{"id":6650,"date":"2024-02-27T01:29:36","date_gmt":"2024-02-27T01:29:36","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/02\/27\/kommunique-der-sechzehnten-begegnung-im-bilateralen-theologischen-dialog-zwischen-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-und-der-rumaenischen-orthodoxen-kirche-goslar-xvi\/"},"modified":"2024-02-27T01:29:38","modified_gmt":"2024-02-27T01:29:38","slug":"kommunique-der-sechzehnten-begegnung-im-bilateralen-theologischen-dialog-zwischen-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-und-der-rumaenischen-orthodoxen-kirche-goslar-xvi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/02\/27\/kommunique-der-sechzehnten-begegnung-im-bilateralen-theologischen-dialog-zwischen-der-evangelischen-kirche-in-deutschland-und-der-rumaenischen-orthodoxen-kirche-goslar-xvi\/","title":{"rendered":"Kommuniqu\u00e9 der sechzehnten Begegnung im Bilateralen Theologischen Dialog zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Rum\u00e4nischen Orthodoxen Kirche (Goslar XVI)"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>Vom 19. bis 23. Februar 2024 fand die 16. Begegnung im Bilateralen Theologischen Dialog zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Rum\u00e4nischen Orthodoxen Kirche (Goslar XVI) zum Thema \u201eJugendpastoral und -katechese als \u00f6kumenische Zukunftsaufgabe\u201c statt. Hierzu hatte die Evangelische Kirche in Deutschland in das Christliche Tagungszentrum Haus Hainstein in Eisenach eingeladen.<\/p>\n<p>Das Treffen fand im 45. Jubil\u00e4umsjahr des Dialogs statt.<\/p>\n<p><strong><em>Delegation der Rum\u00e4nischen Orthodoxen Kirche<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Metropolit Dr. Serafim von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa (Delegationsleiter)<br \/>Vikarbischof Dr. Sofian Bra\u0219oveanul, M\u00fcnchen<br \/>Pr. Prof. Dr. Dr. h.c. Viorel Ioni\u0163\u0103, Genf\/Bukarest<br \/>Pr. Prof. Dr. Ioan Moga, Wien<br \/>Pr. Lect. Dr. Cosmin Pricop, Bukarest<br \/>&#8218;Pr. Prof. Dr. Stelian Tofan\u0103, Klausenburg<br \/>Pr. Prof. Dr. Ioan Tulcan, Arad<br \/>&#8218;Pr. Prof. Dr. Daniel Benga, M\u00fcnchen\/Bukarest (Koordinator)<\/p>\n<p><em>Entschuldigt war<\/em><\/p>\n<p>Pr. Prof. Dr. Constantin P\u0103tuleanu, Bukarest (sein Beitrag wurde von Cosmin Pricop verlesen)<\/p>\n<p><strong><em>Delegation der Evangelischen Kirche in Deutschland<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Bisch\u00f6fin Petra Bosse-Huber, Leiterin der Abteilung \u00d6kumene und Auslandsarbeit im Kirchenamt der EKD, Hannover (Delegationsleiterin)<br \/>Pfr. Dionisie Arion, Berlin&#8216;<br \/>Pfr. Prof. Dr. Karl-Wilhelm Niebuhr, Jena<br \/>Pfr. Prof. Dr. Bernd Oberdorfer, Augsburg<br \/>Stellv. Dekanin Birgit Schlegel, Dreieich-Rodgau<br \/>Pfrn. Senta Z\u00fcrn, N\u00fcrtingen<br \/>Oberkirchenrat Dr. Wolfram Langpape, Kirchenamt der EKD, Hannover (Koordinator)<br \/>Claudia P\u00f6hler (Organisation)<\/p>\n<p><em>Entschuldigt waren<\/em><\/p>\n<p>Pfr. Prof. Dr. Henning Thei\u00dfen, Greifswald<br \/>Pfr. Philipp Walter, Sch\u00f6nau-Rumbach<\/p>\n<p><em><strong>Vertreter der Evangelischen Kirche A.B. in Rum\u00e4nien<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Bischofsvikar Pfr. Dr. Daniel Zikeli, Evangelische Kirche A.B. in Rum\u00e4nien, Bukarest<\/p>\n<p><em>G\u00e4ste<\/em><\/p>\n<p>Kulturattach\u00e9 Dr. Iulian Costache<br \/>Elise Ebinger, Junges Forum Orthodoxie, Rom<br \/>Pfn. Dr. Dagmar Heller, Bensheim&#8216;<br \/>Pfn. Dr. Ariane Schneider, Halle<br \/>Regionalbischof Dr. Johann Schneider, Evangelische Kirche in Mitteldeutschland<br \/>Pfr. Prof. Dr. Henrik Simojoki, Berlin<br \/>Botschafterin