{"id":4249,"date":"2022-03-01T22:38:14","date_gmt":"2022-03-01T22:38:14","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/03\/01\/glaube-ist-nicht-wissen-und-beweis-ekd\/"},"modified":"2022-03-01T22:38:16","modified_gmt":"2022-03-01T22:38:16","slug":"glaube-ist-nicht-wissen-und-beweis-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/03\/01\/glaube-ist-nicht-wissen-und-beweis-ekd\/","title":{"rendered":"\u201eGlaube ist nicht Wissen und Beweis\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>Nun sind Sie ja in einer ganz besonderen Zeit EKD-Ratsvorsitzende geworden, n\u00e4mlich in Pandemie- Zeiten. Wo sehen Sie denn die zentrale Aufgabe der Evangelischen Kirche in Zeiten wie diesen?<\/em><\/p>\n<p>Wir stehen mit einer anderen Haltung in der Welt als Menschen, die ohne Gottvertrauen leben. Von dem, was gerade in unserer Gesellschaft passiert, sind wir in der Kirche ganz genauso betroffen. Von den \u00c4ngsten, Bef\u00fcrchtungen, Einschr\u00e4nkungen und von allem, was so elend d\u00fcnnh\u00e4utig macht. Doch es macht einen Unterschied, ob ich getrieben von Sorge und Furcht entscheide und handle \u2013 oder be\ufb02\u00fcgelt und gezogen von der Verhei\u00dfung Gottes. Gott hat versprochen: \u201eIch habe Gutes mit euch vor, ihr werdet nicht untergehen, ich f\u00fchre die Welt zu einem guten Ziel.\u201c Diese Verhei\u00dfung ist es, die uns Kraft und Mut gibt und der ich zutiefst vertraue. Angesichts dieser Verhei\u00dfung wird manche verzweifelte Frage umso dringlicher \u2013 und manches Leid umso unbegrei\ufb02icher. Aber sie gibt zugleich einen anderen \u201eDrive\u201c im Leben, sich aktiv einzusetzen.<\/p>\n<p><em>Was meinen Sie?<\/em><\/p>\n<p>Gottes Verhei\u00dfung zaubert nicht die Sorgen und die Angst weg. Aber sie hilft dazu, dass Angst und Sorgen nicht der Hauptantrieb unseres Handelns sind. Da leuchtet von Gott her ein Ziel, und in seinem Licht setze ich mich hier und jetzt handfest ein. Das ist eine starke Motivation, sie geht \u00fcber Menschenm\u00f6gliches hinaus. Daf\u00fcr braucht es Kirche in unserer Welt \u2013 und ich hoffe, dass wir in dieser Ratsperiode, die gerade erst beginnt, davon etwas deutlich machen k\u00f6nnen. Kirche ist dazu da, diese Grundhaltung erkennbar in die Gesellschaft zu tragen.<\/p>\n<p><em>Finden Sie denn, dass die Kirche der Gemeinschaft ihrer Gl\u00e4ubigen genug Trost gespendet hat zuletzt und die Gl\u00e4ubigen auch ausreichend, sagen wir, spirituell aufgefangen hat in dieser schwierigen Zeit?<\/em><\/p>\n<p>Was tr\u00f6stet, emp\ufb01nden Menschen sehr unterschiedlich. Wir haben \u2013 jedenfalls nach dem, was ich mitbekomme und wo ich mich selbst eingesetzt habe \u2013 nach bestem Wissen und Gewissen unseren Auftrag und unsere Verantwortung wahrgenommen. Und zwar aus der Mitte des christlichen Glaubens heraus. Wir waren h\u00f6rbar da mit der Botschaft, die nicht von uns kommt, sondern von der wir zuallererst selber leben. Wir haben die N\u00e4he gesucht zu den besonders Verletzlichen, zu Kranken und Sterbenden. Bei der Gestaltung unserer Gottesdienste haben wir uns an den Schw\u00e4chsten in unserer Gesellschaft orientiert und entsprechend R\u00fccksicht genommen. Das stand zeitweise im Widerspruch zu dem starken Bed\u00fcrfnis vieler Menschen, zusammenzukommen und gerade in dieser verst\u00f6renden Zeit gemeinsam an einem Ort zu singen und zu beten. Diese Art von Trost mussten wir vern\u00fcnftigerweise schuldig bleiben. Schweren Herzens. Doch in der ersten Zeit der Pandemie h\u00e4tte ich es fahrl\u00e4ssig gefunden, wenn wir die T\u00fcren weit ge\u00f6ffnet h\u00e4tten und alle h\u00e4tten kommen k\u00f6nnen, egal, welche\u00a0Virusvariante da tobt: Das w\u00e4re nicht Gottvertrauen gewesen, sondern eine Art, Gott zu versuchen.