{"id":7445,"date":"2024-11-11T11:11:58","date_gmt":"2024-11-11T11:11:58","guid":{"rendered":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/11\/11\/grusswort-von-bischof-dr-georg-baetzing-vorsitzender-der-deutschen-bischofskonferenz-ekd\/"},"modified":"2024-11-11T11:12:00","modified_gmt":"2024-11-11T11:12:00","slug":"grusswort-von-bischof-dr-georg-baetzing-vorsitzender-der-deutschen-bischofskonferenz-ekd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/2024\/11\/11\/grusswort-von-bischof-dr-georg-baetzing-vorsitzender-der-deutschen-bischofskonferenz-ekd\/","title":{"rendered":"Gru\u00dfwort von Bischof Dr. Georg B\u00e4tzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz \u2013 EKD"},"content":{"rendered":"<p> <br \/>\n<\/p>\n<div id=\"\">\n<p><em>&#8211; Es gilt das gesprochene Wort &#8211;<\/em><\/p>\n<p>Sehr geehrte Pr\u00e4ses der Synode der EKD, liebe Schwester Heinrich, sehr geehrter Pr\u00e4sident der Generalsynode der VELKD, lieber Bruder Kannengie\u00dfer, sehr geehrte Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, liebe Schwester Fehrs, verehrte Synodale, sehr geehrte Damen und Herren!<\/p>\n<p>\u201eWir wichen aus, dein Wort h\u00e4lt stand\u201c \u2013 so beginnt eines der sch\u00f6nsten Lieder zur Heilig-Rock-Wallfahrt, zu der das Bistum Trier in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden einl\u00e4dt. Vielleicht haben Sie in den zitierten Eingangsworten bereits den Liedtext erkannt, den der damalige Pr\u00e4ses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Peter Beier, f\u00fcr die Heilig-Rock-Wallfahrt 1996 verfasst hat. Er war der Einladung des Trierer Bischofs Herrmann Josef Spital an die Rheinische Landeskirche zur Beteiligung an dieser Wallfahrt gefolgt, und dies trotz einer an Deutlichkeit nicht zu \u00fcberbietenden Kritik Martin Luthers am mittelalterlichen Wallfahrtswesen und speziell der Heilig-Rock-Reliquie. Kritische Stimmen blieben nicht aus; manchem erschien die Zusage geradezu als Verrat an Luther und der Reformation. \u00c4hnlichen Widerspruch gab es, als bei der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 die Rheinische Landeskirche mit Pr\u00e4ses Nikolaus Schneider die Einladung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann zu einer erneuten Beteiligung annahm.<\/p>\n<p>Was machte die positive Antwort von evangelischer Seite m\u00f6glich? Davon zeugt in dichterischer Weise das Wallfahrtslied von Pr\u00e4ses Beier. \u201eWir\u201c \u2013 und damit unterschiedslos katholische und evangelische Christinnen und Christen \u2013 wichen aus, wir waren untreu und folgten Christus nicht. Aber sein Wort h\u00e4lt\u00a0stand, bleibt zuverl\u00e4ssige Wegweisung und lebensschaffende Orientierung. Damit ist das Entscheidende \u00fcber die Beziehung zwischen Gott und Mensch gesagt, das die Rechtfertigungslehre im \u201esola gratia\u201c festh\u00e4lt. Christus \u201esetzt das Ma\u00df f\u00fcr Schritt und Tritt\u201c, so die zweite Liedstrophe, nur er. In der vierten und f\u00fcnften Strophe wird die Zerrissenheit der Christen beklagt. Hier kommt das unzerteilte Gewand Christi in den Blick, das seit alters her Symbol f\u00fcr die ungeteilte Christenheit ist. Doch menschliches Versagen und Streit haben die Einheit besch\u00e4digt. \u201eNoch w\u00fcrfeln wir um dein Gewand und rei\u00dfens doch in Teile\u201c, hei\u00dft es im Lied. Dabei gehen wir bereits alle an Christi Hand, k\u00f6nnen es aber manchmal nicht sehen. So richtet sich die Bitte an Christus, unsere Blindheit zu heilen und uns Streitende an sein Herz zu ziehen. Das Lied endet mit dem Ruf an Christus: \u201eH\u00f6r uns und sprich das Amen.\u201c Nicht wir sprechen das Amen; Gott vollendet alles in seiner Gnade. Er ist Anfang und Ende, sein Wort bleibt.<\/p>\n<p>Die in dem Lied zum Ausdruck kommende Christuszentrierung und der \u00f6kumenische Impuls des ungeteilten Gewandes Jesu waren die Br\u00fccken f\u00fcr evangelische Christinnen und Christen, eine der reformatorischen Tradition fremde Fr\u00f6mmigkeitsform zu teilen. Beide Akzente spiegeln sich in den Leitworten der Wallfahrt von 1996 \u201eMit Jesus Christus auf dem Weg\u201c und von 2012 \u201e&#8230; und f\u00fchre zusammen, was getrennt ist\u201c. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war die Heilig-Rock- Wallfahrt 2012, f\u00fcr die ich als Wallfahrtsleiter verantwortlich war, bislang eine der intensivsten \u00f6kumenischen Erfahrungen. Ich habe es als gro\u00dfe Bereicherung erlebt, in der Gemeinschaft von Gl\u00e4ubigen verschiedener Konfessionen mit Christus und zu ihm hin unterwegs zu sein und gemeinsam die theologische Bedeutung des ungeteilten Gewandes Christi zu erkunden. Ich habe hohen Respekt vor den protestantischen Geschwistern, dass sie sich darauf eingelassen und dazu beigetragen haben, uns katholischerseits auf das Wesentliche der Heilig-Rock-Verehrung zu besinnen und vielleicht auch Fehlformen zu korrigieren. Als Pr\u00e4ses Nikolaus Schneider 2012, damals auch Vorsitzender des Rates der EKD, die Einladung zur Heilig-Rock-Wallfahrt annahm, verband er damit die Hoffnung, dass die katholische Kirche in Deutschland sich umgekehrt an der Feier des 500-j\u00e4hrigen Reformationsjubil\u00e4ums beteiligt. Auch dort war es die Christuszentrierung, die es m\u00f6glich machte, 2017 mit Initiativen von EKD und Deutscher Bischofskonferenz, von Landeskirchen und Bist\u00fcmern, auf regionaler und lokaler Ebene, in \u00f6kumenisch bilateralen und multilateralen Zusammenh\u00e4ngen, ein gemeinsames Christusfest zu feiern.<\/p>\n<p>Die guten Erfahrungen treiben dazu an, mutig und entschieden den \u00f6kumenischen Weg weiterzugehen. \u201eEs bilde sich doch niemand ein, wir k\u00f6nnten auf getrennten Wegen das neue Jahrtausend bestehen\u201c \u2013 so m\u00f6chte ich noch einmal Pr\u00e4ses Beier zitieren, der 1996 diese prophetischen Worte in Trier gesprochen hat. Wir brauchen in zunehmend zerrissenen Gesellschaften, in einer von Gewalt und Krieg bedrohten Welt, angesichts todbringender Folgen des Klimawandels, in Zeiten des Mitgliederschwundes, von denen die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland gleicherma\u00dfen betroffen sind, die Weggemeinschaft von Christinnen und Christen aus verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften, um einander im Glauben zu best\u00e4rken und glaubw\u00fcrdig Zeugnis zu geben. Wie die Kirche, so ist auch ihre Einheit kein Selbstzweck. Wir sollen eins sein, \u201edamit die Welt glaubt\u201c, sagt das Johannesevangelium <em>(Joh 17,21)<\/em>. F\u00fcr diese Einheit ist das ungeteilte Gewand Jesu auch heute ein starkes Symbol. Unsere Zerrissenheit wird zutiefst auch dadurch sichtbar, dass wir bislang nicht gemeinsam Eucharistie und Abendmahl feiern k\u00f6nnen. Dialogdokumente wie Gemeinsam am Tisch des Herrn des \u00d6kumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen haben einen wichtigen Beitrag geleistet, indem sie den k\u00fcnftigen Weg spuren. Zudem bin ich \u00fcberzeugt, dass die von Papst Franziskus verfolgte Neujustierung von Primat, Kollegialit\u00e4t und Synodalit\u00e4t in der katholischen Kirche auch \u00f6kumenisch T\u00fcren \u00f6ffnen wird. Innerkatholisch wie \u00f6kumenisch wird entscheidend sein, dass wir Vielfalt nicht als Widerspruch zur Einheit, sondern als Gestalt der Einheit verstehen und leben lernen. Als ein gutes Zeichen habe ich in diesem Zusammenhang die starke und aktive \u00f6kumenische Beteiligung vieler christlicher Konfessionen und gerade der evangelischen Kirche bei der vor Kurzem zu Ende gegangenen Weltsynode in Rom erlebt. Wie wir uns hier als Christen verhalten, kann auch eine Strahlkraft auf die Gesellschaft und ihren Umgang mit Differenzen aus\u00fcben. Eine gute Orientierung f\u00fcr den \u00f6kumenischen Umgang mit Vielfalt gibt der gemeinsame Text von EKD und Deutscher Bischofskonferenz, der unter dem Titel <em>Mehr Sichtbarkeit in der Einheit und mehr Vers\u00f6hnung in der Verschiedenheit<\/em> im M\u00e4rz dieses Jahres ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>Gestatten