{"id":6325,"date":"2023-11-12T20:48:22","date_gmt":"2023-11-12T20:48:22","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/11\/12\/grusswort-fuer-die-deutsche-bischofskonferenz-ekd\/"},"modified":"2023-11-12T20:48:25","modified_gmt":"2023-11-12T20:48:25","slug":"grusswort-fuer-die-deutsche-bischofskonferenz-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/11\/12\/grusswort-fuer-die-deutsche-bischofskonferenz-ekd\/","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort f\u00fcr die Deutsche Bischofskonferenz \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p style=\"text-align:right\"><em>Es gilt das gesprochen Wort<\/em><\/p>\n<p>Herzlich gr\u00fc\u00dfe ich Sie auch im Namen meiner Mitbr\u00fcder in der Deutschen\u00a0Bischofskonferenz. Es ist mir eine gro\u00dfe Freude und Ehre, dass es in diesem\u00a0Jahr mir als neu gew\u00e4hltem stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen\u00a0Bischofskonferenz zukommt, als Gast an Ihrer Synode teilzunehmen und das\u00a0Gru\u00dfwort der Deutschen Bischofskonferenz zu \u00fcberbringen.<\/p>\n<p>Es hat mich sehr bewegt, dass mein erster Auftrag in dieser neuen Aufgabe ein\u00a0\u00f6kumenischer Auftrag war. Denn es war der gemeinsame Auftritt mit Ihnen,\u00a0Frau Pr\u00e4ses Kurschus, bei der eindr\u00fccklichen Kundgebung vor dem\u00a0Brandenburger Tor am 22. Oktober 2023 anl\u00e4sslich des brutalen \u00dcberfalls der\u00a0Hamas auf Israel und der uns\u00e4glichen Geiselnahme.<\/p>\n<p>Angesichts mancher relativierenden \u00c4u\u00dferungen betone ich: Nichts kann diesen\u00a0Terrorakt rechtfertigen. Es erschreckt mich, dass in Deutschland und anderen\u00a0L\u00e4ndern die Zahl antisemitischer \u00dcbergriffe in den vergangenen Wochen\u00a0zugenommen hat und viele Juden Angst haben, ihre Kinder zur Schule zu\u00a0schicken oder in der \u00d6ffentlichkeit als Juden sichtbar zu sein. Ausdr\u00fccklich\u00a0bekr\u00e4ftige ich an dieser Stelle, dass die Deutsche Bischofskonferenz im Wissen\u00a0darum, dass der Antisemitismus auch in einer Schuldgeschichte des\u00a0Christentums wurzelt, an der Seite der Juden steht und im Einsatz gegen\u00a0Antisemitismus nicht nachlassen wird. Nat\u00fcrlich ersch\u00fcttern mich auch der\u00a0Krieg in Gaza und das Leid der Zivilbev\u00f6lkerung, die von der Hamas als Geisel<br \/>genommen wird. Israel hat das Recht auf Selbstverteidigung. Dieses Recht\u00a0schlie\u00dft die Pflicht ein, das M\u00f6gliche zum Schutz der pal\u00e4stinensischen\u00a0Zivilbev\u00f6lkerung zu tun. Auch ihre Rechte m\u00fcssen beachtet werden.<\/p>\n<p>Aufgrund der globalen Lage und der sich daraus ergebenden Spannungen sind wir als\u00a0christliche Konfessionen aktuell und wohl auch k\u00fcnftig gemeinsam sehr herausgefordert. M\u00f6ge\u00a0das auf dramatischem Hintergrund gegebene gemeinsame\u00a0 \u00f6kumenische Zeugnis von Berlin ein\u00a0Impuls daf\u00fcr sein, dass wir uns auch in Zukunft in vergleichbaren Situationen gemeinsam zu\u00a0Wort melden und in Abstimmung miteinander handeln, im Einsatz f\u00fcr Gefl\u00fcchtete, f\u00fcr\u00a0Versehrte an Leib und Seele und f\u00fcr alle, die in ihrer W\u00fcrde bedroht und verletzt sind.