{"id":5019,"date":"2022-11-07T22:07:10","date_gmt":"2022-11-07T22:07:10","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/11\/07\/bericht-ueber-die-friedensarbeit-in-der-ekd-muendlich-ekd\/"},"modified":"2022-11-07T22:07:11","modified_gmt":"2022-11-07T22:07:11","slug":"bericht-ueber-die-friedensarbeit-in-der-ekd-muendlich-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/11\/07\/bericht-ueber-die-friedensarbeit-in-der-ekd-muendlich-ekd\/","title":{"rendered":"Bericht \u00fcber die Friedensarbeit in der EKD (m\u00fcndlich) \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p style=\"text-align:right\"><em>Es gilt das gesprochene Wort<\/em><\/p>\n<p><strong>Bericht des Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland<br \/>vor der 13. Synode der EKD im November 2022<\/strong><\/p>\n<p><em>Landesbischof Friedrich Kramer<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align:right\">\u201eSelig sind die Pazifisten, denn sie werden Gottes Kinder hei\u00dfen\u201c Matth\u00e4us 5, 9<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Pr\u00e4ses, hohe Synode, liebe Geschwister,<\/p>\n<p>herzlichen Dank, dass Sie mir heute die Gelegenheit geben, Ihnen von den aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen der Arbeit am Friedensthema im Raum der EKD zu berichten.<\/p>\n<p>Vorausschicken m\u00f6chte ich, dass dies in einer Stadt geschieht, die zwei Mal vom Krieg schwer zerst\u00f6rt wurde, n\u00e4mlich 1631 und 1945. Die Zerst\u00f6rungen und die grausame Ausl\u00f6schung von fast Zweidritteln der Bev\u00f6lkerung im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg waren so enorm, dass der Begriff \u201emagdeburgisieren\u201c als Synonym f\u00fcr \u201ev\u00f6llig zerst\u00f6ren, ausl\u00f6schen\u201c und als Sinnbild f\u00fcr \u201egr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Schrecken\u201c in die deutsche Sprache eingegangen ist.<\/p>\n<p>Im Magdeburger Dom \u2013 der Bischofskirche der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland \u2013 zeugt zudem ein eindr\u00fcckliches Mahnmal Ernst Barlachs von den Schrecken des Ersten Weltkrieges. Er hat es 1929 geschaffen und selbst als sein \u201egr\u00f6\u00dftes und verantwortungsreichstes\u201c plastisches Werk bezeichnet.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Krieges war Barlach noch \u00fcberzeugt von dessen Notwendigkeit. Doch nur wenige Monate als freiwilliger Landsturmsoldat im Winter 1915\/16 \u00f6ffnen Barlach die Augen f\u00fcr den wahren Charakter des Krieges. Er spricht vom uns\u00e4glichen \u201eVerbluten f\u00fcr Idee und Vorurteil\u201c, vom \u201everbl\u00f6dende[n] Rechtsetzen seiner V\u00f6lkerart gegen die fremde\u201c und er fordert zur Friedensarbeit auf mit den Worten:<\/p>\n<p><em>\u201eDen anderen verstehen wollen, schlie\u00dflich auch verstehen lernen, (dem Gesetz der Eigenheit gehorsam) das Gesetz des Andersseins achten, m\u00f6chte als schwerer und nicht lange aufschiebbarer Anfang der Arbeit am Frieden gelten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ein Teil dieser Friedensarbeit ist auch Barlachs Mahnmal gegen den Krieg im Dom, dessen Besuch ich Ihnen ans Herz lege.<\/p>\n<h3>Berufung des neuen Friedensbeauftragten<\/h3>\n<p>Mit meiner Berufung zum Friedensbeauftragten zu Beginn dieses Jahres hat der Rat der EKD einen Beschluss umgesetzt, den Sie, liebe Geschwister, auf Ihrer 2. Tagung im November 2021 gefasst hatten.