Adriana-Loreta St\u0103nescu, Berlin<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>Gru\u00dfworte wurden gehalten von<\/p>\n<p>Bisch\u00f6fin Petra Bosse-Huber, Evangelische Kirche in Deutschland<br \/>Metropolit Dr. Serafim von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa<br \/>Die Botschafterin Rum\u00e4niens Adriana-Loreta St\u0103nescu, Berlin<br \/>Regionalbischof Dr. Johann Schneider, Evangelische Kirche in Mitteldeutschland<\/p>\n<p>Zu dem Thema <em>\u201eJugendpastoral und -katechese als \u00f6kumenische Zukunftsaufgabe\u201c<\/em> wurden die folgenden Referate gehalten:<\/p>\n<p>Pfr. Prof. Dr. Karl-Wilhelm Niebuhr\/Pr. Prof. Dr. Stelian Tofan\u0103<br \/>\u00d6kumenische Bibelarbeit<\/p>\n<p>Pfr. Prof. Dr. Bernd Oberdorfer<br \/><em>&#8218;Zugesprochener Glaube und Traditionsabbruch: Systematische \u00dcberlegungen zu den Rahmenbedingungen der Glaubenskommunikation heute<\/em><\/p>\n<p>Pr. Prof. Dr. Ioan Tulcan\/Pr. Prof. Dr. Ioan Moga<br \/><em>Bem\u00fchungen zur \u00dcberwindung der Sozialisierungsl\u00fccke und Gewinnung der kommenden Generation f\u00fcr den christlichen Glauben und Kirche<\/em><\/p>\n<p>Pfr. Dr. Ariane Schneider<br \/><em>Religi\u00f6se Bildung in Deutschland \u2013 Aspekte konfessionell kooperativer religionsbezogener Bildung im \u00f6ffentlichen Bildungswesen und im Kontext einer weitgehend konfessionslosen \u00d6ffentlichkeit<\/em><\/p>\n<p>Pr. Prof. Dr. Constantin P\u0103tuleanu\/Pr. Lect. Dr. Cosmin Pricop<br \/><em>Religi\u00f6se Bildung in Rum\u00e4nien \u2013 Religionsunterricht, Verankerung in der Verfassung, Sensibilit\u00e4ten im Umgang mit konfessionell heterogenen Lerngruppen in den Schulen<\/em><\/p>\n<p>Pfr. Prof. Dr. Henrik Simojoki<br \/><em>Vorstellung der gemeinsamen Handreichung von OBKD und EKD zu religi\u00f6ser Bildung<\/em><\/p>\n<p>Bisch\u00f6fin Bosse-Huber er\u00f6ffnete die Dialogbegegnung mit einem Gru\u00dfwort, in dem sie in Bezugnahme auf den Tagungsort die gemeinsame Bedeutung Elisabeths von Th\u00fcringen f\u00fcr die beiden Kirchen und f\u00fcr die religi\u00f6se Elementarbildung hervorhob. Metropolit Serafim gr\u00fc\u00dfte die Delegationen und G\u00e4ste und \u00fcberbrachte Gr\u00fc\u00dfe von Seiner Seligkeit Patriarch Daniel. Er ging in einem kurzen R\u00fcckblick ein auf die Begegnungen in den vergangenen 45 Jahren und f\u00fchrte in die Themenstellung der Jugendpastoral ein.<\/p>\n<p>Botschafterin St\u0103nescu unterstrich in ihrem Gru\u00df die Bedeutung der Zusammenarbeit der beiden L\u00e4nder. Sie betonte die Bedeutung des Theologischen Dialoges an sich wie auch die Relevanz des Themas dieser Begegnung.<\/p>\n<p>Regionalbischof Schneider \u00fcberbrachte die Gr\u00fc\u00dfe von Bischof Kramer und fokussierte in seinem Gru\u00dfwort das Thema mit Blick auf die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland.<\/p>\n<p>In den Vortr\u00e4gen wurden folgende Themen angesprochen:<\/p>\n<p><strong>Karl-Wilhelm Niebuhr:<\/strong><\/p>\n<p>Er stellt in seiner Bibelarbeit einem Abschnitt aus dem Jakobusbrief den Einladungsbrief zur Er\u00f6ffnung des Kindergartens der rum\u00e4nischen orthodoxen Gemeinde in Leipzig im Mai 2023 voran. Der Text aus Jakobus 3 war die Schriftlesung bei der Einweihung des Kindergartens durch Metropolit Serafim. Jakobus nennt seine Leser \u201edie zw\u00f6lf St\u00e4mme in der Diaspora\u201c und verweist sie auf die \u201eWeisheit von oben\u201c. Die von Gott kommende Weisheit ist ein Geschenk; wenn sie fehlt, k\u00f6nnen die Gemeindeglieder Gott um sie bitten, um ihren Glauben zu st\u00e4rken (Jak 1,5f.). Solche Weisheit ist \u201ezuerst einmal heilig, sodann friedlich, g\u00fctig, nachsichtig, voller