{"id":5034,"date":"2022-11-09T10:20:27","date_gmt":"2022-11-09T10:20:27","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/11\/09\/grusswort-des-deutschen-evangelischen-kirchentags-zur-ekd-synode-2022-ekd\/"},"modified":"2022-11-09T10:20:28","modified_gmt":"2022-11-09T10:20:28","slug":"grusswort-des-deutschen-evangelischen-kirchentags-zur-ekd-synode-2022-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2022\/11\/09\/grusswort-des-deutschen-evangelischen-kirchentags-zur-ekd-synode-2022-ekd\/","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort des Deutschen Evangelischen Kirchentags zur EKD-Synode 2022 \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p style=\"text-align:right\">&#8211; unredigierte Fassung &#8211;<\/p>\n<p><em>Es gilt das gesprohene Wort<\/em><\/p>\n<p>Gru\u00dfwort des\u00a0Deutschen Evangelischen Kirchentags<\/p>\n<p>Hohe Synode, liebe Schwestern und Br\u00fcder,<\/p>\n<p>ich freue mich sehr, dass ich heute kurz zu Ihnen sprechen kann. Es war eigentlich verabredet, dass Thomas de Maizi\u00e8re, unser Pr\u00e4sident f\u00fcr den 38. Deutschen Evangelischen Kirchentag, hier steht und beginnt und ich dann beende. Aber wir sind beim Kirchentag so was von klimaneutral, dass wir jede Dienstreise mit der Bahn machen, und das beschert uns manchmal auch Versp\u00e4tungen. So ist es im Leben.<\/p>\n<p>Wir stehen als Kirchentag vor gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen, unabh\u00e4ngig davon, was wir in N\u00fcrnberg im Angebot und im Programm haben. Wir stehen als Kirchentag in einer Zeit der Chance und Unsicherheit. Wir leben in unsicheren Zeiten, der Wind hat sich f\u00fcr uns alle gedreht. Das merken wir. Das Christentum liegt unter der 50-Prozent-Marke. Das Christentum ist f\u00fcr viele nur noch eine Option. Dass sich der Wind gedreht hat, merken wir auch daran, dass mit einem B\u00fcrgerbegehren verhindert werden soll, dass der Kirchentag 2027 in D\u00fcsseldorf stattfindet. Es ist nicht mehr bei allen gut gelitten, dass eine Stadt Geld f\u00fcr einen Kirchentag ausgibt. Das ist so.<\/p>\n<p>Wir befinden uns zweitens in einer weltpolitischen Situation, die von Inflation gepr\u00e4gt wird. Uns als Kirchentag wird klar, dass die Kassenlage klammer wird.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sind wir in einer Situation, in der Sitte und Tradition nicht mehr der Zugangs- weg sind \u2013 weder zur Kirche noch zum Kirchentag.<\/p>\n<p>Wer kauft noch ein Ticket bei uns, ohne dass er Helfender, Mitwirkender oder Ehrengast ist? Das ist eine Frage, der wir uns in Zukunft stellen werden. Das sind Analysen, die wir uns in den letzten Monaten geg\u00f6nnt haben. Wir werden darauf reagieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns hei\u00dft das, mit all dem umzugehen. Diese Krisenzeiten sind gro\u00dfe Chancen f\u00fcr uns, weil auch etwas Neues aufbrechen kann. Ich sage immer: Wenn etwas bricht, entsteht ein Riss. Durch den Riss kann ein Licht und Neuanfang \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich werden.<\/p>\n<p>Kirchentag selber ist mal aus einer Krisenzeit entstanden, in einer Zeit, in der sich die verfassten Kirchen im Nationalsozialismus schuldig gemacht haben. Reinold von Thadden hatte die Vision: Wir machen das mit der Kirche anders. Wir Laien, wir einfachen Christen m\u00fcssen uns m\u00fcndig machen. Wir warten nicht, bis der Arzt kommt, wir bilden uns selber eine Meinung \u00fcber das, was in der Bibel steht und was das f\u00fcr uns Christen in der Welt hei\u00dft.