<\/p>\n<p>Als katholische und evangelische Kirche sind wir weltweit vernetzt und haben sowohl durch\u00a0unsere Hilfswerke als auch durch Kontakte zu Gemeinden vor Ort eigene M\u00f6glichkeiten, uns\u00a0zu informieren. Zugleich erm\u00f6glichen wir durch Partnerschaften und Patenschaften, durch\u00a0Freiwilligendienste und weitere Begegnungen Menschen in unseren Kirchen, Verbindungen\u00a0und Freundschaften \u00fcber die Grenzen von Nationen und Kulturen hinaus aufzubauen. Unsere\u00a0Gesellschaft braucht solche Menschen mit einem weiten Herzen, mit konkreten, pers\u00f6nlichen\u00a0Erfahrungen. Hier haben wir als Kirchen im Sinne von konkret geleisteter Solidarit\u00e4t und von\u00a0Herzensbildung etwas Entscheidendes beizutragen. Gerade an dieser Sorge f\u00fcr Frieden und\u00a0soziale Gerechtigkeit werden Menschen messen, ob sie kirchliche Verk\u00fcndigung und\u00a0kirchliches Handeln als relevant und inspirierend erfahren.<\/p>\n<p>Entscheidend daf\u00fcr ist auch unser Einsatz gegen den Klimawandel. Unsere Partnergemeinden\u00a0insbesondere in der Subsahara, im Kongobecken oder in Amazonien spiegeln uns sehr deutlich,\u00a0wie die Themenfelder Klimawandel, soziale Gerechtigkeit und Migration miteinander\u00a0verwoben sind. Unsere Gesellschaft ist auf dem Hintergrund dieser Verwobenheit mit sehr\u00a0komplexen Fragestellungen konfrontiert. Die Versuchung liegt nahe, einfache Antworten zu\u00a0suchen. Durch unsere weltweiten Partnerschaften haben wir die M\u00f6glichkeit, Folgen dieser\u00a0Verwobenheit anschaulich darzustellen und damit Menschen die komplexen\u00a0Herausforderungen verst\u00e4ndlicher zu machen. Auf diesem Hintergrund gilt: Klimaschutz und\u00a0soziale Gerechtigkeit geh\u00f6ren aufs Engste zusammen, wie gerade Papst Franziskus immer\u00a0wieder betont und nicht zuletzt in seiner Sozialenzyklika <em>Laudato si\u2019<\/em> und j\u00fcngst in seinem\u00a0Apostolischen Schreiben <em>Laudate Deum<\/em> eingesch\u00e4rft hat. In der Resonanz, die beide Schreiben\u00a0gerade in s\u00e4kularen Expertenkreisen ausl\u00f6sen, erfahren wir deutlich, dass kirchliche\u00a0Stellungnahmen durchaus eine den Diskurs pr\u00e4gende Wirkung entfalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In manchen Fragen, etwa im Bereich des Lebensschutzes, werden wir auch weiterhin um\u00a0gemeinsame Positionen ringen m\u00fcssen. Das haben aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang\u00a0mit einer Neuregelung von \u00a7 218 StGB erneut deutlich gemacht. In verschiedenen\u00a0Stellungnahmen hat die Deutsche Bischofskonferenz auch in j\u00fcngster Zeit die Unverf\u00fcgbarkeit\u00a0und damit den Schutz des menschlichen Lebens von der Zeugung bis zum Tod bekr\u00e4ftigt. Als\u00a0Kirchen sind wir gemeinsam gefordert, Menschen in Krisensituationen zu begleiten und zu\u00a0st\u00e4rken. Aus meinem pers\u00f6nlichen Erfahrungsfeld m\u00f6chte ich hier auf das Engagement des\u00a0Vereins \u201eKleine Riesen\u201c in Nordhessen verweisen. Evangelische und katholische Christen\u00a0<br \/>unterschiedlicher Profession unterst\u00fctzen dabei Eltern in der Sorge um schwerstkranke und\u00a0sterbende Kinder. Wo wir Menschen durch unser Tun konkrete Perspektiven aufzeigen, hilft es\u00a0ihnen, \u201eJA\u201c zu sagen zum Leben. Wenngleich es im Blick auf die gesetzlichen Regelungen\u00a0auch innerhalb der Kirchen unterschiedliche Positionen gibt, sind in unserer Gesellschaft das\u00a0gemeinsame Zeugnis und der gemeinsame Einsatz f\u00fcr die besonders vulnerablen Menschen von\u00a0gro\u00dfer Bedeutung. Dies gilt gerade auch f\u00fcr das gro\u00dfe Themenfeld Migration und Asyl. In\u00a0diesem Sinne wollen wir den \u00f6kumenischen Weg fortsetzen und unsere Verantwortung f\u00fcr eine\u00a0Gestaltung des Lebens aus dem christlichen Glauben gemeinsam wahrnehmen. Bleiben wir\u00a0auch angesichts mancher Differenzen im Gespr\u00e4ch, ringen wir miteinander um Positionen im\u00a0Wissen darum, dass uns mehr verbindet als trennt.