{"id":4185,"date":"2022-02-17T17:13:53","date_gmt":"2022-02-17T17:13:53","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/02\/17\/der-gereifte-reformator-ekd\/"},"modified":"2022-02-17T17:13:55","modified_gmt":"2022-02-17T17:13:55","slug":"der-gereifte-reformator-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/02\/17\/der-gereifte-reformator-ekd\/","title":{"rendered":"Der gereifte Reformator \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>\u00dcber die Reise selbst ist wenig bekannt. Luther w\u00e4hlt wohl nicht den k\u00fcrzesten Weg, sondern bleibt lieber auf sicherem kurs\u00e4chsischen Boden. Im Dezember, bei einer heimlichen Visite in Wittenberg, bevorzugte er noch die etwa 220 Kilometer lange direkte Verbindung zwischen der Burg und der Universit\u00e4tsstadt, erl\u00e4utert Spehr. Davon hat Georg, Vetter Friedrichs III., Herrscher \u00fcber Sachsen und erkl\u00e4rter Gegner der Reformation, wohl Wind bekommen. Seit beider V\u00e4ter das Land in Kursachsen und Sachsen teilten, nehmen die Grenzen zwischen beiden Staaten oft einen abrupten Verlauf. Der vogelfreie Luther, seit dem Wormser Reichstag in seinem Leben bedroht, reitet lieber auf Nummer sicher.<\/p>\n<p>Zur lokalen Legende ger\u00e4t sein Aufenthalt im Gasthaus \u201eZum B\u00e4ren\u201c in Jena am 3. und 4. M\u00e4rz. \u201eEr trug Wamms und lange Hosen und auf dem Kopfe eine rothe Lederkappe, ganz nach Landesgewohnheit der Reitersleute\u201c, fabulierte Friedrich Helbig 1883 im Leipziger Familienblatt \u201eDie Gartenlaube\u201c \u00fcber das Treffen mit zwei Schweizer Studenten. Belegt sind zudem Luthers Aufenthalt am 5. M\u00e4rz in Borna und seine Ankunft 24 Stunden sp\u00e4ter an einem Donnerstag in Wittenberg.<\/p>\n<p>Viel Zeit l\u00e4sst der Reformator dort nicht verstreichen. Aus dem Reitersmann mit Bart und Schwert wird wieder der M\u00f6nch in Kutte mit Tonsur. Bereits am Sonntag, dem 9. M\u00e4rz, steht er auf der Kanzel und f\u00fchrt die Wittenberger mit seinen Invokavitpredigten auf einen gem\u00e4\u00dfigten reformatorischen Weg zur\u00fcck. Die erste H\u00fcrde ist genommen. Nun geht es um seine Bibel\u00fcbersetzung.<\/p>\n<p>Erst am 18. Dezember hatte er damit begonnen, das Neue Testament vor allem aus dem Griechischen ins Deutsche zu \u00fcbertragen. F\u00fcr den Reformator handelt es sich um nicht weniger als eines seiner Kernanliegen: \u201eWenn doch jede Stadt ihren eigenen Dolmetscher h\u00e4tte und dies Buch allein in aller Zunge, Hand, Augen, Ohren und Herzen w\u00e4re!\u201c, zitiert ihn der Leiter des Eisenacher Bachhauses, Jochen Birkenmeier. Nach nur elf Wochen war Luther mit der Arbeit auf der Wartburg fertig.<\/p>\n<p>In Wittenberg geht er mit befreundeten Theologen, zuvorderst Philipp Melanchthon, das Manuskript akribisch durch. Es dauert bis zum Herbst, bis der Druck beginnen kann. Dem \u201eSeptembertestament\u201c folgt schon im Dezember eine zweite korrigierte Fassung. Bis zur vollst\u00e4ndigen \u201eLutherbibel\u201c dauert es indes noch bis 1534, wobei an der \u00dcbersetzung des Alten Testamentes ein ganzes Autorenkollektiv beteiligt ist.<\/p>\n<p>Die Wirkung der Bibel\u00fcbersetzung war und ist kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzten. \u201eSie schuf nicht nur einen neuen Zugang zur Heiligen Schrift und die Grundlage einer gemeinsamen deutschen Schriftsprache, sondern inspirierte auch volkssprachliche Bibel\u00fcbersetzungen in vielen anderen L\u00e4ndern Europas\u201c, bescheinigt ihr Birkenmeier.<\/p>\n<p>Auf Luther selbst hatte der Aufenthalt auf der Wartburg einen enormen Einfluss. Unmittelbar davor hatte die Kirche ihn exkommuniziert und der Kaiser ihn f\u00fcr vogelfrei erkl\u00e4rt, weil er seine Lehren nicht widerrief. Ging es Luther zun\u00e4chst um die Reform kirchlicher Zust\u00e4nde sowie um die Verbreitung der evangelischen Lehre, war ihm das als verurteilter Ketzer innerhalb der Papstkirche fortan unm\u00f6glich. Ab 1522 bewegte ihn die konkrete Frage, wie sich die evangelische Lehre in der kirchlichen Praxis umzusetzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Nicht mit Gewalt, sondern behutsam, geordnet, erl\u00e4utert Spehr. Die Monate auf der Burg waren dabei eine Z\u00e4sur: \u201eDer junge, eruptive Luther avancierte zur Autorit\u00e4t und zum Gestalter der Reformation, der \u00fcberst\u00fcrztes Handeln ablehnte.\u201c<\/p>\n<p class=\"md-authorline\" style=\"margin-left:0cm; margin-right:0cm; text-align:right\"><em>Von Dirk L\u00f6hr (epd)<\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Reise selbst ist wenig bekannt. 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