{"id":6458,"date":"2023-12-18T18:04:40","date_gmt":"2023-12-18T18:04:40","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/12\/18\/die-weihnachtsbotschaft-von-dem-schutzlosen-krippenkind-in-bethlehem-ist-mir-gerade-in-diesem-jahr-sehr-nahe-ekd\/"},"modified":"2023-12-18T18:04:43","modified_gmt":"2023-12-18T18:04:43","slug":"die-weihnachtsbotschaft-von-dem-schutzlosen-krippenkind-in-bethlehem-ist-mir-gerade-in-diesem-jahr-sehr-nahe-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/12\/18\/die-weihnachtsbotschaft-von-dem-schutzlosen-krippenkind-in-bethlehem-ist-mir-gerade-in-diesem-jahr-sehr-nahe-ekd\/","title":{"rendered":"Die Weihnachtsbotschaft von dem schutzlosen Krippenkind in Bethlehem ist mir gerade in diesem Jahr sehr nahe \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>\u201eKrisenmodus\u201c wurde k\u00fcrzlich zum Wort des Jahres gek\u00fcrt. In einen solchen ist auch die EKD durch einen Missbrauchsverdacht in Siegen geraten. Annette Kurschus, die dort vor mehr als 20 Jahren Pfarrerin war, trat vom Amt der Ratsvorsitzenden zur\u00fcck. Hat diese Krise bleibenden Schaden angerichtet?<\/em><\/p>\n<p>Bleibenden Schaden hoffe ich nicht. Aber wir sehen selbstkritisch, dass kommunikative Fehler passiert sind. K\u00fcnftig m\u00fcssen wir mit Verfahren, in denen es um sexualisierte Gewalt geht, deutlich schneller und transparenter umgehen. Das gilt auch f\u00fcr die mediale \u00d6ffentlichkeit. Was mir aber wichtig ist: Das Beteiligungsforum, in dem Betroffene und kirchlich Verantwortliche parit\u00e4tisch das Thema bearbeiten, hat sich in dieser Krise als stabiles Arbeitsb\u00fcndnis erwiesen.<\/p>\n<p><em>Ende Januar sollen die Ergebnisse der sogenannten ForuM-Studie, die im Auftrag der EKD Ausma\u00df und Ursachen sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche untersucht, ver\u00f6ffentlicht werden. Was erwarten Sie?<\/em><\/p>\n<p>Wir werden noch einmal genauer zu fassen bekommen, wo speziell in evangelischen Strukturen Risikofaktoren f\u00fcr sexualisierte Gewalt sind. Nach meiner Einsch\u00e4tzung kann das etwa die fehlende Verantwortungszuordnung sein. Viele Betroffene haben beispielsweise in den 1980er Jahren nicht gewusst, an wen sie sich wenden sollen, weil es kein Beschwerdesystem gab. Und wenn sie sich an jemanden wendeten, wurde wom\u00f6glich nicht richtig agiert.<\/p>\n<p><em>Auch die katholische Kirche hatte eine gro\u00df angelegte Studie beauftragt, in der es um spezielle Risikofaktoren ging. Werden die Studien vergleichbar sein?<\/em><\/p>\n<p>Nein. Die Studie zur evangelischen Kirche ist breiter angelegt. Sie umfasst auch die Diakonie sowie Bereiche wie Kitas und Kirchenmusik, was bei der katholischen Studie nicht der Fall war. Dort ging es im Wesentlichen um Priester. Die Forschenden von ForuM nehmen das gesamte, breite kirchliche Leben in den Blick. Die Studie besteht insgesamt aus einem Meta-Projekt und f\u00fcnf inhaltlichen Teilstudien &#8211; einer quantitativen und vier qualitativen Studien.<\/p>\n<p><em>Glauben Sie, dass die Studie, was allein die Zahlen angeht, einen \u00e4hnlichen Schock ausl\u00f6st wie die MHG-Studie in der katholischen Kirche im Jahr 2018?<\/em><\/p>\n<p>Die bislang von uns ver\u00f6ffentlichte Zahl liegt bei 858 F\u00e4llen. Das sind Menschen, die sich bei den zust\u00e4ndigen Stellen der Landeskirchen gemeldet und Anerkennungsleistungen erhalten haben. Zwei Drittel der F\u00e4lle betrafen den Bereich der Diakonie. Wir wissen aber selbst, dass dieses nur ein Teil der F\u00e4lle ist und dass die Gesamtzahl deutlich h\u00f6her liegt. ForuM wird hier erstmals systematisch und unabh\u00e4ngig das Hellfeld zusammenf\u00fchren. Dies ist ein ganz wichtiger Schritt, auch wenn ich mir sehr wohl bewusst bin, wie gro\u00df das Dunkelfeld von nie gemeldeten oder berichteten F\u00e4llen ist.