{"id":4539,"date":"2022-06-29T13:18:09","date_gmt":"2022-06-29T13:18:09","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/06\/29\/rede-zum-johannisempfang-der-ekd-am-mittwoch-22-juni-2022-in-der-franzoesischen-friedrichstadtkirche-zu-berlin-ekd\/"},"modified":"2022-06-29T13:18:11","modified_gmt":"2022-06-29T13:18:11","slug":"rede-zum-johannisempfang-der-ekd-am-mittwoch-22-juni-2022-in-der-franzoesischen-friedrichstadtkirche-zu-berlin-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/06\/29\/rede-zum-johannisempfang-der-ekd-am-mittwoch-22-juni-2022-in-der-franzoesischen-friedrichstadtkirche-zu-berlin-ekd\/","title":{"rendered":"Rede zum Johannisempfang der EKD am Mittwoch, 22. Juni 2022, in der Franz\u00f6sischen Friedrichstadtkirche zu Berlin \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<ol start=\"2\" style=\"list-style-type:upper-roman\">\n<li>\n<h3>M\u00fcdigkeit<\/h3>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Schl\u00e4frig singt der K\u00fcster vor,<br \/>Schl\u00e4frig singt auch die Gemeinde.<\/em><\/p>\n<p>Allgemeine M\u00fcdigkeit. Ja, die kennen wir. Was im Gedicht als selbstzufriedener, d\u00f6siger D\u00e4mmerzustand daherkommt, macht sich gegenw\u00e4rtig als gereizte, aufgescheuchte und latent aggressive Ersch\u00f6pfung breit \u2013 nicht nur in der Kirche, auch in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Gerade war noch Corona, und wir hatten uns vorgenommen, mit ausreichend Abstand zur\u00fcckzublicken und aufzuarbeiten, was dieses Virus angerichtet hat. Jetzt ist \u201enach Corona\u201c. Aber nicht, weil Corona vorbei w\u00e4re. Nein, jetzt ist \u201enach Corona\u201c, weil jetzt mitten in Europa Krieg ist. Man kann sich offenbar immer nur von einer Sache verr\u00fcckt machen lassen.<\/p>\n<p>Diese erstaunliche Anpassungsf\u00e4higkeit an Katastrophen scheint menschliche \u00dcberlebensstrategie zu sein. Ich frage mich allerdings ein wenig beklommen: Ist das wirklich eine F\u00e4higkeit, oder zeigt sich darin eher eine Unf\u00e4higkeit, mit Krisen umzugehen? Selbst der Krieg ist inzwischen schon nicht mehr ganz obenauf. Medial hat der Krieg zwischen Johnny Depp und Amber Heard dem Krieg in der Ukraine zwischendurch den Rang abgelaufen. Ist es erste Gew\u00f6hnung, die hier einkehrt, eine fatalistische Abgefundenheit, die damit rechnet, dass es halt \u201ada hinten\u2018 im Osten auf ein jahrelanges T\u00f6ten und Sterben hinausl\u00e4uft? Gott bewahre!<\/p>\n<p>Wir sind der immer neuen Krisen \u00fcberdr\u00fcssig. Ja, wir, tats\u00e4chlich scheint niemand davon ausgenommen. Und mitten da hinein und zus\u00e4tzlich obendrauf kommt all das, was den Namen \u201eTransformationsprozess\u201c tr\u00e4gt, jene Gro\u00dfvorhaben in Sachen Mobilit\u00e4t, Digitalisierung und Klimaschutz, die im Hickhack der Entscheidungen, im Kleinklein der Umsetzung und Durchsetzung in Rath\u00e4usern und \u00c4mtern unendlich m\u00fchselig sind. Alles zusammen stellt eine einzige \u00dcberforderung dar und erzeugt hoch emotionale Wallungen. Wenn Wallung der Gem\u00fcter auf k\u00f6rperliche und seelische Ersch\u00f6pfung trifft, dann wird\u00b4s brenzlig. Hoch explosive Begegnungen k\u00f6nnen daraus entstehen, die hier und da ein Gift freisetzen, das lange nachwirkt.<\/p>\n<p>Und dennoch: Fr\u00f6nen wir nicht dem Verdruss!<\/p>\n<ol start=\"3\" style=\"list-style-type:upper-roman\">\n<li>\n<h3>Anw\u00e4lte des Unverf\u00fcgbaren<\/h3>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Auf der Kanzel der Pastor betet still f\u00fcr seine Feinde.