{"id":7327,"date":"2024-10-15T19:35:24","date_gmt":"2024-10-15T19:35:24","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/10\/15\/kirsten-fehrs-zum-schutz-der-menschenrechte-und-aufarbeitung-sexualisierter-gewalt-ekd\/"},"modified":"2024-10-15T19:35:26","modified_gmt":"2024-10-15T19:35:26","slug":"kirsten-fehrs-zum-schutz-der-menschenrechte-und-aufarbeitung-sexualisierter-gewalt-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/10\/15\/kirsten-fehrs-zum-schutz-der-menschenrechte-und-aufarbeitung-sexualisierter-gewalt-ekd\/","title":{"rendered":"Kirsten Fehrs zum Schutz der Menschenrechte und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div>\n<p><strong>Im Januar haben Sie bei der Vorstellung der ForuM-Studie zu sexualisierter Gewalt in der EKD und Diakonie angek\u00fcndigt, dass Sie Verantwortung \u00fcbernehmen. Was ist bisher passiert?<\/strong><\/p>\n<p>Die Studie hat viele Punkte best\u00e4tigt, an denen bereits unter permanenter Mitwirkung von Betroffenen aus Kirche und Diakonie gearbeitet wurde, wie etwa an der Anpassung der Anerkennungsleistungen, \u00c4nderungen im Disziplinarrecht oder dem Aufbau eines Netzwerks f\u00fcr Betroffene, das just online gegangen ist. Alle Landeskirchen haben die Ergebnisse der Studie zum Beispiel auf ihren Landessynoden aufgenommen und bearbeitet. Im Beteiligungsforum, dem Ort, an dem Betroffene sowie Kirchenvertreterinnen und -vertreter gemeinsam beraten, wurde ein Ma\u00dfnahmenplan entwickelt, der die 46 Empfehlungen der ForuM-Studie aufnimmt und der im November bei der Synode vorgestellt wird.<\/p>\n<p><strong>In der Ahrensburger Studie von 2014 hie\u00df es bereits, dass Betroffene sexualisierter Gewalt, die Vorw\u00fcrfe gegen die Kirche erheben, oft als Querulanten oder Nestbeschmutzer abgewertet werden. Zehn Jahre sp\u00e4ter kommt die ForuM-Studie zu einem \u00e4hnlichen Ergebnis. Warum hat die ForuM-Studie dennoch bei einigen Abwehrreaktionen ausgel\u00f6st?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe keine abwehrenden Reflexe nach der Ver\u00f6ffentlichung der ForuM-Studie bemerkt, gerade dort nicht, wo man sich schon intensiv mit dem Thema befasst hat. Im Gegenteil. So hat die Ahrensburger Studie ja nachhaltig etwas ver\u00e4ndert. In der Nordkirche hat uns das Gutachten 2014 zur Entwicklung des ersten Pr\u00e4ventionsgesetzes gef\u00fchrt. Das mag formal klingen, bedeutet aber, dass jede Gemeinde sich etwa in ihren Schutzkonzepten mit gef\u00e4hrdenden Faktoren im direkten Umfeld auseinandersetzen muss.<\/p>\n<p><strong>Ist das Thema wirklich in jeder Gemeinde angekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich behaupte schon, dass seit L\u00e4ngerem ein Bewusstseinswandel stattfindet und es eine h\u00f6here Sensibilisierung gibt. Auch wenn das noch nicht \u00fcberall gleich stark ausgepr\u00e4gt ist. Wir k\u00f6nnen nie ausschlie\u00dfen, dass sexualisierte Gewalt noch geschieht, aber insgesamt ist die Kulturver\u00e4nderung in Gang gebracht. Es braucht einfach seine Zeit, bis alle Pastorinnen und Pastoren und Ehren- wie Hauptamtliche geschult sind und Schutzkonzepte fl\u00e4chendeckend greifen.<\/p>\n<p><strong>Ein weiterer Befund der ForuM-Studie war, dass F\u00e4lle sexualisierter Gewalt oft historisiert werden, also der Eindruck erweckt wird, die F\u00e4lle l\u00e4gen alle in der Vergangenheit. Wie stehen Sie dazu?