{"id":612,"date":"2020-03-25T22:21:47","date_gmt":"2020-03-25T22:21:47","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/03\/25\/bischof-i-r-markus-droege-zur-buchvorstellung-alles-kann-sich-aendern-andrea-riccardi-ekd\/"},"modified":"2020-03-29T04:59:42","modified_gmt":"2020-03-29T04:59:42","slug":"bischof-i-r-markus-droege-zur-buchvorstellung-alles-kann-sich-aendern-andrea-riccardi-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2020\/03\/25\/bischof-i-r-markus-droege-zur-buchvorstellung-alles-kann-sich-aendern-andrea-riccardi-ekd\/","title":{"rendered":"Bischof i. R. Markus Dr\u00f6ge zur Buchvorstellung \u201eAlles kann sich \u00e4ndern\u201c (Andrea Riccardi) \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p>Morgen beginnt die Erste Synodalversammlung des \u201eSynodalen Wegs\u201c, mit dem Sie, die katholischen Christen hier in Deutschland, einen wichtigen Diskussionsprozess starten. Sie wollen mit diesem Synodalen Weg Selbstkritik \u00fcben, Wege der Erneuerung erkunden, die Zeichen der Zeit deuten. Heute Abend, am Vorabend, stellen wir das Buch \u201eAlles kann sich \u00e4ndern\u201c von Andrea Riccardi vor. Die Zeichen der Zeit zu deuten, das ist das Grundanliegen dieses Buches. Das Besondere des Buches ist, wie dies getan wird, n\u00e4mlich mit einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Zuversicht, getragen von der \u00dcberzeugung, dass die Christenheit nicht etwa am Ende einer langen Traditionsgeschichte steht, sondern, so lese ich am Ende des Buches, dass \u201eeigentlich \u2026 das Christentum erst am Anfang\u201c ist. (245) \u201eWir sind noch im Fr\u00fchling der Kirche, trotz aller Schwierigkeiten und Probleme.\u201c (247). \u00a0Diese Zuversicht w\u00fcnsche ich heute, am Vorabend der Er\u00f6ffnung, dem Synodalen Weg unserer Schwesterkirche, aber nat\u00fcrlich auch uns, in der Evangelischen Kirche. Woher kommt diese Zuversicht?\u00a0<\/p>\n<p><strong>II.<\/strong><br \/>Das Buch gibt ein Interview wieder, das Professor Riccardi 2018 anl\u00e4sslich des 50-j\u00e4hrigen Bestehens der Gemeinschaft Sant` Egidio gegeben hat. Es ist ein ausf\u00fchrlicher Dialog \u00fcber die Geschichte dieser Gemeinschaft. Die Leser erfahren, wie es 1968 war, als eine Gruppe junger Studenten angefangen hat, in sozial benachteiligten Stadtvierteln von Rom auf Menschen zuzugehen, motiviert durch das Lesen der Bibel und getragen von der Fr\u00fchlingsstimmung des Zweiten Vatikanischen Konzils. \u201eEngel auf Motorrollern\u201c wurden sie genannt. Daraus ist inzwischen die weltweite Bewegung der Gemeinschaft Sant Egidio geworden. Im Buch wird keine Mitgliederzahl genannt (50.000 nennt Wikipedia). Wahrscheinlich, so denke ich, weil es der Gemeinschaft gar nicht prim\u00e4r wichtig ist, zwischen Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern zu unterscheiden. Zu ihrem Programm geh\u00f6rt es, die \u201eEkklesiologie von der belagerten Festung\u201c (25) zu \u00fcberwinden, also Mauern einzurei\u00dfen, Mauern zwischen Kirche und Welt, Mauern zwischen den Religionen, Mauern zwischen Menschen \u00fcberhaupt. Eine konfessionelle Profilierung ist f\u00fcr Sant` Egidio nicht wirklich ma\u00dfgebend, obwohl sie eindeutig im Raum des italienischen Katholizismus beheimatet ist.