{"id":5029,"date":"2022-11-08T18:17:05","date_gmt":"2022-11-08T18:17:05","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/11\/08\/morgenandacht-zur-ekd-synode-in-magdeburg-am-8-november-2022-ekd\/"},"modified":"2022-11-08T18:17:07","modified_gmt":"2022-11-08T18:17:07","slug":"morgenandacht-zur-ekd-synode-in-magdeburg-am-8-november-2022-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/11\/08\/morgenandacht-zur-ekd-synode-in-magdeburg-am-8-november-2022-ekd\/","title":{"rendered":"Morgenandacht zur EKD-Synode in Magdeburg am 8. November 2022 \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p>Unredigierte Fassung<\/p>\n<p style=\"text-align:right\"><em>Es gilt das gesprochene Wort<\/em><\/p>\n<p>Guten Morgen, liebe Geschwister! Lasst uns miteinander Andacht feiern im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes, der Heiligen Geistkraft.\u00a0 <em>Die Erde ist des Herrn und was darinnen\u00a0 ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.<\/em><\/p>\n<p>Wir geh\u00f6ren dem Sch\u00f6pfer, nach dessen Bild wir alle geschaffen sind. In Gott atmen wir, in Gott leben wir, in Gott teilen wir das Leben der ganzen Sch\u00f6pfung. Wir geh\u00f6ren Jesus Christus, dem wahren Ebenbild Gottes und der Menschheit. In ihm atmet Gott, in ihm lebt Gott. Durch ihn werden wir vers\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Wir geh\u00f6ren dem heiligen Geist, der uns neues Leben schenkt und unseren Glauben st\u00e4rkt. Im Geist atmet Liebe; im Geiste lebt Wahrheit. Der Atem Gottes bewegt uns alle \u00a0Zeit.<\/p>\n<p>Wir geh\u00f6ren der Heiligen Dreieinigkeit. In Gott sind wir geschaffen, in Christus sind wir alle beheimatet, im Geist sind wir alle\u00a0 vereint.<\/p>\n<p>Liebe Geschwister, seit Kurzem schreibe ich wieder Tagebuch. Keine langen Eintr\u00e4ge; eher kurze und knappe Notate. Eines davon will ich mit Euch, will ich mit Ihnen teilen. Es stammt von Sonntag, dem 30. Oktober:<\/p>\n<p><em>\u201eAb mittags im Garten, Quitten geerntet im kurz\u00e4rmeligen Shirt. Dann in der warmen Sonne gesessen, Quitten geschnitten zum Entsaften. Dabei mehrere Handvoll\u00a0 frischer Himbeeren von den Str\u00e4uchern zu den Nachbarn hin. Drei Erdbeerpflanzen bl\u00fchen, an anderen mehrere reife Erdbeeren, aber von den V\u00f6geln angepickt. In zwei Tagen ist November. Um die 20 Grad warm.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Einen Eindruck festhalten, Erlebtes in Worte fassen, verbunden mit der Suche nach Verstehen, nach Interpretationen, nach den richtigen Schlussfolgerungen. Daniel Schaller, geboten 1550 in Stendal, dort Pastor bis zu seinem Tod im Jahr 1630, \u00a0schrieb:<\/p>\n<p><em>\u201eWie in einem alten Haus, in einem alten K\u00f6rper die Fenster dunkel werden, wie an einem verlebten K\u00f6rper das Gesicht abnimmt, also geht es jetzt mit der alten und kalten Welt auch. Sie nimmt zusehends ab. Die Sonne, Mond und andere Sterne leuchten, scheinen und wirken nicht mehr so kr\u00e4ftig als zuvor. Es ist kein rechter best\u00e4ndiger Sonnenschein, kein steter Winter und Sommer. Die Fr\u00fcchte und Gew\u00e4chs auf Erden werden nicht mehr so reif, sind nicht mehr so gesund als wie sie wohl gewesen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Mit gro\u00dfer Beunruhigung hielt Daniel Schaller Ver\u00e4nderungen seiner Umwelt fest, die wir heute als Folgen der \u201eKleinen Eiszeit\u201c beschreiben. Ein Temperaturr\u00fcckgang um zwei Grad Celsius zwischen 1570 und 1685 w\u00e4lzte die Str\u00f6mungen der Ozeane um, st\u00f6rte klimatische Kreisl\u00e4ufe und verursachte weltweit extreme Wetterereignisse. All das mit verheerenden Auswirkungen: Missernten, Hunger und sozialen Unruhen. Die Suche nach Schuldigen und S\u00fcndenb\u00f6cken fand schnell ihre Opfer. Die intensivsten Verfolgungen und Ermordungen von Frauen als Hexen folgten nicht nur auf schlechte Ernten und f\u00fcr die Jahreszeiten ungew\u00f6hnliches Wetter. Sie fanden auch besonders in den Gegenden statt, die besonders stark von der Witterung abh\u00e4ngig waren.