{"id":5764,"date":"2023-06-21T17:40:30","date_gmt":"2023-06-21T17:40:30","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/06\/21\/rede-zum-johannisempfang-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-ekd\/"},"modified":"2023-06-21T17:40:31","modified_gmt":"2023-06-21T17:40:31","slug":"rede-zum-johannisempfang-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/06\/21\/rede-zum-johannisempfang-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-ekd\/","title":{"rendered":"Rede zum Johannisempfang der Evangelischen Kirche in Deutschland \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<h3>Eine Zeitansage<\/h3>\n<p>I.\u00a0<br \/>Seien Sie herzlich willkommen, liebe Mitglieder des Bundestages und der Bundesregierung, werte G\u00e4ste aus Politik und Gesellschaft, liebe Schwestern und Br\u00fcder aus der \u00d6kumene, liebe Vertreter*innen der Religionsgemeinschaften!\u00a0<\/p>\n<p>An diesem Abend will ich Sie f\u00fcr kurze Zeit aus der Mitte Berlins ins Herz des Ruhrgebiets locken, vom altehrw\u00fcrdigen Gendarmenmarkt auf den ehemaligen F\u00f6rderturm der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen.\u00a0<\/p>\n<p>Sie wissen schon: blau-wei\u00df und leider erneut zweite Liga; rund 14 % ohne Arbeit; f\u00fcnf Jahre weniger durchschnittliche Lebenserwartung als im kaum 40 km entfernten M\u00fcnster und noch rund 30 % Evangelische.\u00a0<\/p>\n<p>Nur noch. Immer noch!<\/p>\n<p>Mein mehrt\u00e4giger Besuch im Kirchenkreis Gelsenkirchen liegt erst knapp vier Wochen zur\u00fcck, und er hat mir zu denken gegeben: \u00fcber meine Kirche, \u00fcber unser Land und seine Leute und seine Christenmenschen mittendrin. Einige meinten im R\u00fcckblick, wir h\u00e4tten in\u00a0<\/p>\n<p>Gelsenkirchen einen exemplarischen Blick in die Zukunft der Kirche getan. Wenn dem so ist, dann l\u00e4sst das auf eine zwar deutlich kleinere und schw\u00e4chere, jedoch wei\u00df Gott keine kraftlose und marginale Zukunft schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die vier Tage in Gelsenkirchen begannen bei einem echten Schwergewicht: 23 Tonnen wiegt die Herkules-Statue des K\u00fcnstlers Markus L\u00fcpertz, hoch oben auf dem F\u00f6rderturm der Nordstern-Zeche. Man fragt sich: Wie ist die dahin gekommen, achtzig Meter hoch? Einfach war das sicher nicht. Da steht also dieser Herkules mit seiner Keule, blickt \u00fcber die Stadt und weit dar\u00fcber hinaus. Sein einst blaues Haar, sein einst blauer Bart sind grau geworden. Vielleicht, weil Helden besonders schnell altern. Jedenfalls ist dieser Herkules ein sichtlich gebrochener Held. Der rechten Hand fehlt der Apfel, den sie auf klassischen Darstellungen tr\u00e4gt. Sie greift ins Leere. Und der Keule an des Helden linker Seite fehlt der Arm, der sie schwingen sollte. Der Gute hat die Keule auf einer Schildkr\u00f6te abgestellt.<\/p>\n<p>Der Kerl sieht aus, als gehe es hier eher langsam voran, mit halber Kraft und mit \u201eappenem Lack\u201c, wie man im Ruhrgebiet sagen w\u00fcrde. Aber immerhin mit \u00dcberblick \u00fcber Stadt und Region.