\u00a0<\/p>\n<p>Deshalb bin ja auch ich heute Abend hier: Die Gemeinschaft hat mich seit Jahren als evangelischen Bischof von Berlin zu verschiedenen Friedensgebeten und Konferenzen eingeladen, vor allem zu den Weltfriedensgebeten, nach Tirana 2015, nach Assisi 2016, nach M\u00fcnster und Osnabr\u00fcck 2017, nach Madrid 2019. In Abu Dhabi konnte ich vor etwa einem Jahr durch Vermittlung der Gemeinschaft an der Konferenz \u201eGlobal Conference of Human Fraternity\u201c teilnehmen, auf der Papst Franziskus und der Gro\u00dfimam der Al-Azar-Universit\u00e4t von Kairo ein Dokument \u00fcber die Br\u00fcderlichkeit aller Menschen unterzeichnet haben, und Vertreter vieler Religionen anwesend waren.\u00a0<\/p>\n<p>Sant\u00b4 Egidio ist stark erf\u00fcllt vom Geist des \u00f6kumenisch-offenen Zweiten Vaticanums. Die Gemeinschaft f\u00fchlt sich als \u201eTochter des Konzils\u201c (247). Es werden die Erfahrungen der Christen aller Konfessionen mit einbezogen, Kontakte und Zusammenarbeit mit Gl\u00e4ubigen aller Kirchen gepflegt. Der Ansatz der Theologie ist christuszentriert. Nicht die die institutionelle Form der Kirche steht im Vordergrund, sicherlich auch deswegen, weil Sant` Egidio eine Laienbewegung ist. Menschen bringen ihre Professionalit\u00e4t ohne Bezahlung ein (81). Das Buch \u201eAlles kann sich \u00e4ndern\u201c ist f\u00fcr die Leserinnen und Leser eine gute Einf\u00fchrung in das Leben und den Glauben der Gemeinschaft, eine gute Visitenkarte, um Sant` Egidio in Deutschland noch besser bekannt zu machen. Denn auch in Deutschland ist die Gemeinschaft aktiv, in Berlin und M\u00fcnchen, in W\u00fcrzburg und M\u00f6nchengladbach.<\/p>\n<p><strong>III.<\/strong><br \/>Von erstaunlicher Zuversicht ist das Buch gepr\u00e4gt. Woher diese Zuversicht? Menschen haben in der Gemeinschaft von Sant` Egidio seit 50 Jahren Erfahrungen gemacht, die Mut machen, auch die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Das Buch ist erfahrungsges\u00e4ttigt. Das unterstreicht die Glaubw\u00fcrdigkeit der Analysen und Thesen. Es ist kein theoretisches Buch, obwohl alles Gesagte gut durchdacht und mit dem fundierten kirchengeschichtlichen Wissen des Geschichtsprofessors Riccardi unterf\u00fcttert ist. Das Buch bietet dreierlei:\u00a0<\/p>\n<p>Erstens: Eine kritische Analyse unserer Zeit, mit weitem Horizont. Zwar liegt das Zentrum der Gemeinschaft in Rom, es geht aber um die Erfahrungen in Europa und weit dar\u00fcber hinaus, denn die Gemeinschaft wirkt weltweit. Zweitens: Das Gespr\u00e4ch des Buches bleibt nicht bei der Beschreibung und Analyse aktueller Entwicklungen stehen, sondern bietet einen Verstehensschl\u00fcssel aus der Sicht des Evangeliums, eine \u201eTheologie der Zeichen der Zeit\u201c, wie es hei\u00dft. Und drittens: Es beschreibt die vielf\u00e4ltigen Aktivit\u00e4ten der Gemeinschaft, die eine gelebte und glaubw\u00fcrdige Antwort auf die bedr\u00fcckende Vielfalt von Problemen unserer globalisierten Welt darstellt.\u00a0<\/p>\n<p>Der Bogen ist also denkbar weit gespannt!\u00a0<\/p>\n<p><strong>IV.<\/strong><br \/>Zun\u00e4chst die kritische Zeitanalyse. Ich nenne nur die zugespitzten Thesen, die mich besonders beeindruckt haben:\u00a0<\/p>\n<p>1.