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Am Abend des 24. Februar, als die russische Armee die Ukraine \u00fcberfallen hatte, hat kein Pastor, hat keine Pastorin allein und still auf der Kanzel gebetet. Viele, sehr viele sogar, haben sich zu Friedensgebeten versammelt. Laut haben sie sich gemeinsam an Gott gewandt, Gott mit ihrem Bitten und Flehen um Frieden in den Ohren gelegen, ihren Protest und die Solidarit\u00e4t mit den Menschen in der Ukraine in Worte gebracht. Auch f\u00fcr die Feinde haben sie gebetet: dass die sich besinnen, umkehren, m\u00fcde werden, aufh\u00f6ren. Gemeinsam haben sie die Sprachlosigkeit ausgehalten und darauf vertraut, dass Gott auch unser Seufzen und Schweigen h\u00f6rt.<\/p>\n<p>\u201eBeten allein reicht nicht!\u201c, hat eine Ukrainerin mir w\u00fctend entgegengeschleudert. Sie hat ja recht: Wenn wir uns ins Gebet fl\u00fcchten, darf dies keine Flucht davor sein, uns mit handfesten und unbequemen Fragen auseinanderzusetzen. Etwa mit den Fragen von Waffenlieferungen und milit\u00e4rischer Verteidigung.<\/p>\n<p>Und doch: Wom\u00f6glich tut das Wissen um Menschen, die die Welt ins Gebet nehmen, auch und gerade einer s\u00e4kularen Gesellschaft gut. Als Hinweis darauf: Selbst wenn wir alles Menschenm\u00f6gliche tun, k\u00f6nnen wir eben doch nicht alles tun.<\/p>\n<p>Im Jahr 2018 erschien Hartmut Rosas B\u00fcchlein mit dem Titel \u201eUnverf\u00fcgbarkeit\u201c. Dieser soziologische Essay machte viel Furore, auch in Theologie und Kirche. Kurz bevor das Coronavirus ausbrach, hat Rosa messerscharf analysiert, wie wir sp\u00e4tmodernen Menschen darauf fixiert seien, alles beherrschen zu wollen, und \u2013 auf Effizienz getrimmt \u2013 nichts dem Zufall zu \u00fcberlassen. Unser ganzes Streben sei, die Welt in den Griff zu bekommen und das Unverf\u00fcgbare verf\u00fcgbar zu machen. So, als m\u00fcsse die Welt sich uns f\u00fcgen und zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>Rosa hat diese Weltbeziehung als Trugschluss beschrieben, der die Welt kaputt und uns ungl\u00fccklich macht, als ein Leben im \u201erasenden Stillstand\u201c. Das Bild ist eindr\u00fccklich und beklemmend: Wir leben wie auf einer st\u00e4ndig abw\u00e4rtsfahrenden Rolltreppe. W\u00e4hrend wir versuchen, die Treppe in der Gegenrichtung so schnell wie m\u00f6glich hinaufzusteigen, beschleunigt sie ihre Fahrt abw\u00e4rts immer mehr, so dass unser Lebenstempo zwingend immer hastiger und atemloser wird. Trotz aller Eile und M\u00fche kommen wir \u00fcber dieselbe Stelle nicht hinaus: \u201eRasender Stillstand\u201c.<\/p>\n<p>Heute, im neuen Kriegs- und Seuchenzeitalter, lesen sich Hartmut Rosas \u00dcberlegungen beinahe prophetisch.<\/p>\n<p>Sie faszinieren mich deshalb, weil dieser Soziologe in seiner Sprache sagt, was Kern und Stern unseres christlichen Glaubens ist: Wir sind Menschen und nicht Gott. Es hilft \u2013 wie Jesus sagt \u2013 dem Menschen nichts, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber Schaden nimmt an seiner Seele. Fortschritt f\u00fchrt nicht zwingend ins Reich Gottes. Wer sein Leben um jeden Preis und auf Kosten anderer erhalten will, wird es verlieren.<\/p>\n<p>Aus christlicher Perspektive ist die Unverf\u00fcgbarkeit weder Fluch noch b\u00f6ses Schicksal. Sie geh\u00f6rt wesentlich zu unserem gesch\u00f6pflichen Sein. Es bedeutet einen Gewinn f\u00fcr unser Leben, die Unverf\u00fcgbarkeit einzubeziehen in die Weise, wie wir reden und diskutieren, wie wir entscheiden und handeln. Es ist weise und redlich, wenn wir zugeben, in den gro\u00dfen Fragen von Leben und Tod, Krieg und Frieden keine leicht fertigen und darin leichtfertigen Antworten zu haben. Es ist heilsam und h\u00e4lt den Himmel offen, wenn wir uns von etwas leiten und ber\u00fchren lassen, was wir nicht selbst machen und herstellen k\u00f6nnen. Es ist tief erdverwurzelt und rettungsvoll realistisch, wenn wir mit der M\u00f6glichkeit des Unm\u00f6glichen rechnen \u2013 also damit, dass Gott in die Welt kommt. Unverf\u00fcgbar. Unvermittelt. Unverhofft. Gerade in Krisen- und Kriegszeiten.