{"id":6897,"date":"2024-05-21T12:45:08","date_gmt":"2024-05-21T12:45:08","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/05\/21\/60-jahre-freiwillig-soziales-jahr-ekd\/"},"modified":"2024-05-21T12:45:10","modified_gmt":"2024-05-21T12:45:10","slug":"60-jahre-freiwillig-soziales-jahr-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/05\/21\/60-jahre-freiwillig-soziales-jahr-ekd\/","title":{"rendered":"60 Jahre Freiwillig Soziales Jahr \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p>Sehr geehrte Festg\u00e4ste,\u00a0<br \/>da kann man ja heute nur begeistert in alle Richtungen gratulieren! Applaus, Applaus &#8211; m\u00f6chte ich sagen! Applaus zu dem ehrenvollen Besuch und einer solch zugewandt- ermutigenden Rede unseres Bundespr\u00e4sidenten, lieber Frank Walter Steinmeier! Und um dies einmal ganz pers\u00f6nlich zu adressieren: Ich finde es gro\u00dfartig, dass Sie stets in nennenswerter Klarheit Position beziehen, zugleich aber die Hand reichen und damit verbindlich Diskurse er\u00f6ffnen &#8211; nicht nur heute, sondern \u00fcberhaupt. Danke Ihnen daf\u00fcr!<\/p>\n<p>Und dann nat\u00fcrlich Applaus, Applaus zu 70 Jahre Diakonisches Jahr, lieber Diakoniepr\u00e4sident Schuch, und zugleich zu 60 Jahren Freiwilliges Soziales Jahr. Applaus auch zu einer hochengagierten Evangelischen Tr\u00e4gergruppe, die original sage und schreibe dreihunderttausend Freiwillige in all den Jahren geworben, motiviert, begleitet haben!<\/p>\n<p>300.000 vor allem junge Menschen, die anderen helfen oder geholfen haben, ihr Leben in W\u00fcrde zu leben \u2013 das ist eine einzige Erfolgsbilanz. Mich hat es in den Gespr\u00e4chen mit den Freiwilligen j\u00fcngst zutiefst beeindruckt, wie sie mit so viel Mut, Zuneigung zu den ihnen anvertrauten Menschen, mit Lernlust, ja auch Hingabe ein Jahr ihres Lebens einsetzen, um anderen das ihrige zu erleichtern. Seien sie alt, klein, krank, einsam, benachteiligt. Ein so liebevolles Herzensengagement spricht daraus, verbunden mit dem tiefen Wunsch &#8211; und freien Willen \u00a0&#8211; , f\u00fcr die Mitmenschlichkeit und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft einen Beitrag zu leisten. Derma\u00dfen lebenspr\u00e4gend ist diese Zeit als \u201eBufdi\u201c und FSJ\u2019lerin, dass viele von ihnen innerlich gest\u00e4rkt, selbstbewusst und voller \u00dcberzeugung einen sozialen Beruf ergreifen wollen oder sich weiter ehrenamtlich engagieren. Auch das, verehrte G\u00e4ste, ist aus meiner Sicht ein Grund, warum die verschiedenen Freiwilligendienste national wie international unbedingt erhalten bleiben m\u00fcssen. In ihrer Intention, sozial wie gesellschaftlich Verantwortung zu \u00fcbernehmen, verhelfen sie eindeutig zu mehr Verst\u00e4ndigung zwischen Generationen, Positionen, Kulturen und V\u00f6lkern. Wie n\u00f6tig ist das heutzutage angesichts einer aufgerauten Diskurskultur inmitten all der Weltverwundungen.<\/p>\n<p>Applaus, Applaus! So lautet \u00fcbrigens auch ein Lied von Sportfreunde Stiller, die es zwar mehr mit dem Fu\u00dfball halten. Doch auch sie rufen zu mehr Verst\u00e4ndigung und zu Friedens-Fair-Play auf. Das Lied erreicht meine Seele zum heutigen Anlass. Denn Freiwilligendienst ist Friedensdienst f\u00fcr die Demokratie. Man setzt damit Zeichen, mindestens 300.000-mal, dass es f\u00fcr Feindschaft keinen Platz geben soll in dieser Gesellschaft, f\u00fcr Abwertung und Unverst\u00e4ndnis kein Verst\u00e4ndnis und f\u00fcr die Faust keinen Grund.<\/p>\n<p>Sportfreunde Stiller singen es so:<br \/>\u00a0\u201eIst meine Hand eine Faust,<br \/>machst du sie wieder auf.<br \/>Und legst die Deine in meine.<br \/>Du fl\u00fcsterst S\u00e4tze mit Bedacht<br \/>Durch all den L\u00e4rm<br \/>Als ob sie mein Sextant und Kompass w\u00e4r`n.<br \/>Ist meine Erde eine Scheibe,\u00a0<br \/>machst du sie wieder rund \u2013\u00a0<br \/>Zeigst mir auf leise Art und Weise<br \/>Was Weitsicht hei\u00dft.