\u00a0\u00a0 \u00a0Unsere Zeit wird als Zeit ohne Visionen beschrieben. Und das sei eine der Ursachen f\u00fcr den wachsenden Fundamentalismus (201). Wer keine positiven Visionen f\u00fcr ein gerechtes und friedliches Zusammenleben der Menschen hat, baut \u201eSchutzmauern gegen fremde Probleme\u201c (89): \u201eWenn man einen vollen Bauch hat und nur die eigene Position bewahren will, hat man allenfalls Albtr\u00e4ume\u201c (228). Diese Aussage ist bei uns in Deutschland eine Botschaft an die wohlsituierten B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in unserem Land, die sich zu den Angstphantasien und Hassbotschaften des Rechtspopulismus hingezogen f\u00fchlen.\u00a0<\/p>\n<p>2.\u00a0\u00a0 \u00a0Die von einer globalen Vision der Gerechtigkeit getragene Dritte-Welt-Bewegung sei vorbei (191), kraftlos geworden.<\/p>\n<p>3.\u00a0\u00a0 \u00a0Auch die Kirchen als Institutionen seien vielfach ohne Kraft. Besonders gewarnt werden sie davor, sich in Europa auf eine Minderheitensitution allzu bequem einzurichten, sich als schutz- und unterst\u00fctzungsbed\u00fcrftig, oder gar als Opfer zu stilisieren, eine Rolle, die heute gerne gespielt werde (51). Diese Warnung spricht mir aus dem Herzen. Als Bischof in Ost-Deutschland habe ich nicht aufgeh\u00f6rt, unsere Kirche zu ermutigen, auch als kleiner werdende Kirche, eine gesellschaftlich aktive Kirche zu bleiben.\u00a0<\/p>\n<p>4.\u00a0\u00a0 \u00a0Nicht nur viele Kirchen, auch viele Gesellschaften sind entmutigt: Es gibt \u201eGesellschaften mit leerer Batterie\u201c (226).<\/p>\n<p>5.\u00a0\u00a0 \u00a0Es gibt keine ma\u00dfgeblichen Friedensdemonstrationen mehr, die zum Beispiel auf das Elend des Krieges in Syrien hinweisen w\u00fcrden. Die letzten gab es 2003 gegen den Irakkrieg von Pr\u00e4sident Bush. Warum? Weil sich die ethischen Ma\u00dfst\u00e4be verschoben haben. Sind vor 20 Jahren viele auf die Stra\u00dfe gegangen, weil ihnen das Elend der unter dem Krieg Leidenden ans Herz ging, so wird heute nicht nur nicht f\u00fcr den Frieden demonstriert, sondern es wird sogar die Angst vor denen gesch\u00fcrt, die unter den Kriegen leiden (vgl. 102). Syrische Fl\u00fcchtlinge werden lediglich als Gefahr gesehen und herabgew\u00fcrdigt. Dies klar vor Augen zu f\u00fchren halte ich f\u00fcr dringend notwendig. Denn viele haben sich bei uns schon an diesen Verlust von Menschlichkeit gew\u00f6hnt. Ich spitze es zu: Statt Friedensdemonstrationen, die das Schicksal der Kriegsopfer vor Augen haben, haben wir heute rechtspopulistische Aufm\u00e4rsche, mit Menschen, in deren Gesichtern wir hasserf\u00fcllten Egoismus erkennen. Auf diesen ethischen Skandal macht uns in Deutschland das Buch aus Italien aufmerksam.<\/p>\n<p>6.\u00a0\u00a0 \u00a0Zur Zeitanalyse geh\u00f6rt die Einsch\u00e4tzung der Globalisierung. Sie, so die These, stellt uns in Europa vor eine Entscheidung: Haben wir den Mut, die Herausforderung des Zusammenlebens mit Menschen anderer Kultur anzunehmen, oder fl\u00fcchten wir uns in Abschottung? Letzteres w\u00e4re das Ende der Humanit\u00e4t.\u00a0<\/p>\n<p>In einer Frage wird die kritische Analyse zusammengefasst: Ist die hoffnungsarme Haltung, die wir vielfach erleben, Ausdruck der \u201eReflexe eines ver\u00e4ngstigten und gealterten Europa?\u201c (193) Leben wir in einer Zeit, in der Europa, nach einer Epoche des Verantwortungsbewusstseins f\u00fcr die globale Gemeinschaft, jetzt m\u00fcde geworden ist? Die Antwort des Buches lautet: Ja. Aber damit d\u00fcrfen wir uns nicht zufriedengeben. Wir brauchen neue Kraftquellen der Hoffnung und des humanit\u00e4ren Engagements!