<\/p>\n<p>Da steht er, dieser arme Held, der den sprichw\u00f6rtlichen \u201eHerkulesaufgaben\u201c ihren Namen gegeben hat. Und schaut hinunter auf die Bleckkirche, wo damals die Reformation eingef\u00fchrt wurde. Heute liegt das Kirchlein derart eingeklemmt zwischen zwei Autobahnzubringern, dass kaum noch jemand hinfindet. Nach der anderen Seite schweift sein Blick zur Bochumer Stra\u00dfe, wo s\u00e4mtliche Tiefen menschlicher Lebenslagen zuhause sind.<\/p>\n<p>Mag sein, dieser Herkules erinnert sich bei seiner Schau \u00fcber die Ruhrregion an einstige Heldentaten: wie er die neunk\u00f6pfige Hydra enthauptet, den Erymanthischen Eber gefangen und den Kretischen Stier geb\u00e4ndigt hat. Und \u2013 nicht zu vergessen \u2013 den Augiasstall ausgemistet. Ein Kinderspiel, scheint er zu denken, gegen das, was jetzt dran ist.\u00a0<\/p>\n<p>Aber er traut sich nicht, wehleidig von da oben herab zu jammern. Denn da unten hei\u00dft die klare Devise: \u201eJammern hilft nicht. Machen!\u201c<\/p>\n<p>Einfach machen! Das macht man, wenn nichts einfach ist.\u00a0<\/p>\n<p>Dieser bodenst\u00e4ndigen, gar nicht larmoyanten und \u00fcberhaupt nicht naiven Haltung bin ich dort in Gelsenkirchen h\u00e4ufig begegnet. Sie geht mir nach: im Blick auf unser Land, seine Leute und die Christenmenschen mitten darin \u2013 und im Blick auf eine Welt voller Widerspr\u00fcche.\u00a0<\/p>\n<p>Von Problemen, neben denen jede Herkulesaufgabe als l\u00e4ppisches Kinderspiel erscheint, haben wir in unserer Gesellschaft mehr als genug. Und sie werden kein bisschen kleiner, wenn wir sie \u2013 wie es derzeit Mode ist \u2013 \u201eHerausforderungen\u201c nennen. Das griechische Wort \u201e\u03c0\u03c1\u03cc\u03b2\u03bb\u03b7\u03bc\u03b1\u201c hei\u00dft Klippe, Vorsprung, Vorgebirge. Solche Klippen &#8211; eher ganze Gebirge voller gef\u00e4hrlicher Felsvorspr\u00fcnge \u2013 sind die Friedensfrage, die Klimafrage, die soziale Frage, die Bildungsfrage, die Demokratiefrage, die Fragen nach Flucht und Migration, nach Aufnahme und Willkommen, nicht zuletzt die existenziellen Fragen, die sich am Anfang und am Ende des Lebens stellen.\u00a0<\/p>\n<p>Angesichts all der Herkulesaufgaben, die unser Land, unsere Gesellschaft, unsere Generation zu stemmen haben, brauchen wir den Mut, auch dann zu machen, wenn wir noch keine gro\u00dfen \u2013 geschweige denn \u201edie richtigen\u201c \u2013 L\u00f6sungen wissen. Ja sogar dann, wenn wir wissen: Es gibt gar keine L\u00f6sung in dem Sinne, dass das Problem irgendwann fertig und abgehakt sein wird. Der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag in N\u00fcrnberg hat ganz viel von solchem Mut ausgestrahlt. Es ist ein tief gegr\u00fcndeter Mut, der seinen Ursprung in der Ansage Jesu hat: \u201eJetzt ist die Zeit\u201c. Die Zeit, in der Gott mitten unter uns ist; die Zeit zu hoffen und zu machen. Die Zeit umzukehren und es anders zu wagen.<\/p>\n<p>II.\u00a0<br \/>\u00dcbrigens ist \u201eeinfach machen\u201c das Gegenteil von \u201esich\u00b4s einfach machen\u201c. \u201eEinfach machen\u201c, das hei\u00dft nicht drauflos wurschteln, ohne Konzept, ohne Sinn und Verstand. Ich meine vielmehr jene Beherztheit, die mit dem Halbfertigen beginnt und nicht darauf wartet, dass alles von A bis Z ausbuchstabiert ist. Ich meine den beharrlichen Mut und das zuversichtliche Gottvertrauen, schwach anzufangen \u2013 aber eben anzufangen. Und ich meine die St\u00e4rke, die darin liegt, gelegentlich auch Schw\u00e4che einzugestehen.