<\/p>\n<p>Ich empfinde es als eine gro\u00dfe Ehre und Verantwortung, die engagierte und richtungsweisende Arbeit von Renke Brahms fortsetzen zu d\u00fcrfen! Die von ihm initiierte Friedenssynode 2019 hat hohe Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt und der Friedensarbeit gro\u00dfe Beachtung in der Evangelischen Kirche verschafft.<\/p>\n<p>Ob ich eine geeignete Person in dieser Zeit an dieser Stelle bin, wird inzwischen aufgrund meiner klaren Positionierung gegen Waffenlieferungen an die Ukraine von manchen kritisch gesehen. Aber vor dem Hintergrund meiner pers\u00f6nlichen Erfahrungen in der kirchlichen Friedensarbeit und im gewaltfreien Widerstand in der DDR, trete ich daf\u00fcr ein, dass wir im Raum der EKD unseren Einsatz f\u00fcr Frieden und Gewaltlosigkeit gerade jetzt mit aller Kraft fortf\u00fchren \u2013 in grunds\u00e4tzlicher Orientierung an der Denkschrift der EKD von 2007 und den Beschl\u00fcssen der Friedenssynode 2019.<\/p>\n<p>Und nun zur Arbeit am Frieden, die wir im Jahr 2022 im Raum der EKD leisten.<\/p>\n<h3>Dringlichkeit des Friedensthemas aufgrund des Krieges gegen die Ukraine<\/h3>\n<p>Das Friedensthema stellt sich heute mit besonderer Dringlichkeit. Seit dem Angriff der russischen Regierung auf die Ukraine am 24. Februar dieses Jahres ist f\u00fcr viele unsere bisherige Friedensordnung in Europa und dar\u00fcber hinaus grundlegend ersch\u00fcttert. Das habe ich in meinem schriftlichen Bericht, der Ihnen vorliegt, n\u00e4her ausgef\u00fchrt. An dieser Stelle m\u00f6chte ich mich auf die Folgen f\u00fcr die sicherheitspolitische und friedensethische Debatte in Deutschland konzentrieren.<\/p>\n<p>Auch wenn es \u00fcber 20 brutale kriegerische Konflikte, mit teilweise verheerenden Folgen auf der Erde gibt, hat der nahe Ukrainekrieg in der Mitte Europas die sicherheitspolitische Debatte in Deutschland und in Europa grundlegend ver\u00e4ndert. Alte sicherheitspolitische Strategien und Instrumente, die \u00fcberwunden zu sein schienen \u2013 wie Aufr\u00fcstung und atomare Abschreckung \u2013 stehen wieder im Raum und laufen den dringlichen Ma\u00dfnahmen zuwider, die wir im Blick auf den Klimawandel und die soziale Ungerechtigkeit l\u00e4ngst ergreifen m\u00fcssten. In der Folge haben sich auch die friedensethischen Debatten in unserer Kirche ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Zwar sind Differenzierung und Vielstimmigkeit \u2013 gerade auch in friedensethischen Fragen \u2013 immer schon Kennzeichen der Evangelischen Kirche in Deutschland. Diese zuzulassen und auszuhalten, ist eine ihrer gro\u00dfen St\u00e4rken. Doch sind aktuell die Gegens\u00e4tze sch\u00e4rfer hervorgetreten und werden lauter vertreten. Besonders bedenklich ist es, wenn versucht wird, die differenten Perspektiven zu polarisieren, sie in Schwarz-Wei\u00df-Muster zu dr\u00e4ngen, wenn etwa dem anders Denkenden in unsachlicher Abk\u00fcrzung gewissenloser Militarismus oder naiver Pazifismus vorgeworfen wird, ihm gar sein Christsein abgesprochen wird.<\/p>\n<p>So soll es bei uns in der Kirche nicht sein. Im Geist des Friedens auch \u00fcber den Krieg und die Reaktionen darauf zu streiten, den Dialog zu suchen und gemeinsam zu ringen, die Ambivalenzen und Zerrissenheit auszuhalten, ist geboten. Als Kirche k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir ein Vorbild daf\u00fcr sein, wie mit dieser Vielstimmigkeit bis hin zu gegens\u00e4tzlichen Sichtweisen konstruktiv umgegangen werden kann. Letztere sch\u00e4rfen den eigenen Blick, verhindern Irrt\u00fcmer und erfordern eine stete R\u00fcckbesinnung auf das gemeinsame Fundament im christlichen Glauben: Jesus Christus.