{"id":7017,"date":"2024-06-26T18:39:00","date_gmt":"2024-06-26T18:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/06\/26\/rede-zum-johannisempfang-der-ekd-2024-ekd\/"},"modified":"2024-06-26T18:39:03","modified_gmt":"2024-06-26T18:39:03","slug":"rede-zum-johannisempfang-der-ekd-2024-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/06\/26\/rede-zum-johannisempfang-der-ekd-2024-ekd\/","title":{"rendered":"Rede zum Johannisempfang der EKD 2024 \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p style=\"text-align:right\"><em>Es gilt das gesprochene Wort<\/em><\/p>\n<p><strong>Vielstimmige Verbundenheit \u2013 Impressionen vom Posaunentag<\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein wunderbarer Gesang! Ich freue mich, dass Sie alle gekommen sind, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Geschwister \u2013 und dass Sie bei diesem au\u00dferordentlich musikalischen Johannisempfang mit unverkennbarer Individualit\u00e4t Ihre Stimme erhoben haben. Denn darum geht es heute: h\u00f6chst individuell den Chor\u00e4len der Dankbarkeit und dem Lob aufs Gelingen Kraft zu verleihen. Und zwar gemeinsam. Allen schr\u00e4gen T\u00f6nen in dieser Zeit zum Trotz. Gemeinsam in den Dank einstimmen, das ist f\u00fcr mich der Grundton der Musik, die sich Demokratie nennt, weil sie von Vielstimmigkeit lebt \u2013 und einem Rhythmus.\u00a0<\/p>\n<p>Genau dies war vor einigen Wochen beim Deutschen Evangelischen Posaunentag zu erleben. 17 000 Bl\u00e4serinnen und Bl\u00e4ser tauchten Hamburg in ein Klangmeer. Aus allen 16 Bundesl\u00e4ndern Deutschlands kamen sie, aus \u00d6sterreich und der Schweiz, aus Indien und S\u00fcdafrika. Von 6 bis 96 Jahren. Die Grundsch\u00fclerin neben der Kirchenpr\u00e4sidentin, der Finanzbeamte neben K\u00fcnstlerin und Pflegedienstleiter. Aus Stadt und Land \u2013 alle mittenmang. Die ganze Vielfalt des Blechs spielte auf &#8211; Trompeten, Euphonien, Fl\u00fcgelh\u00f6rner und Friedensposaunen von Hamburg bis nach Jericho. Genau dahin. Und\u00a0dann stellen Sie sich vor: Abendserenade an der Elbe. Von der Elbphilharmonie bis zu den\u00a0<\/p>\n<p>Landungsbr\u00fccken, 1,2 km entlang auf der Jan-Fedder-Promenade ein einziges Fl\u00e4chengold! Und o Wunder, dank einer auch technisch genau kalkulierten Zeittaktung auf den Bildschirmw\u00e4nden, fiel der Klang eben nicht kakophonisch auseinander. Man fand zusammen! Und wollte zusammenfinden. Zu einer einzigen Musik. Etwa die vom Gro\u00dfstadtrevier. Oder: Ukutula, Frieden hei\u00dft das in einer Sprache S\u00fcdafrikas. 17.000 ganz eigene Stimmen, die durch pr\u00e4zise Kommunikation \u2013 echte Sensationstechnik \u2013 wussten, wie sie einsetzen und wie sie aufeinander h\u00f6ren sollten. Befreit davon, Solist oder Solistin sein m\u00fcssen, haben sie den Dirigenten vertraut, die durch ihre Pr\u00e4zision alles beieinander hielten. Es waren \u00fcbrigens die Sachsen, denen dies gelang: mit Taktgef\u00fchl und Klang f\u00fcr Klang ein fulminanter Klangzusammenhang.<\/p>\n<p>Mich hat es ergriffen. Es war etwas so Leichtes darin. Die Freude feierte Hochsaison. Lobe den Herrn. Kompromisslos vereint sie, diese Musik, die gerade mehrstimmig zur H\u00f6chstform ihrer Sch\u00f6nheit aufl\u00e4uft. Und mehrstimmig \u2013 das kann durchaus auch misstimmig sein, nicht jeder Ton gef\u00e4llt. Aber, das ist tr\u00f6stlich, in der Gemeinschaft aushaltbar. N\u00fctzt ja nix, wie wir Hamburger sagen, es geht schlie\u00dflich um H\u00f6heres. Auch, um die Tiefen der Krisen zu bestehen.