<\/p>\n<p>Kirchentag ist aus einer Krisenerfahrung entstanden. Von Thadden hat auch gesagt: Wir k\u00f6nnen das Evangelium ja nicht delegieren, das geh\u00f6rt in unser Herz hinein. Ich sage immer: Das Glaubensbekenntnis beginnt mit einem Ich und nicht mit einem Wir; wir machen das so, weil das im Gesetz XY steht. Diese M\u00fcndigkeit ist f\u00fcr uns im Kirchentag nach wie vor Ziel.<\/p>\n<p>Kirchentag hat sich in den 70er\/80er Jahren so aufgestellt, dass er in einer Zeit, in der Amtskirchen eher noch monolithisch verfasst waren, zur Plattform wurde, wo man vieles ausprobieren konnte, eine M\u00f6glichkeit, sich zu beteiligen. Wir haben Mitwirkungsm\u00f6glichkeiten und Beteiligungsformate beim Kirchentag geschaffen. Der Kirchentag wurde zur Experimen- tierfl\u00e4che f\u00fcr die Gemeinden vor Ort, f\u00fcr Kirche an sich, und er hat immer gezeigt: Kirche kann auch anders. Die vorl\u00e4ufige Kirche, so hat es Harry Schroeter-Wittke mal gesagt.<\/p>\n<p>Heute stellen wir fest: Beteiligen k\u00f6nnen sich Ehrenamtliche vor Ort in der Kirchengemeinde genug. Manchmal geht es gar nicht mehr ohne. Das ist nicht unbedingt unser Auftrag. Bildung auf einem Kirchentag zu bieten, ist vielleicht auch nicht unbedingt das, was es braucht. Bildung und Wissen finde ich zuhauf im Netz. Vernetzen k\u00f6nnen wir uns auch so.<\/p>\n<p>Deshalb ist uns f\u00fcr die Zukunft der Kirchentage die Frage wichtig: Was ist unser Allein- stellungsmerkmal? Was k\u00f6nnen nur wir als kirchliche Gro\u00dfveranstaltung? Wir sagen: Wir\u00a0wollen Menschen versammeln, die aus Hoffnung heraus in der Gesellschaft zupacken. Wir wollen auch dieses spirituelle Moment beim Kirchentag wieder st\u00e4rken. Kirchentag hat die Kraft daf\u00fcr, eine Herberge zu sein f\u00fcr die Suche nach der Antwort auf die Frage: Wo finde ich Halt? Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Was ist, wenn der Wagen bricht? Was ist unser Auftrag als Christen in der Welt?<\/p>\n<p>Kirchentag bietet Gemeinschaft und Vergewisserung. Wir haben uns vorgenommen, dass wir auf diese Parameter in Zukunft achtgeben. Wir wollen auch Tankstelle f\u00fcr den Einzelnen bei seiner Suche nach Gott sein, in seiner Glaubensbiografie, ein Leuchtfeuer f\u00fcr die Kirche im Land, f\u00fcr den Einzelnen, f\u00fcr die Gemeinden und auch ein Ort, wo gesellschaftspolitische Verantwortung von Christen deutlich wird.<\/p>\n<p>Nach vorne hin werden wir beim Kirchentag einiges ver\u00e4ndern, inhaltlich und strukturell. Wir werden klarer im Profil, sch\u00e4rfer im Programm und effizienter in unseren Strukturen. Wir werden das aus den oben genannten Gr\u00fcnden tun m\u00fcssen, weil sich die Zeiten ge\u00e4ndert haben, weil das Geld nicht mehr so flie\u00dfen wird, wie es in den letzten 20, 30 Jahren geflossen ist.<\/p>\n<p>Wichtig ist f\u00fcr uns: Wir tun das nicht, weil wir irgendwie systemrelevant sein wollen, wir tun das, weil f\u00fcr uns etwas relevant ist, was unfassbar ist. Nenn es Gott, nenn es Himmel. Wir planen eine kirchliche Gro\u00dfveranstaltung, weil wir glauben, dass es das in der s\u00e4kularen Welt immer mehr braucht \u2013 die Stimme der Hoffnung und den Ort der Gemeinschaft, der gemein- samen Feier.