<\/p>\n<p>Denn auf der einen Seite stehen der Schutz des N\u00e4chsten und die Solidarit\u00e4t mit den Opfern, die christlich geboten ist; auf der anderen Seite der Ruf Jesu zu Gewaltlosigkeit und Feindesliebe und die Aufforderung, dem B\u00f6sen nicht mit B\u00f6sem zu begegnen. Wir kommen nicht schuldlos aus diesen Fragen heraus, weil der Krieg selbst das B\u00f6se ist. Es gibt keinen gerechten Krieg. Und die dringende Frage ist, wie wir aus dem ungerechten Krieg in einen gerechten Frieden kommen k\u00f6nnen. Wie kann eine weitere Eskalation des Krieges von unserer Seite her vermieden werden? Frieden wird nicht mit Waffengewalt geschaffen, das ist deutlich, aber wie kann Frieden werden?<\/p>\n<p>Viele kirchliche Stellungnahmen sind sehr ausgewogen und differenziert, wie etwa der j\u00fcngste Aufruf der Ratsvorsitzenden der EKD zu Friedensgespr\u00e4chen in ihrer Predigt zum Reformationstag. Medial werden sie aber oft auf die Frage nach Waffenlieferungen zugespitzt und reduziert, was der Komplexit\u00e4t der Problematik nicht gerecht wird. Verweisen m\u00f6chte ich hier auch auf die sehr differenzierte Stellungnahme der Mitgliederversammlung der Aktionsgemeinschaft Dienst f\u00fcr den Frieden (AGDF) zum Krieg in der Ukraine, die am 24. September ver\u00f6ffentlicht wurde. Ihr ist anzumerken, dass sie aus einem sorgsamen Ringen um Positionen und Formulierungen hervorgegangen ist. Und auch im Bereich der Landeskirchen gibt es verschiedenste Verlautbarungen, die ebenfalls von intensiven Diskussionsprozessen zeugen, zuletzt das Papier der EAK W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p>Im Folgenden m\u00f6chte ich meine Beobachtung zu verschiedenen friedensethischen Einsch\u00e4tzungen benennen und auf einige friedenspraktische Aktivit\u00e4ten im Raum der EKD hinweisen:<\/p>\n<p><strong>Erstens:<\/strong> Die Ukraine ist Opfer eines aggressiven Okkupationskriegs. Daher hat sie zweifellos das Recht auf milit\u00e4rische Selbstverteidigung und darauf, sich Hilfe von Drittstaaten zu erbitten. Sie genie\u00dft unsere volle Solidarit\u00e4t; ihr von unserer Warte aus, gewaltfreien Widerstand zu verordnen, w\u00e4re vermessen.<\/p>\n<p>Aber es gibt Gruppen, die auf das gro\u00dfe Potential des gewaltfreien Widerstandes auch in der Ukraine hinweisen und \u00fcber ernstzunehmende Alternativen zu milit\u00e4rischen Konzepten der Verteidigung arbeiten und so Sicherheit neu denken. Auch wenn dies in der konkreten Situation des Krieges als unrealistisch gilt, zeigen mehrere Studien, dass zivile Konfliktbearbeitung erfolgreicher und nachhaltiger ist als milit\u00e4rische Konfliktbearbeitung.<\/p>\n<p><strong>Zweitens: <\/strong>Wir haben die Pflicht, den leidenden und fl\u00fcchtenden Menschen der Ukraine beizustehen, sie mit Hilfsg\u00fctern, Unterk\u00fcnften und bei der Aufkl\u00e4rung und Ahndung der Kriegsverbrechen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Das leisten mit bewundernswerter Tatkraft eine Vielzahl von Gruppen und Initiativen unserer evangelischen Gemeinden sowie Organisationen der AGDF. Um nur ein Beispiel in der Ukraine zu nennen: Die Kurve Wustrow unterst\u00fctzt im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes lokale Partner in Donezk und Luhansk darin, Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren, ganz unabh\u00e4ngig davon, auf welcher Seite sie geschehen sind.