<\/p>\n<p><em>Was wird aus der Studie folgen?<\/em><\/p>\n<p>Wir rechnen mit einem komplexen Bericht von mehreren hundert bis tausend Seiten. Es wird Zeit brauchen, die Ergebnisse im Detail auszuwerten und Schlussfolgerungen zu ziehen. Und das bedeutet auch, dass es keinen sofortigen Zehn-Punkte-Plan geben wird. Vielmehr wird in der auf die Ver\u00f6ffentlichung folgenden Diskussion das Beteiligungsforum der EKD die zentrale Rolle spielen. Hier werden wir mit den Vertreterinnen und Vertretern der Betroffenen die Konsequenzen beraten.<\/p>\n<p><em>Haben alle F\u00fchrungspersonen inzwischen verstanden, welche Bedeutung das Thema f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit der evangelischen Kirche hat?<\/em><\/p>\n<p>Ja, die politische Willensbildung ist jedenfalls unter allen leitenden Geistlichen eindeutig. Aber es kommt ja darauf an, dass wirklich jede und jeder in unserer Kirche wei\u00df, was es genau hei\u00dft, im konkreten Fall und vor Ort betroffenen- und traumasensibel zu handeln. Daran arbeiten wir. Vielfach wird von Betroffenen gesagt, dass sie durch die Behandlung mit kirchlichen Stellen erneut traumatisiert w\u00fcrden. Das darf nicht sein. Ich rechne auch f\u00fcr diesen Bereich mit Ergebnissen der ForuM-Studie.<\/p>\n<p><em>Rechnen Sie auch damit, dass weitere F\u00fchrungspersonen in der Kirche nach der Studie pers\u00f6nlich Verantwortung \u00fcbernehmen, vielleicht auch zur\u00fccktreten m\u00fcssen?<\/em><\/p>\n<p>Das kann ich nicht sagen. Wir wissen nicht, ob die Studie konkret Personen benennen wird. Dies liegt in der unabh\u00e4ngigen Entscheidung der Wissenschaftler. F\u00fcr mich geht es bei ForuM darum, die systemischen Faktoren von sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und Diakonie identifizierbar und dadurch auch ver\u00e4nderbar zu machen. Wo Verantwortung im Umgang mit einzelnen Taten liegt, muss sie getragen werden. Aber das Wichtige an ForuM ist der systematische Blick auf das grunds\u00e4tzliche Problem.<\/p>\n<p><em>Lassen Sie uns noch einmal \u00fcber die Rolle der Kirchen in der Gesellschaft sprechen: Wie politisch darf Kirche sein?<\/em><\/p>\n<p>Kirche sollte sich klar positionieren, wenn Menschenrechte verletzt oder Schw\u00e4chere in unserer Gesellschaft nicht gen\u00fcgend gesehen werden. F\u00fcr mich ist entscheidend, dass wir den einzelnen Menschen im Blick behalten. Das k\u00f6nnen im \u00dcbrigen auch Menschen in der Politik sein, die in Dilemmata stecken.<\/p>\n<p><em>Welche Dilemmata meinen Sie?<\/em><\/p>\n<p>\u00a0Gerade bei den gro\u00dfen Grundkonflikten gibt es oft keine schnellen und eindeutigen L\u00f6sungen: Kriege, Klimakatastrophe, soziale Fragen. In unserer Gesellschaft fehlen die Worte f\u00fcr die Ambivalenzen, sehr schnell geht es nur um ein \u201eDaf\u00fcr\u201c oder ein \u201eDagegen\u201c. Aus der Seelsorge wissen wir, dass man Spannungen auch aushalten muss. Keine Krise l\u00e4sst sich \u00fcberstehen, indem man allein auf die schnelle L\u00f6sung guckt.<\/p>\n<p><em>Wenn Sie mit Blick auf 2024 ein Ende von Krisen herbeisehnen, was w\u00e4re Ihr dringlichster Wunsch?<\/em><\/p>\n<p>Friede auf Erden, ein Ende des Blutvergie\u00dfens. Das steht an oberster Stelle. Beim Klimaschutz haben die Staaten der Welt sich doch gerade auf eine gemeinsame Linie verst\u00e4ndigt und gezeigt, dass Diplomatie funktioniert &#8211; warum kann das bei Krieg und Frieden nicht auch gelingen?<\/p>\n<p style=\"text-align:right\"><em>epd-Gespr\u00e4ch: Corinna Buschow und Karsten Frerichs<\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKrisenmodus\u201c wurde k\u00fcrzlich zum Wort des Jahres gek\u00fcrt. 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