<\/p>\n<p>Deshalb sind die Musik und die Kirchenmusik solch ein gro\u00dfer Schatz. Weil sie zusammenh\u00e4lt. Die Welt. Und die Seele. Ein wahrer Schatz deshalb auch unser Gesangbuch. 500 Jahre alt und immer neu die Lieder: \u201eBefiehl du deine Wege\u201c und \u201eGeh aus, mein Herz\u201c. Das sind Hoffnungslieder. Geschrieben von Menschen wie Paul Gerhardt, die den Krieg kannten und abgr\u00fcndige Gewalt und tiefen Schmerz. Lieder, die genau deshalb das Herz erreichen. Die der Enge der Angst die Freiheit entgegensingen, Freiheit, sie ist die Schwester der Musik. Wer k\u00f6nnte denn auch nur einen Ton von sich geben, w\u00fcrde er oder sie nicht aufatmen? Sich gerade machen? Ausgerichtet, nach vorn, das geht gar nicht anders.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eWer singt, hat keine Angst\u201c, hie\u00df es j\u00fcngst bei einem hinrei\u00dfenden Musical zu David und Goliath im Rahmen der Kinderchortage. Angst und Singen, das geht schon deshalb nicht zusammen, weil sich beides in der gleichen Gehirnregion abspielt, erkl\u00e4rte die Landesmusikkantorin. Hunderte Kinder haben das \u00fcberzeugend in die Herzen gesungen, eine Hoffnungskantate, die durch Deutschland gehen sollte. Darin hei\u00dft es: \u201eDie Gro\u00dfen f\u00fchren Kriege, nur weil sich einer stritt. Und die Kleinen, die Kleinen m\u00fcssen mit. Wie viele m\u00fcssen leiden? Kann Gott das Herz der Streitenden erreichen? Wir wollen hoffen, dass der Krieg bald endet. Dass Menschen lieben, Gier sie nicht mehr blendet. Und sie jetzt aufh\u00f6rn, Leben zu riskieren, weil alle verlieren \u2013 und weil jedes Kind, jedes Kind, jedes Kind ein Lieblingskind ist.\u201c \u00a0<\/p>\n<p><strong>Sprachliche Grenzerfahrungen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine Botschaft in diesen Zeiten! Ich liebe die subversive Kraft unseres Glaubens. Auch weil sie viele Sprachen kennt. Nicht allein die der Musik, die Uns\u00e4gliches sagbar macht. Und auch schon mal Despoten wie Goliath den Marsch bl\u00e4st. Sondern auch die Sprache des Rituals, wenn Worte nicht mehr hinreichen. Trauer zu teilen, schweigend zu pilgern, das Brot zu brechen, alles Gesten der Verbundenheit, die es jetzt braucht. Am liebsten begleitet von einem Bachchor, der dabei das Dona nobis pacem intoniert, unentwegt, achtstimmige Friedenssehnsucht in h-moll. All dies, weil wir doch merken \u2013 in unserer Arbeit, im Gespr\u00e4ch mit den Kindern, Enkelkindern, im politischen Diskurs \u2013 dass die Sprache der Worte an ihre Grenzen st\u00f6\u00dft. Allemal, wenn es um die Tiefe der Tiefen geht. Um die existentiellen Krisen. Klimakrise, Kriege, soziale N\u00f6te. Dort wo \u00c4ngste und Emotionen hochkommen, verschwimmen Worte und das Argument verliert schnell. Und die Differenzierung auch. Ich glaube, Sie hier, die im politischen Raum dankenswerterweise (!) f\u00fcr uns alle in diesem Land ihre Kraft, Mut und klares Wort einsetzen, wissen es nur allzu genau: Der politische Streit kann auch sehr ersch\u00f6pfend sein. Das war wahrscheinlich immer schon so. Allerdings \u2013 dass es inzwischen mit Abgeordneten, die den Stil demokratischer Auseinandersetzungskultur nicht mehr beherrschen, schlicht nicht mehr m\u00f6glich ist, eine Parlamentsdebatte ohne