{"id":5000,"date":"2022-11-06T21:46:32","date_gmt":"2022-11-06T21:46:32","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/11\/06\/grusswort-der-landesregierung-sachsen-anhalts-ekd\/"},"modified":"2022-11-06T21:46:34","modified_gmt":"2022-11-06T21:46:34","slug":"grusswort-der-landesregierung-sachsen-anhalts-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/11\/06\/grusswort-der-landesregierung-sachsen-anhalts-ekd\/","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort der Landesregierung Sachsen Anhalts \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p>Sehr geehrte Frau Pr\u00e4ses, liebe Frau Heinrich,<br \/>sehr geehrte Mitglieder der EKD-Synode,<br \/>meine sehr geehrten Damen und Herren,<br \/>werte G\u00e4ste,<\/p>\n<p>unmittelbar nach dem sehr sch\u00f6nen Gottesdienst im Magdeburger Dom und nach dem gestrigen, wie ich geh\u00f6rt habe, sch\u00f6nen Empfang darf ich Sie alle im Namen der Landes\u00adregierung ganz offiziell und vor allem ganz herzlich zu Beginn Ihrer Tagung hier in unserer Landeshauptstadt Magdeburg begr\u00fc\u00dfen. Ich freue mich sehr dar\u00fcber, dass die EKD-Synode nach 2016 erneut in Magdeburg tagt. Ich habe mir sagen lassen, dass es heute das vierte Mal hier ist. Das freut uns hier in Sachsen-Anhalt nat\u00fcrlich ganz besonders. Einen besseren Ort h\u00e4tten Sie sich f\u00fcr Ihre Tagung nicht aussuchen k\u00f6nnen. Denn Ihre Beratungen und Beschl\u00fcsse finden hier auch an einem Ort statt, der Sie vielleicht auch inspirieren kann.<\/p>\n<p>Aber lassen Sie mich zun\u00e4chst Einiges auch Kritisches sagen. Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, dass wir hier im Land Sachsen-Anhalt zwar unz\u00e4hlige wundersch\u00f6ne Kirchen\u00adgeb\u00e4ude haben, aber deutschlandweit die wenigsten Christen. Lassen Sie sich auch nicht davon abschrecken, dass die meisten Menschen hier auf die Frage, ob sie katholisch oder evangelisch seien, antworten, sie seien normal. Lassen Sie sich auch nicht davon abschrecken, dass die beiden Kirchen in Sachsen-Anhalt seit der letzten EKD-Synode in Magdeburg, wenn ich mich nicht verrechnet habe, Tag f\u00fcr Tag fast zwei Dutzend Mitglieder verloren haben. Schauen Sie sich vielmehr in Magdeburg und in Sachsen-Anhalt um und erkennen Sie, dass Sie hier und heute schon zu Gast in der Zukunft sind, vielleicht auch in der Zukunft der Kirche Deutschlands.<\/p>\n<p>Wie sieht die Zukunft eigentlich aus? \u2013 Nat\u00fcrlich ganz anders als fr\u00fcher und anders als noch in volkskirchlich gepr\u00e4gten Gebieten. Zuallererst ist die Kirche in Sachsen-Anhalt Kirche in der Minderheit. Damit ist Kirche hier keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit mehr. Das hei\u00dft, dass so gut wie nichts, was fr\u00fcher oder anderswo als Selbstverst\u00e4ndlichkeit galt beziehungsweise auch gilt, in Sachsen-Anhalt als selbstverst\u00e4ndlich gelten kann. In meinen Augen ist das f\u00fcr die Kirchen bei allen auch umstrittenen materiellen Voraussetzungen, die damit verbunden sind, auch eine gro\u00dfe Chance. Denken wir an Jesus, der f\u00fcr die Weiterverbreitung seiner frohen Botschaft auf einige wenige Menschen setzte, ganz ohne Kirchen\u00e4mter, ohne Kirchensteuer und dergleichen. Im Matth\u00e4usevangelium sagte Jesus zu seinen J\u00fcngern: Gehet hin und lehret alle V\u00f6lker! Gehet hin, gehet hinaus, verlasst euren angestammten Platz! Wagt den Aufbruch! \u2013 Meine sehr verehrten Damen und Herren, kann es sein, dass Jesus das auch uns hier und heute mitgeben will und uns dies zuruft? Ich jedenfalls bin zutiefst davon \u00fcberzeugt, dass Kirche auch weiterhin eine Zukunft hat.<\/p>\n<p>Nehmen Sie Ihren Aufenthalt in Sachsen-Anhalt zum Anlass, zu erkennen, dass Kirche in ihrer \u00fcber zweitausendj\u00e4hrigen Geschichte immer einem Wandel ausgesetzt war. Kirche war nie fertig. Kirche hie\u00df immer auch Ver\u00e4nderung und auch Anpassung.<\/p>\n<p>Auch die Vergangenheit \u2013 darauf will ich auch kurz eingehen; Sie wissen es alle selbst: 40\u00a0Jahre Sozialismus \u2013 ging an den Kirchen hier im Land nicht spurlos vor\u00fcber, keine Frage. Den SED-Machthabern mag es damals gelungen sein, die Kirchen in die Enge zu treiben. Aber die Kirchen gibt es immer noch. Die DDR hingegen ist gottlob Geschichte.