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Historisierung, die zur Relativierung des Leids f\u00fchrt, darf keinesfalls sein. Das ist ganz klar. Zugleich bleibt zu fragen, ob der Zeitpunkt der Taten gar keine Rolle spielt. Von den 511 beschuldigten Pfarrern und Kirchenbeamten in der Studie wurden 500 vor dem Jahr 2000 ordiniert. Solch eine historische Einordnung kann auch ein Hinweis darauf sein, dass sich in einer Institution etwas ver\u00e4ndert hat. Dazu k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise der steigende Frauenanteil im Pfarramt beigetragen haben.<\/p>\n<p><strong>Die Richtlinie, die EKD-weit Anerkennungsleistungen f\u00fcr Betroffene vereinheitlichen soll, wird nun anders als angek\u00fcndigt nicht zur Synode fertig. Die 20 Landeskirchen sollen bis Ende November jetzt noch einmal Stellung nehmen, obwohl sowohl der EKD-Rat als auch die Kirchenkonferenz die Richtlinie bereits gebilligt haben &#8211; warum?<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst: Die Anerkennungsrichtlinie muss nicht von der Synode verabschiedet werden. Das Stellungnahmeverfahren ist das \u00fcbliche Verfahren, das sicherstellen soll, dass die Richtlinie unter bewusster und ausdr\u00fccklicher Zustimmung in den Landeskirchen und der Diakonie mit einheitlichen Standards umgesetzt wird. Darauf wird es am Ende ankommen. Denn wir leisten hier als evangelische Kirche mit einem solchen Standard eine Pionierarbeit.<\/p>\n<p><strong>Haben die Landeskirchen ein Vetorecht?<\/strong><\/p>\n<p>Es geht hier nicht um ein Veto. Die Landeskirchen k\u00f6nnen Vorschl\u00e4ge machen, um einzelne Aspekte nachzubessern. Aber das grunds\u00e4tzliche Einvernehmen besteht ja. Es wird bei einer individuellen Leistung bleiben, zu der eine pauschale Leistung kommt, wenn es sich nach heutiger Rechtslage um strafrechtlich relevante Taten handelt. Dabei wird es sich um eine fest definierte Summe handeln, die im Beteiligungsforum zwischen allen Beteiligten lange verhandelt wurde.<\/p>\n<p><strong>Wie hoch wird diese Summe sein?<\/strong><\/p>\n<p>Das wird Gegenstand des Berichts aus dem Beteiligungsforum auf der Synode sein. Dem m\u00f6chte ich nicht vorgreifen.<\/p>\n<p><strong>Aber die Landeskirchen k\u00f6nnen durch das Stellungnahmeverfahren die Summe nicht noch \u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n<p>Das sehe ich nicht. Die Summe orientiert sich unter anderem an der aktuellen Rechtsprechung. Sie ist nicht einfach aus der Luft gegriffen.<\/p>\n<p><strong>Wann tritt die Richtlinie in Kraft?<\/strong><\/p>\n<p>Die R\u00fcckmeldungen, die aus Diakonie und den Landeskirchen im Stellungnahmeverfahren kommen, werden anschlie\u00dfend im Beteiligungsforum beraten, bis dort Einvernehmen besteht. Danach wird der Rat der EKD die Richtlinie m\u00f6glichst schon im Fr\u00fchjahr in Kraft setzen.<\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Januar haben Sie bei der Vorstellung der ForuM-Studie zu sexualisierter Gewalt in der EKD und Diakonie angek\u00fcndigt, dass Sie<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7328,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7327"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7327"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7327\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7329,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7327\/revisions\/7329"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7328"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}