{"id":7162,"date":"2024-09-04T19:25:41","date_gmt":"2024-09-04T19:25:41","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/09\/04\/zum-tod-des-theologen-prof-dr-paolo-ricca\/"},"modified":"2024-09-04T19:25:41","modified_gmt":"2024-09-04T19:25:41","slug":"zum-tod-des-theologen-prof-dr-paolo-ricca","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/09\/04\/zum-tod-des-theologen-prof-dr-paolo-ricca\/","title":{"rendered":"Zum Tod des Theologen Prof. Dr. Paolo Ricca"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.elk-wue.de\/\" \/><\/p>\n<div id=\"c52410\">\n<header>\n<h2 class=\"b_is-headline\">\u201eKirche ist nicht Selbstzweck, sondern hat mit aller Leidenschaft Gott zu dienen\u201c: Zum Tod des Theologen Prof. Dr. Paolo Ricca <\/h2>\n<h3>Ein Nachruf von Pr\u00e4latin Gabriele Wulz (Ulm)<\/h3>\n<\/header>\n<p>Stuttgart\/Ulm. Am 14. August 2024 verstarb in Rom der bedeutende waldensische Theologe Prof. Dr. Paolo Ricca im Alter von 88 Jahren. Ricca gab auch der w\u00fcrttembergischen Landeskirche wichtige Impulse. Die Ulmer Regionalbisch\u00f6fin Gabriele Wulz nennt ihn in ihrem Nachruf einen \u201echarismatischen Lehrer der Kirche\u201c. Er habe daran erinnert, dass die Reformation \u201enicht eine Reform der Kirche im Sinn hatte, sondern auf nichts weniger als auf die Neubegr\u00fcndung der Kirche zielte. \u201aDas Leben der Kirche mit Substanz f\u00fcllen\u2018 \u2013 das bedeutet nach Paolo Ricca, die Kirche wieder mit dem Wort Gottes, mit dem Evangelium zu f\u00fcllen.\u201c Auf die Frage, was evangelisch sei, habe er geantwortet, evangelisch sei es, \u201edie Menschlichkeit Jesu so zu bezeugen, dass der s\u00e4kularisierte Mensch seine wahre und vielfach vergessene, ja immer wieder zertretene Menschlichkeit in ihm wieder finden kann, (\u2026). Evangelisch ist, in die Fu\u00dfstapfen der Menschlichkeit Jesu zu treten.\u201c<\/p>\n<p>Im Folgenden finden Sie den Volltext des Nachrufs von Gabriele Wulz, Pr\u00e4latin von Ulm und Vorsitzende des Gustav-Adolf-Werks in W\u00fcrttemberg, das weltweit in enger Beziehung zu evangelischen Minderheiten steht und Projekte f\u00f6rdert:<\/p>\n<p>\u201ePaolo Ricca schien nie m\u00fcde zu werden. Noch im hohen Alter konnte man ihn f\u00fcr Vortr\u00e4ge und Predigten gewinnen. Auch in W\u00fcrttemberg. Unvergesslich ist die Leidenschaft seiner Rede. Was er sagte, kam von Herzen. \u201aEs gibt noch eine Hoffnung f\u00fcr Rom\u2018 \u2013 mit dieser klaren Ansage er\u00f6ffnete er zum Reformationsfest im Ulmer M\u00fcnster im Jahr 2007 seine Predigt zu R\u00f6m 1, 16f. Kein Wunder also, dass die Nachricht von seinem Tod am 14. August 2024 nicht nur in Rom und Italien, sondern auch hierzulande Betroffenheit und Trauer ausgel\u00f6st hat.<\/p>\n<p>Der Tod von Paolo Ricca ist Anlass, auf das Leben dieses charismatischen Lehrers der Kirche und Pfarrers der Waldenserkirche zur\u00fcckzublicken. Dankbar erinnern wir uns an einen Menschen, der uns einsch\u00e4rfte, dass die reformatorische Bewegung, zu der auch seine Heimatkirche, die Kirche der Waldenser, geh\u00f6rte, nicht eine Reform der Kirche im Sinn hatte, sondern auf nichts weniger als auf die Neubegr\u00fcndung der Kirche zielte. \u201aDas Leben der Kirche mit Substanz f\u00fcllen\u2018 \u2013 das bedeutet nach Paolo Ricca, die Kirche wieder mit dem Wort Gottes, mit dem Evangelium zu f\u00fcllen. Denn Kirche ist nicht Selbstzweck, sondern hat mit aller Leidenschaft Gott zu dienen.