<\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hle das nicht, um zu sagen: Klimawandel hat es schon immer gegeben, so geht es halt in der Natur. \u2013 Im Gegenteil. W\u00e4hrend die Ursachen damals unklar blieben, sind sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute weltweit ganz \u00fcberwiegend einig, die Klimaver\u00e4nderungen, die wir gegenw\u00e4rtig erleben, haben ihre Ursache insbesondere in den gestiegenen und weiter steigenden\u00a0 CO2-Emissionen.<\/p>\n<p>Sie erreichen derzeit neue Spitzenwerte. Wir, die menschliche Spezies, verursachen, was gegenw\u00e4rtig geschieht.<\/p>\n<p>Die\u00a0\u00a0 ersten\u00a0 Menschen,\u00a0schreibt\u00a0der\u00a0Schriftseller\u00a0Heinrich\u00a0Detering\u00a0in\u00a0seinem cGedicht\u00a0\u201eNeolithikum\u201c, sahen die F\u00fclle noch, den Sternenhimmel blendend im fremden Glanz, die Wasser wimmelnd, T\u00e4ler voller Tiere, Inseln erf\u00fcllt von s\u00fc\u00dfen Kl\u00e4ngen. Der fr\u00fche Morgen t\u00f6nte vom Chorgesang, bei Nacht die W\u00e4lder hallten vom K\u00e4uzchenruf, von Sturz und Schrei, vom Rauschen breiter Schwingen. Mittags schwamm Gott in seinen Seen. Wie lie\u00df es nach? Wie bleichte der Himmel aus? Wann leerten Wiesen, Wasser und W\u00e4lder sich von Schmetterlingen, Fischen, Vogelrufen? Wer von uns h\u00f6rte zuerst die Stille?<\/p>\n<p>Wer von uns h\u00f6rte zuerst die Stille? Was gegenw\u00e4rtig geschieht, hat Auswirkungen nicht nur auf einzelne Menschen oder Bev\u00f6lkerungsgruppen wie im globalen S\u00fcden. Es hat nicht nur Auswirkungen auf einzelne Tier- oder Pflanzenarten, auf die Biodiversit\u00e4t. Es hat Auswirkungen auf die Gesellschaften weltweit. Es wirkt sich aus auf unser Zusammenleben.<\/p>\n<p>Was ver\u00e4ndert sich in einer Gesellschaft, wenn sich das Klima ver\u00e4ndert, also das reale Klima mit Temperatur, Regen usw.? Das fragte vor wenigen Jahren der Historiker Philipp Blom mit R\u00fcckblick auf das 17. Jahrhundert. Die heute weltweit beobachtbaren Ver\u00e4nderungen, die sich gegenseitig \u00fcberlagernden multiplen Krisen begleiten viele Menschen mit dem Lebensgef\u00fchl, dass die Zeit aus den Fugen, die Welt aus den Angeln ist. Es lohnt sich, denke ich, genau diese Situation und genau diese Krisen insbesondere mit der Brille, mit dem Blick auf den Klimawandel anzusehen und besser zu verstehen.<\/p>\n<p>Aber ist es \u00fcberhaupt n\u00f6tig, noch mehr und noch besser zu verstehen? Als Menschheit fehlt es uns doch nicht an wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Klimawandel, nicht an technischen Daten zu seiner Erhebung und auch nicht an Beschl\u00fcssen zu \u00f6kologischer Weltverantwortung. Was uns aber offensichtlich fehlt, ist der Wille zu verantwortlichem Handeln, und zwar jetzt.<\/p>\n<p>Seit Jahren setzt sich die derzeit in Sharm el Sheikh tagende Weltklimakonferenz, seit Jahren setzen wir uns in unserem Land \u2013 auch als Kirchen \u2013 immer ambitioniertere Klimaziele, aber der CO2-Aussto\u00df geht eben nicht zur\u00fcck. Im Gegenteil: Er steigt \u2013 nicht weil unsere Ziele nicht gut genug sind, sondern weil wir die Umsetzung nicht gelingt. Sicher werden wir heute \u00fcber die vermuteten Gr\u00fcnde daf\u00fcr sprechen, und bestimmt werden wir \u2013 ich hoffe es \u2013 mit guten Vors\u00e4tzen zur Klimaschutzrichtlinie auseinandergehen. Und ja, das ist eine ganze Menge.<\/p>\n<p>Entscheidend aber wird sein, ob wir mit all dem, was wir diskutieren und verabschieden, auch ein neues Verst\u00e4ndnis und eine andere Art des In-der-Welt-Seins verbinden \u2013 ein In-der-Welt- Sein, in dem wir Menschen uns im Gef\u00fcge alles Lebendigen verorten, als Wesen, die verwandt sind mit allem, was lebt, als Wesen in Beziehung \u2013 mit anderen Menschen, mit Gott, mit allem Leben auf der Erde.<\/p>\n<p>Entscheidend wird sein, ob wir aus einer Haltung heraus leben, die zutiefst gewiss ist, alles Geschaffene wird von Gott erst zusammen als sehr gut erkannt, nichts allein f\u00fcr sich selbst, auch nicht der Mensch.