{"id":4779,"date":"2022-09-08T14:19:33","date_gmt":"2022-09-08T14:19:33","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/09\/08\/grusswort-im-festakt-zum-80-geburtstag-von-bischof-i-r-prof-dr-h-c-wolfgang-huber-am-freitag-26-august-in-der-franzoesischen-friedrichstadtkirche-in-berlin\/"},"modified":"2022-09-08T14:19:34","modified_gmt":"2022-09-08T14:19:34","slug":"grusswort-im-festakt-zum-80-geburtstag-von-bischof-i-r-prof-dr-h-c-wolfgang-huber-am-freitag-26-august-in-der-franzoesischen-friedrichstadtkirche-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/09\/08\/grusswort-im-festakt-zum-80-geburtstag-von-bischof-i-r-prof-dr-h-c-wolfgang-huber-am-freitag-26-august-in-der-franzoesischen-friedrichstadtkirche-in-berlin\/","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort im Festakt zum 80. Geburtstag von Bischof i.R. Prof. Dr.h.c. Wolfgang Huber am Freitag, 26. August, in der Franz\u00f6sischen Friedrichstadtkirche in Berlin"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p class=\"EKDFlietext\">Was,<\/p>\n<p>verehrter Herr Bundespr\u00e4sident Steinmeier,<br \/>ieber Herr Bischof St\u00e4blein,<br \/>werte Damen und Herren,<br \/>vor allem aber: Lieber Wolfgang Huber,<\/p>\n<p>was haben Babyklappe und Koma-Saufen, Dietrich Bonhoeffer und Schulanfang, Sterbehilfe, Moscheen, Fu\u00dfballgott und Bundespr\u00e4sident miteinander gemein? Die schlichte Antwort hei\u00dft: Sie alle waren Themen der w\u00f6chentlichen Kolumne, die Du, lieber Wolfgang, w\u00e4hrend Deiner Zeit als Ratsvorsitzender f\u00fcr die Berliner Zeitung geschrieben hast. Eine tiefergehende Antwort wei\u00df: Klar Position zu beziehen \u2013 mitten im runden, vollen Menschenleben mit allem, was darin vorkommt \u2013, darum ist es Dir immer gegangen. [1] Bis heute schaust Du in christlicher Freiheit und evangelischer Verantwortung weit \u00fcber den kirchlichen Tellerrand hinaus &#8211; mitten hinein in die Welt, die Gottes Welt ist und bleibt. Und Du gibst Auskunft \u00fcber die gro\u00dfen Fragen des Glaubens in einer Leichtigkeit, die nur jemand aufbringen kann, der diese Fragen mit\u00a0tiefer Leidenschaft bewegt und mit scharfem Intellekt durchdrungen hat. Vor einigen Tagen bin ich zuf\u00e4llig auf ein Video gesto\u00dfen aus der Reihe \u201ejung &amp; naiv\u201c. Es ist ziemlich genau f\u00fcnf Jahre alt, dieses Video &#8211; und k\u00f6nnte genauso gut von heute sein. Geschlagene anderthalb Stunden habe ich gern und gebannt verfolgt, wie ein junger Mann auf genial neugierige Weise \u2013 und alles andere als naiv! \u2013 sehr viel von Dir wissen wollte. Buchst\u00e4blich \u00fcber Gott und die Welt. Ehrlich und klug und geduldig hast Du ihm Rede und Antwort gestanden, mit Herz und W\u00e4rme, voll echter Sympathie f\u00fcr den jungen Frager. Ich sa\u00df da an meinem K\u00fcchentisch und wollte eigentlich etwas ganz anderes tun. Und h\u00f6rte euch beiden fasziniert zu. Bis zum Schluss. Und es hat richtig gutgetan.<\/p>\n<p>Linksprotestant hat man Dich genannt, Managertalent, Beinahe-Bundespr\u00e4sident, Hofprediger. Sie sagen: Er ist ein progressiver Theologe mit konservativer Grundstruktur, ein demokratischer Restaurator der Allianz von Thron und Altar, ein leidenschaftlicher \u00d6kumeniker, ein evangelischer Vordenker.