{"id":7278,"date":"2024-10-02T14:49:33","date_gmt":"2024-10-02T14:49:33","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/10\/02\/jedes-fuenfte-brot-landet-in-der-tonne-ekd\/"},"modified":"2024-10-02T14:49:35","modified_gmt":"2024-10-02T14:49:35","slug":"jedes-fuenfte-brot-landet-in-der-tonne-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/10\/02\/jedes-fuenfte-brot-landet-in-der-tonne-ekd\/","title":{"rendered":"Jedes f\u00fcnfte Brot landet in der Tonne \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><em>epd: Herr Ritter, wie gro\u00df ist das Problem der Lebensmittelverschwendung aktuell?<\/em><\/p>\n<p>Guido Ritter: Hierzulande werden in den privaten Haushalten j\u00e4hrlich pro Kopf 79 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen, die man noch essen kann. Das sind 60 Prozent dessen, was in der ganzen Kette von der Produktion bis zum Endverbraucher verloren geht. Im Handel sind es in der Summe f\u00fcnf bis sieben Prozent. Aufgrund der \u00dcberproduktion werden etwa 14 Prozent der Lebensmittel in der Verarbeitung verschwendet, falls der Handel die Ware nicht annimmt oder Fehler in der Produktion die Ware nicht verkehrsf\u00e4hig machen. Ein anderer gro\u00dfer Anteil liegt in der Au\u00dfer-Haus-Verpflegung mit ungef\u00e4hr 17 Prozent. Wir gehen immer \u00f6fter in Kantinen oder Mensen essen.<\/p>\n<p>Wir haben eigentlich genug Energie und Kilokalorien in Form von Lebensmitteln auf dem Planeten, um alle satt werden zu lassen. Trotzdem haben wir rund 800 Millionen Menschen, die hungern und 1,5 Milliarden Menschen, die \u00fcbergewichtig sind. Diese Schere, die hier auseinandergeht, hat auch viel mit Lebensmittelverschwendung zu tun. Durch eine bessere Logistik und eine bessere Verteilung k\u00f6nnen wir es schaffen, dass alle satt werden. Dazu geh\u00f6rt auch, dass wir Lebensmittel wertsch\u00e4tzen und nicht wegwerfen.<\/p>\n<p><em>epd: Tr\u00e4gt der Handel durch seine Vermarktung der Lebensmittel auch zur Verschwendung bei?<\/em><\/p>\n<p>Ritter: Auch wenn der Handel nicht der Ort ist, wo die meisten Lebensmittel verschwendet werden, kommt ihm dennoch eine besondere Verantwortung zu. Im Einzelhandel findet der Abgleich von Angebot und Nachfrage statt. Mit der permanenten Verf\u00fcgbarkeit und Angeboten, die zu mehr Konsum verleiten, wird ein \u00dcberfluss in den Haushalten geschaffen.<\/p>\n<p><em>epd: Was wird denn besonders h\u00e4ufig weggeschmissen?<\/em><\/p>\n<p>Ritter: In Deutschland werden am h\u00e4ufigsten Obst und Gem\u00fcse weggeworfen. Das sind Lebensmittel, die nur eine begrenzte Haltbarkeit haben, die wir h\u00e4ufig nicht gut lagern zu Hause und die schnell verderben. Am zweith\u00e4ufigsten wird Brot entsorgt. Es wird meist noch superfrisch innerhalb von ein, zwei Tagen als Altbrot gehandelt. Jedes f\u00fcnfte Brot landet leider in Deutschland in der Tonne.<\/p>\n<p><em>epd: Was sind die Ursachen f\u00fcr diese Verschwendung?<\/em><\/p>\n<p>Ritter: Hier in Deutschland wie auch in anderen Industriel\u00e4ndern liegt es am \u00dcberfluss. Unglaublich viele Lebensmittel sind permanent verf\u00fcgbar. Und zwar zu Preisen, die eigentlich nicht wertsch\u00e4tzen, was wir da essen.<br \/>Auf der anderen Seite haben wir hier in Deutschland Menschen, die sich nicht gut und gesund ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Mit der Tafel wurde eine zweite Linie aufgemacht, wo \u00dcberfluss-Lebensmittel dann hineinwandern.<br \/>Fr\u00fcher war es in Italien so, dass ein Brot, das auf den Boden gefallen war, gek\u00fcsst und gegessen wurde. Die Symbolik, die in diesem Bild steckt, bringt uns fast die Tr\u00e4nen in die Augen, weil da etwas Wertsch\u00e4tzendes drinsteckt. W\u00e4hrend wir teilweise Lebensmittel noch unge\u00f6ffnet mit der Verpackung wegwerfen.<\/p>\n<p><em>epd: Was k\u00f6nnen Verbraucherinnen und Verbraucher tun?