Barmherzigkeit und guter Fr\u00fcchte, unparteiisch, ungeheuchelt\u201c. Und sie schafft Frieden und Gerechtigkeit (Jak 3,17f.). Kindern, die heute in einer wenig durch Kirche und Religion gepr\u00e4gten Umgebung aufwachsen, kann solche Weisheit aus den \u00dcberlieferungen der Bibel und der christlichen Tradition als ein sch\u00f6nes Geschenk Gottes vermittelt werden, welches ihnen Freude macht, ihnen Hilfe und Orientierung gibt und sie Gott als liebenden Vater kennenlernen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Stelian Tofan\u0103:<\/strong><\/p>\n<p>In seinem Referat analysiert er die Emmausgeschichte auf Anhaltspunkte f\u00fcr Katechese und pastorale Mission der Kirche heute hin. Ihm zufolge erfordert das Paradigma der Kirchenmission eine \u00c4nderung oder Erneuerung von \u201eintra muros Ecclesiae\u201c zu \u201eextra muros Ecclesiae\u201c. Er beobachtet die f\u00fcnf Szenen der Emmaus-Perikope als Anhaltspunkte f\u00fcr einen Plan der Jugendkatechese und Pastoralarbeit der Kirche. In diesen Szenen entdeckt er spiegelbildliche \u00dcbereinstimmungen zwischen dem biblischen Text und der heutigen Aufgabe der kirchlichen Mission in Bezug auf junge Menschen:<\/p>\n<p>Szene 1: Zwei J\u00fcnger unterwegs, im Gespr\u00e4ch miteinander (Lk 24,13f.) \/ Junge Menschen auf dem Lebensweg, im Gespr\u00e4ch miteinander.<\/p>\n<p>Szene 2: Die Reise des auferstandenen Herrn mit den beiden J\u00fcngern (Lk 24,15f.) \/ Die Mission der Kirche au\u00dferhalb ihrer Mauern.<\/p>\n<p>Szene 3: Im Dialog mit den J\u00fcngern interpretiert Jesus das Wort Gottes (Lk 24,17-26) \/ Bibel wird zum Thema des Dialogs mit Jugendlichen.<\/p>\n<p>Szene 4: \u201eTischkommunion\u201c als Wirkung des Dialogs (Lk 24,28f.) \/ Eucharistische (liturgische) Kommunion mit Jugendlichen.<\/p>\n<p>Szene 5: Die R\u00fcckkehr der J\u00fcnger nach Jerusalem als \u201eApostel der Auferstehung\u201c (Lk 24,32-35) \/ Ziel der Katechese, dass Jugendliche \u201eApostel\u201d werden.<\/p>\n<p><strong>Bernd Oberdorfer:<\/strong><\/p>\n<p>Er setzt ein mit dem Paradox kirchlicher Verk\u00fcndigung: Wesen der Offenbarung ist, dass sie erschlie\u00dft, was der Mensch sich nicht selbst sagen kann, was ihn aber in seinem Menschsein \u201eunbedingt angeht\u201c (Tillich). Die Verk\u00fcndigung wei\u00df, dass sie den Glauben nicht selbst erzeugen kann, hat aber zugleich die Aufgabe, die Botschaft so zu vermitteln, dass Menschen deren Relevanz f\u00fcr die eigene Lebenswirklichkeit erkennen und erfahren k\u00f6nnen und der Glaube im Leben Wurzeln schlagen kann. Unter R\u00fcckgriff auf Charles Taylors S\u00e4kularisierungstheorie beschreibt Prof. Oberdorfer die gegenw\u00e4rtige gesellschaftliche Wirklichkeit als eine, die Religion nicht grunds\u00e4tzlich feindlich gegen\u00fcbersteht, aber in der die Religionszugeh\u00f6rigkeit nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich und zur Option geworden ist. In den j\u00fcngeren Generationen sei eine abnehmende Beheimatung in religi\u00f6sen Gemeinschafts- und Symbolsystemen zu beobachten. Diese wirkt auch zur\u00fcck auf Alltagsvollz\u00fcge der Kirche, da die zunehmende Unvertrautheit mit liturgischen Formen zum Verlust der Kraft der Selbstvergewisserung durch diese Vollz\u00fcge f\u00fchrt. Prof. Oberdorfer folgert daraus aber nicht den Ruf nach Aufgabe traditioneller Glaubensvollz\u00fcge, sondern eine Praxis des Experimentierens, in der Kirche neue Vollz\u00fcge erprobt, ohne die traditionellen Formen aufzugeben. Kirche ist Teil der s\u00e4kularen Gesellschaft und darf nicht den Extremen verfallen, sich einerseits abstrakt als ihr Gegen\u00fcber zu definieren oder andererseits distanzlos in ihr aufzugehen. Die verschiedenen Kirchen (und auch verschiedene Milieus in den Kirchen) verorten sich zwischen diesen Extremen unterschiedlich, und diese Vielfalt ist ein Gewinn, weil sie unterschiedliche Zug\u00e4nge zur Identifikation mit kirchlichen Vollz\u00fcgen bietet. Gerade der Mut, in dieser Vielfalt Erfahrungen zu machen und sich \u00fcber diese im \u00f6kumenischen Gespr\u00e4ch zu verst\u00e4ndigen, ist ein verhei\u00dfungsvoller Weg f\u00fcr die Glaubenskommunikation, besonders gegen\u00fcber jungen Menschen.