<br \/>H\u00f6re ich Dir selber zu, sto\u00dfe ich auf einen Menschen, der mit gr\u00f6\u00dftem Ernst um eine glaubw\u00fcrdige\u00a0Lebenshaltung ringt, und zwar um eine erkennbar christlich gepr\u00e4gte Zeitgenossenschaft.[2]<\/p>\n<p>Dietrich Bonhoeffers Frage nach einer Haltung, die auf die Einheit von \u201etheologische[r] Reflexion und verantwortete[r] Lebensgestalt ausgerichtet ist\u201c, war Dir immer wichtiger als dogmatische Wahrheiten oder politische Positionen.<\/p>\n<p>Du erz\u00e4hlst oft und gern von Menschen, die Deinen Weg gekreuzt haben.<\/p>\n<p>Da ist der muslimische Junge, der als 13J\u00e4hriger nach London kommt, ohne ein Wort Englisch zu sprechen, und dort eine neue Heimat findet. Nur vier Jahre sp\u00e4ter wird er, von Mitsch\u00fclern und Lehrern gleicherma\u00dfen geachtet, vom Londoner Bischof f\u00fcr seine herausragenden Leistungen geehrt. Der Bischof erz\u00e4hlt Dir sp\u00e4ter: \u201eFamilie, Glaube, Bildung, Gemeinschaft, diese vier Faktoren haben das Wunder vollbracht.\u201c<\/p>\n<p>Oder da ist der Mann aus Jamaica, erfolgreicher Bauunternehmer in der N\u00e4he von Berlin, bis er &#8211; gejagt von rechtsradikalen Rassisten &#8211; einen folgenschweren Unfall hat. Eingesperrt in einen vollst\u00e4ndig gel\u00e4hmten K\u00f6rper, setzt er sich ein f\u00fcr die Begegnung zwischen Jugendlichen verschiedener Nationen und Hautfarbe und wird f\u00fcr viele zum Vorbild.<\/p>\n<p>Oder da ist der fromme B\u00e4cker aus Reutlingen im stramm pietistisch gepr\u00e4gten W\u00fcrttemberg, den Du im Vikariat kennengelernt hast. Sonntags nach dem Gottesdienst in der Kirche besucht er die pietistische \u201eStund\u201c und passt auf herrlich handfeste Weise in die Welt.[3]<\/p>\n<p>Was Menschen ber\u00fchrt und fasziniert, sind ja zuerst und zuletzt nicht die theologischen Wahrheiten, die wir verk\u00fcndigen. Auch nicht die politischen Positionen, die wir vertreten. Es ist die sp\u00fcrbare Suche nach plausibler Lebensgestaltung, nach einer Haltung, die Glauben und Leben verbindet, nach einer Verantwortung, in der Denken und Handeln zusammenfinden \u2013 und die ausdr\u00fccklich das Oberlicht offenh\u00e4lt f\u00fcr das, was menschlichem Verm\u00f6gen entzogen ist. Das braucht die Welt von uns Christinnen und Christen. Das braucht die Gesellschaft von der Kirche. Heute vielleicht dringlicher denn je.<\/p>\n<p>Wie ein roter Faden zieht sich der Begriff der Freiheit durch Deine Texte und Reden und Impulse. F\u00fcr eine \u201eKirche der Freiheit\u201c bist Du angetreten, f\u00fcr eine \u00d6kumene der Profile \u201eIm Geist der Freiheit\u201c hast Du geworben, um eine\u00a0Freiheit hast Du gerungen, von der Perspektiven ausgehen f\u00fcr eine solidarische Welt.[3]<\/p>\n<p>Nun segelt unter der Flagge der Freiheit bekanntlich allerlei \u2013 vom selbstbestimmten pers\u00f6nlichen Leben bis hin zur liberalen Grundordnung unseres Staates. Freiheit ist der Sehnsuchtsbegriff des modernen Menschen. Sie kann zugleich zur schweren Last werden, je mehr individualistische Engf\u00fchrung sie erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Du wirst dagegen nicht m\u00fcde zu betonen: \u201eNiemand ist f\u00fcr sich allein frei!\u201c. Mit dem Begriff der \u201ekommunikativen Freiheit\u201c hast Du moderne Freiheitssehnsucht und christliche Freiheitsverhei\u00dfung konsequent aufeinander bezogen. Das war die Grundidee f\u00fcr eine zukunftsweisende Reform unserer Kirche.