<\/p>\n<p>Verehrte Synodale! W\u00e4hrend synodale Prozesse der Meinungsbildung und Entscheidung in der\u00a0Evangelischen Kirche in Deutschland einge\u00fcbt und \u00fcber viele Jahre bew\u00e4hrt sind, hat in der\u00a0katholischen Kirche Synodalit\u00e4t mit Papst Franziskus ein neues Gewicht und eine neue\u00a0Dynamik bekommen. Konkret wurde dies mit der Ausrufung eines universalkirchlichen\u00a0synodalen Prozesses unter dem Thema \u201eF\u00fcr eine synodale Kirche. Gemeinschaft, Teilhabe und\u00a0Sendung\u201c. Er begann vor zwei Jahren mit einer gro\u00dfen Umfrage an das Volk Gottes. Deren\u00a0Ergebnisse wurden in einem Arbeitsdokument unter dem programmatischen Wort aus dem\u00a0Buch Jesaja \u201eMach den Raum deines Zeltes weit\u201c (<em>Jes 54,2<\/em>) zusammengefasst und in einer\u00a0kontinentalen Phase der Synode weiter beraten. Im Oktober folgte in Rom die vierw\u00f6chige erste\u00a0Sitzung der Bischofssynode \u00fcber Synodalit\u00e4t. Sie wurde eingeleitet mit einem von Papst\u00a0Franziskus explizit gew\u00fcnschten \u00f6kumenischen Akzent, dem von der Gemeinschaft von Taiz\u00e9\u00a0gestalteten Gebet auf dem Petersplatz. Es war f\u00fcr mich pers\u00f6nlich eine sehr beeindruckende\u00a0Erfahrung, zusammen mit Jugendlichen aus unserem Bistum an dieser Vigil und den\u00a0begleitenden Veranstaltungen teilzunehmen.<\/p>\n<p>An der Synodensitzung haben erstmals auch nichtbisch\u00f6fliche Vertreter, darunter Laien und\u00a0Laiinnen, als stimmberechtigte Mitglieder teilgenommen. Die Bilder von runden Tischen mit\u00a0Synodalen aus allen Teilen der Welt, Frauen und M\u00e4nnern, werden als pr\u00e4gendes Merkmal\u00a0dieser Bischofssynode in Erinnerung bleiben. Eine Besonderheit war auch die Methode des\u00a0\u201eGespr\u00e4chs im Heiligen Geist\u201c, die ein intensives Zuh\u00f6ren f\u00f6rderte und einlud nachzusp\u00fcren,\u00a0wo in dem Geh\u00f6rten der Heilige Geist der Kirche des 21. Jahrhunderts Wegweisung geben\u00a0m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Viele Themen, die uns seit Jahrzehnten im \u00f6kumenischen Diskurs besch\u00e4ftigen, wurden in der\u00a0Synode aufgegriffen, etwa die Frage nach der eucharistischen Gastfreundschaft. Zudem fordert\u00a0das Abschlussdokument der ersten Session der Synode, \u201eChristen anderer Konfessionen\u00a0weiterhin in die Prozesse der katholischen Synode auf allen Ebenen einzubeziehen und mehr\u00a0geschwisterliche Delegierte zur n\u00e4chsten Tagung der Vollversammlung im Jahr 2024\u00a0einzuladen\u201c (Nr. 7m Synthese-Bericht der Weltsynode).<\/p>\n<p>Auch in Deutschland geht der Synodale Weg weiter. Er ist mit der gestern und vorgestern\u00a0konstituierenden Sitzung des Synodalen Ausschusses in eine neue Phase eingetreten. Dieses\u00a0Gremium, dem die Di\u00f6zesanbisch\u00f6fe sowie vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken und\u00a0von der letzten Synodalversammlung gew\u00e4hlte Mitglieder angeh\u00f6ren, hat die Aufgabe, f\u00fcr die\u00a0weitere theologische und ekklesiologische Durchdringung von Synodalit\u00e4t, die strukturelle\u00a0Vorbereitung eines k\u00fcnftigen Synodalen Rates sowie die