<\/p>\n<p><strong>Drittens:<\/strong> Das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung muss in allen L\u00e4ndern gesch\u00fctzt werden, auch in L\u00e4ndern, die sich im Krieg befinden. Daher sind wir angehalten, die russischen und belarussischen und ukrainischen Kriegsdienstverweigerer, denen Verfolgung, Verhaftung und Bestrafung droht, zu unterst\u00fctzen und ihnen nach erfolgter Sicherheitspr\u00fcfung Obhut zu geben. Daher unterst\u00fctzt die Evangelische Friedensarbeit \u2013 und hier speziell die EAK \u2013 z.B. die Kampagne <em>#object war von Connection e.V.<\/em>, dem <em>Europ\u00e4ischen B\u00fcro f\u00fcr Kriegsdienstverweigerung,<\/em> dem <em>Internationalen Vers\u00f6hnungsbund<\/em> und <em>War Resisters&#8216; International.<\/em> Diese Kampagne fordert die EU dazu auf, russischen, belarussischen und ukrainischen Kriegsdienstverweigerern Schutz und Asyl zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p><strong>Viertens:<\/strong> Auch f\u00fcr die Menschen im globalen S\u00fcden und Osten, die unter den Folgen des Ukrainekriegs leiden, haben wir als Christenmenschen eine Verantwortung und m\u00fcssen uns daf\u00fcr einsetzen, Not und eine extreme Zunahme des Hungers abzuwenden.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnftens<\/strong>: Unsere Aufgabe ist es, f\u00fcr den Frieden zu beten. Wir beten f\u00fcr die Verantwortlichen auf allen Seiten, dass sie Wege aus der Eskalation finden. Wir beten f\u00fcr die Menschen in der Ukraine, in Belarus und Russland, die von Leid und Tod bedroht sind und wir beten auch f\u00fcr die Feinde \u2013 damit sie die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt erkennen.<\/p>\n<p>An vielen Orten wird an die Tradition der Friedensgebete angekn\u00fcpft. Die \u201e\u00d6kumenische FriedensDekade\u201c, die parallel zur Synode l\u00e4uft, regt mit einer Vielzahl an praktischen Vorschl\u00e4gen und Materialien zur Durchf\u00fchrung von t\u00e4glichen Friedensgebeten an. Beten Sie f\u00fcr den Frieden! Die Kraft des Gebetes ist nicht hoch genug zu sch\u00e4tzen!<\/p>\n<p><strong>Sechstens:<\/strong> Das Recht des St\u00e4rkeren darf nicht die Herrschaft des Rechts ersetzen. Daher darf die Hoffnung auf eine gesamteurop\u00e4ische Friedens- und Sicherheitsordnung nicht aufgegeben werden. Eine solche muss, wenn sie von allen mitgetragen werden soll, nicht nur an milit\u00e4rischer Logik orientiert sein, sondern, wie es auch das Konzept der \u201emenschlichen Sicherheit\u201c der Vereinten Nationen formuliert, an den Bed\u00fcrfnissen der Menschen.<\/p>\n<p>Insbesondere muss sie f\u00e4hig sein, der drohenden R\u00fcstungsspirale, gerade auch im nuklearen Bereich, Einhalt zu gebieten.<\/p>\n<p>Diesem Thema wird sich die <em>Konferenz f\u00fcr Friedensarbeit<\/em> an ihrem Studientag im Februar 2023 widmen. Mit Fachleuten aus Politik, Wissenschaft und NGOs werden wir diskutieren, was die europ\u00e4ischen Institutionen \u2013 EU, EU-Rat und OSZE \u2013 zu einer neuen Sicherheitsordnung und zur Abwendung eines ungebremsten Wettr\u00fcstens beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Siebtens<\/strong>: Mit dem Stichwort \u201egerechter Frieden\u201c ist bereits angeklungen, dass unsere gemeinsame