\u00a0<\/p>\n<p><strong>V.<\/strong><br \/>Und daf\u00fcr m\u00fcssen \u2013 so das zweite gro\u00dfe Thema des Buches \u2013 die Zeichen der Zeit richtig gedeutet werden. Das Buch propagiert eine \u201eTheologie der Zeichen der Zeit\u201c. Ich skizziere sie:\u00a0<\/p>\n<p>1.\u00a0\u00a0 \u00a0Um die Zeichen der Zeit zu verstehen, und zu erkennen, was heute n\u00f6tig ist, m\u00fcssen wir die Augen ge\u00f6ffnet bekommen, brauchen wir eine \u201eAugensalbe\u201c (36). Ich sage es mit meinen Worten: Wir m\u00fcssen sehen lernen, was gespielt wird und welche Rolle wir als Christen in diesem Spiel zu spielen haben.\u00a0<\/p>\n<p>2.\u00a0\u00a0 \u00a0Der Augen\u00f6ffner ist die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Er hat sich von der Not des unter die R\u00e4uber Gefallenen ber\u00fchren lassen. Mit diesem Blick f\u00fcr den anderen bekommen wir einen neuen Zugang zur Wirklichkeit. Wir lernen die Perspektive der Armen kennen, und dies befreit uns von der beschr\u00e4nkten Perspektive derer, die nur das Eigene im Blick haben. \u2013 Ich sehe hier Ankl\u00e4nge an das, was die Befreiungstheologie die \u201eOption f\u00fcr die Armen\u201c genannt hat. Bei Sant`Egidio liegt der Schwerpunkt auf dem Appell, durch Begegnung, ja Freundschaft mit konkreten, ausgegrenzten Menschen, zun\u00e4chst pers\u00f6nlich, jede und jeder in seinem Lebenskontext, einen neuen Blick zu bekommen. Der ausgegrenzte N\u00e4chste in der eigenen Heimat wird dabei nicht gegen den N\u00e4chsten in benachteiligten Weltgegenden ausgespielt.<\/p>\n<p>3.\u00a0\u00a0 \u00a0Sie anr\u00fchren lassen vom Leid des N\u00e4chsten, das ist also der Ansatz f\u00fcr den neuen Blick. Seine Wirkung kann dieser Ansatz aber nur entfalten, wenn wir das, was wir sehen, und vor allem die Not des N\u00e4chsten, im Gebet vor Gott bringen. Dann lernen wir, die Welt und ihre Geschichte mit den Augen Gottes zu sehen (34); wir erkennen, dass Gott immer mehr M\u00f6glichkeiten hat, die Not zu wenden, als wir im Moment vor Augen haben. Und es hei\u00dft, dem\u00fctig zu erkennen, dass meine Hilfe nur eine begrenzte Hilfe ist, dass ich nicht immer und \u00fcberall und allen helfen kann. Der Titel des Buches \u201eAlles kann sich \u00e4ndern\u201c (126) dr\u00fcckt diese Erkenntnis aus. Alles kann sich \u00e4ndern, wenn Menschen diesen neuen Blick bekommen! \u2013 Diese Botschaft ist das genaue Gegenteil der menschenverachtenden Botschaften, die heute versuchen, sich bei uns breit zu machen. Da h\u00f6ren wir: Lasst Euch nicht anr\u00fchren vom Leid derer, die vor Krieg oder menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen fliehen! Der traurige Spitzensatz des Zynismus sei in Erinnerung gerufen: \u201eWir k\u00f6nnen uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen\u201c, sagte ein Spitzenfunktion\u00e4r der AfD, sondern m\u00fcssten lernen, grausame Bilder aushalten. Nein, genau dies m\u00fcssen wir nicht lernen. Vielmehr m\u00fcssen wir lernen, uns von der Not der Leidenden ansprechen lassen. Weil sich heute Humanit\u00e4t und Zynismus k\u00e4mpferisch gegen\u00fcberstehen, ist die Botschaft des Buches \u201eAlles kann sich \u00e4ndern\u201c so aktuell. Das Buch spricht sehr glaubw\u00fcrdig die Botschaft des Evangeliums in diese gesellschaftliche Situation hinein.