig ungl\u00fccklich ausgesehen. Wer wei\u00df, wer alles vor ihrem inneren Auge stand!<\/p>\n<p>Die Frage, wer am Ende bei Gott angenommen wird und wer nicht oder ob vielleicht doch alle, diese Frage hat die Menschen schon zur Zeit des Neuen Testamentes besch\u00e4ftigt. Das Matth\u00e4usevangelium mit seinem Gleichnis von den klugen und t\u00f6richten Jungfrauen vertritt eine \u201eharte\u201c Linie: Die zehn t\u00f6richten Jungfrauen, die kein zus\u00e4tzliches \u00d6l f\u00fcr ihre Lampen bereithielten, falls der Br\u00e4utigam sich versp\u00e4tet, m\u00fcssen vor der T\u00fcr bleiben. Matth\u00e4us spricht sogar drohend von \u201eHeulen und Z\u00e4hneklappern\u201c, das \u00fcber die kommen wird, die nicht zugelassen werden (Matth\u00e4us 25,1-13). Das Johannesevangelium l\u00e4sst die Frage offener. Denn obgleich hier Jesus als Weg und Wahrheit (Johannes 14,6) beschrieben wird, so hei\u00dft es bei Johannes auch, dass Jesus nicht gekommen ist, die Welt zu richten, sondern zu retten (Johannes 3,17).<\/p>\n<p>Die Jahreslosung 2022 ist, wie man sieht, keine leichte Kost. Sie tr\u00f6stet, aber sie spricht im Hintergrund die gro\u00dfe Thematik von Gericht und Gnade an. Das Wort vom \u201eabweisen\u201c stellt in unserer Zeit zudem aktuelle Bez\u00fcge her: Fl\u00fcchtlinge und Migranten werden an den Grenzen der EU abgewiesen. Die Corona-Auflagen f\u00fchren dazu, dass Besuche in Krankenh\u00e4usern und Altenheimen nur unter hohen Auflagen m\u00f6glich sind. Die Einreise in viele L\u00e4nder ist nicht oder nur mit hohen H\u00fcrden m\u00f6glich. Und die Stimmung in der Gesellschaft und auch in den Kirchen ist voller Spannung, oft gereizt, m\u00fcde oder w\u00fctend. Was soll man mit Gericht und Gnade anfangen? Ein Ort zum Ausruhen und Kraftsch\u00f6pfen w\u00e4re gut. Und zwar ein Ort, zu dem wir ohne Auflagen zugelassen sind, ohne mit Maske vor dem Gesicht und beschlagener Brille Bescheinigungen und unseren Personalausweis hervorkramen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re sicher ein bisschen zu schlicht gedacht, sich den Himmel als einen Ort ohne Masken und ohne Zutrittsbescheinigungen vorzustellen. Aber die Richtung dieser Sehnsucht stimmt schon. Der Himmel ist unser Heimatland, aus dem wir stammen und zu dem wir zur\u00fcckkehren. Die Einlassbeschr\u00e4nkung, die es dort gibt, kann man wohl so beschreiben: Wer mit ganzem Herzen auf Gott vertraut und sich w\u00fcnscht, dorthin zur\u00fcckzukehren, der wird nicht abgewiesen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen\u201c, sagt Christus. 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