Grundlage, wenn wir bisher \u00fcber friedensethische Fragen nachdachten, die Denkschrift der EKD von 2007 \u201eAus Gottes Frieden leben \u2013 f\u00fcr gerechten Frieden sorgen\u201c und die Kundgebung der EKD-Friedenssynode von 2019 mit dem Titel \u201eKirche auf dem Weg der Gerechtigkeit und des Friedens\u201c bildeten. Einige Stimmen stellen dies nun infrage und werfen diesen Grundsatztexten naiven Pazifismus vor. Einigkeit herrscht allerdings darin,\u00a0dass die Friedensethik immer an neuen Situationen \u00fcberpr\u00fcft und weiterentwickelt werden muss und dass der aktuelle Krieg in der Ukraine uns hierzu herausfordert.<\/p>\n<p>An dieser Stelle k\u00fcrze ich meine Beobachtungen zu den aktuell diskutierten friedensethischen Fragen ab, um zur <strong>Friedenswerkstatt zu kommen<\/strong>, die genau an dieser Stelle ansetzt. Ich bitte Sie aber, zu den weiteren, akuten friedensethischen Fragen meinen schriftlichen Bericht zu konsultieren \u2013 etwa zum Einsatz von Gewalt als ultima ratio, zur Frage eines m\u00f6glichen Waffenstillstands, zu unserer Haltung zum russischen Patriarchen Kyrill, zum zu fordernden Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag und zur Notwendigkeit, nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz mit der Friedensfrage zusammen zu denken, ohne die es keinen gerechten Frieden geben kann.<\/p>\n<h3>Konzept der Friedenswerkstatt<\/h3>\n<p>Nun also zur <em>Friedenswerkstatt<\/em>: Es ist deutlich geworden, dass die Weiterentwicklung oder auch neue Grundlegung der Evangelischen Friedensethik, besondere Dringlichkeit erlangt hat<\/p>\n<p>Folgerichtig hat der Rat der EKD in seiner M\u00e4rz-Sitzung dieses Jahres die <strong><em>Konferenz f\u00fcr Friedensarbeit<\/em><\/strong> beauftragt, ihm zeitnah ein entsprechendes Konzept vorzulegen. Daraufhin habe ich mit der Friedenswerkstatt ein neues Gremium ins Leben gerufen, das zum ersten Mal alle ma\u00dfgeblichen Stakeholder der Evangelischen Friedensarbeit und friedensethischen Reflexion im Bereich der EKD vereint, also<em> neben <\/em>den Mitgliedern der <em>Konferenz f\u00fcr Friedensarbeit<\/em>, auch Vertreter*innen der VELKD, der UEK, des im Entstehen begriffenen EKD-Kammernetzwerks und der EKD-Synode \u2013 einschlie\u00dflich der Pr\u00e4ses, die zugleich Mitglied im Rat ist.<\/p>\n<p>Zur Weiterentwicklung der Friedensethik in der aktuellen Situation ist ein breiter innerkirchlicher Verst\u00e4ndigungsprozess n\u00f6tig. Und so hat die <em>Friedenswerkstatt <\/em>unter dem Vorsitz der Direktorin der Ev. Akademie zu Berlin, Dr. Friederike Krippner, des ehemaligen Vorsitzenden der Kammer f\u00fcr \u00d6ffentliche Verantwortung, Prof. Dr. Reiner Anselm, und meiner Person ein Konzept zur Weiterentwicklung der Friedensethik entwickelt. Sie wird dessen Umsetzung ab Januar 2023 koordinieren \u2013 in enger Abstimmung mit dem Rat, der Synode, dem neuen Kammernetzwerk und der Konferenz f\u00fcr Friedensarbeit.<\/p>\n<p>Dieses Konzept sieht ein <strong>partizipatives Verfahren in drei Schritten<\/strong> vor:<\/p>\n<ul>\n<li>Zun\u00e4chst soll es einen umfassenden Konsultationsprozess zu den akuten friedensethischen Fragen geben. Bezugspunkt soll dabei die Friedensdenkschrift von 2007 sein. Eine Redaktionsgruppe aus dem neuen Kammernetzwerk begleitet die Konsultationen, wertet sie aus und formuliert auf ihrer Grundlage einen neuen Grundlagentext. Im Zuge der Auswertung wird sich erweisen, ob dieser Text eine \u00dcberarbeitung oder Erg\u00e4nzung der Friedensdenkschrift von 2007 oder aber eine eigenst\u00e4ndige neue Denkschrift darstellen sollte.