P\u00f6belei, Herabsetzung, Verurteilung, ja Hasstiraden zu erleben, ist f\u00fcr die so n\u00f6tige Diskurskultur alarmierend. Zumal sich dies im digitalen Raum ja fortsetzt und verst\u00e4rkt: eine Flut von Desinformation, Bildmanipulation, Gewaltandrohungen, Worte, die zu Taten f\u00fchren, enthemmt, brutal, antisemitisch, rassistisch, uns\u00e4glich. Darum haben die Kirchen in den vergangenen Monaten ein klares Nein gesprochen \u2013 zu allen Parteien, auch europaweit, die rassistische, antisemitische oder v\u00f6lkisch nationale Positionen vertreten. Eine Ideologie der v\u00f6lkischen \u00dcberlegenheit ist mit christlicher Haltung nicht vereinbar. Das ist so und das bleibt so. Auch weil diese Parteien mit Hassrede und Fake News ganz gezielt den demokratischen Diskurs zerst\u00f6ren. \u00a0<\/p>\n<p>Eine gute, lebendige, demokratische Kultur lebt hingegen davon, f\u00fcr die Probleme eine Sprache zu finden, um die Dinge klar beim Namen zu nennen. Sie lebt davon, in ernsthafte Auseinandersetzung zu gehen \u2013 und dabei den guten Ton zu wahren. In der Kirche wie in der Politik. Es geht dabei um wertvolle G\u00fcter: um Wahrhaftigkeit und Ernsthaftigkeit. Die Menschen in diesem Land sp\u00fcren, wenn beides leidet. Wenn eine Rede aus Furcht vor Shitstorms oberfl\u00e4chlich bleibt. Wahrhaftigkeit, der es um eine politische Ernsthaftigkeit geht, schlie\u00dft jedoch immer auch das Wagnis des Widerspruchs ein, des Missklangs und der Verst\u00f6rung. Dennoch: Weil es f\u00fcr die tiefgreifenden Problemlagen, die wie ein gordischer Knoten unl\u00f6sbar scheinen, keine einfachen L\u00f6sungen geben kann, gerade deswegen gilt, den demokratischen Diskurs NICHT aufzugeben. Parlare, miteinander reden, Meinungen austauschen \u2013 im Parlament. Rede und Gegenrede, zuh\u00f6ren, miteinander ringen &#8211; dadurch entsteht n\u00f6tige \u00d6ffentlichkeit, ein \u201eRaum f\u00fcr eine diskursive Kl\u00e4rung konkurrierender Anspr\u00fcche auf Wahrheitsgeltung\u201c, wie J\u00fcrgen Habermas es nennt. Und ja, der Diskurs ist vor allem deshalb in die Krise geraten, so der 95-J\u00e4hrige weiter, weil zu viele ihre eigene fragmentierte Weltsicht f\u00fcr letztg\u00fcltig halten.\u00a0<\/p>\n<p>Dem Fragment mit Schalom kommen, das ist dran, und gelingt nicht nur auf einem Posaunentag. Schalom hei\u00dft eben nicht nur Frieden, sondern Vollst\u00e4ndigkeit, Erg\u00e4nzung. Gro\u00dfe Sehnsucht liegt darin. Und Hoffnung. Ich jedenfalls werde mich nicht von der Idee verabschieden, andere Menschen durch Argumente, durch Austausch von Erfahrung und Empfindungen zu erreichen. Ich werde am biblischen Wort festhalten, den ich als Auftrag verstehe: \u201eWir k\u00f6nnen\u00b4s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und geh\u00f6rt haben.\u201c \u00a0Zu wertvoll doch die Demokratie als Staatsform des aufgekl\u00e4rten Gespr\u00e4chs!<\/p>\n<p>Auch deshalb werbe ich f\u00fcr die soeben von Diakonie und EKD ins Leben gerufene Initiative #verst\u00e4ndigungsorte. Wenn etwas jetzt gebraucht wird, dann eine Offensive zum Dialog: R\u00e4ume, in denen verschiedenste Menschen unterschiedlichste Meinungen teilen, Reden schwingen, Ohren bet\u00e4uben, Streit aushalten \u2013 und so Gott will, kilometerweite Entfernung \u00fcberwinden. Weil sie tats\u00e4chlich etwas Gemeinsames gefunden haben. Wenigstens EINEN Akkord, der durchtr\u00e4gt. Die Absicht