{"id":4993,"date":"2022-11-06T17:45:48","date_gmt":"2022-11-06T17:45:48","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/11\/06\/grusswort-bei-der-dritten-tagung-der-13-synode-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-ekd-und-der-dritten-tagung-der-generalsynode-der-velkd-fuer-die-deutsche-bischofskonferenz\/"},"modified":"2022-11-06T17:45:49","modified_gmt":"2022-11-06T17:45:49","slug":"grusswort-bei-der-dritten-tagung-der-13-synode-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-ekd-und-der-dritten-tagung-der-generalsynode-der-velkd-fuer-die-deutsche-bischofskonferenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/11\/06\/grusswort-bei-der-dritten-tagung-der-13-synode-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-ekd-und-der-dritten-tagung-der-generalsynode-der-velkd-fuer-die-deutsche-bischofskonferenz\/","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort bei der dritten Tagung der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der dritten Tagung der Generalsynode der VELKD f\u00fcr die Deutsche Bischofskonferenz"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p style=\"text-align:right\"><em>Es gilt das gesprochenen Wort<\/em><\/p>\n<p>Sehr geehrte Pr\u00e4ses der Synode der EKD, liebe Schwester Heinrich!<br \/>Sehr geehrter Pr\u00e4sident der Generalsynode der VELKD, lieber Bruder Kannengie\u00dfer!<br \/>Sehr geehrte Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, liebe Schwester Kurschus!<br \/>Sehr geehrter Leitender Bischof der VELKD, lieber Bruder Meister!<br \/>Liebe Mitglieder der Synode der EKD und der Generalsynode der VELKD! Verehrte Synodale!<br \/>Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p>Nach 2011 und 2016 freut es mich als katholischer Ortsbischof im \u201eLande Luthers\u201c, heute erneut bei der Synode der EKD hier in Magdeburg Gast sein zu d\u00fcrfen. Ich gr\u00fc\u00dfe Sie auch im Namen der Deutschen Bischofskonferenz sehr herzlich und danke Ihnen f\u00fcr die Gelegenheit, zu Ihnen sprechen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr mich ist das keine nur formale Angelegenheit, sondern ein lebendiger Ausdruck unseres vertrauensvollen \u00f6kumenischen Miteinanders, das wir in Deutschland pflegen.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Thema ist in der katholischen Kirche aktuell die Synodalit\u00e4t als ekklesiologische Grunddimension. Anders als in der evangelischen Kirche hat sie in der katholischen Kirche \u2013 zumindest, wenn es um die Einbeziehung des ganzen Gottesvolkes ging \u2013 lange Zeit kaum eine Rolle gespielt. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrte zwar, dass die Gesamtheit der Gl\u00e4ubigen im Glauben nicht irren kann (LG 12). Aber erst mit Papst Franziskus ist ein fundamentaler Perspektivwechsel weg vom Amt und der Verantwortung der Bisch\u00f6fe und des\u00a0\u00a0Papstes hin zum ganzen Volk Gottes eingetreten. Er hat das Thema Synodalit\u00e4t in den Fokus ger\u00fcckt und damit eine ungeheure Dynamik ausgel\u00f6st. Das Besondere in dem von ihm 2021 ausgerufenen weltweiten synodalen Prozess war von Anfang an die Idee, dass es eine Synode des ganzen Volkes Gottes sein soll, an der nicht nur Bisch\u00f6fe, Priester und Diakone sowie Ordensleute beteiligt sind, sondern auch die Laien. Diese Dimension hat nach meinem Eindruck im Laufe der Zeit zunehmend an Gewicht gewonnen und wurde auch als Grund f\u00fcr die j\u00fcngste Verl\u00e4ngerung des urspr\u00fcnglich bis 2023 angelegten Prozesses um ein weiteres Jahr genannt.<\/p>\n<p>Da die Partizipation aller in der Taufe gr\u00fcndet, kommt auch den Geschwistern au\u00dferhalb der katholischen Kirche eine Bedeutung zu. Das wurde im Vorbereitungsdokument des Synodensekretariats zur ersten Phase der Konsultation unterstrichen und in einem gemeinsamen Brief von Kardinal Kurt Koch und Kardinal Mario Grech vom 28. Oktober 2021 nochmals verdeutlicht. Die Deutsche Bischofskonferenz hat diesen Impuls gern aufgegriffen und die in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland verbundenen Kirchen, Zusammenschl\u00fcsse und Organisationen eingeladen, die katholische Kirche an ihren je eigenen Erfahrungen, Einsch\u00e4tzungen und Vorschl\u00e4gen zum Thema Synodalit\u00e4t teilhaben zu lassen. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland hat auf diese Einladung geantwortet, wof\u00fcr ich an dieser Stelle ausdr\u00fccklich danken m\u00f6chte. Die R\u00fcckmeldungen zeigen, dass Synodalit\u00e4t und ihre Strukturprinzipien jeweils aus der eigenen Kirchengeschichte abgeleitet und erl\u00e4utert werden. Daher sind negative wie positive Erfahrungen auch nicht ohne Weiteres \u00fcbertragbar. Dennoch sehe ich in dem Austausch \u00fcber unterschiedliche Formen, Synodalit\u00e4t in der Kirche zu leben, nicht nur die Chance, einander noch besser kennenzulernen und zu verstehen, sondern auch ein Potenzial f\u00fcr die katholische Kirche, von den Erfahrungen anderer Kirchen zu lernen.