{"id":6073,"date":"2023-09-18T08:53:47","date_gmt":"2023-09-18T08:53:47","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/09\/18\/eine-oase-in-der-wueste-der-angst-ekd\/"},"modified":"2023-09-18T08:53:50","modified_gmt":"2023-09-18T08:53:50","slug":"eine-oase-in-der-wueste-der-angst-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/09\/18\/eine-oase-in-der-wueste-der-angst-ekd\/","title":{"rendered":"Eine Oase in der W\u00fcste der Angst \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>Auch die anderen G\u00e4ste am Tisch haben eine Krebsdiagnose. Mal haben sie \u00fcber ihre Arztpraxis, mal \u00fcber Mund-zu-Mund-Propaganda, mal \u00fcber einen ambulanten Palliativdienst von dem Tageshospiz geh\u00f6rt, das sie jetzt an ein oder mehreren Tagen in der Woche besuchen. Los geht es dann immer mit einem gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fcck, am Nachmittag fahren alle wieder nach Hause.<\/p>\n<p>Zwischendurch erg\u00e4nzt das Tageshospiz die h\u00e4usliche Pflege mit Blick auf eine palliative Versorgung. Pflegekr\u00e4fte, Therapeuten und medizinisches Personal sind speziell geschult und k\u00f6nnen auch im Notfall sofort eingreifen, Ehrenamtliche unterst\u00fctzen zus\u00e4tzlich. \u201eWenn du hier einen Platz bekommst &#8211; etwas Besseres kann dir gar nicht passieren\u201c, ist Meinel \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Dabei geht es f\u00fcr ihn und die anderen G\u00e4ste nicht nur um die pflegerisch-medizinische Seite. Denn am Tisch wird nicht nur gefr\u00fchst\u00fcckt und geredet, oft spielen die G\u00e4ste miteinander, kochen zusammen, backen Brot, mosten Obst. Spazierg\u00e4nge sind m\u00f6glich, auch der R\u00fcckzug in ein eigenes Zimmer, je nach Lust und Kraft.<\/p>\n<p>\u201eDas kann ganz unterschiedlich sein\u201c, beschreibt es Meinel. \u201eMorgens f\u00fchlst du dich noch gut, mittags richtig schlecht. Aber hier wei\u00df jeder vom anderen, was er hat und wie es ihm geht &#8211; und kann entsprechend reagieren. Da wachsen dir Antennen. Und au\u00dferdem: Schwer krank zu sein hei\u00dft ja nicht, dass es mir jeden Tag schlecht geht.\u201c<\/p>\n<p>Auch und vor allem geht es darum, Leben zu gestalten, Leben bis zuletzt. Denn neben einer guten Versorgung brauchen Menschen in einer palliativen Situation, so beschreiben es Experten, Zuwendung, Zeit, eine Oase in der W\u00fcste der Angst. Auch Renate Rosek betont in dieser Lage die Kraft der Gemeinschaft. \u201eDas ist wie eine Selbsthilfegruppe, wie eine Familie.\u201c<\/p>\n<p>Die 74-J\u00e4hrige ist verwitwet und zu Hause allein. Ihr K\u00f6rper war durch den Krebs \u201eruntergewirtschaftet\u201c, wie sie sagt. \u201eZuerst habe ich mir gedacht, du kannst doch nicht t\u00e4glich mit todkranken Menschen zusammen sein. Aber dann habe ich es einfach probiert, erstmal zwei Tage.\u201c Jetzt kommt sie montags bis freitags und sagt: \u201eIch bin hier richtig aufgep\u00e4ppelt worden, hier werde ich aufgefangen. Und wir lachen auch viel.\u201c<\/p>\n<p>In Gro\u00dfbritannien, Irland und den USA bilden Tageshospize nach einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover neben vollstation\u00e4ren und ambulanten Angeboten seit vielen Jahrzehnten einen wichtigen Versorgungspfeiler f\u00fcr Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung. So nahm bereits 1975 im britischen Sheffield das erste Hospiz die Tagesversorgung auf. Mitte der 1990er Jahre verzeichnete Gro\u00dfbritannien mehr als 200 teilstation\u00e4re, hospizlich-palliative Angebote.