Sie mir zum Schluss ein Wort des Dankes an den scheidenden Kirchenpr\u00e4sidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und Vorsitzenden der Union Evangelischer Kirchen, Dr. Volker Jung. Wir beide haben \u00fcber viele Jahre nicht nur auf Deutschlandebene und dort vor allem im Kontaktgespr\u00e4chskreis von Deutscher Bischofskonferenz und EKD eng zusammengearbeitet, sondern stehen auch in der sich \u00fcberschneidenden Region der EKHN und des Bistums Limburg in gemeinsamer \u00f6kumenischer Verantwortung. Wir haben dort, zusammen mit vielen anderen, einiges gemeistert und auf den Weg gebracht. Besonders denke ich an unsere intensive Kooperation angesichts der Herausforderungen in der Coronazeit und beim 3. \u00d6kumenischen Kirchentag. Lieber Volker, ich habe Dich als fest in der evangelischen Kirche beheimateten und zugleich \u00f6kumenisch offenen Menschen und Kirchenmann kennen und als Freund sch\u00e4tzen gelernt. F\u00fcr Dein gro\u00dfes \u00f6kumenisches Engagement und f\u00fcr unser vertrauensvolles Miteinander danke ich Dir heute von ganzem Herzen und w\u00fcnsche Dir\u00a0 Gottes Segen auf Deinem weiteren Lebensweg.<\/p>\n<p>Dem wiedergew\u00e4hlten Leitenden Geistlichen der VELKD, Landesbischof Ralf Meister und dem neuen Catholica-Beauftragten der VELKD und der EKD, Landesbischof Christian Kopp, gelten heute mein besonderer Gru\u00df und meine herzliche Gratulation. Ich w\u00fcnsche Ihnen beiden f\u00fcr die Wahrnehmung Ihrer \u00c4mter viel Freude und Gottes gutes Geleit.<\/p>\n<p>Verehrte Synodale! F\u00fcr die Synodenberatungen der kommenden Tage w\u00fcnsche ich Ihnen auch im Namen meiner Mitbr\u00fcder in der Bischofskonferenz, deren Gr\u00fc\u00dfe ich der Synode \u00fcbermitteln darf, Gottes Segen. F\u00fcr uns alle erhoffe und erbitte ich, dass Christus allein Ma\u00df unserer Schritte bleibt. In ihm sind wir schon eins.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde ich mich freuen, wenn wir nun in dieser Gewissheit gemeinsam in das von Pr\u00e4ses Beier verfasste Wallfahrts-Lied einstimmen: \u201eWir wichen aus, dein Wort h\u00e4lt stand.\u201c<\/p>\n<h3><em>Wir wichen aus, dein Wort h\u00e4lt stand<\/em><\/h3>\n<p><em>1) Wir wichen aus, dein Wort h\u00e4lt stand. Am Ende aller Wege sind wir uns selber unbekannt, wie Fremde fremd im eignen Land. Den Segen auf uns lege, den Segen auf uns lege. <\/em><\/p>\n<p><em>2) Bring uns zurecht und nimm uns mit vom Abend in den Morgen. Du setzt das Ma\u00df f\u00fcr Tritt und Schritt, h\u00e4ltst bei Dir fest, was uns entglitt, Wir brauchen nicht zu sorgen, wir brauchen nicht zu sorgen. <\/em><\/p>\n<p><em>4) Der Zwietracht deiner Christenheit setz deine Lieb entgegen, Herr Christ, und weh dem schlimmen Streit, zieh an dein Herz, was sich entzweit, so stehen wir im Segen, so stehen wir im Segen. <\/em><\/p>\n<p><em>5) Noch w\u00fcrfeln wir um dein Gewand und rei\u00dfens doch in Teile. Treib aus den Augen uns den Sand, wir gehen ja an deiner Hand, dein Tag, Herr, komm in Eile, dein Tag, Herr, komm in Eile. <\/em><\/p>\n<p><em>6) Wir ziehn hinauf zur Heilgen Stadt, schreib auf dein Kreuz die Namen. Brich uns das Brot, wir werden satt von allem, was dein Friede hat. H\u00f6r uns und sprich das Amen, h\u00f6r uns und sprich das Amen.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; Es gilt das gesprochene Wort &#8211; Sehr geehrte Pr\u00e4ses der Synode der EKD, liebe Schwester Heinrich, sehr geehrter Pr\u00e4sident<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7446,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7445"}],"collection":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7445"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7445\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7447,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7445\/revisions\/7447"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7446"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/krankenhauspfarramt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}