<\/p>\n<p>In kommunikativer Freiheit hast Du immer wieder die Grenzen des binnenkirchlichen Raums \u00fcberschritten. Du warst Dein Leben lang in Grenzbereichen zwischen Kirche und Gesellschaft unterwegs, sprachf\u00e4hig als Impulsgeber hier und da. Und lange war offen, auf welcher Seite Du landen w\u00fcrdest. Noch 1993 stand mit dem Wechsel von Heidelberg nach Berlin zur Disposition, ob aus Dir am Ende ein politisch denkender Theologe im Bischofsamt oder ein theologisch denkender Politiker mit Bundestagsmandat werden sollte.<\/p>\n<p>Aus kirchlicher Perspektive ist es dann am Ende gut ausgegangen \u2026<\/p>\n<p>Du bist ein \u201e\u00f6ffentlicher Theologe\u201c im Wortsinn dieser Bezeichnung: Ein Theologe eben, der seine Theologie \u00f6ffentlich erkennbar lebt und in die Fragen der Welt eintr\u00e4gt. Ein Mensch, der so von Theologie und Glaube spricht, dass es eine breite \u00d6ffentlichkeit erreicht und angeht. Du kannst nicht nur Professor, Du kannst auch Bildzeitung. Und der interreligi\u00f6se Dialog ist Dir nicht weniger wichtig als die missionarische Sendung der Kirche. Nie hast Du ein Hehl daraus gemacht: Grundfragen von Religion und Theologie geh\u00f6ren nicht in private Hinterzimmer, sondern mitten hinein ins \u00f6ffentliche Leben. Da wirken sie wie Salz in der Suppe und Licht in manchem Dunkel.<\/p>\n<p>Wer die unglaubliche Liste Deiner Publikationen, Deiner zahlreichen \u00c4mter und Ehrungen wahrnimmt, mag kaum glauben, dass Du gerade mal 80 Jahre alt bist. So jung? Anhand Deines reichen Lebenswerks m\u00fcsste ich Dich \u00e4lter sch\u00e4tzen. Aber wenn ich Dich heute hier sitzen sehe, dann geht es mir genau umgekehrt: So alt? Ich w\u00fcrde Dich unbedingt j\u00fcnger sch\u00e4tzen. Eigentlich keine schlechte Kombination.<\/p>\n<p>Am Ende bleibt mir der Dank. Ich danke Gott f\u00fcr Dein Leben. F\u00fcr alles, was Dir in die Wiege gelegt und im Laufe der Zeit geschenkt wurde. Ich danke Gott, dass Du weder B\u00e4cker noch S\u00e4nger geworden bist \u2013 was Du zeitweise vor\u00fcbergehend in Erw\u00e4gung gezogen hattest. So hoch ich B\u00e4cker f\u00fcr ihr Handwerk achte und so sehr ich S\u00e4nger f\u00fcr ihre Kunst liebe: Als Pastor und Professor und Bischof h\u00e4ttest Du unserer Kirche doch schmerzlich gefehlt.<\/p>\n<p>Ich danke Dir f\u00fcr alles, was Du uns weitergegeben und hier und da neu aufgeschlossen hast. Ich danke Deiner Frau und Eurer Familie, ohne die Du nicht der w\u00e4rst, der Du bist.\u00a0<\/p>\n<p>Bleib Gott befohlen! Das sage ich Dir in der festen Zuversicht:<\/p>\n<p>Es geht mit der Welt, es geht mit der Kirche, es geht mit uns allen, es geht mit Dir \u2013 Gott wei\u00df, wohin.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was, verehrter Herr Bundespr\u00e4sident Steinmeier,ieber Herr Bischof St\u00e4blein,werte Damen und Herren,vor allem aber: Lieber Wolfgang Huber, was haben Babyklappe und<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3903,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4779"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4779"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4779\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4780,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4779\/revisions\/4780"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3903"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}