{"id":452,"date":"2020-03-22T18:56:58","date_gmt":"2020-03-22T18:56:58","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/?p=452"},"modified":"2020-03-24T16:05:23","modified_gmt":"2020-03-24T16:05:23","slug":"kenia-stoesst-im-kampf-gegen-das-virus-schnell-an-grenzen-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/03\/22\/kenia-stoesst-im-kampf-gegen-das-virus-schnell-an-grenzen-ekd\/","title":{"rendered":"Kenia st\u00f6\u00dft im Kampf gegen das Virus schnell an Grenzen \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"\n<div id=\"\">\n<p>Nairobi (epd). Nur ein paar Koffer drehen sich auf den Gep\u00e4ckb\u00e4ndern am internationalen Flughafen von Nairobi. Der &#8222;Jomo Kenyatta International Airport&#8220;, sonst das wichtigste Drehkreuz in Ostafrika, wirkt fast verwaist. Denn kurz nachdem in Kenia am Freitag der erste\u00a0Corona-Fall best\u00e4tigt wurde, hat die Regierung massive Einreisebeschr\u00e4nkungen erlassen, so wie viele andere afrikanische Regierungen. Wer aus L\u00e4ndern mit\u00a0Corona-Infektionen kommt, darf nicht rein. Ausgenommen sind kenianische Staatsb\u00fcrger und Ausl\u00e4nder, die in Kenia ans\u00e4ssig sind. Sie m\u00fcssen sich allerdings f\u00fcr 14 Tage in Selbstisolation begeben &#8211; was jedoch nicht kontrolliert wird.<\/p>\n<p>Bislang sind nur wenige Infektionen in Kenia gemeldet. Das Gesundheitssystem sei der\u00a0Corona-Krise gewachsen, erkl\u00e4rte Gesundheitsminister Mutahi Kagwe. Das k\u00f6nnte sich aber schnell \u00e4ndern, wenn die Patientenzahlen steigen. Nach einem Bericht der Tageszeitung \u201eThe Star\u201c\u00a0hat Kenia rund 400 Betten auf Isolierstationen und rund 155 Intensivbetten &#8211; bei einer Bev\u00f6lkerung von gut 50 Millionen.<\/p>\n<p>Zwar ergreift die Regierung seit Montag drastische Ma\u00dfnahmen. So sind Schulen und Internate geschlossen, die Universit\u00e4ten folgen am Freitag. Doch grundlegende Ratschl\u00e4ge, Ansteckungen zu vermeiden, laufen schon angesichts von Armut und Mangel vielerorts ins Leere.<\/p>\n<p>Etwa 60 Prozent der mehr als vier Millionen Hauptstadtbewohner leben in einer der Armensiedlungen. Sie haben zu Hause kein flie\u00dfendes Wasser.\u00a0Im\u00a0besten Fall gibt es in den Gassen Wasseranschl\u00fcsse, die sich die Bewohner eines Viertels teilen. Allerdings bleiben die H\u00e4hne h\u00e4ufig trocken, dann m\u00fcssen die Menschen Wasser f\u00fcr vergleichsweise viel Geld kaufen. Das belastet die knappen Haushaltskassen, ebenso wie der Kauf von Seife. Desinfektionsmittel, das die Regierung empfiehlt, wenn Wasser nicht zur Hand sei, sind sp\u00e4testens seit dem Bekanntwerden des ersten\u00a0Corona-Falls f\u00fcr zahlreiche Menschen unerschwinglich geworden.<\/p>\n<p>Zudem werden die Einkommen drastisch sinken. F\u00fcr viele sei das sofort existenzgef\u00e4hrdend, meint Tom Omoni, der mit seinem Bruder einen Laden f\u00fcr Handy-Reparaturen in Mathare betreibt, einem der\u00a0Slums von Nairobi. \u201eUnd die\u00a0Slumbewohner k\u00f6nnen auch nicht zu Hause bleiben&#8220;, betont Omoni mit Blick auf die Ratschl\u00e4ge der Regierung, soziale Kontakte m\u00f6glichst zu vermeiden und von daheim\u00a0aus zu arbeiten.\u00a0\u201eDie Menschen in den\u00a0Slums leben von Tag zu Tag. Sie haben keine Reserven. Wenn sie nicht rausgehen k\u00f6nnen um zu arbeiten, bleiben sie hungrig.\u201c<\/p>\n<p>Rund 80 Prozent der Kenianerinnen und Kenianer arbeiten\u00a0im\u00a0informellen Sektor, also ohne jede soziale Absicherung. Laut dem kenianischen Statistikb\u00fcro verdienen zwei Drittel von ihnen ihr Geld\u00a0im\u00a0Hotel- und Gastst\u00e4ttengewerbe. Der Sektor d\u00fcrfte mit den rigiden Ma\u00dfnahmen\u00a0im\u00a0Kampf gegen die Verbreitung des\u00a0Coronavirus praktisch zum Erliegen kommen. Das gilt vor allem f\u00fcr den Tourismus, der zuletzt rund neun Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitrug.<\/p>\n<p>Tom Omoni \u00fcberlegt nun, mit seiner Frau und seinen drei Kindern \u201eup country\u201c\u00a0zu gehen, in das Dorf seiner Herkunft. Er sieht darin die einzige Chance, mehr Abstand zwischen sich und die Mitmenschen zu bringen. Und viele\u00a0Slumbewohner denken ihm zufolge \u00e4hnlich. Das k\u00f6nnte ein weiteres Risiko sein, denn die R\u00fcckkehrer aus der Hauptstadt k\u00f6nnten das Virus in weitere Landesteile tragen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen bem\u00fcht sich die Regierung weiter, das Gesundheitssystem f\u00fcr den bef\u00fcrchteten Anstieg der F\u00e4lle zu r\u00fcsten. Die meisten der vorhandenen Isolierbetten wurden erst k\u00fcrzlich eingerichtet. Wie die Beh\u00f6rden der Region Nairobi erkl\u00e4ren, sollen 3.000 weitere medizinische Angestellte\u00a0im\u00a0Umgang mit dem Virus geschult werden. Schon in den vergangenen Wochen hatte Kenia, zum Teil mit Unterst\u00fctzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Helferinnen und Helfer entsprechend weitergebildet.<\/p>\n<p>Den kommenden Samstag hat Pr\u00e4sident Uhuru Kenyatta zum nationalen Gebetstag erkl\u00e4rt. Gro\u00dfe Versammlungen wird es aber auch aus diesem Anlass nicht geben: Die Kenianerinnen und Kenianer sollten zu Hause beten, sagte Kenyatta.\u00a0Im\u00a0Pr\u00e4sidentenpalast soll nur eine kleine Zahl von religi\u00f6sen F\u00fchrern zusammenkommen, die elektronischen Medien sollen live \u00fcbertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Bettina R\u00fchl (epd)<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nairobi (epd). 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