<\/p>\n<p>Die Menschen, mit denen wir in Gelsenkirchen sprachen, widerstehen der Versuchung, die kleinen Schritte und Initiativen zu verachten. \u201eWas soll das bringen?\u201c, \u201eWas n\u00fctzt es, f\u00fcr diese paar Menschen so viel Aufwand zu betreiben?\u201c, \u201eWas macht diese kleine Aktion schon f\u00fcr einen Unterschied bei den vielen riesigen Problemen?\u201c<\/p>\n<p>Die Antwort, mit der die Engagierten widerstehen, ist schlicht: \u201eF\u00fcr diejenigen, die es betrifft \u2013 f\u00fcr die macht es einen gro\u00dfen Unterschied, einen gewaltigen sogar!\u201c<\/p>\n<p>Zum Beispiel f\u00fcr die Kinder aus Rum\u00e4nien und Bulgarien, aus Syrien und der T\u00fcrkei, die rund um die \u00dcckendorfer Stra\u00dfe leben \u2013 die meisten wohl mehr schlecht als recht und auf engstem Raum \u2013 und ins La Palma gehen. Der Name verspricht ihnen nicht kanarische Sonne, Palmen und Urlaubsgef\u00fchle. \u201eBarte Palma\u201c bedeutet auf Rum\u00e4nisch so viel wie \u201eHigh Five\u201c. Damit begr\u00fc\u00dfen sich viele Kinder und Jugendlichen im Stadtteil. La Palma verspricht ihnen: Hier seid ihr willkommen. Ich habe sie gefragt, warum sie kommen: \u201eWeil die so lieb zu uns sind\u201c, antwortete ein M\u00e4dchen. Und ein Junge murmelte etwas verlegen: \u201eHier schreit dich keiner an, wenn du Mist gebaut hast.\u201c<\/p>\n<p>In den Debatten der vergangenen Wochen \u00fcber die gro\u00dfen Fragen der Migrationspolitik musste ich oft an das \u201eLa Palma\u201c denken \u2013 und an die wunderbar beharrlichen Menschen dort. Das \u201eLa Palma\u201c ist ein Projekt, f\u00fcr das es eine fabelhafte Idee gibt, Mitarbeitende mit Herzblut, den Mut des Anfangens gibt &#8211; und: nicht die Mittel und nicht die personelle Ausstattung, die es ben\u00f6tigen w\u00fcrde und die es unbedingt verdient hat. F\u00fcr die Kinder und ihre Familien ist es ein riesengro\u00dfer Unterschied, ob es dieses ehemalige Ladenlokal gibt oder nicht. Dieser Ort ist ein Segen f\u00fcr sie.\u00a0<br \/>Wir sind ein Land mit einer au\u00dferordentlich starken Zivilgesellschaft: Eine gro\u00dfe Mehrheit der B\u00fcrger*innen sehnt sich danach, nicht zuerst als bequem, sondern als mitverantwortlich wahrgenommen zu werden; nicht zuerst als verbohrt und verunsichert, sondern als kompetent, ver\u00e4nderungsbereit und ver\u00e4nderungsf\u00e4hig.\u00a0<\/p>\n<p>Der Streit um die Migration, so hei\u00dft es oft, sei ein Streit zwischen Idealisten und Realisten: Die einen wollen aller Welt helfen, die anderen sehen ein, dass dies (leider) nicht geht. Dagegen halte ich die besorgte Frage: Wie realistisch ist eigentlich die Vorstellung, wir k\u00f6nnten uns die Wirklichkeit einer Welt, die angesichts globaler Konflikte und Kriege und einer gerade erst beginnenden Klimakrise \u00e4chzt, effektiv vom Halse halten? Wie realistisch ist eigentlich die Idee, wir m\u00fcssten, wenn auch \u00a0notgedrungen und z\u00e4hneknirschend, die Rechte von Schutzsuchenden einschr\u00e4nken und k\u00f6nnten dabei zugleich ein weltoffener Kontinent und eine weltoffene Gesellschaft bleiben?