<\/p>\n<ol start=\"4\" style=\"list-style-type:upper-roman\">\n<li>\n<h3>Lernend streiten, streitend lernen<\/h3>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Dann die Predigt, wunderbar,\u00a0<br \/>Eine Predigt ohnegleichen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Ja, zu predigen hatten und haben wir. Wir haben nicht nur mit Gott zu reden, wir haben aus dem Gespr\u00e4ch mit Gott heraus auch die klare Pflicht, in die Welt hinein zu sprechen. Unsere Predigt muss nicht wunderbar und ohnegleichen sein, auch muss sie keine Baronin zum Weinen r\u00fchren. Klar und zur Sache soll sie sein, eine \u00f6ffentliche Rede von Gott, erkennbar aus dem Glauben heraus. Nicht so, dass wir abkanzeln und moralisieren und d\u00e4monisieren, sondern so, dass uns abgenommen wird, wie sehr wir darum ringen, Gott zu h\u00f6ren, in der Spur Jesu gute Wege zu finden, verantwortliche eigene Worte zu wagen.<\/p>\n<p>Es stimmt: Entscheidungen m\u00fcssen getroffen und Fragen m\u00fcssen beantwortet werden. Aber ein simples Ja oder Nein darf die komplizierte Wirklichkeit, der die Antwort gelten und standhalten soll, nicht eindampfen und beschneiden.<\/p>\n<p>Milit\u00e4rische Verteidigung, ja oder nein? Waffenlieferungen, ja oder nein? Pazifismus, ja oder nein?<\/p>\n<p>K\u00f6nnte es auch im gegenw\u00e4rtigen Streit um Krieg und Frieden die Aufgabe von Christinnen und Christen sein, sich als Anw\u00e4lte und Anw\u00e4ltinnen der Unverf\u00fcgbarkeit zu verstehen? Also ausdr\u00fccklich dem Nichtwissen das Wort zu geben, der Skepsis ihr Recht einzur\u00e4umen, dem Zweifel den Platz freizuhalten? Ich meine: ja, unbedingt. Dies ist mein Zugang, um eine christlich verantwortete Haltung zu gewinnen zu den ethischen Fragen rund um den Krieg in der Ukraine. Die Aporien und Dilemmata m\u00fcssen akribisch benannt werden. Gerade das macht ja die Bibel so stark: Sie l\u00f6scht die offensichtlichen Widerspr\u00fcche nicht aus ihren Texten. Im Gegenteil: Die Bibel l\u00e4sst Widerspr\u00fcche bewusst nebeneinander stehen, bringt sie in Dialog miteinander und hebt sie auf in einer gr\u00f6\u00dferen Wahrheit. Ebenso die christliche Theologie: Sie beansprucht die Wahrheit nicht in einem Entweder-Oder, sondern n\u00e4hert sich ihr dialektisch. Sie bekennt, Jesus sei wahrer Gott und wahrer Mensch. Sie nennt das Kreuz Erniedrigung und Erh\u00f6hung. Sie spricht vom Schon und Noch-nicht des Reiches Gottes. Sie wei\u00df vom Menschen, dass er gerecht und der S\u00fcnde verhaftet ist.<\/p>\n<p>Wir brauchen eine Kommunikation, die es erlaubt zu lernen, noch mehr zu lernen und auch: umzulernen. Das biblische Wort, das wir gemeinhin mit \u201eJ\u00fcnger\u201c \u00fcbersetzen, \u201emathetes\u201c, bedeutet im Wortsinn: \u201eSch\u00fcler\u201c. Jesus und die Zw\u00f6lf sind im Kern eine Lerngemeinschaft, und Jesus will, dass aus dem kleinen Kreis der Zw\u00f6lf eine weltweite Lerngemeinschaft wird.<\/p>\n<p>Wir brauchen \u2013 nicht nur in der Kirche! \u2013 eine Kommunikation, die es zul\u00e4sst, Meinungen zu \u00e4ndern \u2013 ohne dass es g\u00f6nnerhaft als unentschiedenes Schwanken bel\u00e4chelt oder mit H\u00e4me als Schw\u00e4che aufgespie\u00dft wird. Angesichts der Unverf\u00fcgbarkeit der Welt ist Lernen nicht nur eine St\u00e4rke, Lernen ist ein Muss.