<\/p>\n<p><strong>Ioan Tulcan:<\/strong><\/p>\n<p>Er stellt fest, dass in der Kirche Christi eine breite und zugleich tiefe Gemeinschaft der Mitglieder des kirchlichen Leibes besteht, in der jeder Einzelne f\u00fcr seinen Fortschritt im Glauben, in der Hoffnung und im Dienst an Mitmenschen Mitverantwortung und Engagement tr\u00e4gt. Dies gr\u00fcndet auf der Tatsache, dass die Kirche der mystische Leib des Herrn ist, der durch die Kraft und das Wirken des Heiligen Geistes als Geist der Heiligung, der Gemeinschaft und der Einheit zwischen allen Teilen dieses Leibes erhalten und belebt wird. Dieser Geist der kirchlichen Gemeinschaft \u00fcberwindet alle k\u00fcnstlichen Barrieren, die zwischen den Generationen errichtet wurden oder werden. So sind in der Kirche alle gemeinsam, niemand wird ausgeschlossen, verachtet oder an den Rand gedr\u00e4ngt. Die Konkretisierung der Erfahrung dieses Gemeinschaftsgef\u00fchls in seinem vollkommenen Ausdruck ist die Heilige Liturgie, in der alle anwesend sind: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, \u00e4ltere Menschen, und in der alle vom ewigen Wort Gottes und durch den Empfang der eucharistischen Gaben geistlich st\u00e4ndig gen\u00e4hrt werden. Es wird sp\u00fcrbar, dass sie sich in einem spirituellen Elan voller W\u00e4rme und Licht befinden und zu den immer h\u00f6heren Stufen des Reiches des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes aufsteigen m\u00f6chten. Die Erfahrung dieser Realit\u00e4ten bleibt jedoch nicht in den Mauern des kirchlichen Raums verschlossen, sondern wird in zwischenmenschlichen Beziehungen auf die Welt \u00fcbertragen. Die Rum\u00e4nische Orthodoxe Kirche wird sich zunehmend des Auftrags bewusst, die junge Generation in ihren Lichtstrahl und ihre st\u00e4ndige Erneuerung zu ziehen. Sie unterst\u00fctzt und ermutigt Aktivit\u00e4ten und Projekte mit Kindern und der j\u00fcngeren Generation. Durch ihre Mitglieder muss sie sich mehr und mehr daf\u00fcr einsetzen, sie bei der Verwirklichung ihrer Ziele zu ermutigen und ihnen eine Botschaft voller W\u00e4rme und Liebe zu vermitteln. Indem die Kirche diesen Weg beschreitet, folgt sie dem Vorbild Jesu Christi, der den Kindern und der Jugend mit gro\u00dfer Offenheit und Liebe entgegenkam.<\/p>\n<p><strong>Ioan Moga:<\/strong><\/p>\n<p>In seinem Beitrag schl\u00e4gt er die Br\u00fccke von theologischer Reflexion religi\u00f6ser Sozialisation zu Konkretisierungen im Gemeindekontext. Er thematisiert zuerst die mangelnde empirische Forschung in der Frage der Sozialisierungsl\u00fccke f\u00fcr den rum\u00e4nischen Bereich und damit die unterschiedliche Ausgangsbasis im Vergleich zur EKD. Ebenfalls unterstreicht er die Kontextbezogenheit des Themas: Neben anderen Faktoren seien die Komponenten religi\u00f6ser Sozialisation bei rum\u00e4nisch-orthodoxen Jugendlichen im Kontext einer orthodox gepr\u00e4gten Mehrheitsgesellschaft anders zu evaluieren als in der Diaspora. Als zweiten Schritt beleuchtet er den historischen Hintergrund, insbesondere die fehlende religi\u00f6se Sozialisation im kommunistischen Rum\u00e4nien vor 1990, die von der Jugend getragene, religi\u00f6se