Weiterentwicklung der auf dem\u00a0Synodalen Weg begonnenen Initiativen Sorge zu tragen. In Essen sind wir in einer guten\u00a0Atmosph\u00e4re des Miteinanders gestartet. In sehr konstruktiver Weise haben wir miteinander\u00a0gerungen und konnten Gesch\u00e4ftsordnung und Satzung einstimmig beschlie\u00dfen. Ich bin\u00a0\u00fcberzeugt, ein synodales Geschehen braucht bei den Beteiligten verschiedene Anwartschaften\u00a0und Perspektiven, denn nur so kann die Wirklichkeit, in die Gott uns stellt, angemessen in den\u00a0Blick genommen werden. Bei allem Ringen haben wir sehr deutlich in einem Klima des\u00a0Wohlwollens gesp\u00fcrt, dass das, was uns verbindet \u2013 das Fundament unseres Glaubens und der\u00a0gemeinsame Auftrag \u2013 gr\u00f6\u00dfer ist als alles, was uns unterscheidet. Das stimmt mich sehr\u00a0hoffnungsvoll f\u00fcr den weiteren Prozess.<\/p>\n<p>Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass die synodalen Prozesse in Deutschland und weltweit zu einer\u00a0synodaleren und zukunftsf\u00e4higeren Gestalt der Kirche f\u00fchren. Sie stehen im Dienst der Sendung\u00a0der Kirche, Jesus Christus und seine befreiende Botschaft zu verk\u00fcnden. Markant formuliert\u00a0das Abschlussdokument der zur\u00fcckliegenden Bischofssynode in diesem Zusammenhang:\u201eAnstatt zu sagen, dass die Kirche eine Sendung hat, sollten wir bekr\u00e4ftigen, dass die Kirche\u00a0Sendung ist\u201c (Nr. 8a). Diesen Sendungsauftrag als Christen gemeinsam wahrzunehmen, hat\u00a0einen Mehrwert, den das Abschlussdokument wie folgt zum Ausdruck bringt: \u201eDie\u00a0Zusammenarbeit aller Christen ist auch ein grundlegendes Element, um sich den\u00a0pastoralen\u00a0Herausforderungen unserer Zeit zu stellen: In s\u00e4kularisierten Gesellschaften erm\u00f6glicht sie es,\u00a0der Stimme des Evangeliums mehr Nachdruck zu verleihen, in Kontexten der Armut bringt sie\u00a0die Menschen dazu, sich gemeinsam in den Dienst der Gerechtigkeit, des Friedens und der\u00a0W\u00fcrde der Geringsten zu stellen\u201c (Nr. 7e).<\/p>\n<p>In Deutschland haben wir eine gute Kultur des Miteinanders entwickelt, f\u00fcr die wir dankbar\u00a0sein d\u00fcrfen. Ich durfte dies gerade am vergangenen Dienstag erfahren. Wir standen in Kassel\u00a0vor unserer katholischen Elisabethkirche, deren Dach gerade eingest\u00fcrzt war. Die Kirche hat\u00a0als Ort der Begegnung, Kirche und Kunst nicht nur w\u00e4hrend der Documenta eine wichtige\u00a0Bedeutung. Ganz selbstverst\u00e4ndlich haben uns unsere evangelischen Geschwister, Bisch\u00f6fin\u00a0Beate Hofmann und Dekanin Heinrich Gastfreundschaft angeboten. Diese darf ich schon am\u00a0kommenden Freitag mit einer Vesper zum Elisabethfest in Anspruch nehmen \u2013 nun in der\u00a0evangelischen Martinskirche. Neben aller notwendigen theologischen Reflexion wird es in\u00a0Zukunft angesichts so vieler kirchlicher Kontingenzerfahrungen gerade auch diese Formen\u00a0spontan und aus \u00dcberzeugung gelebter \u00d6kumene brauchen.<\/p>\n<p>Nehmen wir die vielf\u00e4ltigen Herausforderungen unserer Zeit auch k\u00fcnftig gemeinsam an. Und\u00a0begleiten wir einander weiterhin mit geschwisterlicher Aufmerksamkeit und mit\u00a0unserem\u00a0Gebet.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gilt das gesprochen Wort Herzlich gr\u00fc\u00dfe ich Sie auch im Namen meiner Mitbr\u00fcder in der Deutschen\u00a0Bischofskonferenz. 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