<\/p>\n<p>Und entscheidend wird sein, ob wir als Kirche, als Christenmenschen mitarbeiten an so etwas wie einem globalen Gemeinsinn. Ein Global Player k\u00f6nnten wir jedenfalls sein: eine weltweit kooperierende Kirche in \u00f6kumenischer Verbundenheit, die entschieden beitr\u00e4gt zu einem Netzwerk von Barmherzigkeit, Geschwisterlichkeit, Sch\u00f6pfungsverantwortung, eine weltweit kooperierende Kirche, der Gottes Geist die Kraft schenkt, einfacher und bescheidener zu werden in ihren Strukturen wie in ihren Anspr\u00fcchen, die aber grenzenlos ist in ihrer Liebe, in ihrem Engagement f\u00fcr Gottes Sch\u00f6pfung, f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden, \u00fcberflie\u00dfend von G\u00fcte.<\/p>\n<p>Daniel Schaller f\u00fcrchtete zu seiner Zeit Emp\u00f6rung, Aufruhr und Rebellion. Er deutete die klimatischen Ver\u00e4nderungen als Vorboten des j\u00fcngsten Tages, darin alle Toten aufwachen, aus ihren Gr\u00e4bern herf\u00fcr gehen vor den Richterstuhl Jesu Christi, so schrieb er. F\u00fcr ihn stand das Ende dieser Welt unmittelbar bevor. Und er stimmte damit ein in biblische Vorstellungen, die einen neuen Himmel und eine neue Erde erst nach dem mit vielen und gro\u00dfen Schrecken einhergehenden Untergang der bestehenden Welt heraufziehen sehen.<\/p>\n<p>Andere biblische Stimmen wie die des Kollosserbriefes verweisen auf Christus, Ebenbild des unsichtbaren Gottes, Erstgeborener vor aller Sch\u00f6pfung, und sehen in ihm durch die Zeiten hindurch alles Leben gehalten und geborgen. In Christus wird der Kosmos vers\u00f6hnt und erf\u00e4hrt umfassende Erneuerung, aber die, so sagte es der Kolloserbrief, bedarf nicht der vorherigen Vernichtung. Denn in ihm, in Christus, ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder M\u00e4chte oder Gewalten. Es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm.<\/p>\n<p>Christus ist die Kraft in allem, was lebt. Er verk\u00f6rpert Gottes Leben schaffende und Leben erhaltende Liebe. Er zeigt, wie alles Leben aufbl\u00fcht, wenn es gen\u00e4hrt, umsorgt und beh\u00fctet wird, aufbl\u00fcht selbst aus dem Tod \u2013 aus Liebe. Was f\u00fcr eine Hoffnung!<\/p>\n<p>Oder zum Schluss etwas Bodenst\u00e4ndiger mit Martin Luther: Gottvater, Gottsohn mit dem Heiligen Geist lassen von ihren Werken nicht ab, wie Handwerksleute, Schuster und Schneider von ihrer Arbeit ablassen, wenn sie Schuhe und Kleider gemacht haben. Sie h\u00f6ren nicht auf, an dem, das sie geschaffen haben, zu wirken bis an das Ende. Und ehe ein Ding sein Ende hat, schaffen sie anderes an seiner statt, dass also ihr Gesch\u00f6pf f\u00fcr und f\u00fcr w\u00e4hret.<\/p>\n<p>So m\u00f6ge es sein, liebe Geschwister. \u2013 Amen. Lasst uns singen.<\/p>\n<p><em>(Lied: \u201eUnd ein neuer Morgen\u201c)<\/em><\/p>\n<p>Lasst uns beten: Gro\u00df und wunderbar sind deine Werke, Gott. Wir danken dir f\u00fcr die Vielfalt deiner Sch\u00f6pfung, f\u00fcr die vielen M\u00f6glichkeiten, die du uns schenkst, in deiner Sch\u00f6pfung in Freiheit zu leben. Wir bekennen, wir haben deine Sch\u00f6pfung entstellt. Wir gebrauchen Sie \u2013 gedankenlos. Wir lassen es an Sorge und F\u00fcrsorge f\u00fcr sie fehlen. Und wir bitten dich: \u00d6ffne uns die Augen f\u00fcr das Leid, das daraus erw\u00e4chst, f\u00fcr Menschen insbesondere im globalen S\u00fcden, f\u00fcr die Generationen unserer Kinder und Enkelkinder, f\u00fcr die Vielfalt von Pflanzen und Tieren, f\u00fcr das Leben auf diesem Planeten. Lehre uns, aus deiner Gnade in deiner Sch\u00f6pfung zu leben und f\u00fcr Gegenwart und Zukunft des Lebens auf der Erde Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser t\u00e4gliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und f\u00fchre uns nicht in Versuchung, sondern erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.<\/p>\n<p>Lebt in der Kraft des Heiligen Geistes, die uns, die euch geschenkt ist. Lebt einfach, leichtf\u00fc\u00dfig, lebt zart. Haltet Ausschau nach Liebe und Barmherzigkeit. So segne und beh\u00fcte euch Gott, allm\u00e4chtig, barmherzig, Vater, Sohn, Heilige-Geist-Kraft. Amen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unredigierte Fassung Es gilt das gesprochene Wort Guten Morgen, liebe Geschwister! 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