Renaissance nach 1990 und die Migrationsproblematik. Er formuliert die These, dass diese spirituelle Renaissance damit zu erkl\u00e4ren sei, dass ein gewisses latentes Glaubensethos erhalten geblieben sei, das u.a. auch auf das spirituell-existentielle Zeugnis charismatischer Pers\u00f6nlichkeiten zur\u00fcckzuf\u00fchren sei. Damit erweise sich eine dialogisch gelebte, authentische Spiritualit\u00e4t als ein wichtiger Schl\u00fcssel f\u00fcr eine erfolgreiche Jugendarbeit. In einem dritten Teil werden die verschiedenen aktuellen Projekte der Jugend- und Kinderpastoralarbeit in der Rum\u00e4nisch-Orthodoxen Erzdi\u00f6zese von Deutschland, \u00d6sterreich und Luxemburg auf Di\u00f6zesanebene vorgestellt. Ioan Moga pl\u00e4diert zusammenfassend u.a. daf\u00fcr, 1. dass trotz Generationstypologien bei der Jugendarbeit die Person und die Lebensn\u00e4he im Zentrum stehen sollten; 2. f\u00fcr eine \u201ejugendsensible Kirche\u201c auf lokaler Ebene altersgerechte, flexible Erfahrungsr\u00e4ume wichtig sind, bei denen sowohl Vernetzung\/Gemeinschaft, als auch Lebensorientierung und Glaubensidentit\u00e4t erm\u00f6glicht werden; 3. die Kirchen im digitalen Raum optimistischer ihr eigenes Potenzial zur Geltung bringen sollten.<\/p>\n<p><strong>Ariane Schneider:<\/strong><\/p>\n<p>Der Religionsunterricht (RU) ist in Deutschland das einzige Schulfach, das durch das Grundgesetz garantiert wird. Diese gesetzliche Garantie legt den RU jedoch auf die Form des konfessionellen RU fest. Sie ist bisher aus historischen Gr\u00fcnden in besonderer Weise auf die Evangelische und die R\u00f6misch-Katholische Kirche konzentriert. Als Weiterentwicklung wird der konfessionell-kooperativ erteilte Religionsunterricht (kokoRU) betrachtet, der auf regionalen Vereinbarungen zwischen evangelischen Landeskirchen und r\u00f6misch-katholischen Bist\u00fcmern basiert. Die Festlegung des RU auf diese beiden Konfessionen ist in der heute religi\u00f6s plural ausdifferenzierten Gesellschaft in Deutschland wie auch im europ\u00e4ischen Zusammenhang jedoch nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Daher beanspruchen auch andere Konfessionen u.a. die Orthodoxen Kirchen das Recht, Orthodoxen RU zu erteilen. In der praktischen Umsetzung sind damit allerlei Herausforderungen verbunden.<\/p>\n<p>Eine Erweiterung des kokoRU zu einem \u00f6kumenischen oder \u201eChristlichen RU\u201c (CRU) unter m\u00f6glicher Einbeziehung der Orthodoxie, wie er in Niedersachsen ab 2026 eingef\u00fchrt werden soll, k\u00f6nnte ein L\u00f6sungsansatz sein. Dieser erfordert jedoch neben der Erarbeitung gemeinsamer Lehrpl\u00e4ne, Materialien und Standards auch eine entsprechende interkonfessionelle Qualifizierung der Lehrkr\u00e4fte.<\/p>\n<p><strong>Constantin P\u0103tuleanu und Cosmin Pricop:<\/strong><\/p>\n<p>Der Religionsunterricht in Rum\u00e4nien ist durch verschiedene Gesetze, darunter die Verfassung, das Gesetz der Religionsfreiheit und das Gesetz zur voruniversit\u00e4ren Bildung geregelt. Mit diesen gew\u00e4hrleistet der rum\u00e4nische Staat die Freiheit des Religionsunterrichts gem\u00e4\u00df den Anforderungen jeder Konfession. Im Gesetz zur vor-universit\u00e4ren Bildung, verabschiedet im Jahr 2023, ist Religion als Schulfach Teil des gemeinsamen Kernunterrichts in den Rahmenpl\u00e4nen f\u00fcr die Primar-, Sekundar- und Oberstufenbildung. Im Vergleich zum Bildungsgesetz aus 2011 stipuliert das neue Gesetz zur voruniversit\u00e4ren Bildung die Einbeziehung des Faches Religion in die Abiturpr\u00fcfungen (Artikel 102). Dies betrifft die Pr\u00fcfungen f\u00fcr das Profil \u201eGeisteswissenschaften\u201c mit dessen zwei Fachrichtungen, n\u00e4mlich \u201eSozialwissenschaften\u201c und \u201ePhilologie.