<\/p>\n<p>Als Kirche, die im Licht des Evangeliums unterwegs ist, k\u00f6nnen und wollen wir uns \u2013 gemeinsam mit zahlreichen anderen zivilgesellschaftlichen Institutionen \u2013 nicht zufrieden geben mit dem, was die EU auf Regierungsebene als einen verhei\u00dfungsvollen Neuansatz in der gemeinsamen Migrationspolitik bezeichnet.<\/p>\n<p>\u00dcber der Kritik an der Wendung, die Europa derzeit in der Fl\u00fcchtlingspolitik vollzieht, vergesse ich keineswegs das gro\u00dfartige Engagement unseres Landes und unserer Kommunen bei der Aufnahme von Gefl\u00fcchteten, vor allem von Frauen und Kindern aus der Ukraine. Und ich erneuere heute und hier ausdr\u00fccklich das Versprechen: Die Evangelische Kirche wird \u2013 wie bereits 2015 und seither durchg\u00e4ngig \u2013 auch weiterhin eine verl\u00e4ssliche zivilgesellschaftliche Partnerin humaner Migrationspolitik sein.<\/p>\n<p>Vor Kurzem waren wir mit einer Delegation des Rates der EKD in Br\u00fcssel und hatten dort intensive Gespr\u00e4che mit Verantwortlichen in der Europapolitik. Mich hat die hoch reflektierte Besonnenheit derer, die da beharrlich vermitteln und umsichtig agieren, mit gr\u00f6\u00dftem Respekt erf\u00fcllt.\u00a0<\/p>\n<p>Da gibt es ein ernsthaftes Bem\u00fchen und ein leidenschaftliches Ringen darum, die EU in den gro\u00dfen Fragen unserer Zeit zusammenzuhalten und zusammenzuf\u00fchren. Und gewiss wird sich dabei nicht alles, was Menschen in Deutschland meinen und f\u00fcr richtig halten, auch f\u00fcr alle anderen europ\u00e4ischen Partner verbindlich machen lassen. Ich habe Hochachtung vor allen Menschen, die derzeit politische Verantwortung tragen. Bitte verstehen Sie meine kritischen Anfragen nicht als wohlfeile Besserwisserei oder moralische Keule. Sie sind der Versuch, verantwortlich mitzudenken \u2013 aus der Rolle derjenigen heraus, die nicht, wie Sie, zum sofortigen Entscheiden und Handeln gezwungen ist.<\/p>\n<p>Mit vielen anderen teile ich den Eindruck: Europa hat am Donnerstag vorletzter Woche \u2013 w\u00e4hrend in N\u00fcrnberg der Kirchentag stattfand \u2013 den kleinsten gemeinsamen Nenner in der Migrationsfeindlichkeit gesucht und gefunden. Ich muss es tats\u00e4chlich so hart formulieren.<\/p>\n<p>Europa versteht sich selbst als Hort grundlegender Menschen- und Freiheitsrechte und sieht sich nicht in der Lage, diese Rechte anders zu gew\u00e4hren? Nun sollen also tats\u00e4chlich diejenigen, die diese Rechte suchen, tausendfach in geschlossene Grenzlager kommen, Familien und Kinder hinter Gitter?\u00a0<br \/>Noch etliche andere Fragen stehen im Raum.\u00a0<\/p>\n<p>Werden bei der Pr\u00fcfung des Anspruchs auf Asyl die Standards der Rechtstaatlichkeit eingehalten? Ich denke an Pushbacks und Gewalt ausgerechnet an den Au\u00dfengrenzen von L\u00e4ndern der EU, die seit Jahren offen EU-Recht brechen.<\/p>\n<p>Werden wir Namen wie Moria k\u00fcnftig im Plural deklinieren m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Und dann sind da seit einigen Tagen die 700 zus\u00e4tzlichen Fragezeichen, die mit dem entsetzlichen Bootsungl\u00fcck vor Griechenland hinter den angeblichen Durchbruch in der Migrationspolitik gesetzt wurden.\u00a0<\/p>\n<p>Noch immer und immer schmerzlicher fehlt eine Antwort Europas auf das Sterben im Mittelmeer.