hinter der Initiative ist glasklar: Wenn wir Hass und Hetze den Boden entziehen wollen, m\u00fcssen wir mehr voneinander verstehen. Denn Verst\u00e4ndigung kann mehr als Abgrenzung. Sie kann Kommunikation mit pr\u00e4zisem Takt und konkreter Technik: Bei einem B\u00fcrgerdialog in einem Dorf an der Westk\u00fcste, in denen die demokratischen Parteien arg an Boden verloren haben, wurden die knapp 80 Personen im Raum gebeten, sich zu viert zu einem der vielen virulenten politischen Themen zusammenzusetzen. Die H\u00fctte brannte, deshalb waren sie \u00fcberhaupt gekommen. Es gab nur zwei simple Regeln: es bleibt bei diesem einen Thema, und die Struktur ist vorgegeben: jede Teilnehmerin redet 4 Minuten, und keiner unterbricht. Bis sie alle durch sind. Und dann &#8211; wird dies dreimal wiederholt. Faszinierend, zu sehen, wie sich die Atmosph\u00e4re im Raum langsam \u00e4nderte. Wie die geballten F\u00e4uste sich \u00f6ffneten. Die Erfahrung, ausreden zu k\u00f6nnen, und zugleich zu merken, wie lang 4 Minuten sind, um sie zu f\u00fcllen. Und wie schwer es ist, 12 Minuten nur zuzuh\u00f6ren \u2013 alles das hat die Stimmung ver\u00e4ndert. Individuell und in der Gemeinschaft. Auch echte Sensationstechnik.<\/p>\n<p>Ergo: Angesichts der nach der Europawahl nochmals \u00fcberdeutlich gewordenen Risse zwischen Ost und West, zwischen Gro\u00dfstadt und Land \u2013- ist #verst\u00e4ndigungsorte eine echte Chance, als Kirche einen Beitrag zum Demokratiesommer 2024 zu leisten. Bundesweit. Und entschlossen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Tragf\u00e4higes Zusammenspiel hei\u00dft Grundrechte sch\u00fctzen<\/strong><\/p>\n<p>Denn es geht um tragf\u00e4hige Formen des Zusammenlebens, in denen das Individuum auch in anspruchsvollen Lebenssituationen nicht unter die R\u00e4der kommt. Das Individuum und seine Rechte zu st\u00e4rken, das stand und steht immer wieder im Vordergrund \u00f6ffentlicher Diskussionen zur Demokratie. Zu Recht! Die Feierlichkeiten zum Grundgesetz haben das in den letzten Wochen hervorgehoben. Die W\u00fcrde des einzelnen Menschen, die unverbr\u00fcchlich gilt \u2013 und eben nicht von einem \u00fcberm\u00e4chtigen Staat oder politischen Ideologien angetastet oder \u00fcberw\u00e4ltigt werden darf.\u00a0<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise ist das nicht nur eine Forderung, sondern auch Realit\u00e4t. Denn die St\u00e4rke unserer Demokratie liegt in meinen Augen genau darin, dass sie eine rechtsstaatliche ist. So haben wir gerade mit dem Bundesverfassungsgericht eine Institution, die dar\u00fcber wacht, dass diese Grenzen eingehalten werden. Und es ist gerade in diesem Jahr, wo das Grundgesetz seinen 75. Geburtstag feiert, eine gro\u00dfe Ehre, lieber Herr Harbarth, dass Sie heute hier anwesend sind. Sie kennen die Abw\u00e4gung, die erforderlich wird, wenn Grundrechte in Konflikt miteinander geraten, wahrlich aufs Beste. Ebenso, wenn Einzelne in ihren Grundrechten verletzt werden. Ich freue mich sehr, dass Sie als der oberste Repr\u00e4sentant jenes Verfassungsorgans gleich zu uns sprechen werden!