\n<p>Eine breite Partizipation kommt dadurch zustande, dass die Mitglieder der Friedenswerkstatt bei der Auswahl der Vortragenden sowohl auf die Vielfalt ethischer Positionen als auch auf eine gro\u00dfe Breite interdisziplin\u00e4rer und intergenerationeller Perspektiven achten; auch \u00f6kumenische Perspektiven aus dem Inland sollen einbezogen werden.<br \/>\u00a0<\/p>\n<\/li>\n<li>Im zweiten Schritt sollen <strong>akute friedenspolitische Fragen im konsensorientierten Format des <em>B\u00fcrgerrats<\/em> beraten und entschieden werden.<\/strong> Hierbei geht es ausdr\u00fccklich darum, evangelische Menschen aus verschiedenen Landeskirchen zu beteiligen, die Interesse an friedensethischen Fragen, aber keine fachliche oder wissenschaftliche Expertise haben. Ziel ist es, den neuen friedensethischen Grundlagentext einer gr\u00f6\u00dferen innerkirchlichen \u00d6ffentlichkeit bekannt zu machen und zu erproben, inwieweit er bei konkreten policy-Fragen zu begr\u00fcndeten Entscheidungen verhilft. Die Resultate werden auch der Redaktionsgruppe vorgestellt, um eventuelle Text\u00e4nderungen einzutragen.<br \/>\u00a0<\/li>\n<li>Im dritten Schritt soll ein <strong>Konsultationsprozess zur Friedenspraxis<\/strong> ermitteln,<br \/>\u2013\u00a0inwiefern sich die unterschiedlichen Akteure der praktischen Friedensarbeit in dem neu\u00a0ausgehandelten Grundlagenpapier wiederfinden,<br \/>\u2013\u00a0welche Impulse sie dadurch f\u00fcr ihre weitere Arbeit gewinnen und<br \/>\u2013\u00a0welche dar\u00fcber hinaus gehenden Erfordernisse sie f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Friedenspraxis sehen.\n<p>Einbezogen werden sollen hierbei<strong> insbesondere auch Perspektiven der internationalen \u00d6kumene.<\/strong><\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Rat der EKD hat das Konzept der<em> Friedenswerkstatt<\/em>, das ihm in seiner Septembersitzung von den drei Vorsitzenden vorgestellt wurde, sehr wohlwollend aufgenommen. Er hat in Aussicht gestellt, ihre Arbeitstreffen und den breiten friedensethischen Verst\u00e4ndigungsprozess auch finanziell zu erm\u00f6glichen. Ich bitte Sie herzlich, ihn dabei zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<h3>Weitere aktuell bearbeitete Friedensthemen: Friedensbildung und <em>Zivile gewaltfreie Konfliktbearbeitung<\/em><\/h3>\n<p>Die Evangelische Friedensarbeit im Raum der EKD bearbeitet <strong>weitere wichtige Friedensthemen<\/strong>. Zwei davon, <strong><em>die Friedensbildung<\/em><\/strong> und die <strong><em>Zivile Konfliktbearbeitung<\/em><\/strong>, greife ich an dieser Stelle exemplarisch heraus. Damit bin ich beim letzten Punkt meines Berichts angelangt. Sie, liebe Geschwister, haben sich in Ihrem Beschluss zur Friedensbeauftragung vom November 2021 f\u00fcr die Wiederaufnahme dieser Themen explizit ausgesprochen.<\/p>\n<p>Diesem Beschluss folgend, hat der <strong>gemeinsame Studientag von AGDF und EAK<\/strong> in diesem Herbst eine Bestandsaufnahme der Aktivit\u00e4ten ihrer Mitglieder in beiden Arbeitsfeldern unternommen. Dabei ist deutlich geworden, dass sowohl Friedensbildung als auch <em>Zivile\u00a0gewaltfreie Konfliktbearbeitung<\/em> seit Jahren Schwerpunktthemen ihrer Arbeit bilden. Die Ergebnisse habe ich in meinem schriftlichen Bericht zusammengestellt.