{"id":6405,"date":"2023-11-28T03:42:08","date_gmt":"2023-11-28T03:42:08","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/11\/28\/ein-adventslied-gegen-macht-und-gewalt-ekd\/"},"modified":"2023-11-28T03:42:11","modified_gmt":"2023-11-28T03:42:11","slug":"ein-adventslied-gegen-macht-und-gewalt-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/11\/28\/ein-adventslied-gegen-macht-und-gewalt-ekd\/","title":{"rendered":"Ein Adventslied gegen Macht und Gewalt \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>\u00dcber die Jahrhunderte ist \u201eMacht hoch die T\u00fcr\u201c zu einem \u00f6kumenischen Klassiker geworden. Im Evangelischen Gesangbuch tr\u00e4gt es die Nummer eins und markiert den Beginn des neuen Kirchenjahres und der Adventszeit. Einzug fand es auch in das katholische Gebet- und Gesangbuch \u201eGotteslob\u201c.<\/p>\n<p>Das Lied im schwingenden Dreiertakt trifft zum Jahresende bei vielen Menschen &#8211; ob fromm oder weniger fromm &#8211; einen besonderen Nerv. Es ergreift die Gef\u00fchle, schafft einen heilsamen Moment der Ruhe in einer unruhigen, krisengebeutelten Welt. Es dr\u00fcckt den Wunsch nach Frieden aus &#8211; und die Hoffnung auf einen Heiland, der gewaltlos alles gut werden l\u00e4sst. Jeder kann das Lied singen, summen oder brummen, es schafft Gemeinschaft: in der Kirche beim Gemeindegesang oder beim weihnachtlichen Familiensingen unterm Christbaum. In vielen Ch\u00f6ren und Instrumentalgruppen geh\u00f6rt es zum festen Programm.<\/p>\n<p>Dem Psalmtext, den Liederdichter Weissel w\u00e4hlte, liege die Tor-Liturgie im alten Israel zugrunde, erkl\u00e4rt Jeffrey Myers, der fr\u00fchere Frankfurter und Wiesbadener evangelische Citykirchenpfarrer. Demnach stellten sich die Juden den symbolischen Einzug Gottes in den Jerusalemer Tempel wie den Triumphzug eines Feldherrn vor. Der Reformator Martin Luther (1483-1546) \u00fcbersetzte den Psalmtext in eine kraftvolle deutsche Sprache. Darin macht er deutlich, dass Christus nur dann zu den Menschen kommen k\u00f6nne, wenn sie alles \u00f6ffneten, was sie verschlossen h\u00e4tten. Der K\u00f6nigsberger Kantor Johann Stob\u00e4us schrieb zu Weissels Text einen f\u00fcnfstimmigen Chorsatz.<\/p>\n<p>Das Lied, das 1642 erstmals gedruckt wurde, dokumentiert auch die Fr\u00f6mmigkeitspraxis der Barockzeit. Das Individuum, das \u201eIch\u201c r\u00fcckt nun gegen\u00fcber der Kirchengemeinde in den Mittelpunkt: Der Mensch richtet sich direkt an Gott, durchdrungen vom Glauben an ihn. \u201eKomm, o mein Heiland, Jesu Christ, meins Herzens T\u00fcr dir offen ist\u201c, hei\u00dft es in der f\u00fcnften und letzten Strophe.<\/p>\n<p>Erst 70 Jahre nach Weissels Tod wurde sein schlichtes und durch die Reimpaare einpr\u00e4gsames Lied popul\u00e4r: Der pietistische Theologe, Liederdichter und -sammler Johann Anastasius Freylinghausen (1670-1739) nahm es 1704 in sein \u201eGeistreiches Gesang-Buch\u201c auf. Er stellte die Melodie eines unbekannten Verfassers dazu, das die erste Vertonung bald vergessen lie\u00df. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde \u201eMacht hoch die T\u00fcr\u201c in andere evangelische Gesangb\u00fccher aufgenommen. \u00dcbersetzungen gab es zun\u00e4chst ins Englische und D\u00e4nische.<\/p>\n<p>Besonders wichtig sei es, dass das Lied die \u00fcbliche Vorstellung von \u201eoben\u201c und \u201eunten\u201c umst\u00fcrze, erkl\u00e4rt Johann Hinrich Claussen, der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). \u201eDenn der K\u00f6nig, der hier empfangen wird, herrscht nicht mit Macht und Gewalt\u201c, sagt Claussen: \u201eSanftm\u00fctigkeit ist sein Gef\u00e4hrt\u201c.<\/p>\n<p>\u201eMacht hoch die T\u00fcr\u201c sei auch mit Blick auf die Kriege in Nahost und in der Ukraine hochaktuell, urteilt der Frankfurter Theologe Myers. Es sei eine Anfrage an die demokratische Gesellschaft, \u201ewelche T\u00fcren der Hoffnung und Barmherzigkeit und welche Tore der humanit\u00e4ren Hilfe und Vers\u00f6hnung\u201c auf dem Weg zu Gott hoch und weit gemacht werden sollten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den pf\u00e4lzischen Landeskirchenmusikdirektor Jochen Steuerwald ist es kein Wunder, dass \u201eMacht hoch die T\u00fcr\u201c ein \u201eAllzeithit\u201c ist. Das Lied transportiere wie fast kein zweites Hoffnung und Trost in der dunklen Zeit, sagt der Kirchenmusiker. Und es sei unverw\u00fcstlich: \u201eGesungen, gefl\u00f6tet, geblasen, verjazzt, selbst im s\u00fc\u00dflichen Weihnachtskitsch-Arrangement findet es den Weg in die Herzen. Ganz bestimmt auch 2023.\u201c<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Jahrhunderte ist \u201eMacht hoch die T\u00fcr\u201c zu einem \u00f6kumenischen Klassiker geworden. 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