<\/p>\n<ol start=\"5\" style=\"list-style-type:upper-roman\">\n<li>\n<h3>Friedensethik<\/h3>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wenn wir Christen von menschlicher Verstrickung in S\u00fcnde sprechen, gestehen wir ein, dass Menschen zu Gewalt und Unrecht neigen \u2013 und umgekehrt vor Gewalt und Unrecht gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen. Leben, Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden sind hohe G\u00fcter. Sie zu sch\u00fctzen ist die Aufgabe des Staates. Notfalls auch mit Gewalt. Dabei gilt es n\u00fcchtern zu sehen: Solcher Schutz und alle Hilfe zur Verteidigung sind ihrerseits mit Gewalt verbunden und stehen in Gefahr, neues Leid zu verursachen und sich schuldig zu machen.<\/p>\n<p>Verteidigung und Nothilfe sind darum aus Sicht unseres christlichen Glaubens strikt an die Aufgabe gebunden, f\u00fcr Recht und Frieden zu sorgen, und an keine anderen, fremden Zwecke. Dabei muss sich christlich gegr\u00fcndetes Handeln an Jesu Rede vom Reich Gottes und seiner Vision einer besseren Gerechtigkeit messen lassen. Dieser doppelte Ma\u00dfstab ist der Kompass, mit dem Christinnen und Christen Politik gestalten.<\/p>\n<p>Mich emp\u00f6rt, wenn der Patriarch von Moskau einen Angriffskrieg als gottgewolltes Mittel darstellt, um seine eigene Auffassung des Christentums und seine Sicht der Geschichte durchzusetzen. Gott in dieser Weise vor den eigenen Karren zu spannen, halte ich f\u00fcr Gottesl\u00e4sterung. Damit verurteile ich ausdr\u00fccklich nicht die gesamte russische Orthodoxie, die in sich sehr vielstimmig ist. Wir d\u00fcrfen und werden die \u00f6kumenischen Br\u00fccken zu ihr nicht abbrechen.<\/p>\n<p>Spiegelbildlich zur Kritik an Kyrill ist aber auch Skepsis geboten, wenn die Verteidigung der Ukraine pauschal als Verteidigung westlicher Werte idealisiert wird. Auch hier wittere ich eine geschichtstheologische \u00dcberh\u00f6hung des Krieges, die mir suspekt ist. Es stimmt: Die Verteidigung von Freiheit und Recht ist einen engagierten Streit wert. Aber dieser Streit muss sich unterscheiden von der Logik machtvoller \u00dcberw\u00e4ltigung, b\u00f6sartiger Unterstellung und hasserf\u00fcllter Abwertung derer, die anders denken. Und allemal muss sich unsere Sprache freihalten von D\u00e4monisierungen und Entmenschlichungen.<\/p>\n<p>Niemand wird zum Heiligen, weil er das eigene Leben, die eigene Freiheit und die seiner Lieben verteidigt. Und es wird auch niemand zum Teufel, der \u2013 verbohrt und verf\u00fchrt, machtverstrickt und verirrt, dumm und in B\u00f6ses verliebt \u2013 \u00fcber die Freiheit, das Recht und das Leben anderer herf\u00e4llt. Er bleibt auch dann noch Mensch. Das ist das Elend des Menschseins \u2013 und seine W\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Orientierung an Jesu Wort verlangt danach, immer neu auszuloten, wie wir das Recht und die W\u00fcrde von Menschen in Not verteidigen und uns zugleich f\u00fcr Frieden einsetzen k\u00f6nnen. Das ist m\u00fchsam! Und es f\u00fchrt in eine bisweilen unaufl\u00f6sbare Spannung, in der es oft kein eindeutiges \u201eRichtig\u201c oder \u201eFalsch\u201c gibt.<\/p>\n<p>Wenn es in hoffentlich nicht allzu ferner Zeit darum gehen wird, das Schweigen der Waffen in Frieden zu verwandeln, brauchen wir dabei die zivile Friedensarbeit als unabdingbares Fundament. Hier sind die Kirchen besonders stark, hier werden wir als Christinnen und Christen gebraucht!<\/p>\n<ol start=\"6\" style=\"list-style-type:upper-roman\">\n<li>\n<h3>\u00a0Alles h\u00e4ngt mit allem zusammen<\/h3>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Amen, Segen, T\u00fcren weit,<br \/>Orgelton und letzter Psalter.