{"id":6488,"date":"2023-12-24T09:28:04","date_gmt":"2023-12-24T09:28:04","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/12\/24\/die-geschichte-des-o-ekd\/"},"modified":"2023-12-24T09:28:07","modified_gmt":"2023-12-24T09:28:07","slug":"die-geschichte-des-o-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2023\/12\/24\/die-geschichte-des-o-ekd\/","title":{"rendered":"Die Geschichte des \u201eO\u201c \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p class=\"VELKDFlietext\"><span style=\"line-height:14pt\">Auf was also warten? Zauberhaft Auskunft gibt dar\u00fcber eine \u00fcber 1.000 Jahre w\u00e4hrende<br \/>Gesangstradition. Jedes Jahr mit dem 17. Dezember erhebt sich in der katholischen Abendvesper ein O-Gesang. Sieben O-Antiphonen an der Zahl sind es. In einem sich immer st\u00e4rker konzentrierenden abendlichen Zuflug auf den Heiligen Abend steigert sich Vesper f\u00fcr Vesper die Sehnsucht und zugleich die Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Am Anfang jeweils ein staunender musikalischer Ausruf eines \u201eO\u201c. Dem folgen sieben dem Alten Testament abgelauschte Anrufungen, die den Messias und Retter Kontur geben: Weisheit Gottes, Herr, Spross aus der Wurzel Isais, Schl\u00fcssel Davids, Morgenstern, K\u00f6nig der V\u00f6lker, Emmanuel. Eine hinrei\u00dfende Bilderwelt tut sich auf. Und in der dr\u00fcckt sich aus die Sehnsucht nach Weisheit, die von Anfang bis Ende die Geschichte begleite, die Menschheit zur Einsicht f\u00fchre und so sicher durch schwierige Zeiten geleite. Die Sehnsucht nach einem Herrn, der als F\u00fcrst des Hauses Israel die unter sich zerstrittene Welt vers\u00f6hne. Die Sehnsucht nach dem Spross aus der Wurzel Jesse, n\u00e4mlich einer Retterpers\u00f6nlichkeit, die, wie der Prophet Jesaja ansagt, nach abgr\u00fcndiger Zeit aus dem Baumstumpf des Hauses Davids entspringe und in die Freiheit f\u00fchre.\u00a0 Die Sehnsucht nach einem Schl\u00fcssel Davids, auch dies eine Anspielung auf das Jesajabuch, der Menschen aus leiblicher und seelischer Gefangenschaft befreie.\u00a0 Die Sehnsucht nach einem Morgenlicht aus dem Osten, die Menschen, die f\u00fcr sich schwarzsehen, Lichtblicke er\u00f6ffne. Die Sehnsucht nach einem K\u00f6nig der V\u00f6lker, der unter allen Menschen Friede und Vers\u00f6hnung stifte. Die Sehnsucht nach einem Emmanuel, der als K\u00f6nig und kluger Gesetzgeber die Menschen rette. Was sich da in gehobener Strophensprache zeigt, ist ganz elementar \u2013 dies: Gott, wir warten auf Dich. Und wir erwarten viel von Dir. Vers\u00f6hnung, Freiheit, leibliche und seelische Heilung, Hoffnung, Friede und mehr lebensbiographische Klarheit f\u00fcr Individuen, Gruppen und ganze Bev\u00f6lkerungszusammenh\u00e4nge.\u00a0 So einer soll kommen. Siebenmal erfolgt im Schlusssatz der O-Ges\u00e4nge ein eindringliches \u201eKomm\u201c, \u201ekomm endlich\u201c. Diese Ges\u00e4nge laufen wie das Magnificat, das an jedem der sieben Abende vom 17. \u2013 23. Dezember gesungen wird, auf Jesus Christus zu, ohne ihn ausdr\u00fccklich beim Namen zu nennen. Auch deshalb liegt auf ihnen eine Art vorweihnachtlich neugieriges Staunen. Wer allerdings aus lutherischer Perspektive mitsingt, wird wom\u00f6glich an einer Stelle geistlich stocken und mit einem feinen \u201eO\u201c zwischen den Zeilen innehalten. Denn sich von Jesus Christus als einem klugen Gesetzgeber Rettung zu erhoffen, das w\u00e4re jedenfalls Martin Luther, der auf den Spuren des Paulus unterwegs war, entschieden zu wenig gewesen. Luthers \u201eO\u201c-Antiphon w\u00fcrde wohl singen und sagen, dass Gott sich selbst h\u00f6chstpers\u00f6nlich mit seinem ganzen Leben in die vom allt\u00e4glichen und absurden Grauen gesch\u00fcttelte Welt hineinbegeben muss, um sie als seine Welt durch sein eigenes Sterben und eine eigene Lebensrevolte zu retten. <\/span><\/p>\n<p class=\"VELKDFlietext\"><span style=\"line-height:14pt\">So frage ich mich in dieser letzten Adventswoche, w\u00e4hrend ich den O-Antiphonen lausche: Hat Luther je ein solches O als Weihnachtswort zu Papier gebracht oder ausgerufen? Ich w\u00fcrde darum wetten. Allerdings weist das volumin\u00f6se Lutherregister der Weimarer Ausgabe, dass Luthers Sprachschatz bis in die hintersten Winkel verfolgt und ein mir lieber Gef\u00e4hrte geworden ist, eine empfindliche L\u00fccke auf. Der Ausruf \u201eO\u201c wurde vergessen.<\/span><\/p>\n<p class=\"VELKDFlietext\"><span style=\"line-height:14pt\">Eine echte Weihnachtsaufgabe f\u00fcr Lutherforschende steht an, vielleicht zwischen den Jahren zu absolvieren, n\u00e4mlich das W\u00f6rtchen O im Register zu erg\u00e4nzen. Zu den St\u00e4rken der lutherischen Theologie z\u00e4hlt ja, all die ganz weltlichen und himmelst\u00fcrzenden Dimensionen Gottes in Jesus Christus zum Ausdruck zu bringen, da ist mehr als Wurzel, Weisheit, Morgenstern, K\u00f6nig oder Herr. Da sind Schmerz und Leid, Abgrund und Trauer, Einsamkeit und Verlust, Krise und Verzweiflung, die in Gott und von Gott gesehen und erlitten werden und die zugleich von einem sie besiegenden Jubel und Freude umfangen werden. \u201eDas ewig Licht scheint da herein, gibt der Welt einen neuen Schein.\u201c Luthers gro\u00dfes gesangliches O \u2026 Es wird h\u00f6chste Zeit, gerade in diesem verflixt schwierigen Jahr kraftvoll darin einzustimmen \u2013 h\u00f6rbar f\u00fcr alle Welt, auf dass sie lebenshungriger werde!<\/span><\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf was also warten? Zauberhaft Auskunft gibt dar\u00fcber eine \u00fcber 1.000 Jahre w\u00e4hrendeGesangstradition. Jedes Jahr mit dem 17. Dezember erhebt<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6489,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6488"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6488"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6488\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6490,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6488\/revisions\/6490"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6489"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6488"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6488"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6488"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}