<\/p>\n<p>Wer wir sind und was uns unsere so genannten \u201eWerte\u201c wert sind, das zeigen wir auch und gerade im Umgang mit Gefl\u00fcchteten. Ich wei\u00df, dass die St\u00e4dte am Limit sind, dass Geld und Pl\u00e4tze fehlen. Ich wei\u00df auch, dass wir die Zuwanderung demokratievertr\u00e4glich gestalten m\u00fcssen. Doch Abschottung und eine Rhetorik, die Angst verbreitet, spielen denen in die H\u00e4nde, die Probleme bewirtschaften wollen, statt sie zu l\u00f6sen.\u00a0<\/p>\n<p>III.\u00a0<br \/>\u201eEinfach machen!\u201c, das ist keineswegs die unverdrossene Mentalit\u00e4t derer, die so leicht nichts umhauen kann. \u201eEinfach machen\u201c ist verflixt schwer.<\/p>\n<p>Das sp\u00fcren wir auch in unserer Kirche. Vielen hauptamtlich und ehrenamtlich Mitarbeitenden steht die Anstrengung ins Gesicht geschrieben und schwingt im Klang ihrer Stimme.<br \/>Es gibt nichts zu besch\u00f6nigen: Wir werden weniger haben, und wir werden weniger sein.<\/p>\n<p>Dennoch \u2013 auch das will ich heute und hier f\u00fcr unsere Kirche versprechen \u2013 werden wir nicht der Versuchung erliegen, uns das Kleinerwerden sch\u00f6nzureden. Ein junger Kollege aus Mitteldeutschland hat diese Versuchung einmal zugespitzt \u201eSchrumpfungskitsch\u201c genannt. Sie kennen die Argumente dieser Versuchung: Die Kirche k\u00f6nne doch, wenn sie kleiner wird, auch feiner; wenn sie weniger wird, auch wahrhaftiger werden, inniger, wom\u00f6glich gar fr\u00f6mmer. Schlie\u00dflich gehe es darum, mehr auf Gott zu vertrauen als auf das eigene Renommee oder das Geld.<\/p>\n<p>Ja. Aber: Die Kirche ist kein Selbstzweck, sie darf sich nie selbst genug sein. Deshalb gilt: Ein jeder und eine jede, die gehen und nicht wiederkommen, werden uns fehlen. Und zwar nicht erst dann, wenn uns der entsprechende Beitrag der Kirchensteuer fehlt, sondern weil ein unverwechselbarer Mensch fehlt. Ein Mensch, der teilhat an unserer gro\u00dfen Bewegung in der Spur Jesu Christi; ein Mensch, der uns vernetzt und verbindet mit der Breite des Lebens und der Tiefe sozialer Wirklichkeiten.<\/p>\n<p>Neben solcher Vertr\u00f6stung eines \u201esmall is beautiful\u201c werden wir uns auch verkneifen, was ich \u201evorauseilende Selbstverzwergung\u201c nenne. Ich erkenne sie da, wo wir im k\u00fcnftigen Status als Minderheit die Zeit gekommen sehen, in der dieses und jenes nun aber wirklich nicht mehr angebracht sei. Etwa die Stimme zu erheben f\u00fcr die Schwachen. Oder einen erkennbaren Unterschied zu machen in den gro\u00dfen gesellschaftlichen und politischen Fragen. Wir seien ja nur noch Minderheit. Das klingt dem\u00fctig und realistisch und w\u00e4re doch grober Undank und eine \u00fcble Vergesslichkeit gegen\u00fcber dem Gottesgeschenk eines Rechtsstaats und einer Demokratie, die aus und in der Vielfalt derer lebt, die mitreden, mitdenken und mitmachen.