<\/p>\n<p>Die innere Verunsicherung \u00fcber die eigene Sache besch\u00e4ftigte Paolo Ricca und er sah sie als Ursache der Krise der Kirche. \u201aAls ob evangelisch sein \u00fcberholt, veraltet oder zwecklos w\u00e4re\u2018, sagte er in einem Interview aus dem Jahr 2012 aus Anlass seines Hauptvortrags vor der w\u00fcrttembergischen Landessynode in Balingen. Begegnen k\u00f6nne man dieser Verunsicherung, dieser \u201ageistlichen Krankheit\u2018, nur im Gebet. Denn Beten bedeute \u201aKonzentration auf Gott. Er gibt uns Sicherheit und Halt. Wenn man nicht fest auf ihn baut, wackelt alles\u2018.<\/p>\n<p>Hellsichtig und pr\u00e4zise beschrieb Paolo Ricca die Ph\u00e4nomene der S\u00e4kularisierung als eine Weltanschauung, \u201awo Gott keinen Platz findet, weil der Mensch den ganzen Raum in Anspruch nimmt\u2018. Mutig und entschlossen stellte er sich der Religionskritik der Moderne. \u201aWas ist evangelisch?\u2018, fragte er und gab als Antwort, die weiterhin des Nachdenkens und Meditierens wert ist: \u201aEvangelisch ist, die Menschlichkeit Jesu so zu bezeugen, dass der s\u00e4kularisierte Mensch seine wahre und vielfach vergessene, ja immer wieder zertretene Menschlichkeit in ihm wieder finden kann, \u2026 Evangelisch ist, in die Fu\u00dfstapfen der Menschlichkeit Jesu zu treten.\u2018<\/p>\n<p>Als einer der Autoren der Leuenberger Konkordie hat Paolo Ricca ma\u00dfgeblich zur Selbstverst\u00e4ndigung des Protestantismus beigetragen und die innerevangelische \u00d6kumene vorangebracht. Das Stichwort von der \u201avers\u00f6hnten Verschiedenheit\u2018, die Unterschiede aushalten kann, weil sie im Gebet und im H\u00f6ren auf Gottes Wort ihren Grund hat, ist bis heute leitend. In unserer Zeit der zugespitzten Identit\u00e4tsdebatten ist und bleibt Leuenberg ein wichtiges Korrektiv!<\/p>\n<p>Paolo Ricca wurde am 19. Januar 1936 in Torre Pellice (Italien) geboren. Nach dem Abitur in Florenz studierte er Theologie an der Theologischen Fakult\u00e4t der Waldenser in Rom, in den USA und in Basel. In Basel wurde er mit einer Arbeit \u00fcber die Lehre von der Endzeit im Johannes-Evangeliums promoviert. Er lehrte an der Fakult\u00e4t der Waldenserkirche, war 15 Jahre lang Mitglied in der Kommission f\u00fcr Glauben und Kirchenverfassung des \u00d6kumenischen Rats der Kirchen in Genf. Zwei Amtszeiten lang war er Pr\u00e4sident der Bibelgesellschaft in Italien und machte sich als Herausgeber von Luthers Werken in italienischer Sprache verdient.<\/p>\n<p>Wir danken Gott f\u00fcr das Geschenk und die Botschaft, die er uns mit Paolo Ricca anvertraut hat. Die protestantische Welt trauert um einen gro\u00dfen Theologen und Lehrer. Wir werden ihn vermissen.\u201c<\/p>\n<p>Dan Peter<\/p>\n<p>Sprecher der Landeskirche<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Hinweis<\/strong>: Der Text von Pr\u00e4latin Gabriele Wulz erscheint in der Ausgabe 35\/2024 des Evangelischen Gemeindeblatts f\u00fcr W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKirche ist nicht Selbstzweck, sondern hat mit aller Leidenschaft Gott zu dienen\u201c: Zum Tod des Theologen Prof. Dr. Paolo Ricca<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7162"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7162"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7162\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}