\u201c<\/p>\n<p><strong>Henrik Simojoki:<\/strong><\/p>\n<p>Er f\u00fchrt in die im Auftrag der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland und der Evangelischen Kirche in Deutschland erarbeitete und herausgegebene Handreichung \u201eChristliche Bildung gemeinsam erm\u00f6glichen\u201c ein und stellt ihre Relevanz in der aktuellen religi\u00f6sen Bildungssituation heraus. Christlicher Glaube gewinnt in einer Vielzahl von Bildungsprozessen Gestalt und angesichts der Pluralisierung des Christentums in Deutschland wird deutlich, dass religi\u00f6se Bildung in wachsendem Ma\u00df zur gemeinsamen Verantwortung der verschiedenen Kirchen wird. Die Handreichung geht auf die daraus folgende Notwendigkeit interkonfessioneller Verst\u00e4ndigung, die sich aus Alltagsfragen kirchlichen Lebens ergibt, ein und m\u00f6chte Akteure aller Ebenen sensibilisieren f\u00fcr die Perspektive der jeweils anderen Konfession. Das Dokument ist in vier Teile gegliedert: Es entfaltet Grundz\u00fcge eines dialogisch gewonnenen Grundverst\u00e4ndnisses religi\u00f6ser Bildung. Es schlie\u00dft sich ein Abschnitt zu den sich ver\u00e4ndernden Kontextbedingungen kirchlichen Bildungshandelns an, der auf aktuelle Herausforderungen eingeht. Es folgen exemplarische Einblicke in zentrale Handlungsfelder kirchlicher Bildungsarbeit beider Konfessionen. Schlie\u00dflich werden Perspektiven auf Weiterentwicklungen kirchlichen Bildungshandelns auf kirchenleitender Ebene entfaltet und Ermutigungen formuliert, die sich an Bildungsverantwortliche der verschiedenen Ebenen vor Ort und auf Leitungsebene richten.<\/p>\n<p>In den Berichten aus dem Leben der eigenen Kirche gaben sich die beiden Delegationen einen guten Eindruck zu aktuellen Ereignissen und Herausforderungen und es entwickelte sich ein lebendiger und bereichernder Austausch. Die Berichte wurden von Metropolit Serafim und Bisch\u00f6fin Bosse-Huber vorgetragen und von weiteren Kommissionsmitgliedern erg\u00e4nzt.<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>Die Diskussion der Referate f\u00fchrte die beiden Delegationen zu den folgenden \u00dcberlegungen und Einsichten:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Die Verh\u00e4ltnisbestimmung von Religionsunterricht und Katechese<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Bibelarbeiten f\u00fchrten im Austausch zu unterschiedlichen Verh\u00e4ltnisbestimmungen von Religionsunterricht und kirchlicher Katechese, wozu auch die Frage z\u00e4hlt, ob der Religionsunterricht in eine Kirche integrieren solle oder nicht. Reflektiert wurde die Frage nach zeitgem\u00e4\u00dfen Methoden der Vermittlung religi\u00f6ser Inhalte. Hierher geh\u00f6rt auch die Frage, ob biblische und kirchliche Inhalte und ihre sprachlichen Formen heute nachvollziehbar seien oder ob es besonderer Vermittlungsbem\u00fchungen bed\u00fcrfe.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Der Umgang der Kirchen mit der S\u00e4kularisierung<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ausgehend von der These der S\u00e4kularisierung als Transformation einer Gesellschaft, in der Religion nicht selbstverst\u00e4ndlich pr\u00e4sent, sondern eine Option unter anderen ist, wurde diskutiert, welche Herausforderungen dies f\u00fcr die Kirchen in den verschiedenen Kontexten mit sich bringt. Ein Austausch \u00fcber Beispiele gelingender Praxis fand statt.