\u00a0<\/p>\n<p><strong>VI.<\/strong><br \/>Als drittes Thema beschreibt das Buch die vielf\u00e4ltigen Aktivit\u00e4ten der Gemeinschaft Sant` Egidio.<\/p>\n<p>1.\u00a0\u00a0 \u00a0Besonders interessant fand ich die Beschreibung, wie sich das Profil der Gemeinschaft entwickelt hat. Es h\u00e4tte auch alles anders kommen k\u00f6nnen. W\u00e4re Andrea Riccardi in die Fu\u00dfstapfen seines wissenschaftlichen Lehrers getreten, h\u00e4tte er sich vielleicht um die Erneuerung der Partei Democrazia Cristiana in Italien gek\u00fcmmert. Der Weg der Gemeinschaft f\u00fchrte aber nicht in die direkte, aktive Politik, sondern in eine geistliche Laienbewegung hinein, die allerdings sehr engagiert karitativ und politisch t\u00e4tig ist: Sie f\u00fchlt sich gerufen in die Peripherien dieser Welt (82), also dorthin wo Menschen in Ausgrenzung leben. Sie ist karitativ t\u00e4tig in dem Bewusstsein, dass die Kirchen heute zu wenig, diesen Urauftrag der Christenheit im Blick haben. Papst Franziskus ist allerdings f\u00fcr die Gemeinschaft ein Hoffnungszeichen, eine einmalige Chance, diesen Urauftrag wieder neu lebendig werden zu lassen.\u00a0<\/p>\n<p>2.\u00a0\u00a0 \u00a0Das politische Friedensengagement. Spannend zu lesen, wie Sant` Egidio mit langen geduldigen Gespr\u00e4chen 1992 einen Friedensschluss in Mozambique erreichen konnte. Politische Verantwortungstr\u00e4ger und eine Laienbewegung haben dabei zusammengearbeitet, was \u201edas italienische Modell\u201c genannt wurde. Ziel der Friedensverhandlungen ist immer, von gewaltt\u00e4tiger Konfliktaustragung zum Kampf mit demokratischen Mitteln zu kommen.<\/p>\n<p>3.\u00a0\u00a0 \u00a0Das starke Engagement von Sant`Egidio in der Arbeit mit Gefl\u00fcchteten. Besonders eindrucksvoll das Projekt der \u201eHumanit\u00e4ren Korridore\u201c. Gemeinsam mit der evangelischen Waldenserkirche in Italien wird hilfsbed\u00fcrftigen Menschen aus Krisengebieten in Absprache mit den politisch Verantwortlichen die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, legal und gefahrlos nach Europa zu gelangen, also nicht mit Schlauchbooten \u00fcber das Mittelmeer. Und diese Menschen werden im Aufnahmeland von Freiwilligen begleitet. Ich sage: So wird das Schlepperwesen bek\u00e4mpft, nicht in dem man zur Abschreckung Menschen sehenden Auges ertrinken l\u00e4sst!\u00a0<\/p>\n<p>4.\u00a0\u00a0 \u00a0Schlie\u00dflich nenne ich die eindrucksvolle Arbeit mit Aidskranken in Afrika. Es sei nicht einzusehen, dass Medikamente zur Heilung von Aids nur im reicheren Teil der Welt eingesetzt werden. Mit speziellen Zentren f\u00fcr Aidskranke tr\u00e4gt Sant` Egidio deshalb Hoffnung nach Afrika, als Investition f\u00fcr die Zukunft dieses Kontinents (168).<\/p>\n<p><strong>VII.<\/strong><br \/>Ich fasse zusammen: Was ist die Botschaft, was ist die Vision des Buches? Was kann und soll die Christenheit heute tun?