<\/p>\n<p>Gewiss werden sich Formen und Weisen, in denen wir mitreden und mitmachen, ver\u00e4ndern. So wie wir selbst uns ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Aber das Ma\u00df unseres Redens und Handelns sind nicht wir selbst, es ist die Verhei\u00dfung eines neuen Himmels und einer Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. (2. Petrus 3,13)\u00a0<\/p>\n<p>Die Freundlichkeit des menschgewordenen Gottes gilt allen (!) Menschen. Hasserf\u00fcllte, verletzende und respektlose Kommentare auf \u00c4u\u00dferungen, die mir nicht gefallen; Ausgrenzung und Besch\u00e4mung von Menschen, die anders sind als ich, vertragen sich nicht mit Gottes Liebe. Das sage ich ausdr\u00fccklich auch und zuerst in unsere eigenen kirchlichen Reihen hinein. Wir m\u00fcssen alles daf\u00fcr tun, dass alle \u2013 wirklich: alle! \u2013 Menschen unserer Liebe vertrauen k\u00f6nnen und dass Kirche ein sicherer Ort ist, an dem niemand verhetzt und verunglimpft und bedroht wird.<\/p>\n<p>Der Freundlichkeit des menschgewordenen Gottes kann man auch au\u00dferhalb der Kirche begegnen. Genau dies ist ja das Verbl\u00fcffende, das Peinliche und das ungemein Tr\u00f6stende in so vielen Jesusgeschichten der Bibel: Ganz oft sind es diejenigen, die drau\u00dfen sind, am vermeintlichen Rand und im Abseits, die besonders tief verstehen, was es mit Gott und mit Jesus auf sich hat. Manchmal tiefer als jene, die immer schon da waren und sich besonders nah dran w\u00e4hnen.<\/p>\n<p>IV.<br \/>Zum Schluss noch einmal kurz zur\u00fcck ins Ruhrgebiet nach Gelsenkirchen.<br \/>\u201eWir werden kleiner und doch gr\u00f6\u00dfer!\u201c, hat dort jemand fast beil\u00e4ufig gesagt und damit ein paradoxes Ph\u00e4nomen auf den Punkt gebracht: Vieles Selbstverst\u00e4ndliche ist l\u00e4ngst nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich, da ist es gut, wenn Kirche und Diakonie einfach verl\u00e4sslich da sind. Nicht f\u00fcr sich selbst, sondern als St\u00fctze f\u00fcr die Gesellschaft und die Demokratie.<\/p>\n<p>Wir erleben und gestalten Ver\u00e4nderung \u2013 und ja, wir erleben und erleiden Verlust. Und wir sp\u00fcren zugleich, wie wir in diesen rauer werdenden Zeiten an vielen Stellen gebraucht werden und wie sich jede Menge M\u00f6glichkeiten und jede Menge Lust einstellen, zu kooperieren, auszuprobieren und einfach zu machen.\u00a0<\/p>\n<p>Wei\u00df Gott, es sind Herkulesaufgaben, die vor uns liegen. Wir sind keine Heldinnen und Helden. Wir sollten uns nicht verf\u00fchren lassen, solche zu spielen oder sein zu wollen. Aber wir packen es an \u2013 miteinander und mit allen anderen: mit allen Menschen guten Willens und \u2013 wie es beim Apostel Paulus hei\u00dft \u2013 mit der Kraft, die in den Schwachen m\u00e4chtig ist. \u00a0 (2. Korinther 12,9). Sie hat Gottes Verhei\u00dfung.<br \/>\u00a0<\/p>\n<hr\/>\n<hr\/>\n<p><strong>Zur Pressemitteilung der EKD<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Zeitansage I.\u00a0Seien Sie herzlich willkommen, liebe Mitglieder des Bundestages und der Bundesregierung, werte G\u00e4ste aus Politik und Gesellschaft, liebe<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5765,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5764"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5764"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5764\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5766,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5764\/revisions\/5766"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5765"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}