<\/p>\n<p>Die Erfahrung in Rum\u00e4nien, dass nach der langen Zeit des Kommunismus die Kirche eine explosionsartige religi\u00f6se Renaissance erlebt hat, die v.a. von jungen Menschen getragen wurde, zeigt, dass auch unter den Bedingungen der Unterdr\u00fcckung des Christentums ein \u201elatentes Glaubensethos\u201c an die n\u00e4chste Generation vermittelt wurde, das sich dann nach dem Kommunismus entfaltet hat. Am Beispiel der Reform der gesetzlichen Grundlage des Religionsunterrichts in Rum\u00e4nien um das neue Gesetz zum Religionsunterricht von 2023 wurde deutlich, dass die Kirchen weiterhin einen so starken R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung haben, dass ein staatlicher Vorsto\u00df zur Marginalisierung des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen faktisch keinen Erfolg hatte.\u00a0<\/p>\n<p>In Rum\u00e4nien haben alle staatlich anerkannten Kultusgemeinschaften das gleiche Recht zur Durchf\u00fchrung des Religionsunterrichts und in der Ausbildung von Lehrkr\u00e4ften. Es gibt etablierte Formen der Kooperation, auch in der interkonfessionellen Offenheit des konfessionellen Religionsunterrichts. Als Beispiel wurde auf den evangelischen Religionsunterricht in deutschsprachigen staatlichen Schulen, der auch von orthodoxen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern besucht wird, eingegangen. Entsprechend wurde die Situation in Deutschland angesprochen, in der viele orthodoxe Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler den evangelischen oder katholischen Religionsunterricht besuchen, weil es noch nicht fl\u00e4chendeckend das Angebot des orthodoxen Religionsunterrichts gibt. In der Diskussion wurde deutlich, dass eine Minderheitensituation von Religionsgemeinschaften einen so pr\u00e4genden Kontext von kirchlicher Arbeit darstellt, dass viele Erfahrungen der rum\u00e4nisch-orthodoxen Diaspora in Deutschland und der Evangelischen Kirche A.B. in Rum\u00e4nien geteilt werden. Allerdings sind einige wichtige Handlungsm\u00f6glichkeiten der Minderheitskirchen im Religionsunterricht in Rum\u00e4nien breiter (z.B. M\u00f6glichkeiten der Ausbildung von Lehrkr\u00e4ften und der Einrichtung von konfessionellem Religionsunterricht). Es ist notwendig, dass die Kirchen in Deutschland ihr Engagement f\u00fcr einen st\u00e4rkeren Zugang von Minderheitskirchen, insbesondere in Bezug auf die Ausbildung und Anstellung von Lehrkr\u00e4ften an staatlichen Schulen, fortsetzen.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Ans\u00e4tze zur Verwirklichung einer jugendsensiblen Kirche<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Im Austausch \u00fcber schulischen Religionsunterricht und kirchliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wurde auch er\u00f6rtert, was es zur Verwirklichung einer \u201ejugendsensiblen Kirche\u201c braucht. Die daraus gewonnenen Konkretionen wurden in dieser Begegnung schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit Blick auf das rum\u00e4nisch-orthodoxe Engagement diskutiert.<\/p>\n<p>Verschiedene Beispiele der Jugendpastoral der Rum\u00e4nischen Orthodoxen Kirche wie \u201eChristus wird den Kindern mitgeteilt\u201c, \u201eW\u00e4hle die Schule\u201c und ITO (Internationale Begegnung der orthodoxen Jugend) wurden vorgestellt. Konkretisiert wurde dies auch am Beispiel der Erzdi\u00f6zese f\u00fcr Deutschland, \u00d6sterreich und Luxemburg. Dazu geh\u00f6ren die Angebote der Jugendorganisation A.T.O.R.G. (Verein der Orthodoxen Rum\u00e4nischen Jugend in Deutschland), das Buchprojekt \u201eDie Kirche in meiner Seele\u201c und vieles mehr. Best-Practice-Beispiele von Jugendarbeit in Gemeinden der rum\u00e4nisch-orthodoxen Diaspora zeigen eine gro\u00dfe Dynamik und Vielfalt. Zu diesen Gemeinden geh\u00f6ren besonders viele Kinder und Jugendliche. Das unterstreicht die Bedeutung von Jugendarbeit als unersetzlichem Teil der Gemeindearbeit noch einmal. Herausforderungen etwa im Umgang mit Social Media werden f\u00fcr die beiden L\u00e4nder als \u00e4hnlich empfunden. Ergebnisse aus der sechsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung in Deutschland (2023) wurden besprochen, die besonders die Bedeutung der fr\u00fchen religi\u00f6sen Sozialisation von Kindern in den Vordergrund gestellt haben. Aktuelle Tendenzen und Weichenstellungen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Akzente in der Jugendarbeit wurden erkennbar.