<\/p>\n<p>In Wechselbeziehung zum weltweiten synodalen Prozess steht der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland, der mit einer ersten Synodalversammlung zu Beginn des Jahres 2020 aufgenommen wurde. Die Etappen, die wir seither durchschritten haben, zeigen, dass er f\u00fcr alle Beteiligten ein Lernprozess ist. Es verwundert daher nicht, dass es dabei auch zu Konflikten und manchmal auch schmerzlichen Erfahrungen kommt. Aber wir stehen mit dem ersch\u00fctternden Ausma\u00df von sexuellem und seelischem Missbrauch im Raum der katholischen Kirche, wie es in den letzten Jahren aufgedeckt wurde und immer neu offenkundig wird, vor einem gro\u00dfen Scherbenhaufen. Deshalb kann und darf es ein \u201eWeiter so\u201c nicht geben. Aber unabh\u00e4ngig davon hat sich die katholische Kirche in ihrer Geschichte immer wieder als reformbed\u00fcrftig und als reformf\u00e4hig erwiesen, auch wenn der Eindruck bleibt, dass das Schiff sich oft nur sehr langsam bewegt hat. Diese Einsichten beantworten noch nicht die Frage, in welche Richtung es weitergehen kann. Ein offener, ehrlicher und in wechselseitigem Respekt gef\u00fchrter Diskurs ist unbedingt n\u00f6tig. Jeder synodale Weg vertraut darauf, dass Gottes Geist wirksam ist, wenn das Volk Gottes zusammenkommt, um zu erkennen, wohin Jesus Christus seine Kirche f\u00fchren will. Dabei m\u00fcssen wir uns immer wieder auch selbstkritisch fragen, ob ein H\u00f6ren aufeinander und auf den Heiligen Geist gelingen kann, wenn wir uns in Lager auseinanderdividieren, oder wenn von der einen oder anderen Seite gar ein Verrat an der Wahrheit unterstellt wird.<\/p>\n<p>Wie das k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Arbeitsdokument f\u00fcr die zweite, kontinentale Phase der weltweiten Synode zeigt, sind die Themen, die im Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland beraten werden, auch in vielen anderen L\u00e4ndern der Welt virulent. Das gilt f\u00fcr den Wunsch nach Beteiligung und Mitverantwortung aller Getauften ebenso wie f\u00fcr eine Neubewertung der Rolle der Frau in der katholischen Kirche und gleicherma\u00dfen f\u00fcr die Anerkennung und Wertsch\u00e4tzung von LGBTQ-Personen. Mit schnellen L\u00f6sungen rechne ich nicht. Aber mit den synodalen Prozessen in der katholischen Kirche wird schon jetzt eine neue Herangehensweise praktiziert, als Volk Gottes gemeinsam Fragen und Herausforderungen zu identifizieren, Antworten zu suchen und Ver\u00e4nderungen herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Das synodale Arbeitsdokument f\u00fcr die kontinentale Phase steht unter dem programmatischen Vers aus Jesaja \u201eMach den Raum deines Zeltes weit\u201c (Jes 54,2). K\u00f6nnte das nicht auch ein ermutigendes Wort f\u00fcr die \u00d6kumene der Zukunft sein? Wenn die Beobachtung von Tom\u00e1\u0161 Hal\u00edk stimmt, dass es heute die gr\u00f6\u00dften Unterschiede nicht zwischen den Kirchen, sondern innerhalb der Kirchen gibt,1\u00a0macht das den \u00f6kumenischen Weg zu einer vers\u00f6hnten Gemeinschaft, die Einheit in Vielfalt lebt, freilich nicht leichter. Als katholischer Bischof sehe ich deutlich und bedaure es zutiefst, wie innerkatholische Entwicklungen und Spannungen auch das \u00f6kumenische Miteinander belasten. Und auch die diesj\u00e4hrige Vollversammlung des \u00d6kumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe war nicht frei von Konflikten, die sich wohl eher an kulturellen denn an konfessionellen Unterschieden festmachen lie\u00dfen. Dennoch war die Vollversammlung, wie ich selbst erlebt habe, ein eindrucksvolles Zeichen des miteinander geteilten und gelebten Glaubens an Jesus Christus. Weil er die Geschicke der Welt und jedes einzelnen Menschen in H\u00e4nden h\u00e4lt, sind Christinnen und Christen nicht Zeugen des Untergangs, sondern Zeugen der Hoffnung. Von dieser Hoffnung zu reden trotz der vielf\u00e4ltigen Herausforderungen und Bedr\u00e4ngnisse unserer Zeit, im Angesicht von Krieg und Klimakrise, von Vertreibung und durch verschiedenste Notlagen verursachten Migrationsbewegungen, von Corona und der durch diese Entwicklungen bef\u00f6rderten Zerrissenheit der Gesellschaften und der Kirchen, ist nicht leicht. Und vielleicht steht es uns auch gut an, nicht allzu vollmundig daherzukommen und stattdessen besser beredte Zeichen sprechen zu lassen. Aber verschweigen d\u00fcrfen wir die christliche Hoffnungsbotschaft nicht, wenn wir Jesu Ruf in die Nachfolge ernst nehmen.<\/p>\n<p>M\u00f6gen wir uns als Gl\u00e4ubige und als Kirchen in dieser Hoffnung wechselseitig best\u00e4rken. Und m\u00f6gen Sie auch bei den Beratungen und Entscheidungen w\u00e4hrend Ihrer Synodentagung von dieser Hoffnung getragen sein.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>1 Vgl. Tom\u00e1\u0161 Hal\u00edk, Der Nachmittag des Christentums. Eine Zeitansage (Freiburg \u2013 Basel \u2013 Wien 2022), S. 11.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gilt das gesprochenen Wort Sehr geehrte Pr\u00e4ses der Synode der EKD, liebe Schwester Heinrich!Sehr geehrter Pr\u00e4sident der Generalsynode der<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4333,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4993"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4993"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4993\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4994,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4993\/revisions\/4994"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4333"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4993"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4993"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4993"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}