<\/p>\n<p>Das erste deutsche Tageshospiz wurde 1993 in Halle (Saale) er\u00f6ffnet. Und noch immer geh\u00f6rt Bremerv\u00f6rde, 2021 eingeweiht, zu den wenigen Einrichtungen dieser Art, die der Deutsche Palliativ- und Hospizverband auf seiner Website listet: Bundesweit sind es f\u00fcnfzehn, weitere sechs sind im Bau oder geplant.<\/p>\n<p>\u201eDer Bedarf ist gro\u00df, wir brauchen mehr\u201c, meint Benno Bolze, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbands mit Sitz in Berlin. \u201eAuch, weil ein Tageshospiz die h\u00e4usliche Versorgung stabilisiert und pflegende Angeh\u00f6rige entlastet.\u201c Damit es mehr Einrichtungen werden, m\u00fcsse die Finanzierung auf eine verl\u00e4ssliche Grundlage gestellt werden.<\/p>\n<p>Die entlastende Funktion erf\u00e4hrt die Ehefrau Meinels am eigenen Leib. Als es ihrem Mann so schlecht gegangen sei, habe er kaum etwas essen k\u00f6nnen. Er habe es keine 20 Schritte zur Toilette geschafft. \u201eIch hatte Angst, dass er verhungert\u201c, blickt Renate Meinel zur\u00fcck. Die Last der Verantwortung hat die Frau, die selbst ganztags berufst\u00e4tig ist, \u201efast erdr\u00fcckt\u201c. Der Platz im Hospiz sei da \u201ewie ein Sechser im Lotto gewesen\u201c. Der Austausch mit anderen G\u00e4sten habe ihrem Mann gutgetan. \u201eDavon profitieren wir auch als Paar.\u201c<\/p>\n<p>Mittlerweile hat Volker Meinel wieder zugelegt, durch hochkalorische Ern\u00e4hrung, die richtige Medikation und nicht zuletzt die Fr\u00fchst\u00fccks- und Mittagsrunden. Renate Rosek geht es genauso: \u201eIn der Gemeinschaft zu essen, das ist doch was ganz anderes.\u201c<\/p>\n<p>Dazu kommt die Atmosph\u00e4re im Haus. \u201eIch komme jedes Mal mit einem guten Gef\u00fchl her und geh am Nachmittag mit einem guten Gef\u00fchl nach Hause\u201c, sagt Ida Martens, mit 91 Jahren die \u00c4lteste in der Runde. \u201eDie ganze Liebe, die die Betreuung hier ausstrahlt\u201c, betont sie und erg\u00e4nzt: \u201eDas hier ist mein Zuhause.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align:right\"><em>epd &#8211; Dieter Sell<\/em><\/p>\n<p>Weitere Informationen finden Sie unter:<\/p>\n<p>www.hospiz-elbe-weser.de<br \/>tageshospiz www.dhpv.de<\/p>\n<hr\/>\n<p><strong><em>Info<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Buchhinweis: Sabine Pleschberger, Christof Eisl (Hg.), &#8222;Tageshospize &#8211; Orte der Gastfreundschaft&#8220;, Hospiz Verlag Esslingen 2016, 426 Seiten, 27,40 Euro Zum Thema wurde 2021 am Institut f\u00fcr Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover eine Studie publiziert: &#8222;Status quo palliativmedizinischer Tageskliniken und Tageshospize in Deutschland: Ergebnisse einer gemischt-methodischen Studie&#8220; (Beate Apolinarski, Franziska Herbst, Hanna R\u00f6wer, Nils Schneider, Stephanie Stie): Handreichung und Empfehlungen f\u00fcr den bedarfsgerechten Auf- und Ausbau von palliativmedizinischen Tageskliniken und Tageshospizen in Deutschland.<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch die anderen G\u00e4ste am Tisch haben eine Krebsdiagnose. 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