<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>Die Begegnung wurde von Gebeten gerahmt, die teils von evangelischer, teils von orthodoxer Seite geleitet wurden. Die Delegationen besuchten die Vesper in der rum\u00e4nisch-orthodoxen Gemeinde in Gotha und danken Priester Bogdan-Florin Buta stellvertretend f\u00fcr die Gastfreundschaft der Gemeinde.<\/p>\n<p>Die Begegnung ging mit einem Exkursionsprogramm einher: Eine F\u00fchrung durch das Lutherhaus Eisenach begann mit einem Gang durch die Sonderausstellung \u201eErforschung und Beseitigung. Das kirchliche \u00b4Entjudungsinstitut\u00b4 1939 bis 1945\u201c, das in Eisenach 1939 gegr\u00fcndet worden war. Das Delegationsmitglied Prof. Dr. Niebuhr konnte aufgrund seiner Mitarbeit Einblick in die Entstehung der Ausstellung geben. Auf der Wartburg f\u00fchrte Priester Constantin Anikin in die Bedeutung Elisabeths von Th\u00fcringen f\u00fcr die Orthodoxie ein. Die anschlie\u00dfende F\u00fchrung durch die wissenschaftliche Leiterin der Wartburgstiftung Dr. Grit Jacobs hatte zwei Schwerpunkte: Das Leben der Heiligen Elisabeth und die Geschichte sowie die Bedeutung der Weltkulturerbest\u00e4tte. Ein Gang zur Lutherstube rundete den Besuch ab. Im Bachhaus standen Leben und Werk von Johann Sebastian Bach im Mittelpunkt. Die historische Instrumentensammlung wurde bei einem Kammerkonzert h\u00f6rbar.<\/p>\n<p>Die Delegationsmitglieder konnten den Gespr\u00e4chsfaden mit Leichtigkeit wiederaufnehmen und an die letzte Begegnung im Kloster Caraiman in gro\u00dfer Herzlichkeit ankn\u00fcpfen. Im Dialog entstand durch die Referate und im regen Austausch danach ein Panorama mit Blick auf schulischen Religionsunterricht und kirchliche Katechese sowie mit Blick auf die religi\u00f6se Sozialisation in Familie, kirchliche Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Rum\u00e4nien, Deutschland und \u00d6sterreich. F\u00fcr den geschwisterlichen, vertrauensvollen und offen gef\u00fchrten Austausch sind beide Delegationen dankbar. Sie empfehlen ihren Kirchen die Fortsetzung des Dialogs. Als Termin f\u00fcr die kommende Dialogtagung wird das Jahr 2027 benannt.<\/p>\n<p>Als Stichwort, das bei der Vorbereitung der kommenden Dialogtagung eine Rolle spielen k\u00f6nnte, wurde die Verantwortung der Kirchen in Bezug auf die neuen moralischen, sozialethischen und politischen Herausforderungen in Europa benannt. Es wurde aber angeregt, dass sich die Delegationen in Vorbereitung der kommenden Begegnung dar\u00fcber verst\u00e4ndigen, welchen konkreten Herausforderungen f\u00fcr die Kirchen dann Priorit\u00e4t zukommt.<\/p>\n<p>Die beiden Delegationen sprechen den Wunsch nach Ver\u00f6ffentlichung der Texte der Dialogtagung und nach einer breiten Rezeption der Ergebnisse der Begegnung in beiden Kirchen aus.<\/p>\n<p>Metropolit Serafim\u00a0<br \/>von Deutschland,<br \/>Zentral- und Nordeuropa\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Bisch\u00f6fin Petra Bosse-Huber\u00a0<br \/>Leiterin der Hauptabteilung<br \/>\u00d6kumene und Auslandsarbeit<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. Vom 19. bis 23. Februar 2024 fand die 16. 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