<\/p>\n<p>H\u00e4nde, die man sich reicht und Weitsicht als Kompass, das feiern wir heute mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr und dem Bundesfreiwilligendienst in all seinen Facetten. Weitsicht, die die jungen Menschen mit in ihr Leben nehmen. Weitsicht, die der Enge der Angst, die derzeit von denen, die keinem mehr die Hand reichen, gesch\u00fcrt werden, die der Angst nicht zuallererst Mut, sondern Freiheit entgegenstellt. Und Weitsicht, die damit h\u00f6chst evangelisch in der Diakonie schon 1854 ihren Anfang nahm, als inmitten der N\u00f6te der Industrialisierung in Neuendettelsau ein Mutterhaus f\u00fcr diakonisch ausgebildete junge Frauen, Diakonissen, gegr\u00fcndet wurde. Mit dem Credo, dass die Gottesebenbildlichkeit gilt, ausnahmslos, und dass Menschenw\u00fcrde allen Menschen ohne Unterschied zukommen muss. Die 100-Jahr-Feier dann stand im Nachkriegsdeutschland unter dem Eindruck des starken Mitarbeitendenmangels, so dass der Leiter der Neuendettelsauer Diakonie und sp\u00e4tere bayrische Landesbischof Hermann Dietzfelbinger junge Frauen dazu aufrief, \u201eein Jahr ihres Lebens f\u00fcr die Diakonie zu wagen\u201c.\u00a0<\/p>\n<p>Et voila \u2013 das freiwillige diakonische Jahr wurde geboren, eben mit dieser besonderen Weltzugewandtheit und Liebe zum N\u00e4chsten, f\u00fcr die sich die \u2013 zun\u00e4chst &#8211; jungen Frauen freiwillig entschieden hatten. Und schon damals war dies Ausdruck gro\u00dfer Weitsicht, zu erkennen, dass sich N\u00e4chstenliebe nicht verordnen l\u00e4sst. Dass sie vielmehr einer intrinsischen Motivation, ja Glaubens\u00fcberzeugung entspringt und einer inneren Zustimmung bedarf. Und dies auch deshalb, weil jeder Freiwilligendienst einen Menschen ver\u00e4ndert, ja ihn u.U. neu ausrichtet und gr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es gewichtige Argumente, die aktuell f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines verpflichtenden Dienstes sprechen: Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stabilisieren, Generations- und Milieu-\u00fcbergreifende Begegnungen zu erm\u00f6glichen; um das freie Wir zu st\u00e4rken. Und daf\u00fcr stehen wir als evangelische Kirche selbstverst\u00e4ndlich mit aller Klarheit ein. Allein, wir gewichten schon aus der Geschichte heraus den Mehrwert des freien Willens etwas deutlicher\u2026.. Weil da etwas Selbstloses, von Herzen Freigiebiges ins Spiel gebracht wird, dem jeder Zwang widersprechen w\u00fcrde \u2013 Es geht eben um: Wagnis. Weltoffenheit. Weite. Sie bleibt der Kompass, der innerlich justiert. \u00a0<\/p>\n<p>Hinzu kommt \u2013 Stichwort Finanzierung \u2013 schon allein die zuk\u00fcnftigen Freiwilligendienste brauchen dringend stabilere Rahmenbedingungen. Dazu geh\u00f6rt definitiv ein ausk\u00f6mmlicher, \u00fcber l\u00e4ngerer Zeitraum \u2013 nicht nur ein Jahr \u2013 reichende, verl\u00e4ssliche finanzielle F\u00f6rderung durch den Bundeshaushalt! Damit \u2013 eben nicht Pflicht &#8211; jedoch ein Recht auf einen Freiwilligendienst eingef\u00fchrt werden kann, \u00a0zumindest dort, wo eine Vereinbarung zwischen einer Einrichtung und einem freiwillig interessierten Menschen existiert. Denn, da stimme ich in eine der Kernbotschaften der Evangelischen Tr\u00e4gergruppe ein: Freiwilligendienste sind immer ein Gewinn alle &#8211; f\u00fcr die Freiwilligen, f\u00fcr die Menschen in den Einsatzstellen und f\u00fcr den Frieden in unserem Land.<\/p>\n<p>So also: Applaus, Applaus. F\u00fcr die Weitsicht der Gr\u00fcnder. F\u00fcr die Herzensweite aller, die sich in den Freiwilligendiensten engagieren. Und f\u00fcr den Hoffnungsmut, mit dem Sie auch k\u00fcnftig viele junge Menschen f\u00fcr den freiwilligen Friedensdienst inmitten dieser Welt begeistern werden. Dazu gratuliere ich, danke Ihnen von Herzen und w\u00fcnsche weiter-hin Gottes Segen.<br \/>\u00a0<br \/>\u00a0<br \/>\u2026.Und daf\u00fcr stehen wir als Diakonie und evangelische Kirche selbstverst\u00e4ndlich mit aller Klarheit ein. Allein, wir gewichten schon aus der Geschichte heraus \u00a0den Mehrwert des freien Willens etwas deutlicher\u2026.. Weil da etwas Selbstloses, von Herzen Freigiebiges ins Spiel gebracht wird, dem jeder Zwang widersprechen w\u00fcrde \u2013 Es geht eben um: Wagnis. Weltoffenheit. Weite. Sie bleibt der Kompass, der innerlich justiert.\u00a0<br \/>\u00a0<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Festg\u00e4ste,\u00a0da kann man ja heute nur begeistert in alle Richtungen gratulieren! 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