<\/p>\n<p>Es mag Hoffnungen gegeben haben, dass sich die Kirchen in Ostdeutschland nach der Wende wieder dauerhaft f\u00fcllen werden. Leider haben sie sich nicht erf\u00fcllt. Dar\u00fcber kann man klagen, oder man sucht nicht immer nur das sprichw\u00f6rtliche Haar in der Suppe, sondern, um ein Bibelzitat zu verwenden, das Salz der Erde.<\/p>\n<p>Es ist uns \u2013 das m\u00f6chte ich an dieser Stelle noch mal betonen \u2013 in den 30 Jahren in Sachsen-Anhalt gelungen, dass wir Vor- und Nachteile abw\u00e4gen konnten, aber auch etwas erreichen konnten: Zum Beispiel haben wir vor 30 Jahren in Sachsen-Anhalt sowohl Ethik als auch Religionsunterricht als ordentliche Lehrf\u00e4cher eingef\u00fchrt und haben versucht, Konstruktionen wie LER oder andere Konstrukte zu verhindern.<\/p>\n<p>Dann kann man sehen, dass das Wort \u201eGott\u201c in unserer Landesverfassung genauso oft vorkommt wie das Grundgesetz. Sie k\u00f6nnen hier unz\u00e4hlige Ehrenamtliche finden, die das Gemeindeleben am Laufen und die Kirchen im ganzen Land offen bzw. im wahrsten Sinne des Wortes auch in Schuss halten, und zwar oft, ohne selbst Kirchenmitglieder zu sein.<\/p>\n<p>Sie erleben Kirchenvertreter, die ihre Stimme erheben, wenn dumpfe Parolen, Halbwahrheiten und menschenfeindliche Losungen gebr\u00fcllt werden, und uns daran erinnern, dass Christus uns am Ende unseres Lebens bestimmt nicht fragen wird: Habt ihr euch auch gen\u00fcgend um euch selbst gek\u00fcmmert und erfolgreich das Abendland verteidigt?<\/p>\n<p>Trotzdem: Wir sollten auch nicht unsere Herkunft leugnen. An dieser Stelle muss ich auch mal kritisch sagen: Man kann doch keinesfalls guthei\u00dfen, wer auch immer das getan oder ange\u00adwiesen hat, wie es in M\u00fcnster zum G7-Au\u00dfenministertreffen geschehen ist, ein Kreuz aus einem solchen historischen Saal abzuh\u00e4ngen. Nur wer zur eigenen Tradition und gesellschaft\u00adlichen Pr\u00e4gung steht, kann auch offen, souver\u00e4n und selbstbewusst auf andere zugehen.<\/p>\n<p>Verehrte Vertreter, liebe Synodale, Sie k\u00f6nnen hier entdecken, wie selbstverst\u00e4ndlich auch \u00d6kumene gelebt wird. Sie k\u00f6nnen sich \u00fcber den Neubau eines Klosters hier in unmittelbarer N\u00e4he in der Stadt freuen, wohlgemerkt in den \u00d6kumenischen H\u00f6fen, einem Stadtquartier mit evangelischen und katholischen Einrichtungen der Gemeinde- und Hochschulseelsorge.<\/p>\n<p>Im Dom, in dem wir vorhin den Gottesdienst feiern durften, wurde vor 15\u00a0Jahren \u00fcbrigens sogar ein St\u00fcck \u00f6kumenische Kirchengeschichte geschrieben. Im Rahmen der Magdeburger Erkl\u00e4rung kam es am 29.\u00a0April 2007 erstmals zu einer formellen Vereinbarung \u00fcber die wechselseitige Anerkennung der in elf verschiedenen Kirchen Deutschlands vollzogenen Taufen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gibt es in Sachsen-Anhalt auch Grund zur interreligi\u00f6sen Freude. Denn wir bauen hier in unserem Land zwei neue Synagogen, eine in Dessau und eine in Magdeburg.<\/p>\n<p>Meine sehr verehrten Damen und Herren, wie Sie hoffentlich sehen konnten, gibt es in Sachsen-Anhalt auch f\u00fcr die Kirchen durchaus etwas zu sehen und auch vielleicht zu lernen. Insofern kann ich mich zum Schluss meiner Rede nur wiederholen: Sachsen-Anhalt kann und m\u00f6ge Sie wirklich inspirieren, indem Sie erkennen, dass Gottes guter Geist auch hier weht und wirkt.<\/p>\n<p>In diesem Sinne w\u00fcnsche ich Ihnen eine angenehme Tagung in unserem Bundesland, konstruktive Beratungen sowie zuversichtliche Beschl\u00fcsse. Kommen Sie gerne einmal wieder nach Sachsen-Anhalt. Wir laden Sie jederzeit ein. Die Landesregierung ist froh, Sie hier zu wissen. Nochmals herzliche Gr\u00fc\u00dfe von unserem Ministerpr\u00e4sidenten.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Frau Pr\u00e4ses, liebe Frau Heinrich,sehr geehrte Mitglieder der EKD-Synode,meine sehr geehrten Damen und Herren,werte G\u00e4ste, unmittelbar nach dem<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5001,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5000"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5000"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5000\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5002,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5000\/revisions\/5002"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5001"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5000"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5000"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5000"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}