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich wurde ich in einem Zeitungsinterview gefragt: Die Zeichen der Zeit zu deuten, ist ja spannend, aber was kann ein Kirchentag schon bewirken? Ich habe gesagt: Er macht Denk- r\u00e4ume auf, Begegnungsr\u00e4ume. Er verschachert aber nicht das Evangelium. Er l\u00e4sst die Botschaft leuchten. Er l\u00e4sst die Botschaft leuchten, dass wir Gott mehr gehorchen m\u00fcssen als den Menschen. Dann fragte der Journalist: Na ja, N\u00fcrnberg. Die Stadt zeigt ja eines: Es gibt immer weniger Kirchenmitglieder. Wird denn vom Kirchentag ein missionarischer Impuls ausgehen? Da habe ich gesagt: Wieso? Kirchentag missioniert nicht. Das ist nicht unser Job. Wir k\u00f6nnen auch nicht den Mitgliederschwund der Kirchen aufhalten. Aber Kirchentag bietet Austausch, Suche und gemeinsames Bekenntnis, und das fr\u00f6hlich, frei und unversch\u00e4mt. Dann fragte der Journalist: F\u00fcrchten Sie denn keinen Besucherschwund, so wie die Theater etc. pp.? Ich habe gedacht: Meine G\u00fcte! Wo kommen wir denn aus der Negativschleife mal raus? Ich habe gesagt: Nein, wir f\u00fcrchten nichts au\u00dfer Gott. Was denn sonst? Dann gab es die vierte schwarze Frage: Was haben Sie den Pessimisten entgegenzusetzen?<\/p>\n<p>Das war die Stelle, an der ich gedacht habe: Gleich schenke ich dem Mann eine Kerze, den Spruch: \u201eMache dich auf, werde Licht\u201c und 100 Streichh\u00f6lzer. \u2013 Das habe ich nicht gesagt.<\/p>\n<p>Aber was habe ich dem Mann gesagt? Was haben wir den Pessimisten entgegenzusetzen? Mut und Dankbarkeit \u2013 Dankbarkeit f\u00fcr alles, was geht. Ich finde manchmal, das k\u00f6nnten wir als Christen noch irgendwie ausbauen; wir haben immer so eine Meckerkultur. Na ja, gut. Punkt \u2013 Ende.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich f\u00fcnfte und letzte Frage, und da habe ich gedacht, jetzt geht es echt nicht mehr: Kirchentag als Mutmacher in einer Zeit der Depression, woher nimmt er die Kraft? Von Gott. Woher denn sonst, ihr Lieben? Wo sollen wir denn sonst die Kraft hernehmen? Egal, wie es in Zukunft wird, ich sage mir f\u00fcr den Kirchentag: Wir werden mit den Mitteln arbeiten, die wir haben. Wir werden keine offenen Rechnungen stellen, und wir werden die Situation so, wie sie ist, anpacken und feiern.<\/p>\n<p>Warum erz\u00e4hle ich Ihnen das? Dieses Interview hat f\u00fcr mich noch mal sehr sch\u00f6n deutlich gemacht, in welcher Situation wir gerade alle sind, wir als Kirchentag, als Gro\u00dfveranstaltung,\u00a0aber auch die einzelne Kirchengemeinde. Ich habe diesen Jammerton satt. Es mag ja sein, dass wir alle vor gro\u00dfen Herausforderungen stehen, aber wir warten nicht auf das Paradies, wir packen an. So wie es wird, ist es gut. In dieser Haltung sind wir beim Kirchentag unterwegs.<\/p>\n<p>Jetzt m\u00f6chte ich meinem Pr\u00e4sidenten das Wort nicht nehmen. Denn er kommt extra angereist, um Werbung f\u00fcr N\u00fcrnberg zu machen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; unredigierte Fassung &#8211; Es gilt das gesprohene Wort Gru\u00dfwort des\u00a0Deutschen Evangelischen Kirchentags Hohe Synode, liebe Schwestern und Br\u00fcder, ich<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5035,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5034"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5034"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5034\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5036,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5034\/revisions\/5036"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5035"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5034"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5034"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5034"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}