<\/p>\n<p><em>Ich habe mich dennoch gefragt: Was wiegt eigentlich schwerer, wenn wir von der Kirche und ihrem Umgang mit dieser Pandemie sprechen? Das spirituelle Wohl der Gl\u00e4ubigen oder ihr weltliches Wohl? Ich hatte das Gef\u00fchl, dass sich die christlichen Kirchen ganz stark auf das weltliche Wohl konzentrierten, und nicht so sehr auf das spirituelle.<\/em><\/p>\n<p>Naja, aber was ist ein \u201espirituelles Wohl\u201c, das Gesundheit und Leben anderer wissentlich gef\u00e4hrdet?! Wir h\u00e4tten in Kauf genommen, dass Menschen in unseren Gottesdiensten beim gemeinsamen Singen und Beten sich selbst oder andere \u00a0in\ufb01zieren.<\/p>\n<p><em>Aber hat Jesus nicht gesagt, man solle ihm die Kranken, die Lahmen und \u00fcberhaupt alle bringen? Stattdessen hat die Kirche in der Corona-Pandemie Menschen vom Gottesdienst ausgeschlossen, weil sie ungeimpft waren. Das leuchtet mir nicht ein, also sozusagen die religi\u00f6se Logik dahinter.<\/em><\/p>\n<p>Wir haben nicht ausgeschlossen. Wir haben Regeln vereinbart und Empfehlungen gegeben, um f\u00fcr alle einen Gottesdienstbesuch so \u201esicher\u201c wie m\u00f6glich zu machen. Eine Regel, die Jesus selber gegeben hat, lautet: Nehmt R\u00fccksicht auf die Schw\u00e4chsten.<\/p>\n<p><em>Das hei\u00dft in der Praxis?<\/em><\/p>\n<p>Wir bieten in allen Regionen eine Vielzahl von Gottesdienstformen an, so dass jeder Mensch \u2013 ob geimpft oder ungeimpft, ob getestet oder nicht \u2013 in r\u00e4umlicher N\u00e4he die M\u00f6glichkeit hat, einen Gottesdienst zu besuchen. Open-Air-Gottesdienste zum Beispiel, Gottesdienste in gro\u00dfen Hallen oder Stadien oder gut durchl\u00fcfteten Scheunen \u2013 oder Gottesdienste in digitaler Form. Nicht zu vergessen die vielen Gottesdienste in Rundfunk und Fernsehen. Die allermeisten Gemeinden waren hoch fantasievoll unterwegs, um eben gerade nicht auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><em>Fakt ist aber auch, dass Menschen in den vergangenen zwei Jahren alleine sterben mussten oder sich nur im kleinen Kreis Trost bei einer Beerdigung spenden konnten. Wie bewerten Sie das denn?<\/em><\/p>\n<p>Da sage ich zuallererst sehr selbstkritisch: Ich selbst w\u00e4re im R\u00fcckblick gern von Anfang an deutlicher und st\u00e4rker daf\u00fcr eingetreten, dass Menschen in diesen Grenzsituationen des Lebens nicht allein bleiben. Und zwar h\u00e4tte ich gern darauf gedrungen, nicht nur Seelsorgerinnen und Seelsorgern Zutritt zu gew\u00e4hren, sondern auch den n\u00e4chsten Angeh\u00f6rigen. Wer stirbt, w\u00fcnscht sich den Sohn oder die Tochter, die Eltern, die Ehefrau oder den Partner an seinem Bett. Hier waren wir \u2013 so sch\u00e4tze ich es im R\u00fcckblick ein \u2013 wom\u00f6glich zu vorsichtig. Im Nachhinein bereue ich, nicht lauter gesagt zu haben: \u201eWir m\u00fcssen sofort alles tun, um verantwortliche Ausnahmeregelungen zu schaffen.\u201c Inzwischen ist das ja Gott sei Dank l\u00e4ngst viel besser geregelt. Wir haben gelernt.<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun sind Sie ja in einer ganz besonderen Zeit EKD-Ratsvorsitzende geworden, n\u00e4mlich in Pandemie- Zeiten. 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