\u00a0<\/p>\n<p>Das Buch zeigt, wie die Vision des Evangeliums Jesu Christi in unserer aufgew\u00fchlten, aufgeregten, von Fakenews und Populismus gesch\u00fcttelter Zeit neu stark gemacht und gelebt werden kann. Es beschreibt die Humanit\u00e4t der Goldenen Regel Jesu \u201eLiebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst\u201c, als Grundlage einer ausgewogenen, aktuellen und dringend notwendigen Humanit\u00e4t. Nachdem die Utopien der Achtundsechziger verblasst sind brauchen wir neue Visionen weltweiter Humanit\u00e4t, damit unsere Gesellschaften gegen den dumpfen, menschenverachtenden Fundamentalismus immunisiert werden. Visionen sind \u201eIkonen der Hoffnung\u201c (227), hei\u00dft es. Mit ihnen k\u00f6nnen wir die Teufelskreise von Feindschaft, Hass und Gewalt aufbrechen. Die Aufgabe der Christen, aber auch aller religi\u00f6ser und friedenswilliger Menschen \u00fcberhaupt, ist es, sich als \u201eDamm gegen eine Politik des Hasses\u201c (202) zu verstehen. Die Christen speziell haben den Auftrag sich aktiv f\u00fcr die Vielfalt unterschiedlicher Menschen einzusetzen, denn die Kirche Jesu Christi ist von ihrem Wesen her ein Zeichen f\u00fcr die Einheit der kulturell vielgestaltigen Menschheit. Zukunft hat unsere Welt, wenn die Menschheit die Vielfalt als Chance entdeckt: \u201eDie Kunst, gemeinsam zu leben und gemeinsam auf die Zukunft zuzugehen, besteht darin, die Vielfalt der Menschen zu integrieren.\u201c (241) \u201eJedes Mal, wenn der Mensch einen anderen trifft, hat er drei M\u00f6glichkeiten: Krieg f\u00fchren, sich hinter einer Mauer verstecken oder einen Dialog beginnen\u201c (Ryszard Kapuscinski, 194). Punkt eins und zwei greifen heute um sich. F\u00fcr Punkt drei m\u00fcssen sich die Christen stark machen! Dass dies nicht einfach ist, verschweigt das Buch nicht. Aber wir haben die \u201eVerantwortung, zu zeigen, dass das Gute m\u00f6glich ist\u201c (8), wir sollen eine \u201eReserve an menschlichem Gewissen\u201c darstellen (203).\u00a0<\/p>\n<p><strong>VIII.<\/strong><br \/>Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier hat vor wenigen Tagen in Yad Vashem beklagt, dass wir in Deutschland trotz unserer Erinnerungskultur nicht gegen das B\u00f6se immun geworden sind, sondern dass sich wieder neu Hass und Hetze bei uns ausbreiten. Das ist leider so. Und deshalb brauchen wir zus\u00e4tzlich zu einer ernsthaften Erinnerungskultur neue Visionen, neue Kr\u00e4fte der Hoffnung, der Zuversicht, des humanit\u00e4ren Engagements.\u00a0<\/p>\n<p>Das Buch von Andrea Riccardi zeigt auf, welche Verantwortung jede und jeder Einzelne und speziell die Christinnen und Christen daf\u00fcr in einer Gesellschaft tragen. Ich w\u00fcnsche dem Buch mit seiner ansteckenden Zuversicht hier bei uns in Deutschland eine weite Verbreitung.\u00a0<\/p>\n<p>Ich danke f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.\u00a0<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgen beginnt die Erste Synodalversammlung des \u201eSynodalen Wegs\u201c, mit dem Sie, die katholischen Christen hier in Deutschland, einen wichtigen Diskussionsprozess<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":613,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/612"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=612"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/612\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":615,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/612\/revisions\/615"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/613"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=612"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=612"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=612"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}