<\/p>\n<p>Auf ganz andere Weise setzen wir als Kirche uns f\u00fcr die Grundrechte ein: etwa f\u00fcr das Grundrecht auf Religionsfreiheit, das an so vielen Orten auf dieser Welt nicht gegeben ist. Und damit zusammenh\u00e4ngend machen wir immer auch das Grundrecht auf Asyl stark, das derzeit so unter Druck steht. Als letzte M\u00f6glichkeit gew\u00e4hren wir Menschen, deren Asylantrag in Deutschland abgelehnt wurde, eine Zuflucht. Wenn es sich um einen H\u00e4rtefall handelt. Und mit gro\u00dfer Sorge sehe ich, dass dieses Kirchenasyl mancherorts nicht mehr respektiert wird. Wir wissen, dass es politisch umstritten ist. Genauso wissen wir aber auch, dass dieses Instrument zum gesellschaftlichen Frieden beitr\u00e4gt. Es gibt den schw\u00e4chsten Gliedern der Gesellschaft eine Chance, dass ihr Anliegen gepr\u00fcft wird. Kirchenasyl, meine Damen und Herren, ist nicht Teil des Problems, sondern Teil der L\u00f6sung. Daher mein dringender Appell an dieser Stelle: Lasst uns \u00fcber die Diskussion um den Schutz der Grenzen den Schutz der gefl\u00fcchteten Menschen nicht vergessen!<\/p>\n<p><strong>Destruktivem Harmoniezwang mit produktiver Disharmonie beikommen<\/strong><\/p>\n<p>Die Kunst der Abw\u00e4gung, die dem Argument folgt, mit k\u00fchlem Kopf und warmem Herz \u2013 so richtig h\u00f6rt sich das an und ist doch alles andere als eine leichte \u00dcbung. Wir alle werden dies schon erfahren haben: gegeneinanderstehende Rechte bzw. Interessen, gerade wenn es dabei um gro\u00dfes Unrecht geht, lassen sich nicht ohne weiteres harmonisieren. Jedenfalls nicht so schnell, wie man es sich w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Harmonie, so schnell es nur geht, Harmonie weder mit k\u00fchlem Kopf noch warmem Herz, vielmehr Harmoniedruck \u2013 und -zwang \u2013 dies nun ist ein Thema, dem wir uns als evangelische Kirche und Diakonie in besonders bitterer Weise zu stellen haben. Die ForuM-Studie zur sexualisierten Gewalt in der evangelischen Kirche und Diakonie hat uns dieses gern gepflegte Selbstbild, eine allerorten harmonische, geschwisterliche, demokratische Gemeinschaft zu sein, die sich von ihrem Grundverst\u00e4ndnis her der Schw\u00e4cheren annimmt und ihnen Schutz gew\u00e4hrt, verst\u00f6rende Risse beigef\u00fcgt. Nachhaltig verst\u00f6rend, hoffe ich. Denn auf den 800 Seiten, in denen viele betroffene Menschen ihre Erfahrungen darlegen und als Co-Forschende evangelische Strukturen kritisch reflektieren, sehen wir uns Seite f\u00fcr Seite einem eklatanten Versagen gegen\u00fcber, das weder zu besch\u00f6nigen ist noch Anlass gibt, zur Tagesordnung \u00fcberzugehen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle k\u00f6nnte ich nochmals ausf\u00fchren, wie viel bereits in den Landeskirchen und in der EKD passiert ist, und zwar nicht erst seit 2018. Doch das ist jetzt gerade nicht der richtige Ton. Es geht nicht um Selbstrechtfertigung der Institution. Sich der Verst\u00f6rung zu stellen, hei\u00dft vielmehr zu respektieren, was betroffene Menschen in und mit dieser Studie geleistet haben. Dass es um IHRE Selbstwirksamkeit geht \u2013 und die M\u00f6glichkeit mitzuentscheiden. Danke daf\u00fcr, dass der Spiegel, den Sie uns in dieser Studie vorhalten, Ver\u00e4nderung nicht nur fordert, sondern erm\u00f6glicht. Im Beteiligungsforum, in dem Betroffenenvertreter*innen und EKD-und Diakonievertreter*innen sitzen, um von Anfang an bei jedem Problem die Sichtweisen zusammenzutragen \u2013 je in der Klarheit der Rollen, versteht sich \u00a0\u2013 wird darum gerungen. Im Ton respektvoll-freundlich, aber in der Sache klar, und so arbeiten wir hart am Detail. Stemmen uns dem evangelischen Versagen und der