<\/em><\/p>\n<p>Ritter: Lebensmittelabfall vermeiden f\u00e4ngt zu Hause bei der Planung des Einkaufs an, um dann im Supermarkt nur das zu kaufen, was man tats\u00e4chlich auch kaufen m\u00f6chte. Und dann ist zu Hause die richtige Lagerung wichtig. Lebensmittel sollten so gelagert werden, dass sie lange verzehrf\u00e4hig bleiben. Da helfen K\u00fchlung und trockene Lagerung. Die meisten Lebensmittel, die wir bei uns zu Hause haben, sind deutlich l\u00e4nger genie\u00dfbar, als das, was als Mindesthaltbarkeitsdatum auf den Verpackungen steht. Mehl, Reis, Essig, Gew\u00fcrze und Kaffee zum Beispiel k\u00f6nnen sehr deutlich \u00fcber dieses Datum hinaus verzehrt werden. Anders ist es bei Produkten mit Verbrauchsdatum, die nach dem Ablauf nicht mehr gegessen werden d\u00fcrfen, wie Hackfleisch, Fisch und vorgeschnittener Salat.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist es wichtig, schon bei den Kindern anzusetzen und ihnen beim gemeinsamen Kochen und dem gemeinsamen Essen zu Hause, in der Kindertagesst\u00e4tte und in der Schule den Wert von Essen und Ern\u00e4hrung zu vermitteln. Das bedeutet, dass sie lernen, wo die Lebensmittel herkommen, was man damit machen kann und auch, wie man mit Resten umgeht.<\/p>\n<p><em>epd: Haben Sie weitere Tipps?<\/em><\/p>\n<p>Ritter: Mein Tipp ist, grunds\u00e4tzlich nur die Mengen einzukaufen, die man verbrauchen kann. Im K\u00fchlschrank hilft jedes Grad, das man mit der K\u00fchlung heruntergeht. Es gibt einige Obstsorten, die man nicht miteinander oder zusammen mit anderem Obst und Gem\u00fcse lagern sollte. Hier spielen vor allem Bananen und \u00c4pfel eine Rolle, die ein Reifungsgas entwickeln.<\/p>\n<p>Brot kann man portionsweise einfrieren, denn gerade im Sommer ist die Lagerung des Brotes bei Raumtemperatur in der hei\u00dfen Periode nicht optimal. Wenn man Lebensmittelreste einfriert, sollte man sie gut kennzeichnen, damit man sp\u00e4ter erkennen kann, was in der Dose ist und wann es eingefroren wurde.<\/p>\n<p><em>epd: Was k\u00f6nnte sich auf Gesetzesebene tun?<\/em><\/p>\n<p>Ritter: Der Gesetzgeber k\u00f6nnte etwas mehr Klarheit schaffen und es vereinfachen, dass \u00fcbrig gebliebene Lebensmittel weiter genutzt werden k\u00f6nnen. Zum Beispiel, dass die Tafeln ohne gro\u00dfe Probleme gespendete Lebensmittel sammeln k\u00f6nnen. Er k\u00f6nnte es vereinfachen, dass man ins Restaurant eine Dose mitnehmen kann, um sich die Reste einpacken zu lassen.<\/p>\n<p>Vom Gesetzgeber k\u00f6nnen auch Rahmenbedingungen gesetzt werden, die helfen, dass wir gesellschaftlich nicht so viel wegwerfen. Aber es hat sich gezeigt, dass das Verbraucherverhalten und das Verhalten der einzelnen Akteure in der Kette noch viel wichtiger sind als die gesetzlichen Rahmenbedingungen.<\/p>\n<p><em>epd: Was zeigt der Blick ins Ausland? Gibt es dort weniger Lebensmittelverschwendung?<\/em><\/p>\n<p>Ritter: Es ist schwierig, gute Beispiel zu finden, weil alle Industriel\u00e4nder in Europa und Nordamerika damit zu k\u00e4mpfen haben, dass zu viele Lebensmittel zu billig sind, nicht wertgesch\u00e4tzt werden und dann in der Tonne landen.<\/p>\n<p>In Frankreich gibt es eine Vereinfachung der Lebensmittelspende. Es gibt dort eine Zwangsverpflichtung f\u00fcr die H\u00e4ndler, \u00fcbersch\u00fcssige Lebensmittel an Tafeln oder \u00e4hnliche Einrichtungen abgeben zu m\u00fcssen. Das hat aber dazu gef\u00fchrt, dass es zu viel Lebensmittelabfall bei den Tafeln gegeben hat.<\/p>\n<p>Wir sehen in Europa gesetzgeberisch nicht so gute Beispiele. Insgesamt will die EU die Lebensmittelabf\u00e4lle bis 2030 um die H\u00e4lfte reduzieren. Ich sehe dieses Ziel im Moment aber schwinden. Bis 2030 werden wir das wohl nicht schaffen.<br \/>\u00a0<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>epd: Herr Ritter, wie gro\u00df ist das Problem der Lebensmittelverschwendung aktuell? Guido Ritter: Hierzulande werden in den privaten Haushalten j\u00e4hrlich<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7279,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7278"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7278"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7278\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7280,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7278\/revisions\/7280"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7278"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7278"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7278"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}