<\/p>\n<p>Ich werde mich hier auf die Empfehlungen beschr\u00e4nken, die AGDF und EAK als Fazit ihrer Bestandsaufnahem an die EKD richten:<\/p>\n<ol>\n<li>Kirche sollte st\u00e4rker als Diskursraum verstanden werden, in dem gesellschaftliche Konflikte in gesch\u00fctzten Formaten ausgetragen und unter professioneller Begleitung gewaltfrei bearbeitet werden k\u00f6nnen.<br \/>\u00a0<\/li>\n<li>Daf\u00fcr ist in Gemeinden bzw. Kirchenkreisen das Bewusstsein f\u00fcr die Notwendigkeit von Kompetenzen der Konfliktbearbeitung zu wecken und deren Ausbau zu f\u00f6rdern, damit nicht nur Dialogr\u00e4ume f\u00fcr die gesch\u00fctzte Austragung von Konflikten schaffen, sondern auch \u00f6ffentliche Auseinandersetzungen zu strittigen gesellschaftlichen Themen moderiert werden k\u00f6nnen.<br \/>\u00a0<\/li>\n<li>Unerl\u00e4sslich ist daf\u00fcr die verbesserte <strong>F\u00f6rderung von Fortbildungen<\/strong> kirchlicher Mitarbeiter*innen in den Bereichen <em>Friedensbildung und Konfliktbearbeitung<\/em> und das Betreiben von Online-Portalen mit entsprechenden Angeboten und Informationen.<br \/>\u00a0<\/li>\n<li><em>Friedensbildung und Konfliktbearbeitung<\/em> sind langfristige Aufgaben, die entsprechend eine <strong>kontinuierliche Finanzierung<\/strong> ben\u00f6tigen. Daher ist eine <strong>st\u00e4rkere institutionelle Verankerung <\/strong>beider Arbeitsbereiche durch die Einrichtung bzw. Erhaltung von Koordinierungsstellen auf kirchlicher Ebene zentral. Dazu geh\u00f6rt nicht nur die nachhaltige Sicherung von entsprechenden landeskirchlichen Stellen, sondern auch \u2013 hier betrifft es die EKD \u2013 die Sicherung der Struktur auf Bundesebene zur Vernetzung, Koordinierung, Qualifizierung und f\u00fcr die entsprechende Lobbyarbeit in Richtung Politik.<br \/>\u00a0<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich ist es von gro\u00dfer Bedeutung, dass die <em>Zivile gewaltfreie Konfliktbearbeitung <\/em><strong>in das neue Demokratief\u00f6rdergesetz der Bundesregierung aufgenommen<\/strong> wird. Konflikte konstruktiv und nachhaltig zu bearbeiten, ist ein wesentliches Mittel zur Demokratief\u00f6rderung, denn ungel\u00f6ste gesellschaftliche Konflikte machen radikale Antworten anschlussf\u00e4higer. Die gesetzliche Verankerung der Zivilen Konfliktbearbeitung w\u00fcrde auch ihre langfristige Finanzierung erleichtern.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das alles sind wichtige Perspektiven und Anregungen f\u00fcr die Friedensarbeit im Raum der EKD, die ich Ihnen sehr ans Herz lege. Daran m\u00f6ge Sie eine Postkarte, die Sie am Stand der Friedensarbeit erhalten k\u00f6nnen, erinnern. Sie zeigt das von einer K\u00fcnstlerin gestaltete Friedenssymbol, mit dem die Gemeinden, die an dem EAK-Projekt \u201eLocal PEACE\u201c teilnehmen, ausgezeichnet werden.<\/p>\n<p>Und um mit den leicht abgewandelten Worten Ernst Barlachs zu schlie\u00dfen: Wir haben es mit\u00a0\u201eschweren und nicht lange aufschiebbaren [Aufgaben] der Arbeit am Frieden\u201c zu tun \u2013\u00a0gehen wir sie im Geiste Christi gemeinsam tatkr\u00e4ftig an. Herzlichen Dank f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit!<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gilt das gesprochene Wort Bericht des Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschlandvor der 13. 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