{"id":6679,"date":"2024-03-11T08:45:58","date_gmt":"2024-03-11T08:45:58","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/03\/11\/lebensbegleiter-mit-goldpraegung-ekd\/"},"modified":"2024-03-11T08:46:01","modified_gmt":"2024-03-11T08:46:01","slug":"lebensbegleiter-mit-goldpraegung-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/03\/11\/lebensbegleiter-mit-goldpraegung-ekd\/","title":{"rendered":"Lebensbegleiter mit Goldpr\u00e4gung \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p>Seit dem Jahr 2000 sammelt das Speyerer Kirchenarchiv evangelische Gesangb\u00fccher ab dem 17. bis zum 20. Jahrhundert. Rund 1.800 Exemplare aus Deutschland, den europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern und auch aus den USA lagern dort in Kartons, einzeln sicher verpackt in s\u00e4urefreiem Seidenpapier. Die meisten datieren aus dem 19. Jahrhundert, als Gesangb\u00fccher massenhaft produziert wurden, sie wurden gespendet von Kirchengemeinden oder Privatpersonen. \u201eWir bekommen viel, k\u00f6nnen aber aus Platzgr\u00fcnden nur einen Teil nehmen\u201c, sagt Archivarin Parzich.<\/p>\n<p>Vor 500 Jahren entstanden die ersten evangelischen Gesangb\u00fccher auf Initiative des Reformators Martin Luther (1483-1546). Mit ihnen legten die M\u00e4chtigen ihrer Zeit den f\u00fcr ihren Herrschaftsbereich geltenden Kanon an Kirchenliedern fest, erl\u00e4utert die Archivarin. \u201eSie dienten auch der &#8218;Disziplinierung von oben&#8216;.\u201c Vor allem aber seien die Liedersammlungen f\u00fcr die Menschen in allen Lebenslagen eine Quelle der religi\u00f6sen St\u00e4rkung sowie der Freude und des Trostes gewesen.<\/p>\n<p>Die meisten Kirchg\u00e4nger erhielten ihr erstes Gesangbuch zur Konfirmation geschenkt &#8211; als Zeichen, dass sie nun ein vollwertiges Mitglied der christlichen Gemeinschaft sind. Oft waren die B\u00fccher im 19. und 20. Jahrhundert in schwarzes Leder oder Samt gebunden und mit Goldpr\u00e4gung geschm\u00fcckt: \u201eDer Herr ist Dein Hirte\u201c, \u201eVertrau auf Gott\u201c, \u201eHabe Gott vor Augen und im Herzen\u201c.<\/p>\n<p>Einst waren Gesangb\u00fccher f\u00fcr Protestantinnen und Protestanten \u201eein Teil des Lebens, der Lebensbegleitung\u201c, sagt Archivarin Parzich. Das eigene Gesangbuch wurde besonders in Ehren gehalten, handschriftlich wurden dort h\u00e4ufig Ereignisse aus der Familiengeschichte vermerkt. Zwischen 7.000 und 8.000 evangelische Gesangbuch-Ausgaben gab es dem Kieler Theologieprofessor Johannes Schilling zufolge in den vergangenen 500 Jahren.<\/p>\n<p>Auch war das Gesangbuch in seiner individuellen Gestaltung ein Prestigeobjekt. Man trug es, wie ein Exemplar im Handtaschenlook mit Trageband aus den 1950er Jahren zeigt, sprichw\u00f6rtlich durch sein Leben &#8211; stolz nach dem Motto: \u201eIch gehe in die Kirche, mit meinem Gesangbuch!\u201c Auch sind Gesangb\u00fccher ein Spiegel der politischen Verh\u00e4ltnisse ihrer Zeit: Das Gesangbuch \u201eGro\u00dfer Gott wir loben dich\u201c (1941) der \u201eDeutschen Christen\u201c war im Geiste der Nationalsozialisten \u201ebereinigt von j\u00fcdischen Elementen\u201c.<\/p>\n<p>Heute fristen in einer zunehmend kirchenfernen Gesellschaft viele Gesangb\u00fccher ihr Dasein im Schrank oder im Keller. Das 500. Jubil\u00e4um biete die Chance, die Sch\u00f6nheit der Lieder neu zu entdecken, hofft Parzich. Chorprojekte und Konzerte, wie sie die pf\u00e4lzische Kirchenmusik plant, k\u00f6nnten erreichen, \u201edass Menschen daraus singen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align:right\"><em>Von Alexander Lang (epd)<\/em><\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem Jahr 2000 sammelt das Speyerer Kirchenarchiv evangelische Gesangb\u00fccher ab dem 17. bis zum 20. Jahrhundert. 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