\u00a0<br \/>Durch die Sommerherrlichkeit\u00a0<br \/>Schwirren Schwalben, flattern Falter.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>So dichtet Liliencron und macht Lust, hinauszugehen ins pralle sommerliche Leben. Er setzt eine Welt und Natur in Szene, die ihren immer gleichen Gang gehen. Doch die Sch\u00f6pfung reimt sich schon lange nicht mehr so sch\u00f6n wie vor 150 Jahren. Die Falter und Insekten werden rar, und deshalb verschwinden die V\u00f6gel. Die Sommerherrlichkeit mit Hitzewellen und ausbleibenden Niederschl\u00e4gen zeigt an, wie sehr die Natur aus dem Gleichgewicht ist. Davon wissen die Menschen in den D\u00fcrre- und Hungergebieten des globalen S\u00fcdens ein Lied zu singen. Sie sind dort nicht zuletzt deshalb auf Getreide aus Osteuropa angewiesen, weil\u00a0der Klimawandel heimische Landwirtschaft kaum noch zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Doch auch wer in den Flutgebieten an Ahr und Erft, Lenne und Volme wohnt oder in von Starkregen betroffenen Regionen zuhause ist, kennt eigene Strophen dieses Liedes. Es ist ein langes Lied. Ein Lied, das zunehmend aus dem Takt ger\u00e4t und in dem sich die Dissonanzen sp\u00fcrbar mehren.<\/p>\n<p>Die biblische Fluterz\u00e4hlung, die wie ein archaisch-antiker Erz\u00e4hlstoff anmuten k\u00f6nnte, erweist sich gegenw\u00e4rtig als schaurige Wirklichkeit und zugleich als erstaunlich pr\u00e4zise: Der Krieg in der Sch\u00f6pfung wird zum Krieg mit der Sch\u00f6pfung und gegen die Sch\u00f6pfung, und die zeigt sich schlie\u00dflich ihrerseits von ihrer lebensfeindlichen, gewaltt\u00e4tigen Seite.<\/p>\n<p>Fragen nach Frieden und Sicherheit d\u00fcrfen nicht ausgespielt oder aufgerechnet werden gegen Fragen des Klimaschutzes und der Bewahrung der Sch\u00f6pfung. Klimawandel ist der gr\u00f6\u00dfte Hungertreiber. Klimapolitik ist auch eine Frage von Gerechtigkeit und Sicherheit. Wenn Menschen um ihre Existenzgrundlage k\u00e4mpfen, wenn es so kommt wie prognostiziert, n\u00e4mlich dass sich bis 2030 rund 700 Millionen Klimafl\u00fcchtlinge auf den Weg machen werden, um ihr Leben zu retten, dann steigt die Kriegsgefahr.\u00a0Deshalb halte ich es f\u00fcr kurzsichtig, an der einen Seite zu sparen und alles in die Aufr\u00fcstung zu stecken. Klima- und Sicherheitspolitik, die ihren Namen verdient, wird nie zu Lasten, sondern stets zugunsten der Armen in aller Welt und auch zugunsten der Armen in unserem Land geschehen k\u00f6nnen und m\u00fcssen. Darauf werden wir als Christen achten, und daran werden wir erinnern. Auch und zuallererst uns selbst.<\/p>\n<p>Alles h\u00e4ngt mit allem zusammen, und darum brauchen wir sie so dringend: himmelweite Hoffnung und unersch\u00f6pfliches Vertrauen.<\/p>\n<p>Hoffnung ist ein rares Gut geworden. Viele haben das Hoffen verlernt, andere verbieten es sich bewusst. Menschliche Bosheit und Zerst\u00f6rungslust sprechen dagegen. Und doch weigere ich mich zu verzweifeln. Ich will es mit Gott halten. Gott gesteht nach der Sintflut bemerkenswert n\u00fcchtern ein: \u201eDas Dichten und Trachten des Menschen ist b\u00f6se von Jugend auf.\u201c Um dann \u2013 mit eben dieser Begr\u00fcndung &#8211; zu versprechen: \u201eSolange die Erde steht, soll nicht aufh\u00f6ren Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.\u201c<\/p>\n<p>Auf diese g\u00f6ttliche Treue vertraue ich.<\/p>\n<p>Die Treue Gottes ist unsere Rettung.<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcdigkeit Schl\u00e4frig singt der K\u00fcster vor,Schl\u00e4frig singt auch die Gemeinde. Allgemeine M\u00fcdigkeit. Ja, die kennen wir. 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