Amoralit\u00e4t entgegen. Also bleibt nat\u00fcrlich Disharmonie und genau darin tritt eine Spannung ein, die wie jede Disharmonie produktiv nach L\u00f6sung sucht. Insofern danke ich \u2013 stellvertretend f\u00fcr alle Ihnen, Frau Janz und Herr Zander als Sprecherinnen \u2013 ich danke Ihnen daf\u00fcr, dass sie diese Spannung halten \u2013 und auch aushalten. Wissend, dass dies viel Kraft kostet, die Sie vor allem f\u00fcr eines einsetzen: Ver\u00e4nderung um der guten Sache willen, die Gerechtigkeit hei\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Hoffnung auf die Orchestrierung Gottes\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Halten, auch an Haltungen festhalten, um zu gemeinsamen L\u00f6sungen zu kommen &#8211; das braucht Kraft, ja, und noch mehr: Intuition. Einf\u00fchlung. Musik entsteht nicht allein dadurch, dass vorgegebene Noten richtig gespielt werden. Sondern dass ein Klanghaus entsteht, in dem viele wohnen k\u00f6nnen \u2013 mit ihrem je eigenen Akzent und ihrer eigenen Klangfarbe. Diplomatie hei\u00dft so eine Klangfarbe. Aufrichtigkeit. Achtung. Kompromissliebe. Fair play, das Tore macht!<br \/>By the way \u2013 was ist das f\u00fcr eine EM, in der in einem riesigen orangenen Fanmeer gesungen und getanzt wird \u2013 und zwar schon vor dem Spiel! Direkt neben der Jan-Fedder-Promenade&#8230;.Ganz Deutschland bebt vor Begeisterung. Und Freundschaft. Ein einziges Lob auf die Freude mitzuspielen, nicht nur mit den Beinen, sondern mit dem Herzen, ob orange, blau, rot oder pink\u2026<\/p>\n<p>Einigkeit und Recht und Vielfalt \u2013 es lebe die Hymne auf das Wir. Darum geht es doch letztlich in unser aller Bem\u00fchen: zu einem neuen Wir zu kommen. Danke, dass Sie als Politiker*innen daf\u00fcr mit Verantwortung \u00fcbernehmen. Alles andere als selbstverst\u00e4ndlich, dass Sie Ihre politischen Standpunkte immer wieder zur Disposition stellen und daf\u00fcr \u00f6ffentliche Angriffe in Kauf nehmen. T\u00e4tliche Angriffe sogar, die schlicht inakzeptabel sind und aufs Sch\u00e4rfste zu verurteilen.\u00a0<\/p>\n<p>Bleiben Sie, bleiben wir trotzdem dran! An diesem neuen Wir, f\u00fcr das in den letzten Monaten in ganz Deutschland Millionen auf die Stra\u00dfe gegangen sind, auf Elb-Promenaden, Siegess\u00e4ulenpl\u00e4tze und Dorfstra\u00dfen, um jeder Gewalt und jedem Rechtsextremismus in unserem Land ein klares Stoppschild entgegenzusetzen. Millionen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger mit den unterschiedlichsten Herk\u00fcnften, Gedankenwelten, Glaubensbekenntnissen, Heimatsprachen singen gemeinsam das Lied: Wir sind mehr. Als Kirche geh\u00f6ren wir hier hinein. Mittenmang. Getragen von Hoffnung, die eben nicht zuletzt stirbt, sondern die zuallererst lebt. Hoffnung, die unbeirrt dem Leben die Hand hinh\u00e4lt \u2013 so wie es eben ist \u2013 mittendrin in einer Welt, die trotz allem Gottes Welt ist und bleibt. Die in Gottes Rhythmus einf\u00e4llt \u2013 auch wenn wir uns zu oft von allzu menschlichen Gegenrhythmen irritieren lassen. Von Gott orchestriert, das l\u00e4sst uns Hoffnungslieder singen: Unverzagt zuversichtlich. Lobe den Herren.<br \/>\u00a0<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gilt das gesprochene Wort Vielstimmige Verbundenheit \u2013 Impressionen vom Posaunentag Was f\u00fcr ein wunderbarer Gesang! 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